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Veröffentlicht am 2016-06-09 20:35:48 in /l/

/l/ 24422: Bücherregal / Antiquarische Bücher / Bibliophilie

_zm Avatar
_zm:#24422

Kann es mal wieder einen Bücherregalfaden geben? Etwas vorzuzeigen habe ich leider nicht wirklich, dafür aber ein paar Fragen und vielleicht möchten ja einige andere Bernds zum Gliedvergleich antreten.
Bernd kaufte bisher immer irgendeine Ausgabe der Werke seiner Wahl, meist ohne besonders vom Einband, dem Schriftbild oder dergleichen begeistert zu sein. Nun möchte er das aber ändern, auch um des schönen Regales Willen ein paar Bücher zusammentragen und hierfür sogleich Rat einholen. Es müssen nicht die ältesten, schmuckvollsten und wertvollsten Ausgaben sein, aber von Taschenbüchern und Heften, besonders von denen mit bunten aufgedruckten Covern, würde ich mich gern verabschieden. Ich würde dabei nur ungern nach dem Motto "Hauptsache alt" suchen (wenn er denn erst einmal wüsste, wo er suchen soll). Gibt es eine besondere Vorgehensweise zum Auffinden schöner Ausgaben Worauf sollte ich achten? Gibt es sonst noch etwas erwähnenswertes, zu dem ich nicht die passende Frage stellte?
Zuletzt noch eine Frage zum Mitmachen: Der Anblick welchen Buches aus seiner Sammlung begeistert Bernd am meisten?

to_soham Avatar
to_soham:#24424

>Gibt es eine besondere Vorgehensweise zum Auffinden schöner Ausgaben
Was ist für dich eine schöne Ausgabe? Allgemein meinen viele damit Bücher von 1880-1914. Gerade gesammelte/sämtliche Werke von Autoren wie Goethe, Hoffmann, Schiller oder Bibeln, Gebetsbücher usw. werden einem hinterhergeworfen und sind oftmals sehr schön gestaltet. Such in Ebay mal nach den genannten Begriffen oder gib "Prachtausgabe" ein. Alternativ kannst du auch einfach so nach antiquarischen Büchern schauen.
Noch günstiger kommst du auf Flohmärkten oder reinen Antikmärkten weg: Bernds liebstes Stück, eine Ausgabe von Geibels Juniusliedern von 1888 hat er für 1€ in einem "Alles muss weg"-Karton gefunden, den Band von Lenau aus dem Jahr 1858 gab es für 10€ und den Wälzer ebenfalls für 10€. Mit etwas Pech trifft man dort aber auch Leute, die sich von ihrer 1890er Hermann-und-Dorothea-Ausgabe stur nur für 25€ trennen wollen, weil das eben so im Internet steht. Dass solche Artikel dann aber Ladenhüter bleiben, wird da nicht beachtet.

Mein Bücherregal fotografiere ich morgen bei besserem Licht.

guischmitt Avatar
guischmitt:#24425

Ein Tipp für Bernds aus dem Rhein-Sieg-Kreis: Die Steyler-Missionare in St.Augustin haben jeden Freitag von 13-16 Uhr einen Buchmarkt in einer alten Turnhalle bei ihrem Kloster. Von Ausgaben aus dem frühen 19.Jahrhundert bis in die 90er ist dort viel dabei und die meisten Sachen werden nach Kilopreisen verkauft. Die ganz alten Sachen haben natürlich eigene Preise aber sind immernoch vergleichsweise günstig.

mj_berthelsen Avatar
mj_berthelsen:#24427

>>24424
Bernds Bücher.

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sava2500:#24428

>>24427

adewaleolaore Avatar
adewaleolaore:#24430

Ausschnitt aus Bernds Büchersammlung.

stushona Avatar
stushona:#24433

>>24430
Dein Bücher sind viel schöner als die von Ronny drüber aber sein billiges Ikea regal lässt es durch die dunkle Farbe viel hübscher aussehen. Ich mag dieses helle hartzIV farbene Holz irgendwie gar nicht, aber deine Bücher sind top

pehamondello Avatar
pehamondello:#24434

>>24430
Die Dostojewski-Ausgabe ist top. Und was sind die weißen Bände links oben neben Hoffmannsthal?

llun Avatar
llun:#24435

>>24427
>Bücher vom Anaconda-Verlag

rohan30993 Avatar
rohan30993:#24437

>>24434
Wenn ich mich nicht irre, müssten sie von Adalbert Stifter sein, zumindest erkenne ich dort " A. Stifter".

>>24435
>"Ich bin so kultiviert, ich besitze nur Inkunabeln, die lesen sich so viel wärmer!"

aiiaiiaii Avatar
aiiaiiaii:#24438

Immerhin kommen sie direkt aus der Vergangenheit ohne durch das Gedächtnisloch gesiebt worden zu sein.

macxim Avatar
macxim:#24439

>>24427
Würde mit dir Saufi machen wollen!

Anbei Auszüge aus Bernds Bibliothek.

