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Veröffentlicht am 2013-08-07 14:09:34 in /fe/

/fe/ 916: Hallo liebe Fahrradbernds, vor kurzem habe ich ...

herrhaase Avatar
herrhaase:#916

Hallo liebe Fahrradbernds,

vor kurzem habe ich mir ein gebrauchtes Fahhrad gekauft. Wie das nunmal so ist mit den alten Möhren, dauerte es nicht lange und etwas war kaputt. In meinem Falle ist das die Hinterradnabe, siehe Bild.

Ich möchte das Fahrrad gerne selbst reparieren. Ich habe gesehen, neue Naben bekomme ich schon für ca. 10 Euro. Man kann aber auch deutlich mehr zahlen. Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Bei der Gelegenheit würde ich gerne auch die Ritzelkassette sowie Kette tauschen, da beides schon ziemlich ausgenudelt ist. Beides gibt es auch schon günstig.

Für die ganze Aktion brauche ich natürlich Werkzeug. Neben Schlüsseln brauche ich wohl noch einen Abzieher. Was brauche ich sonst noch? Was sollte ich bei der Neuanschaffung von Werkzeug beachten, habt ihr da Tips für mich?

Vielen Dank.

m_kalibry Avatar
m_kalibry:#917

Einspeichen einer neuen Nabe ist eine kleine Kunst für sich. Bei Naben sind solche empfehlenswert, die 8-oder 9-Fach Kassetten aufnehmen können.
Artikel zum Laufradeinspeichen: http://www.rst.mp-all.de/eisp.htm
An Werkzeug brauchst du einen Ritzelabzieher, Kassettenpeitsche, einen Speichenschlüssel und ggf. einen Schraubenschlüssel.

kuldarkalvik Avatar
kuldarkalvik:#918

Stress und Anschaffung von Werkzeug lohnt sich kaum. Besser zum Fahrradladen gehn und die Drecksarbeit von denen verrichten lassen.

iamkeithmason Avatar
iamkeithmason:#919

Was ist denn an der Nabe kaputt? Bekommst du die exakt gleiche wieder? Dann kannst du eventuell nur das Innenleben tauschen, und das Nabengehäuse eingespeicht lassen. Ansonsten neu Einspeichen, das ist für Anfänger die ersten paar Mal etwas knifflig. Ich repfostiere mal meine Zentrieranleitung bevor sie verschwindet:

Bernd hat hunderte Laufräder zentriert, viele davon vorher selbst eingespeicht.

Es ist nicht relevant wie das Laufrad befestigt ist, ob es in einem 1000€ Zentrierständer steckt oder in einer alten Gabel / Rahmen, ist völlig egal.
Wichtig ist, das das Rad stabil und wackelfrei eingespannt ist. Ein Fahrradrahmen/Gabel kann das leisten.
Bernds eigener Zentrierständer besteht aus ein paar Metern Kantholz, Flacheisen, M12 Schrauben, M12 Muttern und ein paar Schweißnähten.
Er hat Aufnahmen für zwei 0,01mm Messuhren, und Bernd zentriert damit auf 0,05mm wenn das Material es hergibt.

Also, als Anfänger nicht die Scheu verlieren weil man keinen Ständer hat. Zur Not das eigene Rad auf den Kopf stellen, das reicht.
Wichtig ist, das man die Reifen/Schläuche herunter nimmt, und natürlich sollte keine Kette mehr auf dem Zahnkranz liegen.

Dann benötigt man eine Referenz, unterwegs hält dafür schon mal ein Kabelbinder her den man passend abknipst, fürs ruhige und genaue Zentrieren würde ich mir etwas besser einstellbares bauen, irgend ein Stift der verschiebbar, aber leicht geklemmt 90 Grad zur Felge gelagert ist. Gummiringe sind super. Bernds Kollege zentriert gerne mit dem Bremsklotz, er zieht dafür einen Kabelbinder um den Bremshebel um die Distanz zu verringern.

Man zentriert abwechselnd Höhen- und Seitenschlag. Dabei habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, erstmal das Schlimmere zu minimieren.

