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Veröffentlicht am 2016-08-15 18:41:48 in /fb/

/fb/ 97414: Berufseinstieg nach Studium. Kann Bernd Empfehlungen...

andrewgurylev Avatar
andrewgurylev:#97414

Berufseinstieg nach Studium.

Kann Bernd Empfehlungen machen für den Berufseinstieg nach dem Studium?
- Das erstbeste nehmen und sich weiterhin nach besseren Alternativen umschauen?
- Lieber nochmal Work and Travel, sich selber finden, Ideen sammeln?
- Daheim rumharzen und nach dem besten Job ausschau halten?
- Lieber nochmal ins Ausland solange es noch geht, oder gleich fleißig Geld sparen und Haus bauen?
- Selbstständig machen?

Ich weiß, das sind nun alles sehr vage Fragen und im Endeffekt kommt es nur darauf an, was ich für Interessen habe. Meine Eltern waren beide auf der Beamten-FH und sind nun seit über 30 Jahren Beamte im gehobenen Dienst. Das wäre für mich kein Leben. Ich will schon nochmal raus. Gute Jobs gibt es für mich meistens nur über 500km entfernt, weil eben sehr spezielles MINT Studium. Und irgendwie hab ich schon wieder diese Vorstellung, dass ich dann wegen 2 Wochen Urlaub nach Hause fahre und meinen Eltern bei irgendwas helfen muss/soll und ich bin wieder nur auf der Straße unterwegs. Dann doch lieber gleich ins Ausland gehen und sich 2-3 Jahre am Arsch lecken lassen.

Kann Bernd irgendwas dazu sagen?

andina Avatar
andina:#97416

> und im Endeffekt kommt es nur darauf an, was ich für Interessen habe.
Verwöhntes Kind reicher Eltern detektiert. Für Bernd waren die Optionen limitiert, weil für Späße wie Ausland kein Geld da war.

Ansonsten:
> - Lieber nochmal Work and Travel, sich selber finden, Ideen sammeln?
Eher nicht. Probier doch einfach arbeiten aus und finde dich dabei selbst. Wenn es dir dann nicht gefällt kannst du immer noch ein Jahr Auszeit zur Selbstfindung nehmen. Oder einen Job im Ausland suchen etc. Generell nehmen deine Optionen eher zu als ab, weil meer Geld da ist.

> - Daheim rumharzen und nach dem besten Job ausschau halten?
Würde auf keinen Fall länger als 6-12 Monate einen Dschob suchen. Zum einen wird man träge und depressiv, zum anderen sieht das im Lebenslauf nicht so gut aus. Außerdem ist wenig Geld haben schlecht.

- Das erstbeste nehmen und sich weiterhin nach besseren Alternativen umschauen?
Ist natürlich eine schwere Abwägung - wie immer. Generell: Den Job hast du dann erstmal für ein paar Jahre. Wenn man nach einem Jahr schon kündigt kommt das nicht so gut, denn die Firma investiert ja in Einarbeitung etc. Das ist also nur eine Option für den Notfall (Chef entpuppt sich als totaler Psychopath, etc.). Dazu kommen Dinge wie Umzug, Aufbau eines Freundeskreises usw, die anstrengend sind. Wähle also einen Dschob bei dem du dir vorstellen kannst ihn ca. 3 Jahre zu machen.

Ansonsten hängt es auch davon ab wieviel Auswahl du hast. Wenn bei 30 Bewerbungen eine Zusage rauskommt, dann nimm die. Wenn bei den ersten 5 Bewerbungen 5 Zusagen kommen, aber keine passt kann Bernd ja nochmal 5 schreiben. Dieser Bernd hat das erste Angebot genommen, weil es gut wirkte (und auch ist) und es die einzige Zusage von 3 Bewerbungen war. Auf meer Bewerbungen hatte Bernd dann keine Lust und man weiß ja auch nie ob alles was besser klingt dann am Ende auch besser ist. Zusätzlich ist der aktuelle Dschob eine gute Grundlage von der Bernd sich weiterentwickeln kann. Vielleicht auch eine Faktor, der zu bedenken ist. Es gibt Dschobs, die sind eher Sackgassen und solche die sind eher Sprungbretter. Bei einem Sprungbrett kann man schneller zusagen als bei einer Sackgasse.

> - Selbstständig machen?
Würde Bernd erst nach einigen Jahren Berufserfahrung machen. Im Idealfall lernt man im Dschob ja auch noch Neues (z.B. Umgang mit Kunden, aktuelle Marktsituation, Planung, Durchführung, Kostenschätzung etc.). Dazu bietet eine Festanstellung Sicherheit. Wenn Bernd etwas falsch macht kommen seine Kollegen mit 10-20 Jahren Berufserfahrung und erklären ihm wie man es besser macht. Wenn Bernd selbständig wäre kommt im Idealfall der Kunde und im schlimmsten Fall der Insolvenzverwalter. Außerdem hat selbständig machen keine Hürde. Das kann man also in ein paar Jahren immer noch gut machen.

> - Lieber nochmal ins Ausland solange es noch geht, oder gleich fleißig Geld sparen und Haus bauen?
Kommt drauf an für wie lange und wieviel Geld Bernd hat. Was man nicht unterschätzen darf ist wie wenig Zeit man als Schaf hat. 3 Monate Ausland ist dann nicht einfach so mal drin. Mach also ruhig nochmal richtig Urlaub vorher - später wird das schwerer.

Generall: Alle Aussagen in diesem Pfosten mit Vorsicht genießen. Bernd ist auch erst seit einem Jahr im Dschob und hat sogesehen auch nicht viel Ahnung. Aber vielleicht hilft dir das ja trotzdem etwas.

ryanmclaughlin Avatar
ryanmclaughlin:#97417

>>97416
Warum denn gleich so sägend?

Bernd hat konkret noch die Möglichkeit im Ausland zu promovieren, finanziert durch ein Stipendium. Dabei werden zwar nur die Lebenshaltungskosten bezahlt, also umgerechnet in Deutschland wären das 1200€ netto, und man zahlt auch nicht in Rentenkassen etc. ein, aber ich sammle Auslandserfahrung, bin unabhängig und kann promovieren. Und mit PhD aus dem Ausland wäre die wissenschaftliche Karriere auch gleich viel einfacher.

Achherje, es ist alles so mühsam.

gretacastellana Avatar
gretacastellana:#97418

>>97417
Die Säge bezog sich auf Bernds eigenen Pfosten nicht auf den OP.

>>97417
> Und mit PhD aus dem Ausland wäre die wissenschaftliche Karriere auch gleich viel einfacher.
Karriere in der Wissenschaft will sehr gut überlegt sein. Oft sind die Verträge nur befristet, bis zur Professur ist der Weg sehr lang und steinig und wenn es nicht klappt ist man Mitte/Ende 30 und für die Industrie wenig zu gebrauchen. Gibt natürlich jede Menge Ausnahmen wie Chemie oder Medizin wo ein Dr.-Titel sein muss oder Maschinenbau wo man industrienah forschen kann. Und natürlich gibt es Leute für die das einfach der Lebenstraum ist und die lieber für 1k netto im Monat forschen als für das 3 fache normale Arbeit verrichten.

Wenn Bernd das machen will: ok. Aber man sollte sich das gut überlegen. Bernd kennt einige Leute, die es im Rückblick bereut haben und für die es sich nicht gelohnt hat. Andersrum kennt er wenige, die es bereut haben es *nicht* gemacht zu haben.

keyuri85 Avatar
keyuri85:#97433

PhD kann Spaß machen, ist für die Karriere aber weitgehend egal. Nichtmal bei Google arbeiten allzu viele PhDs (dafür aber erstaunlich viele Abbrecher).
Mag je nach Feld variieren, aber in Sachen IT ist der PhD karrieremäßig reine Zeitverschwendung, außer du bist wirklich exzellent sowie wahnsinnig ehrgeizig -- dann landest du bei X oder auch bei IBM in der Forschung.

Mach dir da aber keine Illusionen, die nehmen nur die absolute Elite, und auch die nur wenn sie Beziehungen hat.

Du überlegst doch nicht ernsthaft, an einer Uni in der Wissenschaft zu bleiben? Bist du bescheuert?

newbrushes Avatar
newbrushes:#97434

>>97414
> sich selber finden, Ideen sammeln?

Das ist die schuchteligste Dscheiße, die ich hier lesen muss.

So planlos kann man nicht sein und da wird einem auch kein Schafscheren in Neuseeland weiter helfen.

Im schlimmsten Fall gefällt dir noch das Schafscheren, du bleibst da und suchst dir keinen wirklichen Dschob.

hampusmalmberg Avatar
hampusmalmberg:#97440

>>97414
> Und irgendwie hab ich schon wieder diese Vorstellung, dass ich dann wegen 2 Wochen Urlaub nach Hause fahre und meinen Eltern bei irgendwas helfen muss/soll und ich bin wieder nur auf der Straße unterwegs. Dann doch lieber gleich ins Ausland gehen und sich 2-3 Jahre am Arsch lecken lassen.
Ganz ehrlich: Werd DRINGEND erwachsen. Wenn deine Eltern von dir verlangen dass du jedes zweite Wochenende 2 mal 500 km fährst wegen irgendeinem Müll dann ist jetzt der Zeitpunkt ihnen klar zu machen dass das nicht geht. Vor den Eltern flüchten macht man vielleicht mit 16. Mit über 20 sollte man genug Arsch in der Hose haben um ihnen klar zu machen dass man ein eigenes Leben hat und nicht die wertvolle Freizeit (man hat als Angestellter mit 40h Woche echt nicht viel davon) auf der Autobahn verschwenden wird.

Neuste Fäden in diesem Brett: