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Veröffentlicht am 2015-04-08 00:49:06 in /l/

/l/ 22781: Buch auf eigene Faust übersetzen

murrayswift Avatar
murrayswift:#22781

Bernd hat einen Roman gelesen, der letzten Herbst in einem anderen Sprachgebiet in einem verhältnismäßig kleinen Verlag erschienen ist. Bernd würde es sehr gerne sehen, dass es für besagten Roman eine deutsche Übersetzung gibt. Bernd würde gar selbst, zum Wörterbuch greifen. Habe tatsächlich auch schon einige Seiten. Aber was mache ich, wenn ich damit fertig werde? Ich will dafür sicherlich kein NG, aber dieser kleine Verlag wird mich trotzdem hart figgn, wenn ich beginne, das anschnur zu verbreiten, oder?

suribbles Avatar
suribbles:#22785

Verstehe nicht ganz. Du wirst ja wohl nicht so blöd sein und die Übersetzung unter deinem Echtnamen veröffentlichen?

Ansonsten finde ich die Idee von Piratenübersetzungen sympathisch.

antongenkin Avatar
antongenkin:#22786

>>22785
Was dieser Bernd sagt. Wenn du schon piratierst und keinen monetären Gewinn aus der Sache ziehen willst, dann leg dir ein ordentliches Pseudonym zu und veröffentliche es von hinter sieben Burgen.
Um welches Buch geht es denn?

1markiz Avatar
1markiz:#22787

>>22785
>>22786

Ihr habt recht. Es wäre natürlich kein Problem, negative Konsigwenzen für mich zu verhindern. Ich denke, es ging mir auch eher um ein "hart figgn" auf Karmaebene. So ganz wohl fühle ich mich bei dem Gedanken nämlich nicht, eine "Piratenübersetzung" anzufertigen. Zumal ich das Buch ja gerade gut und unterstützenswert finde.

Ach, ich denke, ich schreibe zunächst Verlag oder Autor mal an. Vielleicht hat sich wider Erwarten ja bereits ein Verlag die Übersetzungsrechte gesichert; ist also eine Übersetzung schon in Arbeit.

marshallchen_ Avatar
marshallchen_:#22788

>>22787
> ich denke, ich schreibe zunächst Verlag oder Autor mal an

tu es! Vielleicht bist du schon bald professioneller Übersetzer für einen Hungerlohn, hehe.

bassamology Avatar
bassamology:#22844

als autor wäre ich beleidigt, wenn jemand mir seine "fan-untertitel" anbieten würde. das hieße ja, dass man mich für unterschichtig genug halten würde, irgendwas gutzuheißen, das
1. dilletantisch (sonst hätte man es ja offiziell anbieten können)
2. ohne rücksprache mit mir
entstanden ist

lieber anonym als piratversion hochladen

tjisousa Avatar
tjisousa:#22915

>>22787
>Kafkas Kebab

Der wird nie fertig.

soyeljuaco Avatar
soyeljuaco:#22918

>>22915

Mmmh … Dönerfragmente … mmmh.

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#22924

>>22781
Ja, hast du den Sorokin gefragt? Hätte der Depp nur gewusst dass er nach Deutschland fliehen wird dann würde er diesen Eurabia-scheißdreck erst garnicht schreiben. Abgesehen davon sind dt. Übersetzungen moderner russischer Literatur in der Regel sehr schlecht und es steht immer dass da irgendeine CDU-Stiftung dahintersteckt auf dem Buch. Also: gelesen wird es nicht so gern. Und es kommt auch nicht auf Kwalität an. Hast du einen Lebenslauf für den sich eine x-beliebige Reagan-von-Schirach Stiftung nicht schämen müsste Knete zu geben? Ich hatte stets den Eindruck bei neuen eingedeutschten Bücher dass da wer dahintersteckt der die Slawistik und russische Literatur anstudiert hat aber noch immer die Sprache nicht besser versteht als ein google translate.
Hast du Kontakte? Ich würde gerne Textpassagen von dir sehen, in russisch und auf deutsch.

gojeanyn Avatar
gojeanyn:#22928

>>22915
In der Dönerbude steht ein Dönermann. Zu diesem Verkäufer kommt ein Mann vom Lande und bittet um einen Döner Kebab. Aber der Dönermann sagt, daß er ihm jetzt den Döner nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde Döner erhalten dürfen. „Es ist möglich,“ sagt der Dönermann, „jetzt aber nicht.“ Da das Tor zum Bereich hinter der Theke offen steht wie immer und der Dönermann beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor hinter die Theke zu sehen. Als der Dönermann das merkt, lacht er und sagt: „Wenn es dich so lockt, versuche es doch trotz meines Verbotes Döner zu bekommen. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Dönermann. Von Bude zu Bude stehen aber Dönermänner, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des Dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen.“ Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; der Döner soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Dönermann mit seinem Fez genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen tartarischen Bart, entschließt er sich doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Döner bekommt. Der Dönermann gibt ihm einen Schemel und läßt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche Döner zu bekommen und ermüdet den Dönermann durch seine Bitten. Der Dönermann stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn ob mit allem, ob mit Scharf und nach vielem andern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, daß er ihm noch nicht Döner geben könne. Der Mann, der sich für seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so wertvoll, um den Dönermann zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles an, aber sagt dabei: „Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben.“ Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Dönermann fast ununterbrochen. Er vergißt die andern Dönermänner und dieser erste scheint ihm das einzige Hindernis für den Erhalt des Döners. Er verflucht den unglücklichen Zufall, in den ersten Jahren rücksichtslos und laut, später als er alt wird, brummt er nur noch vor sich hin. Er wird kindisch und da er in dem jahrelangen Studium des Dönermannes auch die Kakerlaken unter seinem Kühlschrank erkannt hat, bittet er auch die Kakerlaken ihm zu helfen und den Dönermann umzustimmen. Schließlich wird sein Augenlicht schwach und er weiß nicht, ob es um ihn wirklich dunkler wird oder ob ihn nur seine Augen täuschen. Wohl aber erkennt er jetzt im Dunkel einen Glanz, der unverlöschlich aus dem Spieß des Döners bricht. Nun lebt er nicht mehr lange. Vor seinem Tode sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Dönermann noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstarrenden Körper nicht mehr aufrichten kann. Der Dönermann muß sich tief zu ihm hinunterneigen, denn der Größenunterschied hat sich sehr zu ungunsten des Mannes verändert. „Was willst du denn jetzt noch wissen?“ fragt der Dönermann, „du bist unersättlich.“ „Alle streben doch nach dem Döner,“ sagt der Mann, „wieso kommt es, daß in den vielen Jahren niemand außer mir einen verlangt hat?“ Der Dönermann erkennt, daß der Mann schon an seinem Ende ist und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: „Hier konnte niemand sonst Döner erhalten, denn dieser Döner war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und entferne den Spieß.“

ripplemdk Avatar
ripplemdk:#22929

>>22928
Ich grinste.

stevenfabre Avatar
stevenfabre:#22931

>>22928
Mehr kafkaeske Dönerliteratur, bitte.

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