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Veröffentlicht am 2015-05-19 00:20:37 in /ng/

/ng/ 6258: Elster, Wiso Steuer und Steuern sparen

mj_berthelsen Avatar
mj_berthelsen:#6258

Hallo,

tldr: Ehrlich sein bei der Steuererklärung oder nicht?

OP, der seit Jahren seine Steuererklärung mit ElsterFormular macht, ist durch einen Bericht in der CT nun auf Wiso Steuer aufmerksam geworden.

Bisher sieht OPs Vorgehen bei der Steuer so aus: Sammle das Jahr über alles mögliche an Belegen. Setz dich an einem Tag hin, und versuche für jeden Betrag von den Belegen ein passendes Feld in Elster zu finden. Sind alle Beträge drin oder können nicht abgesetzt werden und Elster findet die Erklärung "plausibel", ist die Arbeit getan und der Kram wird per Signatur an die Behörde geschickt.

Nun hat sich also OP mal das Wiso angeschaut. Erstaunt auch von Aussagen, dass Leute mit Wiso mehr Rückerstattung haben, als mit anderen Programmen, machte OP neugierig. Nun hat OP gerade seine Anlage N sowie den Hauptmantelbogen ausgefüllt und dann mal auf "Optimieren" geklickt. Und schon bekommt er viele Tipps zum optimieren angezeigt. OK, in Ordnung, kannte OP bereits aus Elster. Aber interessanterweise hat Wiso auch ungefragt Pauschalbeiträge eingetragen. Und wenn man die anklickt wird das erläutert mit "kein Rechtsanspruch", "wird meistens akzeptiert" und am Ende noch ein "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt". OP ahnt jetzt schon, wie die höheren Erstattungen mit Wiso zustande kommen, findet das aber Betrug, da man da ja Aufwende angibt, die man gar nicht hat.

Frage nun an die Kollegen hier: Wie macht ihr das? Einfach angeben was das Zeugs hält oder nur Dinge, für die man Belege hat. Habe mit der "Wiso-Art" (siehe oben) so meine Zweifel. Das ist ja fast so, als würde ich im Kaufhaus ein paar Schuhe bezahlen und mit dem anderen neuen Paar an den Füßen rauslaufen. Auch hier würde der Satz "Wer nicht wagt..." passen.

mr_arcadio Avatar
mr_arcadio:#6259

Bescheissen bis zum abwinken, Bernd hat auch ein Arbeitszimmer und geschäftliche Telefonkosten usw.

artheft_ua Avatar
artheft_ua:#6263

Nachtrag:
Hab die restlichen Sachen von Elster manuell in Wiso eingetragen und erhalte die gleichen Erstattungen +/- ein paar Cent. Wiso versucht aber beim Eintragen mehr über Pauschalen abzudecken. Nicht sicher, wie das Finanzamt das regelt, wenn man überall die maximalen Pauschalen angibt, dafür aber keine Kosten (Belege) hatte. Außerdem sind manche Tipps über absetzbare Kosten in meinen Augen zu unklar formuliert und selbst ich würde, wenn ich nicht die Urteile kennen würde, mehr absetzen als ich dürfte.

davidsasda Avatar
davidsasda:#6266

>>6263
Die Pauschalen bekommt doch jeder ohne Nachweis zugestanden?!

starburst1977 Avatar
starburst1977:#6269

>>6266
Teilweise schon. Während z.B. der Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1000 Euro automatisch verrechnet wird, ist der Rest optional.
So kann man z.B. bis zu 110 Euro für Arbeitsmittel angeben und benötigt dafür meist keinen Beleg, da EINIGE Finanzämter das auch so akzeptieren. Sie können aber auch Belege fordern und wer die nicht liefern kann, der kann die (nicht vorhandenen) Ausgaben auch nicht absetzen. Nach der Hilfe von Wiso waren diese 110 Euro früher mal auch für alle frei und Finanzämter mussten das akzeptieren. Die Hilfe schreibt dann weiter, dass inzwischen diese Regelung weggefallen ist, sich aber manche Finanzämter trotzdem noch dran halten. Deswegen auch der Satz aus der Wiso-Hilfe "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt". Das ist im übrigen nicht der einzige Pauschalbetrag. Die anderen fallen mir aber gerade nicht mehr ein.

deviljho_ Avatar
deviljho_:#6272

Ich nutze auch Wiso und nutze alle die angebotenen "Freibeträge" und habe damit keine Probleme.
Wenn man jetzt unbedingt eine Rechtfertigung braucht kann man entweder von "denen da oben" reden, die "noch viel weniger Steuner zahlen" oder man sagt das Finanzamt ist selbst Schuld wenn es Aufwendungen anerkennt für die keine Belege vorliegen.

Ich denke mir aber, wenn ich dadurch auch nur 50ng sparen kann, sind das immerhin 50€, die ich dann mehr für mich habe. Mag selbstsüchtig sein, ist aber so.

