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Veröffentlicht am 2014-05-22 09:28:15 in /l/

/l/ 21204: Heute meine lieben Froinde möchte ich ausnahm...

carloscrvntsg Avatar
carloscrvntsg:#21204

Heute meine lieben Froinde möchte ich ausnahmweise einmal eine Buchwarnung aussprechen. Vor einem Text, der zu Recht in Vergessenheit geraten ist. Es handelt sich um das Pampflet "Biedermann und die Brandstifter" eines gewissen Marx Fritschs oder Mark Fischs, aber egal, vergessen möge er bleiben. Die Gefährlichkeit dieses Stückes, denn es handelt sich in realiter um ein Boulevardstück, welches der Autor zusätzlich durch das altbacken anmutende Stilmittel des Sprechchores aufwerten möchte, liegt nicht nur darin das es zutiefst antisemitisch ist, sondern auch, dass es bis vor wenigen Jahren Pflichtlektüre an deutschen- also Nazischulen war.
Der Klappentext der Suhrkampausgabe flunkert uns vergeblich vor, es handele sich um einen Abgesang auf das Bürgertum, aber Klappentext bleibt Klappertext und klappern gehört zum Handhandwerk sprich marketing. Schwamm darüber.
Frisch erzählt im Jahre 54 wie hellseherisch, die Parabel von Bildungsmenschen, der alle auf ihn einprasselnden Warnungen als Aluhutismen abtut und am Ende dazu beiträgt sein Umfeld zu zerstören. Ich persönlich finde; Biedermann tut gut daran. Denn was Frisch sich hier erlaubt ist grauenerregend in seiner Hellsicht, nimmt er doch in den anfänglichen Dialogen zwischen Bidermann und den "Hausierern" [!] welche sich später als Brandstifter bestätigen, die Gesprächskultur der Freudmanns und Brüders vorweg, wie sie dreist und voller Chuzpe die Verteter ihrer Wirtsvölker am Nasenring durch die Medien-Manege führen und sich dabei noch geniesserisch und voller falscher Bescheidenheit die Wänste füllen, speichelleckerisch und liebedienernd umsäuselt von ihren gutmeinenden Opfertierchen.

Max Frisch erfrecht sich nicht etwa, die zynischen Texte von Elie Ravage oder Zev Jabotinski zu zitieren, deren offene Drohungen gegenüber Deutschland dürften ihm, dem Homo Feder 1954 bekannt gewesen sein, aber dazu ist er wohl zu raffiniert; Seine Anspielunge sind deutlich genug.
Das Folgende nicht als eine Metapher auf ein von Feinden bzw. Pulverfässern umgebenes Deutschland inmitten Europas zu erkennen, würde Max Frisch zu einem Provinzpossentexter herabwürdigen:

>Eisenring
>Ihr Haus, Herr Biedermann liegt sehr günstig, das müssen sie einsehen, fünf solcher Brandherde rings um die Gasometer,

Schon die Wahl der Charakter ist ein Affront gegenüber Künstlern und Medienschaffenden. Die beiden "Schurken" des Stückes, die Branddstifter -eigentlich sind es Erneuerer, Revolutionäre-, entstammen dem Zirkus und Kellnermilleu, wobei der Kellner ja den Künstler im Wartestand par Excellence abbildet. Frisch lässt jene verkrachten Existenzen sogar ein Theaterstück improviseren. Und diese beiden, geradezu klischeehaft jüdisch wirkenden Intellektuellen -verfolgte Aussenseiter mit schwerer Kindheit- sollen die im Klappentext versprochenen aufkommenden Faschismen sein? Das ganze eine Parabel auf den Nazimilitarismust der wildgewordenen Kleinbürger?, liebe Neger - ich bitte Sie.

Hier wird schonungslos auf die Kulturschaffenden eingedroschen! Der Abriss des Alten, diese unzweifelhafte Notwendigkeit wird zum Verbrechen herabgewürdigt, Die gute alte Tradition des warmen Abbruchs von Rom bis 9/11 wird wieder einmal nicht gewürdigt. Wo bitte soll denn der Phönix entstehen wenn nicht aus der Asche?

Chorführer (!) Originaltext!
Klug ist, und Herr über manche Gefahr,
Wenn er bedenkt was ersieht.
Der Mensch
Aufmerkenden Geistes vernimmt er
Zeichen des Unheils
Zeitig genug wenn er will.
Chor
Was aber wenn er nicht will.

Es lohnt sich die folgenden Zeilen im Text ebenfalls zu lesen. für jene die täglich mit Deutung beliefert werden wollen, welche ihnen das eigene Sinnen erspart.
Auch hier geht Frisch zu weit, Aber noch auffälliger: "Heil uns" ein Abgrund an Geschmacklosigkeit zu der Frisch sich hier hinreissen lässt.
Frisch liefert hier eine Lanze für Kassandra, für die Aluhüte, solch unzeitgemäße Literatur gehört auf den Scheiterhaufen aber nicht auf KC!

robinlayfield Avatar
robinlayfield:#21205

>>21204
>Pampflet
>f
Hier hörte ich auf zu lesen.

itsracine Avatar
itsracine:#21206

>>21205

Du hast nichts versäumt - noch besser wäre es vermutlich gewesen, schon bei "Froinde" aufzuhören.

Warum macht man sowas? OP möge bitte sein Innerstes erforschen und ehrlich antworten.

judzhin_miles Avatar
judzhin_miles:#21208

>>21206
Ich tippe auf einen übermütigen Deutsch-LK-Schüler, der schlau klingen wollte.

LG Germanistik-Bernd

judzhin_miles Avatar
judzhin_miles:#21209

>>21206

"Froinde" geht zumindest als - zugegebenermaßen schlechter - Krautsprech durch.

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adriancogliano:#21213

>>21205
>>21206
Geschäft wie üblich hier. Inhaltlich haben Kafkiker und Oberlehrer nichts dagegenzusetzen.
Der erste hat's nicht gelesen, -sind wir hier ja gewohnt,- der zweite nichts verstanden, also wird belangloser Senf abgespritzt.

Nobelpreisträgerbernds Tipp für die beiden Leseanfänger: Es kommt darauf an was drinsteht, in den Büchern.

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#21216

>>21213
Wenn du deinen Laden mit Scheiße einstreichst, solltest du dich nicht wundern, dass du keine Kunden bekommst - egal wie schön es innen aussieht. Da hilft auch keine Beschwerde. Du hast das dir selbst zuzuschreiben.

mshwery Avatar
mshwery:#21218

>>21213

ach, du. Ich hab ja den Verdacht, das Ganze soll eine Ranicki-Persiflage sein, stimmt's?

smaczny Avatar
smaczny:#21222

>>21218
No shit, Neger? Aber eine beschissene Persiflage bleibt beschissen.

Chakintosh Avatar
Chakintosh:#21223

>>21216

Dies.

Es stimmt, inhaltliche Erwiderungen gab es bisher so gut wie keine. Dass du dir bei der Suchen nach den Gründen dafür aber nicht an die eigene Nase fasst, sagt einiges über dich aus. Ich kann mir vorstellen, dass du Freude am Schreiben des Textes hattest und die gönnt Bernd dir auch, aber du solltest verstehen, dass dies eine alleinige Freude des Verfassers ist. Diesen Text nämlich zu lesen, ist eine Qual. Da kannst du nicht erwarten, darauf eine Diskussion zu gründen.

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