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Veröffentlicht am 2016-08-28 19:12:09 in /fb/

/fb/ 97618: Bernd es wird Zeit für mich mit dem Alkohol aufzuh...

ryandownie Avatar
ryandownie:#97618

Bernd es wird Zeit für mich mit dem Alkohol aufzuhören. Gibt es hier Ex-Säufer-Bernds, die mir ein paar Tipps geben können?

Also zur Zeit ist es so, dass ich fast-täglich etwa die Alkoholmenge von 4-5 Bier (entweder in Form von Bier, Wein oder Schnaps) trinke, mit gelegentlichen Ausschlägen nach oben.
Angefangen hat das vor etwa 4 Jahren, bin jetzt 23.

Saufe immer nur Abends. Gegen die Langeweile und inzwischen auch Gewohnheit, wenn ich nichts trinke, bekomme ich einen inneren Drang nach Alkohol. Körperliche Entzugserscheinungen habe ich aber nicht. Es fällt mir sogar relativ leicht mal eine Woche nichts zu trinken (wenn ich es mir vornehme), selbst Monate sind möglich, aber irgendwann erlaub ich mir dann doch wieder "1 Bier".

Die Dscheiße hat mich fett und lethargisch gemacht. Es kotzt mich nur noch an. Morgen hör ich auf!

mattsapii Avatar
mattsapii:#97621

Das ist noch nicht sehr viel, Bernd.
Höchstwahrscheinlich bist Du noch in einem Stadium, in dem Du es noch selbst sein lassen kannst.
Irgendwann ist das nichtmehr der Fall und es bleibt kein anderer Weg als in eine Klinik einzuchecken. Aber selbst das ist nicht schlimm und Du bräuchtest auch da überhaupt keine Angst davor zu haben. Die Leute dort wollen Dir helfen.
Du stehst an einem Punkt an dem Du entscheiden musst, ob Du weitersäufst und es immer mehr wird und Du dann dort eincheckst oder ob Du es jetzt noch selber schaffst.

Alles Gute bei der Entscheidungsfindung.

Dein Brent.

p_kosov Avatar
p_kosov:#97622

>>97618
Klingt, als wäre es bisher hauptsächlich Angewohnheit / Zwang was da an psychischer Abhängigkeit ist. Sprich wenn du es einfach mal ne Woche sein lassen kannst und es sich nur "irgendwie falsch" anfühlt ist das mit etwas Glück ja noch nix was du zum Glücklich sein brauchst sondern vielleicht nur wie Nägelbeißen ... dumme Angewohnheit die man bewusst überwinden muss.
Nur da du ein Bier ja da haben musst und dir eingießen hast du ja einen Punkt wo du es aktiv anpacken kannst. Würde bei Getränken zu einem Ersatz raten. Mach dir abends einen Tee und trink den. Schadet nicht und du trinkst was und hast damit die Hälfte von der Gewohnheit schon befriedigt. Die andere Hälfte wird dann sicher eher schwächer mit der Zeit.
Kannst auch was anderes nehmen, aber wahrscheinlich solltest du auch keine Getränke mit viel Zucker nehmen, sonst bekommst du die nächste nicht so gesunde Angewohnheit.

Im Zweifelsfall auch noch mal nen Arzt oder sogar Psychologen fragen ob er dir noch helfen kann.
Prinzipiell klingt "mal 1 Bier" nach etwas das nicht so wild ist, aber ich würde an deiner Stelle bei dem Beschluss "KEIN Bier" bleiben. Denn den kannst du jederzeit fest einhalten, während nach einem Bier dann "ach, mal ein zweites" schon viel leichter fällt.

sokaniwaal Avatar
sokaniwaal:#97623

Fasse >>97621 bitte nicht verharmlosend auf.
Es ist so wie es geschrieben steht.
Die Tatsache, dass Du noch so jung bist und noch nicht superviel säufst, ist zugleich ein Fluch und ein Segen.
Ein Segen, weil Du eben noch so jung bist und noch nicht so viel säufst, ein Fluch, weil Du Dir eben dieses immer selbst vor Augen führst und denkst, ach komm, einer geht noch, bin ja noch nicht am Limit.

Im Prinzip ist es recht einfach. Sauf einfach viel weniger.

samihah Avatar
samihah:#97624

>>97618
Seit fast genau einem Jahr trockener Säuferbernd der Kategorie "Gefährlicher Missbaruch" (>12 Bier bzw. >2 Schnaos jeden Tag über viele Jahre) hier, hör bitte auf bevor es zu spät ist. Du kannst mir gerne glauben dass es keinen Spaß macht, jeden Tag zombiemäßig zum Getränkemarkt zu kriechen um ein paar (als Zahl: 12) Konterbiere zu beschaffen und wochenlang in diesem Kreislauf festzuhängen.

