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Veröffentlicht am 2016-02-21 13:32:2 in /l/

/l/ 24160: Lasst uns eine Blütenlese trauriger Gedichte zusam...

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jodytaggart:#24160

Lasst uns eine Blütenlese trauriger Gedichte zusammentragen.

Nikolaus Lenau - Herbst

Nun ist es Herbst, die Blätter fallen,
Den Wald durchbraust des Scheidens Weh;
Den Lenz und seine Nachtigallen
Versäumt’ ich auf der wüsten See.

Der Himmel schien so mild, so helle,
Verloren ging sein warmes Licht;
Es blühte nicht die Meereswelle,
Die rohen Winde sangen nicht.

Und mir verging die Jugend traurig,
Des Frühlings Wonne blieb versäumt;
Der Herbst durchweht mich trennungschaurig,
Mein Herz dem Tod entgegenträumt.

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stayuber:#24161

Georg Trakl - In ein altes Stammbuch

Immer wieder kehrst du Melancholie,
O Sanftmut der einsamen Seele.
Zu Ende glüht ein goldener Tag.

Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige
Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.
Siehe! es dämmert schon.

Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches
Und es leidet ein anderes mit.

Schaudernd unter herbstlichen Sternen
Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.

murrayswift Avatar
murrayswift:#24162

Rainer Maria Rilke - Einsamkeit

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...

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kiwiupover:#24166

Hölderlin - Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

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rdbannon:#24319

Gottfried Benn - Nur zwei Dinge

Durch so viel Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinn, ob Sucht, ob Sage -
dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

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herkulano:#24322

Hermann Hesse - Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, Im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

November 1905

breehype Avatar
breehype:#24323

Heinrich Heine - Ich habe habe im Traume geweinet


Ich hab im Traum geweinet,
Mir träumte, du lägest im Grab.
Ich wachte auf, und die Träne
Floß noch von der Wange herab.
Ich hab im Traum geweinet,
Mir träumt', du verließest mich.
Ich wachte auf, und ich weinte
Noch lange bitterlich.

Ich hab im Traum geweinet,
Mir träumte, du bliebest mir gut.
Ich wachte auf, und noch immer
Strömt meine Tränenflut.

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cheezonbread:#24329

Schlegel's Shakespeare's Saxogrammatikus' Amleth
Shakespeareforscher sagen es ist eigentlich ein Cocktail von Kopierpasteten aus dem Dritten Band der Essays von Montaigne in Florio's Übersetzung gewesen, doch das ist streitbar da das Buch nach Shakespeares Hamletaufführung rausgekommen ist und die Annahme auf der Annahme fußt Shakespeare sei durch den gemeinsamen Verleger etwas früher an das Manuskript gekommen oder habe aber an seinem Hamlet nach der Erstaufführung weitergearbeitet. Andrerseits sind die Ideen bei Montaigne schon nicht neu gewesen sondern waren von dem Sokrat Platos übernommen. Nun denn! Wie's dem auch sei, hier ist das deutsche Monolog:

Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –

Nichts weiter! Und zu wissen, daß ein Schlaf
Das Herzweh und die tausend Stöße endet,
Die unsers Fleisches Erbteil, ’s ist ein Ziel,
Aufs innigste zu wünschen. Sterben – schlafen –
Schlafen! Vielleicht auch träumen! Ja, da liegts:

Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,
Wenn wir die irdische Verstrickung lösten,
Das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht,
Die Elend läßt zu hohen Jahren kommen.
Denn wer ertrüg der Zeiten Spott und Geißel,

Des Mächtigen Druck, des Stolzen Mißhandlungen,
Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,
Den Übermut der Ämter und die Schmach,
Die Unwert schweigendem Verdienst erweist,
Wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte

Mit einer Nadel bloß? Wer trüge Lasten
Und stöhnt’ und schwitzte unter Lebensmüh?
Nur daß die Furcht vor etwas nach dem Tod,
Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,

Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.
So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;
Der angebornen Farbe der Entschließung
Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;

Und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll,
Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
Verlieren so der Handlung Namen. – Still!
Die reizende Ophelia! – Nymphe, schließ
In dein Gebet all meine Sünden ein!

rahmeen Avatar
rahmeen:#24330

Justinus Kerner - Stirb, Lieb' und Freud'

Zu Augsburg steht ein hohes Haus,
Nah bei dem alten Dom,
Da tritt am hellen Morgen aus
Ein Mägdelein gar fromm;
Gesang erschallt,
Zum Dome wallt
Die liebe Gestalt.

Dort vor Marias heilig' Bild
Sie betend niederkniet,
Der Himmel hat ihr Herz erfüllt,
Und alle Weltlust flieht:
,,O Jungfrau rein!
Laß mich allein
Dein eigen sein!''

Alsbald der Glocke dumpfer Klang
Die Betenden erweckt,
Das Mägdlein wallt die Hall' entlang,
Es weiß nicht, was es trägt;
Am Haupte ganz
Von Himmelsglanz
Einen Lilienkranz.

Mit Staunen schauen all' die Leut'
Dies Kränzlein licht im Haar,
Das Mägdlein aber wallt nicht weit,
Tritt vor den Hochaltar:
,,Zur Nonne weiht
Mich arme Maid!
Stirb, Lieb' und Freud'!''

Gott, gib, daß dieses Mägdelein
Ihr Kränzlein friedlich trag',
Es ist die Herzallerliebste mein,
Bleibt's bis zum jüngsten Tag.
Sie weiß es nicht,
Mein Herz zerbricht,
Stirb, Lieb' und Licht!

antongenkin Avatar
antongenkin:#24334

Bernd Lauert - Lauerlied

Kein GF, kein GF, kein GF!
Früher empfunden, heute nachgeäfft,
mechanisch in die Welt hinausgekläfft.
Kein GF, kein GF, kein GF...

OP ins Gas, OP ins Gas, OP ins Gas!
Die Flucherei macht noch ein bisschen Spaß,
die Finger käuen wieder, was ich las.
OP ins Gas, OP ins Gas, OP ins Gas…

Lauer meer, lauer meer, lauer meer!
Wie geht die Zeit dahin? Wo kommt sie her?
Und warum wird dabei mein Herz so schwer?
Lauer meer, lauer meer, lauer meer…

zackeeler Avatar
zackeeler:#24443

Walter Calé - Ruhe

Mein Herz ist schlafen, wie ein stiller See.
Und ruhig gleiten meine weichen Lieder,
wie Schwäne, leise rinnende Kreise ziehend,
— weißt du? —
über die sehnsuchtssingende Fläche.

Doch wirfst du deines Auges milden Strahl
in meiner singenden Seele lauschenden Grund,
dann blickt der Mond, in Silberblau getaucht,
Duftnebel streuend auf den dunkeln See,
ein Tönen schwingt sich flüsternd über die Weiten,
stillreger Wipfel Mondesnachtgesang,
die Schwäne rühren träumend ihr Gefieder
und singen wundertief und wehmutsselig
der Mutter Nacht ein nebeltrübes Lied

t1mmen Avatar
t1mmen:#24444

Hesse Seltsam ists im Nebel wandern
Rilke kein Haus hat baut keins meer
Fraunarzt Kind aus dem verkrebsten Schoß

alagoon Avatar
alagoon:#24445

>>24444
tip top

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i3tef:#24446

Fontane - Minuten bis Buffalo

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lanceguyatt:#24448

Heine traurige Augen blaue Gedanken diesdas

syntetyc Avatar
syntetyc:#24449

there's a bluebird in my heart that
wants to get out
but I'm too tough for him,
I say, stay in there, I'm not going
to let anybody see
you.
there's a bluebird in my heart that
wants to get out
but I pour whiskey on him and inhale
cigarette smoke
and the ****s and the bartenders
and the grocery clerks
never know that
he's
in there.

there's a bluebird in my heart that
wants to get out
but I'm too tough for him,
I say,
stay down, do you want to mess
me up?
you want to screw up the
works?
you want to blow my book sales in
Europe?
there's a bluebird in my heart that
wants to get out
but I'm too clever, I only let him out
at night sometimes
when everybody's asleep.
I say, I know that you're there,
so don't be
sad.
then I put him back,
but he's singing a little
in there, I haven't quite let him
die
and we sleep together like
that
with our
secret pact
and it's nice enough to
make a man
weep, but I don't
weep, do
you?

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