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Veröffentlicht am 2016-06-27 19:54:39 in /l/

/l/ 24483: Zeig-deine-Texte-und-lasse-dir-helfen-Faden

atariboy Avatar
atariboy:#24483

Hallo /l/-Bernd,

dieser Bernd hat vor kurzem mal wieder angefangen ein bisschen zu schreiben. Leider fehlen mir die notwendigen konstruktiven Kritiker, die mir sagen können, wo ich Nachholbedarf habe, wo ich mich an literarischen Stilmitteln verhebe oder welche dümmlichen Allerweltsvergleiche ich doch bitte zu vermeiden habe. Weil der Ton und Umgang hier ja ganz vernünftig ist und eine Menge Bernds sehr belesen sind und/oder selber Schreiberfahrung haben, soll das hier ein "Zeig-deine-Texte-und-lasse-dir-helfen-Faden" werden: Jeder der kritisieren oder sich kritisieren lassen möchte, ist herzlich eingeladen mitzumachen.

Um das Ganze ins Rollen zu bringen, folgt der Übersichtlichkeit halber im nächsten Pfosten mein erster Text.

woodydotmx Avatar
woodydotmx:#24484

"Von Stuttgart geht es über die Alb zum Bodensee, dann über Konstanz nach Freiburg." - die langsame, träge Stimme des Sprechers wirkte beruhigend und einschläfernd zugleich. Ich hatte es mir auf meinem IKEA-Sofa bequem gemacht und war bereit diesen Freitagabend mit "Der Südwesten von oben", Menthol-Zigaretten und ein paar Halben gemütlich ausklingen zu lassen. Nach dem letzten Part der dreiteiligen Reihe sollte es auf Phoenix sogar noch eine Doku über ein besonderes Wolfsrudel in den Karpaten geben. Man konnte ruhigen Gewissens annehmen, dass dieser Film "Südwesten von Oben" in punkto Gemütlichkeit sogar übertraf, denn die Trilogie hatte leider den entscheidenden Makel zwischen den großartigen Luftaufnahmen des deutschen Südwestens auch immer wieder Porträts von südwestlichen Deutschen einzuschieben. Die hier vorgestellten Heimatverbundenen pflegten allerlei öde Hobbys und waren sich nicht zu schade in vernuschelter regionaler Mundart darüber Auskunft zu erteilen. Ein besonders erschütterndes Beispiel war Manfred aus Eutingen im Gäu. Der lebenslustige Schreinersohn und Single aus Alternativlosigkeit hatte sich mit gerade mal 27 komplett dem Schnitzen von Kuckucksuhren verschrieben. Das normale 27-jährige seine Leidenschaft nicht teilten, schien dem der modernen Welt etwas Entrückten nicht ganz klar zu sein und so stotterte er sich in enthusiastischer aber unbeholfener Sprache einen ab. Leider konnte ich nicht ganz verstehen was er so Wissenswertes über das Schnitzen von regionalem Kulturkitsch zu erzählen hatte, da Manfred ein Gebiss hatte, dass selbst einem rumänischen Wolf die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Aus Anstandsgründen hatte Phoenix ihn nicht untertitelt. Aus menschlichen Gesichtspunkten nachvollziehbar, aber einen Bildungsauftrag konnte man so nicht erfüllen. Na egal. Ich war ohnehin schon beim dritten Halben angelangt und freute mich bereits darauf auf meinem Sofa einzunicken als plötzlich mein Handy klingelte.

Ach du Scheisse, was sollte denn das jetzt? Meine erste Reaktion: Das sitz ich aus. Wer auch immer das ist, kann versuchen mich zu erreichen bis er schwarz wird. Kein Bock jetzt noch irgendwas zu machen. Es war immerhin schon halb elf! Mein zweiter Gedanke jedoch: "Weißt du eigentlich, wie viele vereinsamte Kuckucksuhrenmacher ihre rechte Hand dafür geben würden einen Freitagabend mal nicht allein mit Schnitzwerkzeug und trüben Gedanken verbringen zu müssen? Ist jetzt nicht so, dass du der vielumschwärmte Salonlöwe und Partystar wärst. Du bist jetzt schon amtlich verkauzt und wenn du nicht aufpasst, schaffst du dir eines Tages unzählige Spielzeugsoldaten an um die größten Schlachten deiner Lieblingsepoche (dem ersten Weltkrieg) nachzustellen, womit ein in punkto Traurigkeit dem Kuckucksuhrenschnitzen ebenbürtiges Pendant gefunden wäre... Spacko." Das saß. Mir blieb wohl nichts anderes übrig als ranzugehen.
Wie zu erwarten war, war es T. T war wie ich ein klassischer Tagedieb und Langschläfer. "Jo Moin T." meldete ich mich, die ewig gleiche Replik: "Jo Moin T." Aus irgendwelchen diffusen Gründen hatten wir es uns angewöhnt bei Telefonaten immer das Vorhergesagt zu wiederholen. Vor Urzeiten haben wir das wohl mal witzig gefunden, jetzt war es nur noch ein quälend langweiliges Ritual.
Wer zuerst etwas anderes sagt, hat verloren.
"Jo Moin T."
"Jo Moin T."
"...Jo Moin T."
"Was geht heute?" Gewonnen.
"Joa nicht viel bei dir?"
"Ja auch nicht. Bock zu treffen?" Geil, was für ein vielversprechender Anfang für eine spektakuläre Nacht.
"Joa können wir machen. In 'ner Stunder Steppender Bär?"
"Jo klar. Bis dann.
"Bis dann."
"...Bis dann." Oh Gott. Er fordert Revanche. Aber nicht mit mir. Ich legte einfach auf. Ok, also nochmal rausgehen, ich hielt einen Moment inne um mir kurz zu vergegenwärtigen, was ich mir gerade eingebrockt hatte.

leandrovaranda Avatar
leandrovaranda:#24486

>>24484
Hallo Bernd :3
Erst einmal: Interessanter Text und schön, dass Du ihn teilst.

Was mir beim ersten Lesen auffällt, es fehlen einige Kommata und du hast einige Rechtsschreibfehler drin. Das macht den Text etwas schwer zu lesen für mich. Du neigst sehr dazu, umgangssprachliche Begriffe mit in deinen Text einzubauen.

>Doku
>öde
>einen abstottern
>Na egal
>noch irgendwas zu machen
>ranzugehen

Ich würde das anders formulieren. Aber das ist nur meine Meinung.


>Aus Anstandsgründen hatte Phoenix ihn nicht untertitelt. Aus menschlichen Gesichtspunkten nachvollziehbar

Ich würde die hier hintereinander folgenden Sätze nicht mit dem gleichen Wort beginnen.


>Ist jetzt nicht so, dass du der vielumschwärmte Salonlöwe und Partystar wärst. Du bist jetzt schon amtlich verkauzt und wenn du nicht aufpasst, schaffst du dir eines Tages unzählige Spielzeugsoldaten an um die größten Schlachten deiner Lieblingsepoche (dem ersten Weltkrieg) nachzustellen, womit ein in punkto Traurigkeit dem Kuckucksuhrenschnitzen ebenbürtiges Pendant gefunden wäre... Spacko." Das saß. Mir blieb wohl nichts anderes übrig als ranzugehen.

Der Abschnitt gefällt mir ziemlich gut. Vor allem das kurze "Das saß". Schön formuliert. Allgemein gefällt mir der zweite Absatz besser als der erste. Er lässt sich für mich flüssiger lesen, als der vorhergehende.