Bernd Avatar
Bernd:#24442

>>24439
warum magst du Ernst Jünger, Berndi?

n_tassone Avatar
n_tassone:#24454

>>24442
Bernd war schon immer ein Freund von Literatur, in der auf der Handlungsebene wenig passiert, auf der sprachlichen Ebene dafür umsomehr.
Im Gegensatz zu Kästners Gemüsefrau ist mir Jüngers kristallinische Luzidität nicht zu prätentiös, gibt mir gar mehr als Benns zerebrale Magie.
Ferner ist das Interesse an (deutscher) Geschichte in Form von Zeitzeugenberichten sehr groß, allerdings weniger an Schuldporno denn dem nicht verherrlichten Widerstand. Insbesondere die Weimarer Zeit scheint eine interessante gewesen zu sein, in ihr wurden zu unrecht vergessene Gedanken geprägt. Was die Jünger-Bründer (und andere wie von Salomon, Niekisch oder Hielscher) daraus machten - sowohl an Essayistik wie erzählender Literatur - ist unglaublich spannend, ansprechend und lesens- wie denkwürdig. EJ ist von diesen ja nur der öffentlich zugänglichste (allein durch Positionierung im Buchhandel, aber auch durch das umfangreiche Werk).

sawalazar Avatar
sawalazar:#24458

>>24454
ohje
kann dicht nicht so richtig einordnen zwischen hohlwelt, welteislehre etc oder dem typen der viel zu aufgebrezelt mit 2. rang hinten links billet zu wagner konzerten kommt aber dann zwischendurch die junge freiheit auf dem handy durchscrollt
jedenfall sehr unsympathisch

csswizardry Avatar
csswizardry:#24462

>>24458
Weder noch. In erster Linie begeisterter Büchersammler und Leser. Hohlwelt und Hyperborea auch nicht, dann doch lieber hermetische Tradition. Entsprechend lieber Mahler als Wagner und Sezession statt Junge Freiheit (für alles andere gibt es Krautchan).

albertodebo Avatar
albertodebo:#24463

>>24458
Kann dich sehr gut einordnen. Kommst rüber wie ein ekelerregender BRD-Linksintellektueller.

ma_tiax Avatar
ma_tiax:#24466

>>24454
Ich mochte Gläserne Bienen sehr, Auf den Marmorklippen war auch recht gut. Was sollte ich noch lesen?

ajaxy_ru Avatar
ajaxy_ru:#24468

>>24466
Heliopolis wäre dann an der Reihe, nach Möglichkeit die Originalfassung und nicht die gekürzte Version der Gesamtausgabe. Die anderen erzählerischen Schriften fallen in eine andere Richtung aus. Das abenteuerliche Herz (zweite Fassung) kannst du noch probieren, ebenso Besuch auf Godenholm. Der Rest ist deutlich weniger phantastisch, mehr Realismus und auch etwas trockener. Wenn du gern Tagebücher liest, fang mit Strahlungen an; die Essayistik ist wieder anders, vielleicht mit An der Zeitmauer oder Annäherungen - Drogen und Rausch anfangen.

>>24463
Selbst ordne ich mich gern als "rechter Hippie" ein.

smenov Avatar
smenov:#24469

>>24468
Okay, danke. Also Heliopolis. Drogen und Rausch hab ich vor Kurzem gelesen, war nicht begeistert (ich glaube, da war er schon alt), aber ein paar gute Sätze hat er natürlich immer:

Als der »Neger«, von dem ich noch berichten werde, die Freundin entjungfert hatte und dann fragte, wie es gewesen sei, sagte sie: »Ich hatte es mir schöner vorgestellt.« Das war ihm verdrießlich, wird aber die Regel sein.

Die Sehnsucht nach der Reinheit des Blutes ist ein Kennzeichen der Mischlinge.

Sterben ist schwierig, doch es gelingt.

In der Langeweile der Schützengräben unterhielt ich, wie auch mancher der Kameraden, mich zuweilen damit, Geschosse auseinanderzunehmen, die auf dem Boden herumlagen. Ich unterließ das erst, nachdem ich Pech mit dem Blindgänger einer englischen Gewehrgranate gehabt hatte. Eine winzige, mit Knallquecksilber gefüllte Kapsel ging stärker in die Luft, als ich vermutete. Zwar hatte ich sie der Form nach richtig bestimmt, nämlich als Vorzünder, doch ihren Inhalt unterschätzt. Daß es nicht mehr als die Daumenkuppe kostete, war noch ein Glück. Ähnlich erging es mir mit der Messerspitze Haschisch, die ich wenige Jahre später zu mir nahm.

chrisvanderkooi Avatar
chrisvanderkooi:#24591

Um wieder etwas Leben in diesen Faden zu bringen, möchte Bernd kurz von einem nicht sehr kunstvollen oder gut erhaltenen, aber doch interessanten Buchfund berichten: Im Haus seiner Großmutter fand er ein kleines, deutschsprachiges Gesangbuch aus dem Jahre 1878, das ihm zunächst nicht weiter besonders schien, aber aufgrund des Alters war es ihm besonders genug, um mal etwas genauer hinzuschauen. Neben dem Namen eines bisher unbekannten Vorfahren fand er darin die Angabe, dass das Buch in Ohio veröffentlicht wurde, vermutlich für den Gebrauch in einer dort tatsächlich ansässigen deutschen Gemeinde. Seither trägt Bernd einige Informationen zur deutschen Auswanderungsbewegung zusammen und versucht, das Rätsel um dieses Buch zu lösen, denn neben der Frage nach der Identität des eingetragenen Besitzers stellt sich auch die Frage, wie das Buch überhaupt den Weg nach Deutschland fand.

dwardt Avatar
dwardt:#24592

>>24591
Deine Großmutter wurde von einem Gemeinen Infanteristen rapiert, so einfach ist das.

Sollte doch mehr dahinter sein, dann halte Dich mit Deinen Informationen bitte nicht zurück, dergleichen ist stets spannend.

Neuste Fäden in diesem Brett: