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Veröffentlicht am 2015-04-24 02:09:59 in /l/

/l/ 22854: Ob von einem dreckigen alten Mann oder aus dem Untergru...

commoncentssss Avatar
commoncentssss:#22854

Ob von einem dreckigen alten Mann oder aus dem Untergrund - Notizen bleiben Notizen.

Ob ich Geld auf nicht existierende Pferde wette oder Poker spiele während ich mich besaufe ist eigentlich scheißegal und noch dazu komplett uninteressant. Vielleicht wird das hier eine Einleitung. Vielleicht sollte ich mal von mir erzählen. Naja.
Ich könnte auch darüber reden wie viele Bücher über Poker ich gelesen habe. Über Daniel Negreanu, Johnny Chan oder Doyle Brunson. Oder einfach das Maul halten weil sowieso niemand kehrt.
Ich könnte auch einfach noch weiter ein paar Namen aufzählen.
Ja natürlich, das hier ist eine Fingerübung, nichts anderes soll es sein. Dreck wird somit wohl an der Tagesordnung liegen. Verbesserungsvorschläge sind willkommen aber - worum geht es denn eigentlich?
Naja.
Ich muss besser werden. Wie wird man besser? Durch Übung. Disziplin ist ein Hund aus der Hölle und ohne Druck entstehen keine Diamanten. Was ich damit sagen will ist: Ich brauche Druck. Ohne den Druck bin ich gefickt. Deshalb das hier. Ich versuche mich selber auszupressen. Wie ich das bewerkstelligen will?

ICH WERDE JEDE WOCHE - MINDESTENS 8 WOCHEN LANG - EINE NOTIZ HINTERLASSEN

So mach ich das.
Sollen wir beginnen?
Naja.




Es regnet als wir durch die Gassen schlendern. Ich kneife die Augen zusammen, hole den Flachmann raus, hat mir ein Freund geschenkt, hat ihn extra gravieren lassen mit einem Zitat. Der Spruch ist ziemlich scheiße aber der Flachmann ziemlich praktisch. Mein Vater und mein Großvater wollen mit den fliegenden Schiffen eine typische Touristentour machen, über den großen Kanal fliegen und so. 2,50 NG. Die beiden diskutieren schon wieder über irgendwelche Dinge die mich sehr wenig interessieren. Architektur, Stadtplanung und solche Sachen. Sie reden von Venedig und wie es untergegangen ist. Ich nehme noch einen Schluck. Überall sind Bettlerkinder die mir furchtbar auf die Nerven gehen. Sie schreien alle, rennen einem hinterher und die ganz großen Hurensöhne klammern sich an deine idiotischen Beine. Es ist extrem zum Kotzen. Die Scheißkinder würden uns nicht so hart umringen wenn mein dummer Vater einfach nicht auf sie reagieren würde aber nein, er muss ja zurück schreien und sich dabei lustig vorkommen. Tut so als würde er sie verstehen und spuckt erfundene Wörter zurück in die Fressen der Kinder. Ihm scheint das Spaß zu machen. Idiot.
Wir kommen endlich zu der Anlegestelle. Ein riesengroßer Platz. Säulen, Statuen, Holos, Musik, maximale Reizüberflutung. Eine riesige Schlange von Menschen, eher eine Traube. Anstellen, Schluck nehmen, warten. Nachdem diese Tortour vorbei ist können wir endlich in das Schiff steigen. Langsam werde ich besoffen.
Mein Vater und mein Opa reden die ganze Zeit darüber, wie schrecklich es wäre wenn wir abstürzen würden und dass die 2,50NG das dann ja überhaupt nicht wert wäre. Auch das wir sterben würden wenn dieses fliegende, an ein altes Piratenschiff angelehnte, fliegendes Schiff abstürzen würde, weil das Wasser so kalt ist.
Wir steigen ein und fliegen los, der Anblick ist berauschend. Die Neonlichter der schwimmenden Lokale versetzen mich in eine melancholische Stimmung auch wenn ich innerlich euphorisch bin.
Dann stürzen wir ab.

So kalt ist das Wasser gar nicht.

agromov Avatar
agromov:#22855

Selbstsäge wegen Rechtschreibversagen übrigens.

anaami Avatar
anaami:#22859

>Verbesserungsvorschläge sind willkommen

Bitte lies den Text selbst noch einmal durch und korrigiere die schlimmsten Schnitzer. Niemand hat Lust, hinter offensichtlichen Flüchtigkeitsfehlern nach deinem eigentlichen Stil zu suchen. Im Übrigen viel Erfolg bei deinem Unternehmen und entspann dich ein wenig.

guischmitt Avatar
guischmitt:#22862

>Tortour
Willkommen im dritten Kreis der Wortspielhölle! Bitte lassen sie Arme und Ellenbogen im Fahrzeug.
Bernd gibt dir höchsten 5 (fünf) Wochen. Beweis mich aber ruhig falsch :3

>Verbesserungsvorschläge
Mag vielleicht nur ich sein, aber mich nervt Krautchan-Sprech in literarischen Texten immer irgendwie. NG passt überhaupt nicht. Ziemlicher Fremdkörper. Auch: schau dir mal den Konjunktiv II an, Bernd. Ist eine tolle Sache.

thierrymeier_ Avatar
thierrymeier_:#22865

>>22862
>mich nervt Krautchan-Sprech in literarischen Texten immer irgendwie

Widerspreche. Dein Genervt-Sein deutet darauf hin, dass du dich für etwas Besseres hältst und denkst, hier nur deine Zeit zu verschwenden. Wenn das so ist, wende dich ab, schüttle den Staub von den Füßen und geh. Der einzige gute Grund, hier etwas zu schreiben: Dass wir einen riesigen Zettelkasten voller Anspielungen, Figuren und Idiosynkrasie teilen, die es sonst nirgends gibt. Wir sollten aus diesem Fundus schöpfen und für uns selbst und füreinander schreiben, nicht für ein imaginäres Publikum, das sich ohnehin nicht für uns interessiert.

Auch deine Abgrenzung von "literarischen Texten" empfinde ich als unangenehm neurotypisch, aber das liegt vermutlich daran, dass ich mir anstelle von /l/ ein /b/ voller /l/-Bernds wünsche.

carlosgavina Avatar
carlosgavina:#22866

>>22865
Bernd hier lauerte schon auf /l/, da war der schnoddrige Dunkel-Bernd dort drüber vermutlich noch Quark im Schaufenster. Wenn denn der Zettelkasten wenigstens ein hünenhaft-umfangreicher wäre, so sagte ich vermutlich nichts. Doch einzelne Einsprengsel stechen Bernd schmerzlich ins Auge. Das Bett, Bernd, ist nicht sehr einladend. Vielleicht mag ich aber auch einfach nur das Wort NG nicht.

>ein /b/ voller /l/-Bernds
Wenn du doch ohnehin nicht so für Abgrenzung bist, dann hast du das doch schon längst?! Was willst du dann noch hier, Bernd? Was erhoffst du dir hier zu finden, das du auf /b/ nicht hast?

pehamondello Avatar
pehamondello:#22867

>>22866
Dann sind wir ohnehin einer Meinung. Der Text ist halt nicht besonders (nicht böse sein, OP) - elegante und kluge Verwendung von Berndsprachelementen wäre da eher verwunderlich.

>Was willst du dann noch hier, Bernd?

A-aber ich kann doch sonst nirgends hin - das mit /b/ kannst du ja nicht ernst meinen, bitte lies den ganzen Satz. Ich hätte einfach gern einen Ort, wo ich mich mit Leuten unterhalten kann, die mehr so sind wie ich und weniger so wie die anderen. Bald werde ich mir ein Privatbrett auf localhost einrichten und nur noch mit mir selbst geistreich über meinen Stuhlgang plaudern.

t1mmen Avatar
t1mmen:#22870

Danke. Ja ich hätte es wohl noch einmal lesen/editieren sollen vor dem Pfostieren. Bei NG war ich mir auch nicht sicher, hatte schon etwas anderes stehen aber mich dann doch umentschieden.
Ob ich die 8 Wochen schaffe werde? Ich werde es auf jeden Fall versuchen.
Dass der erste Text kein Geniestreich ist, ist mir natürlich bewusst aber mir geht es ja eben darum besser zu werden.

syntetyc Avatar
syntetyc:#22882

>>22854

Dieser Text machte mich den Autor – im Gegensatz zu einigen anderen – nicht hassend. Das ist schon einmal eine Leistung.

>>22865

>Dass wir einen riesigen Zettelkasten voller Anspielungen, Figuren und Idiosynkrasie teilen, die es sonst nirgends gibt. Wir sollten aus diesem Fundus schöpfen und für uns selbst und füreinander schreiben, nicht für ein imaginäres Publikum, das sich ohnehin nicht für uns interessiert.

Hätte ich einen Drucker, würde ich mir das ausdrucken und an die Wand hängen. Kunstrasenberndstyle.

alexradsby Avatar
alexradsby:#22901

Eigentlich hatte ich nicht vor, auf den ersten Text noch einmal einzugehen (der übrigens auf einem Traum basiert). Habe aber nun heute gestern dies geschrieben, werde diese Woche möglicherweise noch eine weitere Notiz aus der Lauerhöhle hinterlassen. Mal sehen.

Mitten im Raum steht ein Würfel aus Wasser. Ein paar wenige Sonnenstrahlen finden den Weg durch die zugenagelten Fenster und fallen auf den braunen Teppichboden. Staubkörner fliegen durch die Luft. Ich kann den Würfel nach belieben verschieben, ihn sowohl kleiner als auch größer machen. Mein Freund, der Besitzer dieses Objektes,scheint meine Verblüffung bemerkt zu haben und erklärt mir, wie das Ganze funktioniert. Magnetische Spannung sagt er. Ich wundere mich zwar was Magnetismus mit Wasser zu tun haben soll aber ich möchte auf der anderen Seite auch nicht wie ein Idiot dastehen und halte lieber meinen Mund. Heutzutage gibt es ja schon wirklich alles. Trotzdem ist das Objekt sehr beeindruckend.
Mein Vater und mein Großvater sind vor 2 Monaten bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen. Eigentlich war es ein fliegendes Schiff, trotzdem sind sie ertrunken. Sie waren auf einem Rundflug über den großen Kanal in Zirgo, der Hauptstadt Broniens als das Schiff abstürzte. Direkt in den Kanal gekracht. 2,50NG hat der Rundflug gekostet. Weniger als eine Packung Zigaretten. Ich war auch an Bord. Bei dem Absturz habe ich mich mehr um die Rettung meines Tablets gekümmert als um meinen idiotischen Vater oder meinen Großvater, den ich immer schon unter Verdacht hatte, im Krieg furchtbare Dinge getan zu haben. Sprich, ich hatte keine Schuldgefühle als die Beiden den Löffel abgaben. Etwas anderes, was ich zuvor noch nicht hatte, hatte ich allerdings nach dem Absturz: Angst - Angst vor Wasser. Aquaphobie hat der Arzt gesagt. Was man dagegen tun kann wüsste er nicht und ich solle am besten einen Psychologen aufsuchen. Ich und ein Psychofritze? Das ich nicht lache! Hab ich dem Arzt so natürlich nicht gesagt und nur gefragt ob er mir nicht noch ein paar Beruhigungstabletten verschreiben könnte. Hat er auch gemacht, ich hatte ja schließlich gerade zwei Familienmitglieder verloren. Der Arzt war fast so ein großer Idiot wie mein Vater.
Ich betrachte den Würfel von allen Seiten, er fasziniert mich aber er ängstigt mich auch ein wenig. Vek, so heißt mein Freund, hat mir von dem Würfel erzählt als ich ihm vor kurzem, bei einem Bier, meine Aquaphobie offenbarte. Anfänglich hat er nur gelacht und mir nicht so recht glauben wollen. Wir kennen uns schon lange und so etwas sieht mir eigentlich gar nicht ähnlich aber als ich ihn davon überzeugen konnte, dass ich ihn nicht einfach nur auf den Arm nehmen will, erzählte er mir von dem Würfel. Vek ist ziemlich reich, ich bin nur ein armer Jacker aber irgendwie muss man ja über die Runden kommen, auf jeden Fall hat er sich das Teil einfach so zum Spaß gekauft, aus irgend einem Grund war es wohl illegal so etwas zu besitzen, weshalb er es hier, in einer alten Hütte, die er nur zum Zwecke der Aufbewahrung seiner, sagen wir mal nicht so ganz rechtskonformen Besitztümer, zugelegt hat. Wir sind mitten in der Wüste.
Ich betrachte den Würfel, er fasziniert mich doch ich habe Angst. Vek redet mir gut zu, versucht mir erst Mut zu machen und feuert mich dann schon regelrecht an. Ich stelle meinen Fuß hinein, das kalte Wasser fühlt sich gut an auf meiner, vom Schweiß überzogenen Haut. Adrenalin wird ausgeschüttet, Vek schreit immer wieder meinen Namen, ich mache den zweiten Schritt, stehe jetzt direkt in der Mitte des Würfels. Komplett eingeschlossen vom Wasser habe ich keine Angst mehr, keine Angst mehr vor Wasser, keine Angst mehr vor nichts.
Ich lege den Kopf in den Nacken, schließe die Augen.
Und atme ein.

abdots Avatar
abdots:#22902

>>22901
Mir gefällt es sehr gut, OP. Hat mir gefallen, dass es eine runde Sache wurde, durch das mysteriöse Objekt. Auch alles schön mythisiert. Würde mehr davon lesen. Der Erzähler sollte allerdings auch bald sein Fett abkriegen, nicht immer nur die anderen. Wie wäre es, wenn er leicht verhüpfstert ist und seinem Vater krumm nimmt, das falsche Bier getrunken zu haben oder so?

snowwrite Avatar
snowwrite:#22903

>>22902

Brufaust für Jaheira.

csswizardry Avatar
csswizardry:#22904

>>22903
Überlegen.

scottgallant Avatar
scottgallant:#22907

>>22902
Danke. Überrascht mich, da ich es selber nicht so gut finde.
Um die Zeit zu überbrücken hier noch 2 Gedichte, die ich im Vollsuff geschrieben habe. Als .jpg wegen Formatierung und so.

Weitere Notizen folgen.

aio___ Avatar
aio___:#22908

>>22907
Sind die Rechtschreibfehler wegen Suffauthentizität noch drin? >:3

aiiaiiaii Avatar
aiiaiiaii:#22910

>>22908
Natürlich nicht.

chrstnerode Avatar
chrstnerode:#22919

Das ist eine Notiz.
Ich denke an Leid. Ich denke darüber nach was Houellebecq über Leid so zu sagen hat. Sozusagen.

>Willkommen im dritten Kreis der Wortspielhölle! Bitte lassen sie Arme und Ellenbogen im Fahrzeug.

Er hat schon recht. Er auch

Gestern habe ich Drogen genommen. Davor habe ich gesoffen. Davor war ich Basketball spielen. Davor habe ich mir die Zähne geputzt und mir mein Arschloch ausgewischt. Davor habe ich meinen Rausch ausgeschlafen. Da vorne ist der dritte Kreis der Wortspielhölle.
Nachdem ich die Drogen MDMA konsumiert habe, bin ich in eine Bar gegangen. "Bar" ist in diesem Fall ein Euphemismus der Sonderklasse. Sogar die heruntergekommenste Spelunke, das abgesiffteste Loch, das sich Lokal schimpft, ist noch wesentlich besser, als diese persönliche Zumutung, die dieses Stück Dreck einer Lokalität repräsentiert.

Die Musik: Schlager.
Die Preise: Zu Hoch.
Das Klientel inklusive mir: Ins Gas!

>Du willst persönliche Texte - fang' ein Tagebuch an

Ich setze mich auf den Barhocker und bestelle ein Bier, abgesehen von mir, befinden sich vielleicht noch 4 weitere Personen in diesem spärlich beleuchtetem, von ekelhaften Schallwellen zugemülltem Raum. Eine Mulle ist dabei, von hinten schaut sie tubar aus. Blond, schlank - tubar. Sie redet mir einem Kerl. Ich frage mich ob es ihr Freund ist. Dann frage ich mich ob das eine Rolle spielt. Dann denke ich an Leid und das was Houellebecq so darüber zu sagen hat.
Er hat schon Recht und ich, habe keinen Bock auf Leiden. Zumindest nicht per se an sich. Aber nachdem ohne Leid ja nichts von Bedeutung entstehen kann, spreche ich die Mulle an. Auch von vorne schaut sie tubar aus. Eigentlich spreche ich sie nicht an, sondern unterbreche das Gespräch, das sie gerade mit dem Kerl führt. Ich unterbreche das Gespräch vor allem deshalb, weil die dumme Aufmerksamkeitshure förmlich schreit, dass sie dafür ist, das jeder der arbeiten kann auch zu jeder Zeit arbeiten muss. Das kotzt mich auf der einen Seite zwar an, aber auf der anderen Seite will ich auch einfach mit der Mulle reden. Reden um mich zu profilieren. Um ihr - oder mir - Leid zuzufügen.
Sie leidet. Sie hat Arthritis. Sie ist 25 und hat Arthritis. Ich sage ihr, weil ich gerne leide i.e. in Fettnäpfchen trete dass ich dachte, nur alte Menschen seien davon betroffen. Sie lacht und streicht sich die Haare hinter das Ohr.

>Jaja, das glauben die Meisten.

Die Drogen wirken und ich bin tatsächlich schon besoffen welch Wunder. Ich bestelle ein Glas Wasser. Dann noch eins.
Wir reden darüber wann jemand arbeiten sollte und wann nicht und das sie Ausländer eigentlich eher scheiße findet. Da beschließe ich sie nicht zu ficken. Sie sagt ich soll ihr Armgelenk angreifen. Es ist ganz steif. Sie kann es nicht abbiegen. Ich habe kein Mitleid. Mein Schwanz allerdings schon. Wir unterhalten uns noch ein wenig über ihre politische Einstellung und ich gebe ihr meistens recht, stelle hin und wieder etwas in Frage aber werde nie offensiv. Klassisch bleiben.
Wenn ich mehr Geld dabei gehabt hätte, hätte ich wohl auch noch einiges getrunken und sie dann blackout-gefickt.

Gut dass ich kein Geld mehr dabei hatte.





Unbearbeiteter Dreck aber immerhin liefer ich. Ich schaff die 8 !

>>22902
Irgendwie hätte ich schon auch Lust mehr daraus zu machen... Mal sehen

ffbel Avatar
ffbel:#22920

Dassssssssssssssssssssssssss

devankoshal Avatar
devankoshal:#22932

>>22919
Arschlöcher waren für Jahrhunderte die Lieblinsprotagonisten europäischer Literatur.
Mach nicht mit! Verweigere dich!

trickyolddog Avatar
trickyolddog:#22934

Tru ist seit ungefähr fünfzehn Jahren obdachlos, wie lange genau weiß er selber nicht mehr wirklich, es interessiert ihn auch nicht. Es gibt viele Arten und Weisen wie oder besser gesagt - warum - man in die Obdachlosigkeit abrutschten kann. Seine gehörte zu einer der klassischeren Varianten. Er kam von der Arbeit nach hause, zog sich die Schuhe aus, goss sich ein Glas synth Wodka ein und setzte sich auf seinen Ledersessel. Echtes Leder, Tru hatte sehr lange dafür sparen müssen. Er lauschte, wie fast an jedem Abend, den Klängen längst verstorbener Komponisten als plötzlich der Strom ausfiel.

Faerd? FAERD!?

Faerd war sein Sohn, der sich gewöhnlich nach dem Aufstehen ins Netz ein und kurz vor dem Schlafengehen wieder ausklinkte.
Keine Antwort.
Tru tastete sich durch die Wohnung Richtung Faerds Zimmer. Teppichböden dämpften seine Schritte. Er klopfte an die Türe.
Keine Antwort.

FAERD BIST DU DA DRINNEN?
Keine Antwort.

In dem Moment als er die Türe öffnete, ging das Licht wieder an. Sein Sohn lag, mit runter gezogener Hose und verkohltem Kopf in seinem Schreibtischsessel. Tru hatte schon davon gehört, er dachte immer es wären nur Gerüchte, um sowohl den Eltern als auch den Kindern Angst einzujagen. Und jetzt hatten sie den Kopf seines Sohnes gegrillt. Das passiert wenn Jacker die Hirnleistung von externen Quellen i.e. Menschen, die sie gejacked haben oder die sich für viel NG freiwillig jacken haben lassen, zu stark beanspruchen.
Tru reagierte kaum. Tränen flossen ihm über die Wangen, er ging zurück ins Wohnzimmer und goss sich noch einen synth Wodka ein, dann noch einen und dann hat er einfach aus der Flasche weiter gertunken. Aus den Boxen dröhnte eine Sonate von Beethoven. Tru trank. Seine Frau hat sich 3 Tage nach dem Tod von Faerd erhängt. Tru hat weiter getrunken. Bis vor 6 Monaten.
Nicht einmal als er mit einer riesigen Narbe am Hinterkopf und ohne jegliche Erinnerungen an die drei vorangegangenen Tage, in einem Krankenhaus aufwachte, hatte er damit aufgehört. Seltsamerweise waren damals jegliche Rechnungen für den Aufenthalt beglichen worden und die Ärzte schickten ihn kommentarlos wieder "nach Hause". Das war ihm alles scheißegal, er registrierte es kaum, wunderte sich nur, warum er keine Entzugserscheinungen hatte. Die kamen aber schnell wieder. Wie auch vor 6 Monaten. Er hatte nur noch eine fast leere Flasche Wodka. Synth natürlich. Es war Sonntag also hatten die Alkoholmärkte geschlossen aber Geld hatte er sowieso keines. Er nahm immer nur einen Schluck wenn das Zittern unerträglich wurde. Er wägte seine Optionen ab. Viel blieb ihm nicht. Einen anderen Penner anschnorren, was selten mit Erfolg gekrönt war. Nicht einmal mehr die Obdachlosen hielten mehr zueinander, manchmal tat man sich für ein paar Tage zweckbedingt zusammen aber niemand vertraute mehr niemandem und jeder versuchte sich auch in den noch so banalen Situationen (wie zum Beispiel wer als erster einen Schluck nehmen darf) einen persönlichen Vorteil herauszuschlagen. Er hätte auch zur Partymeile fahren können um nach Resten der vergangenen Nacht zu suchen aber die Putztrupps hatten ihre Runden schon gedreht und außerdem hätte er mit dem Pfeil oder zumindest dem Kreis fahren müssen, was immer das Risiko in sich barg, erwischt zu werden. Und in die Ausnüchterungszelle wollte er auf keinen Fall wieder. Also entschloss er sich für die einzige Option die ihm noch blieb: Mundwasser. Die Pepshops hatten natürlich offen und Mundwasser war auf jeden Fall noch besser als Parfum also ging er los. Der nächste Pepshop war zwar nicht in der Nähe aber zu Fuß, innerhalb einer Stunde zu erreichen. Nach einer halben Stunde war die Flasche leer. Kurz vor seinem Ziel, er merkte schon wie die Hände wieder zu zittern begannen, sah er, wie sich in einer Seitenstraße, eine Sackgasse die voll mit Müll war, etwas bewegte. Er dachte erst an eine Ratte oder einen Marder, wollte schon weitergehen als ein kleines, bis auf die Knochen abgemagertes, Fell verklebtes Kätzchen aus dem Schatten sprang.
Miau
Tru traute seinen Augen kaum. Als er das letzte mal eine lebendige Katze gesehen hatte, war sein Sohn noch nicht einmal geboren gewesen. Er war selbst noch ein Kind, mit seinen Eltern auf Besuch bei reichen Bekannten. Es war eine der wenigen Reisen die ihn bis über die Grenzen der Stadt hinaus brachten.
Miau

guischmitt Avatar
guischmitt:#22935

>>22934
Er ging auf sie zu, streckte seine dreckige, zittrige Hand aus und sie hüpfte einfach hinein, drehte sich einmal im Kreis und legte sich hin. Die Katze war winzig, kaum größer als eine Schachtel Zigaretten. Tru streichelte sie mit seinem Zeigefinger woraufhin sie erst zu schnurren begann und dann versuchte in den Ärmel seines Mantels zu klettern. Tru spürte etwas, das er schon sehr lange nicht mehr gespürt hatte. Er spürte Glück. Er wusste nicht was er tun sollte. Er wollte sie liegen lassen. Eine Katze? Verrückt. Er konnte ja kaum für sich selbst genug Essen besorgen und Verantwortung? Das Wort kam ihm fremd vor. Er fasste einen Entschluss, steckte die Katze in seine Manteltasche und ging weiter.
In dem Pepshop stand er zwanzig Minuten vor dem Mundwasser. Der kalte Schweiß rann ihm die Stirn hinunter.
Ich kann das nicht, ich kann das nicht, ich kann das nicht.
Dann drehte er sich um, ging zur Feinkostabteilung, griff sich ein Stück Pseudofleisch als der Angestellte gerade wegschaute, schob es sich in seine Innentasche und ging Richtung Ausgang. Er war schon fast an der Kassa vorbei als ihn die Kassiererin anschrie.

HALT!

...

BLEIBEN SIE STEHEN

...ich

Tru kämpfte mit den Tränen, er griff in die Jackentasche, holte das Kätzchen heraus, hielt es der Kassiererin hin und formte das Wort "Bitte" mit den Lippen.
Die Kassierin starrte das Kätzchen an, schaute ihm ins Gesicht und formte das Wort "Geh" mit den Lippen.
Tru ging und niemand hielt ihn auf.
Auf dem Namensschild der Kassiererin war Nekaa zu lesen. So sollte die Katze heißen beschloss er. Nekaa. Schöner Name.
Seit diesem Tag trinkt Tru nicht mehr. Obdachlos ist er noch immer aber bald sollte auch das sich noch ändern.










Puh keine Ahnung... Zu dick aufgetragen? Und hab ich sehr viele Tempusfehler drinnen? Da tu ich mir furchtbar schwer. Diese Notiz gehört auf jeden Fall zu den ersten beiden, ich weiß auch schon ungefähr was in der nächsten stehen wird. Wollte eigentlich alles mögliche schreiben hier und auf einen roten Faden scheißen aber so fällt es mir scheinbar leichter. Wie gesagt alles Fingerübungen um besser zu werden.

starburst1977 Avatar
starburst1977:#22936

>>22932
Schön gesagt.

thinkleft Avatar
thinkleft:#22937

>>22935
>>22934

Ach, ich finde es schön, dass du dir das mit "keine Arschlöcher" zu Herzen genommen und dich nicht von NG abbringen hast lassen. In der Rückblende wechselst du zwischen Vorvergangenheit (hatte) und Mitvergangenheit (war), das ist schlecht. Du achtest nicht auf deine Beistriche, das ist auch schlecht. Bitte behandle sie in Zukunft besser.

Zu dick aufgetragen ist es ganz und gar nicht. Im Übrigen soll ich dir von Klingenläufer Grüße bestellen. Er malt jetzt.

souperphly Avatar
souperphly:#22938

>>22937
Beistriche... Ja da tue ich mir schwer. Danke für die Antwort Bernd! Und Klingenläufer kenne ich zwar nicht aber Grüße gehen zurück :3

joynalrab Avatar
joynalrab:#22939

>>22937
Und von wegen Arschlöcher. Ich hab die Geschichte dieses mal schon komplett im Kopf gehabt und das Kommentar erst gelesen als ich angefangen habe zu schreiben aber ich werde es im Hinterkopf behalten.
Ich bin auf jeden Fall schon einmal froh, dass ich scheinbar nicht kompletten Müll fabriziere.
Bis jetzt noch kein Kommentar das ich es besser gleich bleiben lassen soll ist auch schon :3

chrstnerode Avatar
chrstnerode:#22941

>>22938

Selbstsäge weil ich Klingenläufer nicht sofort verstanden hab.
Grüße zurück von Jonas, nur Jonas.

syntetyc Avatar
syntetyc:#23010

Ich sitze vor meine Maschine. Ich sehe wie Neeka auf meinem Bauch schläft. Seinem Bauch. Tru war einer der Ersten denen ich einen Full-Jack verpasst habe. Furchtbar blutige Angelegenheit aber wenn man das richtige Kit hat, (und es ist verdammt schwer an ein wirklich gutes Kit zu kommen) ist es keine Raketenwissenschaft. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ziemlich viel NG und ziemlich gute Kontakte. Ich habe den armen Schlucker sogar danach ins Krankenhaus verfrachtet, um auf Nummer sicher zu gehen. Der Vorteil bei Alkoholikern ist der, dass man sie jederzeit anzapfen kann, ohne dass sie es jemals hinterfragen. Blackout? Normal. Tru trinkt aber nicht mehr. Auf einmal hatte er dieses Kätzchen, Neeka nennt er sie (schöner Name) und seit diesem Zeitpunkt habe ich ihn, kein einziges mal mehr, einen Schluck nehmen sehen. Jetzt klinke ich mich nur noch selten bei ihm ein. Hin und wieder zapfe ich ihn in der Nacht an aber mittlerweile habe ich schon genügend Gespenster. Ich zapfe ihn zwar nicht mehr an aber ich klinke mich fast täglich kurz bei ihm ein. Er wohnt jetzt sogar in einer Hütte. Hat sie selber aus Müll gebaut. In den toten Vierteln sieht man solche Bauwerke oft, manchmal werden Siedlungen daraus, die allerdings meistens auch sehr schnell wieder verschwinden. Trus Hütte steht im hintersten Eck einer Sackgasse, klein und unscheinbar, genau wie das Kätzchen.
Stimmen nähern sich. Ich kann nicht verstehen was sie sagen. Sie sprechen Pid-gint. Die Türe der Hütte wird eingetreten. Tru wacht auf, Neeka verkriecht sich in seiner Manteltasche, Hände zerren ins Freie. Es regnet. Drei Männer, offensichtlich Prawler, dumme, mit Hormonen vollgepumpte halbstarke Versager, die selten eine Chance hatten etwas aus sich zu machen und diese auch nur in den seltensten Fällen nutzten. Präsident Luger war angeblich auch mal ein Prawler aber wirklich glauben tut das keiner mehr. Die Drei sind Mitte bis Ende Zwanzig, alle tragen Plastikjacken, auf deren Rückseite ein großer Hirschkopf aufgesprüht wurde. Sie tragen Glatze aber einer, scheinbar der Anführer, trägt einen Militärhelm. Tru sagt er hat das Geld noch nicht, er bringt es nächste Woche ganz bestimmt. Gestern hatte er ein Vorstellungsgespräch im Pepshop und morgen den ersten Probetag. Der Helmträger schlägt im die Faust, mit voller Wucht, ins Gesicht. Einer der beiden Lakaien zückt eine Eisenstange, überreicht sie dem Helmträger und der andere drückt Tru auf den Boden. Der Helmträger drischt mit der Eisenstange auf die Schienbeine ein. Immer und immer wieder, Schweiß läuft ihm von der Stirn, tropft auf den Boden und vermischt sich mit Blut und Regenwasser. Tru schreit, seine Beine sind vom Knie abwärts nur noch Fetzen aus Fleisch. Die Drei lachen, spucken ihn an und übergießen ihn mit synth Wodka. Tru wimmert, bettelt um Gnade, denkt an Neeka. Die Leuchtreklamen spiegeln sich in Tränen, Blut, Schweiß und Regen. Der Helmträger greift in seine Tasche, holt eine kleine Bohrmaschine heraus, greift in seine andere Tasche und bringt ein goldenes, kleines Hirschgeweih und zwei, fast zehn Zentimeter lange Schrauben zum Vorschein. Ein Lakai verpasst Tru eines mit der Eisenstange auf den Hinterkopf, Tru wird bewusstlos. Sie reißen seinen Kopf an den Haaren nach oben, der Anführer steckt die Schrauben durch Löcher im Hirschgeweih, setzt es Tru an die Stirn und bohrt sie ihm in den Schädel. Mein Bild ist kaum noch erkennbar aber ich sehe noch wie alles in Flammen aufgeht. Ich klinke mich aus. Renne zur Türe, steige auf mein Bike und gebe Vollgas.






Habe mich dieses mal sehr überwinden müssen in die Tasten zu hauen. Die drei Typen hätte ich wahrscheinlich von Anfang an etwas genauer beschreiben sollen. Ich glaube die nächste Notiz wird wieder etwas anderes. Naja.

https://www.youtube.com/watch?v=Llf6t6KgQqY

carlyson Avatar
carlyson:#23068

Warum Präsens? Warum so löschend? War keine Bewusste Entscheidung, fällt mir wohl einfach leichter. Ist wohl nicht der richtige Ansatz um besser zu werden. Naja.

Heute mal was anderes. Ich habe diesem Fragmenthaufen, das Genre der Notiz (wenn man da überhaupt von einem Genre reden kann) untergejubelt. Darüber habe ich nachgedacht und bin zu dem Schluss oder besser gesagt, der Erkenntnis gekommen, das Notizen im Kern immer etwas persönliches, privates oder vielleicht sogar intimes tragen. Natürlich sind alle Texte die man produziert, auf die ein oder andere Weise, persönlich aber in einer wissenschaftlichen Abhandlung über Raketenwissenschaft, lässt sich wohl weniger über die Persönlichkeit des Produzenten sagen, als in einer - sagen wir mal - Notiz.
Warum überhaupt Notizen? Vielleicht sollte ich von Aufzeichnungen sprechen. Die aus dem Untergrund (oder dem Kellerloch) sind gar nicht so wichtig, viel mehr sind es die, eines dreckigen alten Mannes, oder sollte ich sagen - Außenseiters?
Der Außenseiter hat auch jede Woche etwas geschrieben und in seinem Fall eine Kolumne. Früher war ich ein sehr großer Lüfter von ihm, mittlerweile hat sich das geändert, wobei ich gestehen muss, hin und wieder kann er mir trotzdem noch ein Schmunzeln entlocken.
Ursprünglich wollte ich hier auch, wie schon erwähnt, sehr viele verschiedene Texte hinterlassen aber dann bin ich in diese andere Welt abgerutscht. Ich habe sehr oft, sehr intensive Träume und nachdem mir nicht besseres eingefallen ist, habe ich einfach einen herangezogen und die Fetzen, an die ich mich noch erinnern konnte, halbwegs zusammengeflickt. Aber dann hat mich das Ganze nicht mehr losgelassen. Ich habe mir Geschichten zurechtgelegt, habe sie auch hinterlassen, nur stehe ich an. Eigentlich stehe ich gar nicht an, eigentlich ist es mir nur zu anstrengend, mir wirklich etwas Kreatives Auszudenken. Im Grunde genommen fände ich es sogar sehr verlockend, eine Welt, eine Galaxie oder ein Universum zu erschaffen. Aber da müsste Bernd sich ja wirklich hinsetzen und etwas tun, das widerspricht doch seinem Wesen!
Es widerspricht allerdings auch seinem Wesen konsequent zu sein, oder etwa nicht? Aber hier sitze ich doch und schreibe, auch wenn es mich dieses Mal wieder große Überwindung gekostet hat, die 8 muss ich schaffen! Aber ich mache es mir natürlich auch leicht. Oder komme ich mit diesem Text, der Idee einer Notiz, viel näher? Ich denke es spielt überhaupt keine Rolle. Auf was ich hinauswollte war, ich bin (bis jetzt) konsequent geblieben. Vielleicht kann ich auch etwas wirklich Kreatives erschaffen aber ich denke hier, ist nicht der richtige Ort dafür. Nur hier, habe ich wenigstens Bernd, der mich auslachen wird (in Wirklichkeit wird eh einfach nicht kehren), sonst habe ich nur mich. Das wird nicht reichen. Wahrscheinlich ist es aber sowieso noch zu früh, sich an etwas größeres heran zu wagen. Wahrscheinlich sind Notizen momentan genau das richtige. Wahrscheinlich spielt es wirklich keine Rolle was ich hier schreibe, Hauptsache ich tue es.

starburst1977 Avatar
starburst1977:#23076

>>23068
Ich finde diesen Gesprächston angenehmer als den Stil deiner übrigen Texte. Wahrscheinlich ist es eine gute Idee, von diesem ausgehend nach einer eigenen Ausdrucksweise zu suchen. Die Beistriche leiden freilich weiter unter deiner Gleichgültigkeit.

slaterjohn Avatar
slaterjohn:#23078

>>23076
Dankeschön. Das mit den Beistrichen nehme ich mir zu Herzen, ich habe nur momentan sehr viel um die Ohren, auch den vorigen Text hab ich gestern unter ziemlichem Zeitdruck verfasst. So zu schreiben liegt mir auf jeden Fall mehr, also nicht unter Zeitdruck, sondern in dem erzählerischen Ton. Ich denke mir dann halt schnell, dass das alles sehr belanglos ist aber vielleicht sollte ich darauf noch nicht so viel Wert legen. Danke auf jeden Fall für deinen Input, weiß ich sehr zu schätzen.

karlkanall Avatar
karlkanall:#23126

Der Produzent sitzt neben mir, trinkt Bier mit Mineralwasser. Er ist jetzt bei einer Steuerberatungsfirma. Hauptsächlich ist er für Mixing und Mastering zuständig. Wir kennen uns schon sehr lange. Früher haben wir gemeinsam Musik gemacht. Ich versuche erwachsen zu wirken, in dem ich die leeren Bierdosen, der Anderen, in den Mülleimer werfe.
Was ich so mache? Eh so wie immer und ja das mit dem Studium nehme ich jetzt wirklich ernst. Musik mache ich auch noch, ja, im Herbst sollte was rauskommen.
Ich gebe mir Mühe, wirklich daran zu glauben was ich sage. Ich gehe in mein Zimmer Speed ziehen. Das Bier macht müde. Wir verlassen die Wohnung. Ich, er und noch ein paar andere Affen. Er hat seine Ausbildung gemacht, viel und hart gearbeitet und jetzt hat er einen Manager. Ich fühle mich minderwertig. Ich bin tief davon überzeugt ein Versager zu sein. Ich bin tief davon überzeugt, dass er ein Gewinner ist. Mit seiner Freundin, die gerade in England ihren Phd macht, ist er seit vierzehn Jahren zusammen. Meine Freundin hat mich nach 10 Jahren verlassen. Ich weiß, das er mich schätzt. Ich weiß, das er nicht glaubt, ich sei ein Idiot. Da täuscht er sich. Mein Wahnsinn, meine Idiotie sind meine Stärken. Das macht alles nichts.
Wir fahren durch die Stadt, gehen über Straßen, treffen Freunde. Er geht früh nach Hause. Muss arbeiten am nächsten Tag. Ich trinke bis 12 Uhr vormittags weiter, schlafe sieben Stunden, mache mir ein Bier auf und hinterlasse eine Notiz.

Alles ist so mühsam

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mikaeljorhult:#23194

Ich sitze hier einfach rum und schreibe. Ich trinke hier einfach Rum und schreibe und versuche immer noch dem dritten Kreis der Wortspielhölle zu entwischen. Der Erfolg hält sich in Grenzen.


Vor meinem Fenster fährt die Hochbahn in unregelmäßigen Abständen vorbei und erhellt mein, bis auf das Licht des Bildschirms, komplett verdunkeltes Zimmer. Das Fenster bleibt geschlossen, draußen ist die Luft sowieso nicht besser. Kahle, unverputzte Betonwände sind meine Zierpflanzen und der alte kaputte Parkettboden meine schön gerahmten Kunstdrucke. Es gibt tatsächlich noch Menschen, die sich so etwas kaufen. Im meiner Welt existieren sie nur als reine Vorstellung. In ihrer Welt existiere ich ganz einfach nicht. Ich nehme noch einen Schluck. Im sechsundvierzigsten Stockwerk beginnt die Einsamkeit erst wirklich Sinn zu machen. Ich lebe in einer Zelle aber wenigstens habe ich sie mir selber ausgesucht. Es ist nicht so, dass ich davor Angst hätte sie zu verlassen, ich sehe nur einfach keinen Grund dafür. Wenn ich arbeiten will, arbeite ich. Meistens trinke ich tagelang durch, wache am Boden auf, zitternd und nicht selten in der eigenen Pisse schwimmend. Durch das kleine, vergitterte Fenster in meiner Türe, nehme ich die Bestellungen entgegen. Meine Arbeit ist sehr leicht, eigentlich ist es keine Arbeit mehr. Andere arbeiten jetzt für mich aber es gab eine Zeit in der ich nichts anderes gemacht habe. Immer gab es etwas zu optimieren oder zu erweitern, Kontakte mussten geknüpft und Beziehungen gepflegt werden. Das überlasse ich jetzt alles meinem System, ich habe es erschaffen und perfektioniert, da kann mir keiner etwas vormachen. Ich habe immer noch einen sehr guten Ruf und deshalb auch keine Probleme an neue Aufträge zu kommen. Mit manchen Kollegen von damals habe ich noch Kontakt, wobei ich mir nie sicher bin ob ich wirklich mit einem Menschen rede. Ich nehme noch einen Schluck, die Türglocke läutet und ich nehme meine Bestellung entgegen. Reis, Wasser und ein Liter Schnaps. Ich gieße mir noch ein Glas ein, während die nächste Hochbahn ihr Licht über meinem Essen verteilt.
Die Zeiten haben sich geändert aber ich denke nicht das früher etwas, geschweige denn alles, besser war. Ich glaube es war genau gleich wie jetzt. Gleich gut, gleich beschissen, gleichgültig. Niemand hat jemals ein Recht gehabt aber auch nicht gebraucht zu existieren. Die Existenz, das Leben, ist kein Geschenk. Man wird nur auf die Probe gestellt, wie lange man dem ewigen Leid standhalten kann. Jeder muss seine eigene Abwehrstrategie entwickeln, der eine arbeitet, der andere trinkt. Nichts ist besser, nichts ist schlechter. Das war schon immer so und das wird wohl auch immer so bleiben. Niemals wird man das Leid in die Knie zwingen können, man kann damit kokettieren, kann es sich zum Vorteil machen wenn man gut damit umgehen oder es sogar formen kann. Manche gewöhnen sich vielleicht besser daran, schaffen es sogar sich vorzugaukeln es tatsächlich bezwungen zu haben. Lächerlich. Aber es spielt keine Rolle mehr wenn man das einmal begriffen hat dann ist es so als würde man darüber nachdenken müssen warum man atmet.
Es wird schon langsam spät. Ich gieße mir noch ein Glas ein und schaue dem System bei der Arbeit zu. Die letzte Hochbahn ist schon gefahren aber trotzdem ist es hell in meinem Zimmer. Es muss schon länger hell sein aber ich war zu sehr in Gedanken vertieft, um es zu bemerken. Ich gehe zum Fenster, öffne es und kann meinen Augen nicht trauen.




Ja insgesamt war da schon viel Dreck dabei aber die 8 hab ich (sofern ich richtig gezählt habe) geschafft. Danke für die Aufmerksamkeit, mal sehen wie es weitergehen wird.

oanacr Avatar
oanacr:#23196

>>23194

Sehr gut gefielen mir die Einfälle über das Leben, als ewige Monotonie. Außerdem der hier vertretene Wertrelativismus wurde treffend in Worte gefasst.

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okcoker:#23198

>>23194
Gefällt mir schon wieder gut, Bernd. Bitte bleib dran.

Zwei Marginalien (kann man diskutieren, ist mir eben aufgefallen) -

>Das überlasse ich jetzt alles meinem System[.] Ich habe es erschaffen und perfektioniert, da kann mir keiner etwas vormachen.
>Niemals wird man das Leid in die Knie zwingen können[.] Man kann damit kokettieren, kann es sich zum Vorteil machen wenn man gut damit umgehen oder es sogar formen kann.

Sprachlich finde ich einiges, das ganz lieblich ist. Eine meiner Lieblingsstellen:
>Ich gieße mir noch ein Glas ein, während die nächste Hochbahn ihr Licht über meinem Essen verteilt.

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