Wenn das Rad einen Schaden hat, also eigentlich mal ein gutes, fertiges Laufrad war, und nun einen Schlag hat, sollte man erstmal den Grund suchen. Manchmal sind Speichen gebrochen oder fehlen gar, dann ist der Grund natürlich offensichtlich. Bernd würde dann auch so anfangen, das er diese Speichen erst mal auf Spannung bringt bis das Rad halbwegs rund ist. Also: Immer ein bisschen Ursachenforschung betreiben, und schauen wo das Problem herkommt.

Generelles:

Generell niemals alles auf einmal zentrieren, immer in kleinen Schritten herantasten.
Zu große Schritte sind der Hauptfehler bei Anfängern, zentrieren braucht viel Geduld.

Eine gewisse Grundspannung ist nötig. Ist das Rad zu weich, kann man es nicht Zentrieren.
Wandert alles ständig hin und her, und man bekommt einfach keine Ordnung in das Laufrad, ist es vermutlich einfach noch zu weich.

Versucht man sofort den ganzen Schlag zu korrigieren, erzeugt man nur neue Schläge.

steynviljoen Avatar
steynviljoen:#920

Die meisten Felgen sind geschweißt, und haben am Stoß einen Höhenschlag.
Dieser ist in der Regel nicht durch Zentrieren weg zu bekommen. Der Schlag liegt oft im Bereich von 0,1-0,3 mm, und wird selbst von dünnen Rennradreifen kaschiert. Zieht man die Speichen am Stoß übermäßig stark an, um den Schlag auszugleichen, kann das zu Speichenbruch führen.

Alle Speichen sollten möglichst genau die gleiche Spannung haben, sonst hält erstens die Zentrierung nicht lange (das gleicht sich mit der Zeit an, und alles "wandert" weg), und zweitens werden überlastete Speichen eventuell reißen.

Zu lasche Speichen führen ebenso wie zu stramme zu Speichenbruch, da das Speichengerüst stoßartige Belastungen nicht gemeinsam abfängt, sondern nur wenige Speichen die gerade betroffen sind.

Speichen verdrehen sich beim Anziehen, besonders gegen Ende. Unter Last setzen sie sich wieder, und verlieren so etwas an Spannung. Man kann dem durch "Abdrücken" vorbeugen, hierzu stützt man die Achse auf eine stabile Unterlage, und drückt die Felge mit beiden Händen recht kräftig herunter. Hierbei klimpert es charakteristisch wenn die Speichen sich setzen. Das Laufrad mehrmals ein paar Grad drehen und wiederholen, von beiden Seiten.
Man kann auch mit etwas Übung erspüren, wie sich die Speiche verdreht (besonders gegen Ende, bei hoher Spannung) und einfach absichtlich etwas zu weit Drehen, und dann wieder ein Stück zurück. Ich habe das aber nie so gleichmäßig hinbekommen, das mir das wirklich geholfen hätte.

Seitenschlag:

Beim Seitenschlag sucht man im Prinzip die Spitze des Berges, und zieht diese ein bisschen zur Seite, man macht den Berg etwas kleiner. Man zieht nicht nur eine Speiche an (es sei denn der Berg ist sehr klein) sondern immer die Speiche unter dem Höhepunkt des Berges am meisten, und dann die Speichen rechts und links davon abfallend etwas weniger. Manchmal muss man ein Viertel oder gar ein Drittel des Felgenumfangs anziehen, da ist es besonders wichtig das man nicht nur eine Speiche anzieht, sondern alle Speichen des Berges. Ist die Speichenspannung bereits hoch, muss unter Umständen auf der Gegenseite auch gelöst werden.
Bernd sucht in der Regel die "Beule" und versucht nur die zu beseitigen. Manchmal läuft ein Großteil der Felge rund, und nur eine Stelle ist "ausgebeult". Das ist leicht zu beseitigen.
Ist eine richtige 8 drin, ist das für Anfänger recht schwer zu beherrschen. Hier hilft nur ganz vorsichtiges Rantasten Schritt für Schritt.

Bei alle dem darf man die Mittigkeit der Felge nicht außer Acht lassen. Man muss kontrollieren wie die Felge zur Nabe steht. Bei Vorderrädern ist das ganz einfach, man kann das Laufrad im Ständer / Gabel umdrehen, und auf Umschlag schauen ob eine Differenz zu der Referenz besteht, die man sich hingebastelt hat.

Beim Hinterrad ist dies erheblich schwieriger, da sowohl der Rahmen als auch die Felge zur Nabe in der Regel immer eine Asymmetrie aufweißt. Bernd behilft sich hier immer mit einer langen, sehr präzise gefertigten Metallleiste mit der er das Hinterrad in eine Linie zum Vorderrad bringt.

Stehen beide Räder nicht hintereinander, fällt freihändiges Fahren z.B. schwer.

gojeanyn Avatar
gojeanyn:#921

Höhenschlag:

Höhenschläge sind fieser als Seitenschläge, da ein Laufrad in diese Richtung viel steifer ist. Selbst größere Seitenschläge kann man zügig beseitigen, ohne die Speichenspannung großartig durcheinander zu bringen, Höhenschläge erfordern aber fast immer ein Lösen und Anziehen im Wechsel von mehreren Speichen. Dringend der Rat: gröbere Seitenschläge zuerst korrigieren, sonst kann eine "schiefe" Felge Höhenschläge vortäuschen die gar nicht da sind. Auch lassen sich Höhenschläge aufgrund der schmalen Felgenhörner schlecht feststellen, wenn die Seitenschläge ausgeprägt sind.

Im Prinzip geht man genauso vor wie bei Seitenschlägen, man sucht auffallende Hügel oder Täler, und lockert Speichen oder zieht sie an, diesmal aber auf beiden Seiten gleichzeitig. Hier ist es noch wichtiger, das man keine einzelnen Speichen bearbeitet, sondern immer mehrere. Die Speiche in der Mitte des Berges/Tales hierbei am stärksten bearbeiten, und nach Außen hin reduzieren. Auch hier gilt: In kleinen Schritten Arbeiten, besonders bis man ein Gefühl entwickelt hat. Lieber 10 mal den gleichen Berg bearbeiten, als einmal zuviel gezogen und dann 2 neue Berge erzeugt.

Seiten- und Höhenschlag werden im Wechsel bearbeitet, bis die Felge rund läuft. Zwischendrin immer abdrücken, besonders gegen Ende.
Versuche nicht, erst den Seitenschlag perfekt zu bekommen, und dich dann dem Höhenschlag zuzuwenden: Du wirst dir selbst wieder einen riesigen Seitenschlag einbauen. Arbeite dich Schritt für Schritt abwechselnd durch beides, und reduziere es Schritt für Schritt ein wenig, bis Beides passt.

Klimpert beim Abdrücken nichts, obwohl kräftig gezogen und gelöst wurde, so ist die allgemeine Speichenspannung noch zu niedrig. Es kann dann nötig sein, einfach mal alle Nippel mit einer Viertelumdrehung anzuziehen.

Moderne Felgen sind sehr steif, außer sehr schmalen Rennradfelgen oder alten Flachbett/Kastenfelgen vertragen eigentlich alle Felgen eine hohe Speichenspannung. Man kann aber durch zuviel Spannung eine Felge durchaus kollabieren lassen. Bei richtig steifen Hohlkammerfelgen, wie sie heute üblich sind, wird zuerst der Speichennippel aufgeben.
Unter der Voraussetzung das man einen guten Speichenschlüssel verwendet, darf der Nippel zwar leichte Spuren vom Schlüssel bekommen, sobald man sich der Endspannung nähert, aber auf keinen Fall Verformungen oder Verdrehungen bekommen. Dann ist die Spannung zu hoch.
Wird das Anziehen mühselig, bist du vermutlich gerade dabei den Nippel abzureißen.

Die Speichenspannung und vor allem eine gleichmäßige Speichenspannung checkt man am besten in dem man parallele Paare von Speichen mit der Hand zusammendrückt, und diese rundherum vergleicht. Auch gibt die Anzugskraft der Nippel eine gute Indikation.

Am Anfang ist es sehr schwierig, eine gleichmäßige Speichenspannung zu erreichen.
Arbeitet man in kleinen Schritten, drückt regelmäßig ab, und zieht immer
nur die größten Hügel heraus, dann ergibt sich fast automatisch eine gleichmäßige Speichenspannung.

Industriell gefertige Laufräder werden in der Regel nicht so ausgiebig Abgedrückt, und auch oft nur grob zentriert. Nach einigen Kilometern müssen diese daher nachzentriert werden, da sich alles noch einmal setzt. Drückt man beim Laufradbauen sehr sorgfältig ab, dann "steht" das Laufrad auch nach zehntausenden Kilometern noch einwandfrei. Laufradschäden sind oft eine Folge von schlecht gebauten Laufrädern. Auch sind viele Laufräder zu weich gespannt, und halten deswegen nur recht kurz.

Aber: Sei nicht enttäuscht wenn es beim ersten Laufrad nicht so recht klappt. Bernd brauchte einiges an Schützenhilfe und mehrere Laufräder, bis er passabel zentrieren konnte. Ist wirklich Übungssache.

Bernd mochte Zentrieren anfangs auch nicht, mittlerweile macht er es aber sogar relativ gerne, besonders wenn es die eigenen Laufräder sind. Auf die ist Bernd sehr stolz, da sie bereits 14.000km ohne Nachzentrieren in Benutzung sind.
Bernd musste sehr viele spezielle Laufräder einspeichen, Nabendynamos, Getriebenaben, solche Fälle.
Lohnte sich in Serie nicht.

sgaurav_baghel Avatar
sgaurav_baghel:#941

>>919
War diese Textwand von Zentrieranleitung wirklich notwendig? Hätte ein Link auf eine Online-Anleitung es nicht auch getan?
>>918 Die zu beschaffenden Werkzeuge sind zusammen billiger als einmal Einspeichen im Fahrradladen. (Werkzeug ca. 25€, Einspeichen ab 45€ aufwärts)

garand Avatar
garand:#956

Hallo,

vielen Dank für eure Antworten.

Bernd hat eben etwas den Schraubenschlüssel geschwungen und durfte amüsiert feststellen, dass bei ihm schlicht die Hinterachse gebrochen ist.

Jetzt hoffe ich natürlich, diese einfach tauschen zu können und auf das Einspeichen verzichten zu können.

Hat Bernd Empfehlungen was eine neue Hinterradachse anbelangt oder tut es die billige für 7€ von Amazon? Muss kein Schnickschnack sein, solide und gutes Preis/Leistungsverhältnis fände ich gut.

shesgared Avatar
shesgared:#960

>>941
>Werkzeug ca. 25€

Als ob. Allein Zentrierständer kostet schon 50€ +, Für Naben, Zahnkränze, Kette usw. braucht man auch Spezialwerkzeuge.

>>956
>billige für 7€ von Amazon


Sollte es tun, genau wie eine für 3€ vom Flohmarkt oder eine für 8.99€ beim Fahrradladen. Tut sich alles nicht viel.

peterlandt Avatar
peterlandt:#962

>>960
Kasettenpeitsche 10NG, Kurbelabzieher 10NG, Speichenschlüssel <5NG, Zentrierständer braucht niemand.

n1ght_coder Avatar
n1ght_coder:#963

Ach mist, ich meinte nicht Kurbelabzieher sondern Kasettenabzieher.

layerssss Avatar
layerssss:#968

Kassettenabzieher für einmal demontieren? Mit sowas geh ich einmal kurz am Laden vorbei und das machen die doch in 95% aller Fälle gratis.

bnquoctoan Avatar
bnquoctoan:#1002

Sofern du in einer größeren Stadt wohnst, geh in eine Selbsthilfewerkstatt. Die haben das ganze Spezialwerkzeug und Ersatzteile da.
Protip: Nimm deine eigenen Inbus-, Maulschlüssel usw mit, dann bist du viel schneller.

joshkennedy Avatar
joshkennedy:#1258

>>919

Vielen Dank nochmal Bernd, habs extra nochmal rausgesucht und gespeichert!

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