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Veröffentlicht am 2014-06-15 05:25:0 in /l/

/l/ 21317: Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends w...

sketi_ndlela Avatar
sketi_ndlela:#21317

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

mbilalsiddique1 Avatar
mbilalsiddique1:#21321

Wenigstens hatte er gf.

aleclarsoniv Avatar
aleclarsoniv:#21348

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade,
Der reinen wolken unverhofftes blau,
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau
Von birken und von buchs, der wind ist lau,
Die späten rosen welkten noch nicht ganz,
Erlese, küsse sie und flicht den kranz.

Vergiss auch diese letzten astern nicht,
Den purpur um die ranken wilder reben,
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

shesgared Avatar
shesgared:#21349

>>21348
wollte das Format nicht zerficken also nachgereicht

solid_color Avatar
solid_color:#21351

Ich lasse meine grosse traurigkeit
Dich falsch erraten um dich zu verschonen ·
Ich fühle hat die zeit uns kaum entzweit
So wirst du meinen traum nicht mehr bewohnen.

Doch wenn erst unterm schnee der park entschlief
So glaub ich dass noch leiser trost entquille
Aus manchen schönen resten - strauss und brief -
In tiefer kalter winterlicher stille.

alexcican Avatar
alexcican:#21353

Siehst du die Stadt?

Siehst du die Stadt, wie sie da drüben ruht,
Sich flüsternd schmieget in das Kleid der Nacht?
Es gießt der Mond der Silberseide Flut
Auf sie herab in zauberischer Pracht.

Der laue Nachtwind weht ihr Atmen her,
So geisterhaft, verlöschend leisen Klang:
Sie weint im Traum, sie atmet tief und schwer,
Sie lispelt, rätselvoll, verlockend bang . . .

Die dunkle Stadt, sie schläft im Herzen mein
Mit Glanz und Glut, mit qualvoll bunter Pracht:
Doch schmeichelnd schwebt um dich ihr Widerschein,
Gedämpft zum Flüstern, gleitend durch die Nacht.

Hugo von Hofmannsthal, 1874-1929

posterjob Avatar
posterjob:#21354

>>21353
Hofmannsthal ist spitze. Der grandioste Schriftsteller der Konservativen Revolution!

aiiaiiaii Avatar
aiiaiiaii:#21365

>>21354
Sekundiert. Aber ich mag die ganze Clique :3

Schwarzsamtne rose du aus flutender nacht
Du weinst im schönen tag aus leiser wunde
Und sehnst dich heim, gelockt von jedem munde
Von keinem ganz zu deiner ruh gebracht.

Dein unerschöpflich herz von honig quillt
Den du nicht spürst und wenn die falter saugen
Schaust du mit immer müden wachen augen
Zurück in nacht und zitterst ungestillt.

Friedrich Gundolf
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Gundolf/gun_ged0.html

ajaxy_ru Avatar
ajaxy_ru:#21366

>>21365
>und wenn die falter saugen
>Schaust du mit immer müden wachen augen
>Zurück in nacht und zitterst ungestillt

Eine Triggerwarnung für weinerliche Bernds wäre ganz nett gewesen.

chatyrko Avatar
chatyrko:#21373

>>21317
Ein Lied des Friedens

Ein Lied des Friedens darin alle Leiden schweigen
Ein warmer Glanz in dem wir heimwärts reisen
Umarmung in die wir uns weinend neigen
Oh ich will nichts als deine Schönheit preisen.

Ein Regentag in traulich zartem Rauschen
Ein Wind der streichelt über Gras und Grenzen
Ein Flüsterwort dem Sternenkinder lauschen
Oh ich will untergehn in deinen Tänzen.

Ein Lied des Friedens darin alle Leiden schweigen
Ein mildes Lächeln, ein verliebtes Zeichen
Umarmung in der Wunderkerzen Reigen
Lass nun mit dir das Königreich erreichen.

Ein Lied des Friedens darin alle Leiden schweigen -
Oh meine Liebe, wirst du es mir zeigen?

Friedrich van Zadelhoff

stuartlcrawford Avatar
stuartlcrawford:#21378

Die bunten Bilder, die das Leben malt
Seh’ ich umdüstert nur von Dämmerungen,
Wie kraus verzerrte Schatten, trüb und kalt,
Die kaum geboren schon der Tod bezwungen.

Und da von jedem Ding die Maske fiel,
Seh’ ich nur Angst, Verzweiflung, Schmach und Seuchen,
Der Menschheit heldenloses Trauerspiel,
Ein schlechtes Stück, gespielt auf Gräbern, Leichen.

Mich ekelt dieses wüste Traumgesicht.
Doch will ein Machtgebot, daß ich verweile,
Ein Komödiant, der seine Rolle spricht,
Gezwungen, voll Verzweiflung - Langeweile!

Georg Trakl

chris_frees Avatar
chris_frees:#21418

Weshalb sind Gedichte meist so wenig konkret?

emmakardaras Avatar
emmakardaras:#21421

>>21418
Die echten Gedichte sind konkret, in solch einem Ausmaß, dass man sie wieder für unklar hält - weil sie Zustände und Erfahrungen vermitteln, für die man als Leser unter Umständen noch nicht bereit ist. Es liegt eine Exaktheit in poetischem Wort, die dem unbedarften Geist als Augenwischerei erscheinen mag.

vikashpathak18 Avatar
vikashpathak18:#21425

>>21421
Exakt dies. Die Sprache ist einfach nicht konkret sondern abstrakt. Erkläre beispielsweise einem Kind die Farbe rot.
Es wird fragen:
>was ist rot?
<eine Farbe
>was ist eine Farbe?
<Lichtbrechung
>was ist eine Lichtbrechung
<ein Naturereignis
>was ist...

Der Poet sagt:
>Und sie trug ein Gewand wie die Ziegel oder wie von der Brust des Pelikans oder wie die herabregnende Saat eines blutenden Gottes

Das ist konkret.
Angelehnt an einen Essay von Ezra Pound

stayuber Avatar
stayuber:#21430

>>21421
>>21425

Spannend, danke.

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