Bin aber auch kein Experte :3
Würde gerne wissen, ob du den Text alleinstehend verfasst hast oder ob er zu einem großen Ganzen gehört?

mfacchinello Avatar
mfacchinello:#24487

>>24486
>, es fehlen einige Kommata und du hast einige Rechtsschreibfehler drin
außerdem kennt er den Unterschied zwischen Gedanken- und Bindestrich nicht und verwendet falsche Auslassungspunkte!

layerssss Avatar
layerssss:#24488

>>24486
>Du neigst sehr dazu, umgangssprachliche Begriffe mit in deinen Text einzubauen.

Finde das nicht schlimm, aber zusammen mit den vielen "schönen" Phrasen ("der entscheidende Makel", "in punkto Gemtütlichkeit" etc – schon sehr abgestanden das Alles) wird es ein wenig belastend. Würde aber eher an diesen gestelzten Elementen arbeiten als an der Umgangsprache.

Ansonsten, weiß ich nicht so recht. Gefreut habe ich mich über "(dem ersten Weltkrieg)".

vaughanmoffitt Avatar
vaughanmoffitt:#24489

>IKEA-Sofa
Hier habe ich aufgehört zu lesen.

damenleeturks Avatar
damenleeturks:#24491

>>24489
Hast nichts verpasst. Krebskind hat nichts zu sagen und macht auch nicht viel Aufhebens bzw. Seiten darum.
Wir sollen seinen fragmentarischen Schnellschuss aber trotzdem bekakeln. Kafkabernd kriegt das ganz gut hin, der ist unfertigen Dünnpfiff gewohnt.

zackeeler Avatar
zackeeler:#24496

Der zweite Versuch glückte ihm. Mit wackeligen Beinen ging P. in Richtung der Tür. In diesem Moment stand F. auf. Er musste all seinen Mut zusammengenommen haben. Er schrie.

- Lass mich hier nicht allein. Ich will nicht sterben!

Dann rannte er los. Überrascht von der plötzlichen Aktivität seines Gefangenen wirbelte der Riese in der Tür zur Seite. Im Licht, das in den Raum fiel, sah P. einen Gegenstand in dessen Hand aufblitzen. Ein Messer. Er wollte noch rufen, dass F. stehen bleiben soll, doch es war zu spät. Das Messer verschwand in F.s Bauch. Stille. Nach einigen endlosen Sekunden erklang ein schwaches Röcheln aus F.s Mund. Er wankte ein, zwei, drei kleine Schritte rückwärts. Zuerst fiel er auf seine Knie. Dann rücklings hin. Seine Hände klammerten sich um das Messer in seinem Bauch. Er versuchte es aus sich herauszuziehen, doch seine Hände versagten. Blut lief aus seinem Mund. P. stand da wie gelähmt. Mit weit aufgerissenen Augen starrte F. an die Decke. Er zuckte und röchelte. Dann war wieder alles still. Er war tot. Entsetzt starrte P. auf den jungen Mann. Noch immer rann Blut aus dessen offenem Mund. Auch auf seinem Shirt war neben dem Erbrochenen mittlerweile ein großer roter Fleck zu erkennen.

michigangraham Avatar
michigangraham:#24497

>>24496
>sah P. einen Gegenstand in dessen Hand aufblitzen. Ein Messer.
"ein Messer aufblitzen" würde reichen

>Er wollte noch rufen, dass F. stehen bleiben soll
grammatikalisch richtig wäre: "Er wollte noch rufen, F. solle stehenbleiben"

Generell klischeehafter Text (jedes beschworene Bild schon ähnlich bekannt aus Film und Fernsehen) und ich bezweifle derweil, dass Leute nach einem einzelnen Bauchstich zu schnell und leise sterben.

rawdiggie Avatar
rawdiggie:#24498

>>24497

Danke für die Kritik. Die Problematik mit dem Bauchstich war mir gar nicht aufgefallen, du hast aber Recht. Ich werde es umändern. Die Klischeehaftigkeit war hingegen bewusst gewählt.

iamsteffen Avatar
iamsteffen:#24500

>>24497
> einzelnen Bauchstich zu schnell und leise sterben.
Eine Frage der Messerschärfe und der Expertise des Stechers.
Sogar sehr schnell und sehr leise. Manche bemerken es erst wenn ihnen um die Nieren herum feucht wird, wo kommt denn das Blut her?, da läuft der Bauchraumvoll, dem Gestochenen wird schwummrig und er klappt zusammen ohne Beschwerde.

mandalareopens Avatar
mandalareopens:#24501

>>24500
Das ist aber ein Nierenstich dann, also hinterrücks, oder nicht?

erikdkennedy Avatar
erikdkennedy:#24502

>>24501
Korrekt. Auch dezent seitlich, während der Stecher dich belabert. Deshalb: Abstand halten!

starburst1977 Avatar
starburst1977:#24503

>>24500
>>24501

Autor-Bernd hier. Das heißt, um es realistischer aussehen zu lassen, sollte er den Stich lieber in die Brust bekomben? Natürlich davon ausgehend, dass der Angreifer weiß, wo er hin sticht, weil er mit dem Messer trainiert ist, und er den Flüchtigen mit einem Messerstich rasch und präzise töten will.

robergd Avatar
robergd:#24504

>>24503
Nur wenn du ernsthaft vor hast einen schlüssigen Kriminalroman zu schreiben. Ansonsten gib einen Fick.

surajitkayal Avatar
surajitkayal:#24505

>>24503
Mach dir mal Gedanken um die Persönlickeit deiner Figuren. Das ist ja nichts, bisher, ein Riese, ah ja, bei diesem Fragment muss der Leser sich alles selber ausdenken. Für einen Autisten wie Bernd, der es sich hin und wieder mit einem Telefonbuch im Schmökersessel beqeum macht, kein Problem aber eine Erzählung ist etwas anderes.
Warum sind die Leute da? Ach so, wird erst am Schluss verraten, guter Kunstgriff, aber dann: wer ist das denn alles? Darf nicht verraten werden, damit niemand rasistisch getriggert wird!, sehr korrekte Haltung! respect! Oke, der Messerman; Ist das ein Profimessermann, der sein Waffe liebt und schärft und pflegt, den blanken Stahl anhaucht und immer wieder poliert, wobei er vielsagende Blicke auf die Speckschicht der Delinquentenschenkel legt, die kinetische Energie und den Ansatz abschätzend, der notwendig ist um einen überraschenden Kick zum Kopf als Anlass zum lustvollen Endgemetzel zu akzeptieren.
Wie lange sitzen die schon? Haben die Hunger, Durst? Todesangst?, unappetitlich braune Augen? Weiss der Autor schon warum seine Klienten gegen ihren Willen in einem Schalldichten Raum festgehalten werden. Fastehste, so zeugs.
Versetz dich in die Typen und den Raum hinein! beschreibe sie, sonst sieht der Leser einen Riesen und zwei ebenso charakter- wie gesichtslose Berndlauchs vor sich.

Bernd Avatar
Bernd:#24506

>>24504
Okeh, ich gebe einen Fick :3

>>24505
Harro Bernd :3
Da ich bereits 80 Seiten geschrieben habe, war dies natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Ich wollte vor allem wissen, ob Beschreibungsstil und Ausdruck okeh sind oder ob ich totalen Müll schreibe. Das Aussehen der Personen habe ich davor und danach recht ausführlich beschrieben. Warum die Personen sich dort befunden haben, wird kurz danach aufgegriffen. Ich wollte/konnte, wie gesagt, nicht alles liefern, da 80 Seiten den Rahmen gesprengt hätten. Außerdem bin ich noch nicht fertig mit dem Werk.

lisovsky Avatar
lisovsky:#24507

>>24496
Kann man ziemlich viel kürzen, besonders wenn Action sein soll. Dann beim Verbluten kann man wieder bisschen ausschmücken. Tempo regeln, verstehste?

devankoshal Avatar
devankoshal:#24508

>>24506
>ob ich totalen Müll schreibe.

2.0, 2.0, 1.5. Ganbatte Kudasai!

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