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#6274

>>6272
So kann man das sehen. Oder man sieht es so, dass man mit dem Laden noch etwas länger zu tun haben wird - nämlich im Zweifelsfall bis zum Lebensende. Und dann ist es vielleicht nicht so clever wegen 50 € die Jungs dazu zu bewegen mal genauer hinzusehen. Und jetzt überleg mal: welcher Typ Mensch sagt sich "hmm, also ich könnte es einfach haben mit meiner Verwaltungsausbildung oder ich könnte zum Finanzamt gehen, garantiert Ärger haben und für dasselbe Geld ständig Arbeit haben"?

jasontdsn Avatar
jasontdsn:#6275

Wenn man diese Freibeträge ausschöpft und es wird dann nach Belegen gefragt, die man nicht hat, hat man dann schon Steuern hinterzogen und wird bestraft oder passiert da nichts?

saarabpreet Avatar
saarabpreet:#6277

>>6275
Das frage ich mich auch.

vigobronx Avatar
vigobronx:#6278

>>6275
Wenn dir Vorsatz nachgewiesen werden kann kombst du ins Gefängnis.
Oh und bitte mal "Beweislastumkehr" nachlesen :-) Ihr seid alle gefickt, ihr steuerhinterzieher.

millinet Avatar
millinet:#6279

>>6275
> hat man dann schon Steuern hinterzogen und wird bestraft oder passiert da nichts?

Bis dahin ist es erstmal ein Versuch, der natürlich auch strafbar ist. Man sollte natürlich nur sagen, dass man den/die Beleg/e nicht (mehr) hat. Dann bekommt man auch keine Probleme mit der Justiz.

Im nachhinein zu sagen, dass die Kosten nicht angefallen sind, wäre natürlich äußerst dämlich.

>>6278
>Oh und bitte mal "Beweislastumkehr" nachlesen

Beweislastumkehr ist ein Begriff aus dem Zivilrecht.

Im Strafrecht muss dem Täter die Tat nachgewiesen werden. Das würde in unserem Fall nur über ein Geständnis funktionieren.

Wahrscheinlich wird aber folgendes passieren:

>Oder man sieht es so, dass man mit dem Laden noch etwas länger zu tun haben wird - nämlich im Zweifelsfall bis zum Lebensende. Und dann ist es vielleicht nicht so clever wegen 50 € die Jungs dazu zu bewegen mal genauer hinzusehen.

iamglimy Avatar
iamglimy:#6289

Bei Frei- und Pauschbeträgen sind die tatsächlichen (Höhen der) Aufwendungen doch egal. Die Frage ist ausschließlich, ob der Tatbestand (nachweislich) zutrifft. Dir steht die Umzugspauschale zu, wenn du aus beruflichen Gründen umgezogen bist. Auch dann, wenn dich das nichts gekostet hat. Du musst dann im Zweifelsfalle deinen Umzug nachweisen können, dafür reichen aber ja Zeugen oder Mietverträge.
Das Ziel, das der Gesetzgeber mit solchen Sachen verfolgt ist doch gerade eben, dass man keine Quittungen sammeln muss.

>Einfach angeben was das Zeugs hält oder nur Dinge, für die man Belege hat?
Alles angeben, was zutrifft. So einfach kann das sein!

bnquoctoan Avatar
bnquoctoan:#6315

>>6258
Rein was geht. Es gibt ja einige Beträge die man einfach reinschreiben kann. z.B. 110€ für Arbeitsmaterialien, wenn du umgezogen bist ist das natürlich auch berufsbedingt, damit kannst du da auch irgendwas um die 750€ eintragen mit GF 1001€. Du hast auch prinzipiell immer 230 Tage im Jahr gearbeitet bei der Pendlerpauschale. Zudem kannst du ne menge Versicherungen absetzen (KFZ-Haftpflicht z.B. und Privathaftplficht sofern vorhanden). Einzahlungen in irgendwelche privaten Rentenversicherungen auch (falls vorhanden).

Wenn du Arbeitnehmer bist und irgendwie auswertig geschafft hast / auf Messen warst, kannst du da die Fahrtkosten und Verpflegungskosten u.s.w. auch absetzen, solang sie nicht erstattet wurden vom Arbeitgeber. Wobei die erstattung auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung steht, falls die da nicht steht würd ichs einfach nochmal in die Steuerklärung reinschreiben, du hast ja die Belege und das Gegenteil steht nicht in der Lohnsteuerbescheinigung.

rohan30993 Avatar
rohan30993:#6324

>>6315
Und wenn dann die Bücher das Arbeitgebers geprüft werden, fällt man auf die Fresse.

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#6327

>>6324
So gut vernetzt sind unsere Behörden nicht daß sie das hinbekommen.

motionthinks Avatar
motionthinks:#6330

>>6327
Würde ich nicht drauf wetten. Bei Bernds Arbeitgeber wurden vor nicht all zu langer Zeit die Reisekostenabrechnungen geprüft. Oh, welch Wunder, kurz darauf gab es Verdachtsprüfungen bei einigen Mitarbeitern (Ergebnis: Leute im Vertrieb reisen schon mal viel).

a_khadeko Avatar
a_khadeko:#6342

Mache gerade die Erklärung für 2011, weil ich da gearbeitet und Lohnsteuer bezahlt habe, aber nicht über den Freibetrag gekommen bin.
Ich bekomme also die komplette Lohnsteuer wieder nehme ich an. Bringt es dann überhaupt was z.B. 110€ Arbeitsmittel anzugeben? Oder überweisen die mir dann einfach 110€ mehr?
Ist meine erste Erklärung überhaupt..

saulihirvi Avatar
saulihirvi:#6349

>>6342
Die Frage, was du zurück bekommst, kann dir deine Steuersoftware berechnen.
Du kannst aber maximal nur das zurück bekommen, was du zuvor in Form von Steuern (noch was?) gezahlt hast.
Ausgaben, egal in welcher Form (z.B. auch diese Pauschalbeiträge), reduzieren nur dein zu versteuerndes Einkommen. Und nur für dieses reduzierte Einkommen musst du Einkommenssteuer, Kirchensteuer,... zahlen. Da du das aber bereits gezahlt hast, bekommt du die Differenz erstattet oder musst nachzahlen.

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