Betrachte dein Saufverlangen ganz genau, sammle feste Argumente und kehre sie ins Gegenteilige um. Meer kann ich dir nicht empfehlen, da ich deine individuelle Situation nicht kenne, du müsstest es selbst am besten abschätzen können.
Mir hat es jedenfalls geholfen, eine radikale 180°-Wendung vorzunehmen und vom pennerhaften Säufer zum Oberspießer über Nacht zu mutieren. Nicht aus willensstrarkem Selbstvertrauen sondern als Akt der Verzeiflung, da eine unrelatierte Operation anberaumt war und Saufi zu recht unlustigen Kosequenzen geführt hätte.

Säufst du um müde zu werden? → Denke über harmlosere Schlaftabletten oder Neuroleptika (Seroquel schmeißt dir jeder Arzt hinterher) nach.
Brauchst du etwas auf der Zunge? → Kaufe alkoholfreie Getränke die dir schmecken und du sie sonst eher selten trinkst.
Abends Langeweile? → Lese Artikel/Comics/Geschichten oder schaue einen Film. Konsequent.

Das sind zumindest die Dinge, die mir am Anfang geholfen haben. Wenn man erstmal eine Weile in einer gesunden Routine ist, fällt das tägliche Gewohnheitsverlangen praktisch vollkommen weg. Und falls du dich fragst was mich nach einigen Monaten immernoch bei Laune gehalten hat, die >100NG die ich am Monatsende zu viel hatte.

>>97621
Entzugsklinik ist der größte Krebs. Man wird behandelt wie auf der Geschlossenen und nach zwei Nächten hat man nichts als Langeweile. Nach der Entlassung musste ich erstmal einen saufen, so scheint es vielen Patienten ergangen zu sein.

subburam Avatar
subburam:#97625

>>97624
Kommt auf die Klinik an.
Mach OP doch nicht von vorneherein Angst vor diesem Schritt. Das ist nicht sehr zielführend.
Bernd hier hat es sehr geholfen und er war sehr zufrieden.

mauriolg Avatar
mauriolg:#97626

>>97625
Ja, es kommt auf die Funktion der Klinik an. Akutstationen sind fast ausnahmslos immer Krebs, da sie nur dazu dienen am Rad drehende Leute zu parken. Wenn OP nicht gerade sterbend im Delirium liegt oder eine Psychose erleidet, dann hat er da nichts verloren. Therapiestationen sind natürlich was ganz Anderes, aber auch das hätte OP, wenn er behauptet problemlos auf Kommando nicht saufen zu können, nicht wirklich nötig. Zumindest ist seine Problematik nichts, was er mit etwas Feedback von vernünftigen Freunden oder eines guten "gewöhnlichen" Therapauten nicht beheben könnte.

Kopf hoch OP.

dhooyenga Avatar
dhooyenga:#97631

Laß dir hier nix ein- oder ausreden. Du bist quasi noch Unteralter, hast es eine ganze Weile übertrieben, und nun gemerkt, daß es dir nicht gut bekombt. Das haben andere schon wesentlich schneller hingekriegt. Aber es liegt nun an dir, wie du diese Erkenntnis nutzt.

Vom Aufhören kann ich aber nur abraten. Hat selbst mein Therapeut gesagt.

oskamaya Avatar
oskamaya:#97633

>Morgen hör ich auf!

Und warum nicht sofort? Nein, Bernd...das ist kein guter Anfang.

Und ich glaube, du brauchst Hilfe. Allein schaffst du das nicht.

lanceguyatt Avatar
lanceguyatt:#97634

Danke erst einmal für eure Qualitätsantworten, schön zu sehen, dass es so etwas noch auf KC gibt!

Kennt sich hier jemand mit Antabus und ähnlichen Medikamenten aus?
Ich trinke zu 99% alleine, aber gerade die sozialen Situationen sind es die mich wieder zum Alk bringen. Irgendwelche Familienfeiern, Geburtstage, etc. Ich bin sozial unbeholfen und habe, wenn ich ehrlich bin, nur mit Alkohol wirklich Spaß dabei. In der Vergangenheit habe ich, nach längeren Abstinenzphasen, oft wieder etwas getrunken in besagten sozialen Situationen und eine Woche später, war ich wieder jeden Tag am Saufen. Kontrolliertes Trinken ist für mich glaube ich einfach nicht mehr möglich. Jetzt überlege ich, ob ich mir in der Zwiebel Antabus besorge, welches ich dann zu solchen Angelegenheiten nehme um von vornherein klarzustellen, dass ich nicht saufen darf.
Bzw generell könnte ich einfach in einem schwachen Moment so eine Pille einwerfen und dann KANN ich einfach nichts trinken (ohne ernsthafte Komplikationen). Würde das natürlich auf die Anfangszeit begrenzen.

>>97624
Also alternative Beschäftigungen für die typischen Saufsituationen zu finden, werde ich mir mal zu Herzen nehmen. In der Vergangenheit habe ich das viel zu wenig gemacht, was dann dazu geführt hat, dass mir jeder Abende extrem lang und langweilig vorkam.

Und ich saufe in der Tat hin und wieder um überhaupt einpennen zu können. Wegen Schlafmittel muss ich mal schauen, bei meinen letzten Abstinenzversuchen hatte ich teilweise DPH, auch um meine typischen Saufzeiten zu umschiffen. Aber auf Dauer ist das natürlich alles andere als optimal. WIll jetzt auch kein Medikamenten-Junkie werden.


Klinik kommt für mich erst einmal nicht in Frage, aber falls ich dieses Mal scheitern sollte, werde ich mir sofort professionelle Hilfe holen.
Waren dann echt genug Versuche.

>>97623
>Ein Segen, weil Du eben noch so jung bist und noch nicht so viel säufst, ein Fluch, weil Du Dir eben dieses immer selbst vor Augen führst und denkst, ach komm, einer geht noch, bin ja noch nicht am Limit.

Das ist wirklich zu 100% wahr.


>>97633
>Und warum nicht sofort? Nein, Bernd...das ist kein guter Anfang.

Habe mich gestern (bis 0:00 Uhr) noch mal richtig abgeschossen. Ich weiß, nicht optimal. Aber ich meine es ernst Bernd, ich werde ab heute keinen Alkohol mehr trinken!

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#97636

Gehe in die Suchtberatung und besorge dir professionelle Hilfe. Gute Anlaufstelle ist die Diakonie oder das blaue Kreuz. Du solltest wissen warum du aufhören willst.
t.5JahretrockenerAlkoholiker

coreyhaggard Avatar
coreyhaggard:#97644

>>97636
Habe jetzt mal eine E-Mail an so eine Zwischennetz-Anonyme-Alkoholiker-Gruppe mit der Bitte um Einschreibung geschickt.

Der Verein ist mir zwar etwas suspekt, aber schaden wird es schon nicht. :3

freddetastic Avatar
freddetastic:#97646

>>97644
falls du Reddit magst kann ich noch https://www.reddit.com/r/stopdrinking/ empfehlen. Im Klebrig auf der rechten Seite gibt es viele gute Infos. Mein Buchtipp ist "Lieber schlau als blau". Entstehung und Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit von Johannes Lindenmeyer. Unterm Strich muss aber jeder seinen Weg und sein Buch selbst finden.
t.5JahretrockenerAlkoholiker

bobwassermann Avatar
bobwassermann:#97647

>>97618
zum Hausarzt , Überweisung , dann zum Psychoarzt ; danach Entgiftung und Kur , alles andere ist Unsinn

joshjoshmatson Avatar
joshjoshmatson:#97652

>>97646
>Mein Buchtipp ist "Lieber schlau als blau"

Kek! Das hat mir im Jahr 2000 schon der Schulpsychologe empfohlen, nachdem ich mal zum Schulleiter musste und er meine Megefahne bemerkte.

habe es aber nie gelesen.

OP sollte es aber vielleicht mal tun. Bernd soff früher nur zum Spaß. Heute leidet Bernd durch den Alkoholkonsum unter extremer Antriebslosigkeit, die erst verschwindet, wenn er 3 Tage nichts getrunken hat. Das ist aber nicht öfter als 3 mal im Monat. Heute ist wieder so ein Tag. BernD strotzt vor Energie, für andere gesunde Menschen wahrscheinlich der Normalzustand, und hat bis jetzt um 10 Uhr schon mehr erledigt als sonst in ganzen 3 Tagen.
Bernd ist jetzt Mitte 30 und möchte OP hiermit sagen, dass es immer schlimmer wird. Für den Rausch braucht man immer mehr Alkohol, was irgendwann dazu führt, dass man bis zum nächsten Nachmittag oder gar Abend mit einer Fahne herumrennt. Das macht es immer schwieriger ein geregeltes Leben zu führen.
Noch geht es mir ohne Alkohol definitiv besser, bloß abends kommt dann immer wieder die Lust einen zu trinken. Ich nehme mir dann vor nur 5 oder 6 Bier zu trinken, da ich dann am nächsten Tag relativ gut klar kommen würde, allerdings fühlen sich 6 Bier heute so an wie früher 3. Das reicht mir dann natürlich nicht und es werden dann 8 oder 9, oder 10 oder 11. Je nach Verfassung. Die sind aber nicht nach 7 Stunden Schlaf wieder ausgeschwitzt, sondern erst am Nachmittag.

thomweerd Avatar
thomweerd:#97654

Also gestern habe ich nichts getrunken, war leider bis 4 Uhr morgens wach (was aber daran lag, dass ich nachmittags eingeschlafen war und wohl eher weniger am fehlenden Alkohol), konnte mich aber gut mit Fappieren, Lauern und Lesen ablenken.

War wirklich nicht schlimm. Heute versuche ich tagsüber mal etwas aktiver zu sein um Nachts gut pennen zu können.

Ansonsten danke für alle weiteren Antworten. Dieses "Lieber-schlau-als-blau"-Buch werde ich mir mal zu Gemüte führen.

>Heute leidet Bernd durch den Alkoholkonsum unter extremer Antriebslosigkeit, die erst verschwindet, wenn er 3 Tage nichts getrunken hat.

Das geht mir aber jetzt schon genauso, was auch der Hauptgrund ist warum ich aufhören möchte.

chris_frees Avatar
chris_frees:#97655

>>97654
Falls es dir hilft, setze Ziele. Ich hatte mir vorgenommen, mindestens ein volles Jahr keinen Tropfen zu trinken, was danach kommt, mag in den Sternen stehen. Und mit diesem Vorhaben war ich sehr erfolgreich. Es handelt sich noch um wenige Wochen und der Wunsch nach Saufi liegt unter null, selbst als ich letztes Wochenende einen Kurzurlaub genoss und jeden Grund gehabt hätte, mit meinen Kameraden mitzutrinken, ließ ich es sein.

Es gibt viele Möglichkeiten, dich auf kurze und lange Sicht zu motivieren. Ich war erstmal richtig geblitzt davon, plötzlich jeden Tag vor 8 Uhr hellwach zu sein und wie ein normaler Mensch Termine wahrnehmen zu können hatte allerdings den Vorteil, dass ich meine Abstinenz im Herbst begann als die Abende kühler waren und hinzu noch Neuroleptika schluckte, die sehr müde machen konnte → Schlafi statt Saufi. Später motivierte ich mich mit dem Privileg, Geld sparen zu können um eine gescheite Lauerstation kaufen, ein Mammutprojekt das ebenfalls funktionierte als Hartzer knapp 900NG gespart, schafft auch nicht jeder.

Was sich für mich als Bernd, der damals keine richtigen Sozialkontakte hatte, als wichtig herausstellte, war Feedback von Anderen zu erhalten. Glücklicherweise hatte ich da eine Therapeutin, die mich monatelang als harten Alki kannte, sie konnte den Fortschritt sehr genau betrachten und ausführlich kommentieren.
Später meldete sich aus heiterem Himmelo ein Bekannter bei mir, der selber ein Alkoholproblem hat/hatte und mit seiner Abstinenz anfing, durch ihn lernte ich meinen heutigen kleinen aber vertrauten Freundeskreis kennen.

Du musst bedenken, dass dies Zeiträume von vielen Monaten waren und es anfangs schlichtweg notwendig ist, kleinere Brötchen zu backen. Es ist ein langwieriger Prozess und eine zu hohe Erwartungshaltung an dich selbst kann schnell ins Unproduktive führen.


Am wichtigsten war jedoch der "Sinn" der ganzen Sache. Ich war letzten Winter schonmal für mehrere Monate abstinent und meinte dass alles gut läuft, bis ich an Psychoscheiße wieder verberndete. »Warum mache ich das eigentlich? Völlig gleich wie sehr ich meine Situation verbessere, ich werde niemals ein normales Leben führen können.« → »Ich hab die Fresse voll von diesem Krebs und werde jetzt einfach den ersten Schritt wagen. Grillen und mich totsaufen kann ich hinterhger immernoch.«, diese Schalter war letztes Jahr noch nicht umgelegt, darum kam ich auch nicht weit. Und eben darum solltest du deine individuellen Probleme erkennen und dich mit qualifizierten Leuten darüber austauschen.

Eine Entgiftungsstation solltest du meiner Einschätzung nach vermeiden, es ist eine Gummizelle die nur für Pflegefälle und Psychotiker einen brauchbaren Nutzen darstellt. Auch halte ich es für grenzwertig, in der Anfangsphase in engem Kontakt mit praktizierenden Alkoholikern zu stehen. Es ist zwar schön, wenn man miteinander leiden kann, andererseits zieht die Scheiße gewaltig runter und animiert um so mehr dazu, rückfällig zu werden.
Besser wäre eine "gewöhnliche" ambulante Therapie, eine intensive Therapiestation oder eine Tagesklinik. Da hast du therapeutische Fachkräfte die dich engen kennen lernen werden und du ihnen von deinem Fühl erzählen kannst. Sich auf ein Alkoholproblem zu fokusieren ist gut, die Frage nach dem »Warum?« ist jedoch um Welten wichtiger.

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