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Veröffentlicht am 2016-10-17 01:24:33 in /ng/

/ng/ 8763: Auswirkungen von Leitzinsen auf den Wechselkurs (im Falle des Brexit)

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t1mmen:#8763

Der fallende Außenwert des Britischen Pfundes wird eine hohe Inflation in Großbritannien auslösen, denn das importabhängige Land wird bei seiner sinkenden Kaufkraft weniger Güter importieren können, welche dann auf dem heimischen Markt nur mit hohen Preisaufschlägen verkauft werden.

Das ergibt alles Sinn. Bernd liest jetzt aber überall, dass die Bank of England mit steigenden Leitzinsen der großen Inflation einen Riegel vorschieben wird, da höhere Leitzinsen zu einer Erhöhung der Renditen von britischen Staatsanleihen führen. Das komputiert nicht.

Kann Bernd bitte einen zuverlässigen Transmissionsmechanismus darstellen oder ist das auch nur wieder eine von diesen selbsterfüllenden Legenden wie der Wert des Goldes, die dann in den makroökonomischen Formeln als "Erwartungen" modelliert werden?



Bernd kann den positiven Zusammenhang nicht erkennen, denn mit einer Erhöhung der Leitzinsen werden seine Erwartungen an die Ertragskraft der britischen Wirtschaft nicht verbessert. Stattdessen wird die ohnehin Finanzmarktorientierte britische Wirtschaft abgeschnürt, denn höhere Leitzinsen verringern die Geldschöpfung, Blasenmärkte finden keine Neuschuldner zur Finanzierung von Haussen und es kommt zum Kurssturz, erhöhen die Kreditkosten, produzierende Unternehmen erhalten nur teurere (re)Finanzierungen, generelle Depression in der Wirtschaft und Kapitalhortung finden statt, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verringert sich etc. Sollte P*Y=M*v stimmen würden P und Y sinken und es kommt zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit durch Entlassungen mangels Nachfrage.

Wenn der britische Staat nun 10%,20%,30% oder 100% Aufschlag für Staatsanleihen in seiner wertlosen Währung auf den Markt wirft wird das wohl kaum jemanden jucken, denn was soll man mit 10% mehr wertloser Währung anfangen? Und selbst wenn die Erhöhung des Außenwerts aus irgendeinem Grund stattfinden würde wäre sie nur auf Frist erkauft, da sich mit dem Einlösen und somit Auszahlen der Kupons automatisch die Pfund Geldmenge erhöht was zu einer erneuten Abwertung führt, außer die Briten saugen die notwendigen Pfund durch Steuererhöhungen bei ihren Bürgern ab wodurch die Geldmenge gleich bleibt, was aber wieder das Investitionsklima weiter beschädigen würde.

Wie lässt sich die Behauptung einer positiven Wirkung der Leitzinserhöhung durch die Bank of England damit vereinbaren?

nelshd Avatar
nelshd:#8764

Der fallende Außenwert des Britischen Pfundes wird eine hohe Nachfrage an Krediten auslösen, um die gestiegenen Importpreise auszugleichen.
Endlich wird all das, was seit Jahren gepredigt wird auch umgesetzt: Investitionen. Leute nehmen endlich Kredite auf, statt zu hamstern und die Wirtschaft kaputtzureduzieren.

Der damit einhergehende Geniestreich (für den Boris den Wiwinobelpreis 2020 erhält): Das kommt alles der heimischen Bankenwirtschaft zugute. Kein Ausländer mag in GB investieren, mit der Aussicht, dass seine saftige Rendite durch die saftige Währungsabwertung geschmälert wird.

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