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Veröffentlicht am 2015-01-10 15:06:06 in /l/

/l/ 22202: Michel Houellebecqs neues Buchs „Unterwerfung“

ryanjohnson_me Avatar
ryanjohnson_me:#22202

>Viele nennen Michel Houellebecq wegen seines neuen Buchs „Unterwerfung“ einen geistigen Brandstifter. Wer das macht, ist ein Heuchler.

http://www.taz.de/Kolumne-Liebeserklaerung/!152573/

Bernd kaufte es sich soeben auf französisch und wird morgen anfangen es zu lesen. Was denkt Bernd über dieses Buch und Houellebecq im Allgemeinen?

rawdiggie Avatar
rawdiggie:#22205

Der alte Faden ist doch gerade einmal auf Seite 2.

franciscoamk Avatar
franciscoamk:#22208

Werde es auch lesen aber wohl auf die deutsche Übersetzung warten (kommt, glaube ich, am 16.1. raus).

Houellebecq ist der einzige zeitgenössische Autor, bei dem ich das Gefühl habe, dass er mich persönlich etwas angeht. Bedeutet aber nicht viel, da ich kaum Zeitgenössisches lese.

jrxmember Avatar
jrxmember:#22211

>>22202
Ich traue nicht es mir zu bestellen - eines Tages werden Musel die Herrschaft übernehmen und jeden hinrichten der es gekauft hat.

vladyn Avatar
vladyn:#22212

>>22211
>Ich traue nicht es mir zu bestellen
Aber wenn die AfD durch den PEGIDA-Pöbel die Macht übernimmt, dann wird jeder gemeuchelt, der so Deutsch spricht wie du... oh, warte: der PEGIDA-Pöbel kann ja selbst kein Deutsch.

herkulano Avatar
herkulano:#22214

>>22212
Der Pöbel kann allgemein nicht gut seine Muttersprache. Gilt für den "linken" Pöbel, also was heute unter Links verstanden wird, genauso. Was willst du uns also mit diesem Kommentar sagen, außer, dass du OPs Befürchtung nicht teilst, deren Verbreitung sogar verhindern willst und die einfachen Leute verachtest?

shoaib253 Avatar
shoaib253:#22216

>>22214
>außer, dass du OPs Befürchtung nicht teilst, deren Verbreitung sogar verhindern willst
OP kommuniziert keine Befürchtung, dies ist lediglich eine Interpretation deinerseits. Vorausgesetzt du bist nicht OP selbst, versteht sich - so oder so, im OP selbst findet sich keine Befürchtung, ergo kann ich auch deren Verbreitung nicht verhindern wollen.

>und die einfachen Leute verachtest?
DAS WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN!1!!1!!

>Was willst du uns also mit diesem Kommentar sagen
Ich hielt es für eine angemessene Retour zu >>22211, um das Gleichgewicht des Brettes zu wahren. Ich bin nämlich neutraler Druide, musst du wissen.

posterjob Avatar
posterjob:#22230

Ich finde es sollte etwas dagegen getan werden, dass Rechts"intellektuelle" dieses Brett mit ihrem Krebs unterwandern, sehe das jetzt schon eine ganze Weile.

thehacker Avatar
thehacker:#22232

>>22230
Oh, ein Trillerpfeifendemokrat.
Bernd empfiehlt diesem Kinde die Lektüre von Farm der Tiere.

emileboudeling Avatar
emileboudeling:#22235

Bernd hat es heute morgen gekauft und soeben ausgelesen, von einer polemischen Streitschrift oder gar einem politischen Brandsatz kann nicht die Rede sein. Vielmehr war es eine überraschend nüchterne Betrachtung der Ereignisse aus der Sicht eines teilnahmslosen, weil in der Vergangenheit (nicht in der nostalgischen, persönlichen Vergangenheit, sondern eben der historischen) lebenden Dozenten für Literaturwissenschaft, mit Schwerpunkt auf Huysmans (was leider eine etwas zu große Stellung einnimmt).
Etwas zynisch, etwas ironisch wird beschrieben wie die intellektuelle Elite Frankreichs sich mehr oder weniger widerspruchslos unterwirft, dasselbe geschieht auch mit François, nachdem ihm die Vorzüge der Polygamie im Bezug auf seine eigene Sexualität und Lebensweise bewusst werden. Was mit der Bevölkerung außerhalb diesen Kreises geschieht erfährt man nur beiläufig, es geht im Prinzip nur um die französische Intelligenzija.
Ansonsten gewöhnliche Beschreibung des sexuellen Lebens und vor allem des Trinkverhaltens.
Definitiv kein politischer Sprengsatz.

cbracco Avatar
cbracco:#22236

>>22235
"Ausweitung der Kampfzone" vom Michel...das ist ein Buch. Das einzige wirkliche Berndbuch das jemals geschrieben wurde. Der arme, arme Tisserand.

cboller1 Avatar
cboller1:#22238

>>22236
Es ist wirklich sehr gut; und lustig. Aber Heinz Strunk schreibt auch sehr gute und lustige Berndbücher.

fatihturan Avatar
fatihturan:#22242

>>22235

Danke für den Bericht.

danro Avatar
danro:#22245

>>22235
>vorteile der Polygamie für Lui's
Solange der Prophet Crystal Meth nicht für haram erklärt, je suis tres bon avec iSlum.

albertaugustin Avatar
albertaugustin:#22262

>>22235
Ich sekundiere das. Nach dem Pushen seitens der Medien habe ich mir mehr erwartet. Selbst der FN kommt ja nicht unbedingt gut weg, aber Block Identitaire kommt auch vor. Die französischen Identitären sind weit kühler als unsre.

freddetastic Avatar
freddetastic:#22265

>>22262
>Bloc Identitaire
>kühl

karsh Avatar
karsh:#22267

>>22235

Ja Huysmans kommt schon recht ausführlich vor aber diese Stellen zählten für mich zu den interessantesten des Buches. Ich glaube, auch H. interessierte sich mehr dafür als für die eigentliche Handlung. Sehr schön fand ich, wie er die Beziehung zwischen Leser und Autor gleich zu Beginn beschreibt (einen Lieblingsautor zu lesen ist wie im Kopf eines guten Freundes zu Besuch zu sein etc. - ich paraphrasiere). Genau so ist das, dachte ich mir, und freute mich, bei H. zu Besuch zu sein, der gerade schrieb, dass sich seine Hauptfigur F. freute, bei seinem Geistesverwandten Huysmans zu Besuch zu sein. Bisschen meta, aber das war ja schon immer so. Wenigstens tritt er diesmal nicht selbst als Figur auf. F. steht übrigens natürlich für Francois, immer schön klassisch bleiben.

leelkennedy Avatar
leelkennedy:#22333

Alles Übrige fand ich leider nicht besonders interessant. Der Islam ist natürlich eine schöne Projektionsfläche für verschiedene Berndsehnsüchte, das kennt man ja als Karl-May-Leser. Die einzige wirkliche Idee, die H. dazu aber offenbar gehabt hat, war "wäre doch geil, zwei oder drei Frauen zugewiesen zu bekommen". Für eine Kurzgeschichte würde das ja vielleicht reichen, aber ein ganzer Roman? Naja, das ist wahrscheinlich ein dummer Vorwurf, dein eigentlich ging es ja immer nur um dieses Thema in seinen Büchern, bzw. war die Reduktion darauf sein Thema. Umso schlimmer finde ich es, dass nicht einmal die Grundidee gut ausgeführt ist, ich hätte mich eigentlich für ein paar Details interessiert, die Szene, in der die eine Aische im Hello-Kitty-Shirt mit offenen Haaren erwischt wird, weißt ihn diese Richtung, aber weiter erfährt man nicht sehr viel - höchstens Theoretisches, Stichwort Kochtopffrauen.

andychipster Avatar
andychipster:#22335

Gegen Ende hin wird überhaupt nur noch im Konjunktiv beschrieben, was wohl weiter mit F. passieren würde (nämlich das, was man sich ohnehin schon die ganze Zeit gedacht hat). Ich stelle mir vor, dass der Lektor bei seinem letzten Gespräch mit H. Panik gekriegt hat. Der macht es nicht mehr lang, wird er sich gedacht haben, der stirbt mir doch weg und das Buch ist noch nicht mal halb fertig. Aber Michel, stelle ich mir vor, wird der Lektor gesagt haben, du kannst mich doch jetzt nicht hängen lassen, was passiert denn dann noch, wieviele Weiber bekommt er denn nun und kriegt er wieder eine Professur? Ja ja, wird H. geantwortet haben, stelle ich mir vor, er wird seine Professur schon kriegen an der verfickten Universität Paris III, Sorbonne, was weiß denn ich, siehst du nicht, dass ich mir jeden Tag die Kante gebe und genug habe von Idioten wie dir, fick dich einfach weg, du Dreckskerl, schreib dir dein Zeug doch selbst. Genau, dass hab ich vor, Du Wrack, was bleibt mir denn anderes übrig, wird der Lektor geantwortet haben, aber was ist denn nun mit der Heirat? Das ist doch wichtig, das ist doch ein Haupthandlungselement, da musst du doch irgendwas geplant haben?! Ja, natürlich Weiber. Was weiß ich, von mir aus drei. Gib ihm drei Weiber und lass mich ihn Ruhe mit dem Scheiß, und schmeiß mir noch die Tüte mit dem Pulver da rüber, wenn du raus gehst, Drecksack. Unter dann wird sich H. wieder irgendwas reingezogen haben, und der Lektor wird sich gefragt haben: Ob der morgen wohl nochmal aufwacht?

robergd Avatar
robergd:#22336

Eigentlich ist es natürlich traurig, sogar sehr traurig. Ich glaube nicht, dass er nochmal ein gutes Buch schreiben wird. Kann man nichts machen.

giuliusa Avatar
giuliusa:#22337

Hier noch ein paar unzusammenhängende Zitat, die ich markiert hab:

Mit zunehmendem Alter näherte auch ich mich Nietzsche immer mehr an, was zweifellos unvermeidlich ist, wenn man untenrum Probleme hat.
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während ich eigentlich kein anderes Bedürfnis verspürte, als mich nachmittags gegen vier Uhr mit einer Stange Zigaretten und einer Flasche Hochprozentigem ins Bett zu legen und ein wenig zu schmökern; obwohl ich natürlich zugeben musste, dass ich an diesem Lebenswandel sterben würde, bald sterben würde, unglücklich und allein. Und hatte ich Lust, bald unglücklich und allein zu sterben? Im Grunde nicht besonders.
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Es ist ziemlich schwierig, die anderen zu verstehen, zu wissen, was sich tief in ihren Herzen verbirgt, und ohne die Hilfe von Alkohol würde es einem vielleicht niemals gelingen.
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Ich räumte meine Sachen weg, hängte ein paar Kleidungsstücke auf, die ich auf Kleiderbügeln mitgebracht hatte, schloss meinen Wasserkocher und die elektrische Zahnbürste an und schaltete mein Handy ein, um festzustellen, dass keine Nachrichten für mich eingegangen waren. Schließlich fragte ich mich, was ich eigentlich hier machte. Eine sehr allgemeine Frage, die sich jeder Mensch an jedem Ort in jedem Moment seines Lebens stellen kann. Als Alleinreisender setzt sie einem, das muss man sich eingestehen, besonders zu.

kriegs Avatar
kriegs:#22338

Ich kaufte mir in der Croissanterie einen Double-Chocolate-Cookie und einen großen Kaffee, dann stieg ich wieder ins Auto und frühstückte hinter dem Lenkrad, an meine Vergangenheit oder an nichts denkend. Der Parkplatz beherrschte die bis auf ein paar Charolais-Kühe verlassen liegende Landschaft. Es war nun schon heller Tag, aber noch immer waberten Nebelschwaden über die Weiden weiter unten. Die Landschaft war hügelig, ganz hübsch, aber es war kein See zu sehen und übrigens auch kein Fluss. An die Zukunft zu denken erschien mir unklug.
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»Und du, was wirst du machen? Was glaubst du denn, wie es an der Uni wird?« Ich begleitete sie zur Tür. Ich hatte keinen blassen Schimmer und es war mir außerdem völlig egal. Ich küsste Myriam sanft auf den Mund und antwortete dann: »Für mich gibt es kein Israel.« Ein armseliger Gedanke, aber treffend. Dann verschwand sie im Fahrstuhl.
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Mein Körper war die Quelle diverser schmerzhafter Leiden – Migräne, Hautkrankheiten, Zahnschmerzen, Hämorrhoiden –, die sich ständig abwechselten und mir kaum Ruhe ließen; dabei war ich erst vierundvierzig, wie sollte das mit fünfzig, sechzig oder mehr werden? Ich würde nur noch aus einem Nebeneinander langsam zerfallender Organe bestehen, und mein Leben wäre eine endlose Qual, trist, freudlos, armselig. Mein Schwanz war im Grunde das einzige Organ, das sich mir nie durch Schmerzen bemerkbar gemacht hatte, sondern nur durch rauschhaften Genuss. Bescheiden, aber robust, hatte er mir stets treu gedient – das heißt, vielleicht war es sogar umgekehrt (der Gedanke ist nicht abwegig) und ich diente ihm –, doch sein Regiment war ein sanftes: Nie befahl er mir etwas, gelegentlich ermunterte er mich nur in aller Bescheidenheit, ohne Groll und Wut, ein geselligeres Leben zu führen.
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Mein Leben ekelt mich an, ich bin meiner überdrüssig, aber deswegen ein neues Leben zu führen ist doch ein großer Schritt!

aleclarsoniv Avatar
aleclarsoniv:#22339

>>22335
>Der macht es nicht mehr lang, wird er sich gedacht haben, der stirbt mir doch weg und das Buch ist noch nicht mal halb fertig.

tusharvikky Avatar
tusharvikky:#22340

>>22333
>>22335
Ja sehe es ziemlich ähnlich, obwohl ich mich mehr auf die ideologischen Implikationen konzentriert habe und weniger auf die existientiellen Befindlichkeiten des Erzählers.
So ein typischer Depp halt, der sich irgendwie damit abfinden muss, wie er sein Leben gelebt hat und sich dann durch äußerliche Zustände eine Chance für ihn auftut, das Ruder nochmal rumzureissen.
Hätte gerne erfahren, was aus den Putschplänen der europaweit agierenden Identitären geworden ist und auch die Augustus-Idee war okay, aber es war als läse ich Kracht, wenn er erzählt wieviele Flaschen Rotwein er sich zu kaufen gedenkt um das Fernsehduell zu verfolgen.

Auch Interessant: Habe mir auch Sätze herausgeschrieben aber ganz andere, trotzdem erinnere ch mich noch genau, wie ich die Zitate aus >>22338 & >>22337 las und darüber nachdachte, daß H. es eigentlich doch kann, irgendwie...

vovkasolovev Avatar
vovkasolovev:#22344

>>22340

>Hätte gerne erfahren, was aus den Putschplänen der europaweit agierenden Identitären geworden ist und auch die Augustus-Idee war okay

Ja, ging mir auch so. Denke, als Berndarschbürger will man über sowas einfach Details wissen, und ja, gerade der römisch-imperiale Gedanke und der Plan, das Zentrum der europäischen Zivilisation wieder in den Mittelmeerraum zu verschieben, ist sehr interessant (die Idee mit der Union Mediteranée oder wie das heißt stammt übrigens von Sarkozy, glaube ich). Houellebecq interessiert sich aber nicht dafür, wie Politik im Detail funktioniert, was sich auch in der unglaubwürdigen Drastik des ganzen Machtergreifungsszenarios zeigt. Außerdem deckt sich sein Desinteresse mit dem der Hauptfigur (Viele Männer interessieren sich für Politik und Krieg, aber ich konnte einer solchen Beschäftigung nichts abgewinnen, ich war politisiert wie ein Handtuch, was wahrscheinlich schade war. ).

>ein typischer Depp halt, der sich irgendwie damit abfinden muss, wie er sein Leben gelebt hat

genau in die Fühls ._.

Wobei ich allerdings nicht glaube, dass er (F.) denkt, dass er sein Leben aufgrund eigener Fehlentscheidungen falsch gelebt hat, sondern dass ein richtiges Leben für ihn in dieser Gesellschaft, der "sterbenden Sozialdemokratie", nicht möglich war.

Neuste Fäden in diesem Brett: