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Veröffentlicht am 2017-05-23 23:20:42 in /ng/

/ng/ 9747: Hilfe von Nicht-Fersagerbrent requestiert

fluidbrush Avatar
fluidbrush:#9747

Hallo
Bernd ist 28 und wird bald einen FH Abschluss in einer Geisteswissenschaft haben, nachdem er die letzten 4 Jahre zumeist depressiv in der Ecke vor sich hingesiecht hat, in psychologischer Beratung war und/oder mehr oder weniger nichts gerissen hat. Nun geht es allerdings langsam bergab weil Bernd endlich seinen Abschluss kriegen wird... dumemrweise hat er keinen Plan was danach zu tun ist. er schlägt sich immer noch mit Angstzuständen, etc. herum. Die Eltern stehen zwar hinter Bernd und wissen um seine Krankheit, allerdings muss ein plan her damit Bernd sein leben zumindestens etwas geschissen kriegt. Da dieses Brett ja eher von den erfolgreicheren bernds frequentiert wird, würde sich Bernd daher von den hier anwesenden Nicht-Fersagern ein paar Tips holen.

Fangen wir also an:
1. Trotz immer noch vorhandenen psychischen Problemen auf einen Master bewerben oder Ausbildung suchen?
2. Wenn Ausbildung, welche? Bernd hat wie gesagt eher eien Affinität zu geisteswissenschaften, könne sich aber auch das Bibliothekarswesen vorstellen. Uniarbeit wäre nichts für ihn, da ihn das ganze Milieu dort nur noch nervt.
3. Bernd hat sehr gute Chancen ein Haus in der Pampa zu erben, was - sollte er es denn hinkriegen nicht komplett zu versagen - wohl nicht schlecht wäre obwohl er immer noch ein Auto bräuchte.
4. Familie und potenzielles erbe geben bernd Hoffnung, dass er doch noch eine durchschnittliche Existenz führen könnte. Allerdings müsste Bernd für einen guten schafsplatz weit wegziehen. Würden die anwesenden Bernds eher regional (und damit evtl. schlechter bezahlt) suchen oder deutschland/europeweit suchen?

Und bitte: Keine "Haha, hättest du mal was Nützliches studiert" antworten. Bernd ist schon so psychisch fertig genug :(

cmzhang Avatar
cmzhang:#9751

>Nun geht es allerdings langsam bergab weil Bernd endlich seinen Abschluss kriegen wird
Bernd musste lachen.

Bernd, es hängt davon ab wie stark Dein Versag-Gen ist.

Normalerweise ist der Master Pflicht, gerade im ÖD kannst Du damit in alle möglichen Blödsinn quereinsteigen und danach eine ruhige Kugel schieben. Aber dafür braucht's Selbstdisziplin.

Bei einer Ausbildung kriegst Du die Disziplin von außen in den Arsch getreten. Ausbildung ist strukturierter, du gewöhnst dich an Hierarchien, ans tägliche Arbeitsleben.
Klar wirst Du überqualifiziert und unterfordert sein, aber kannst 5-10 Jahre jüngere Mullen klarmachen und Fachwissen ist immer nur ein Aspekt im Leben, das allein macht noch lange nicht überlebensfähig. Berufserfahrung, die Fähigkeit morgens aufzustehen und Aufgaben abzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen - das sind Dinge, die Du in einem guten Ausbildungsbetrieb lernst.
Und Flausen wie "Bernd hat wie gesagt eher eien Affinität zu geisteswissenschaften, könne sich aber auch das Bibliothekarswesen vorstellen" werden Dir da auch ausgetrieben.


Desweiteren plane Dein Leben ohne Erbe. Menschen haben die Angewohnheit sich ans Leben zu klammern und für 2 Jahre mehr (via teure Operationen, teure Pflege, teure Ausstattung) ihr gesamtes Lebenswerk zu versilbern.

Und selbst wenn sie das nicht vorhaben: Das Gesundheitswesen macht ein derartig gutes Geschäft, dass die jeden Kunden melken so gut es geht:
Da beisst der 70jährige Erbonkel nicht einfach ins Gras, sondern kriegt 10 Altersheim für Alzheimerhärtefälle und danach stehen sie bei Dir auf der Matte und wollen seine Schulden eintreiben.
Selbst mit unterschriebener Patientenverfügung und explizit geäußertem Willen lassen die einen (wohlhabenden) Menschen nicht so einfach sterben.

Also: stell Dich auf eigene Beine, ignorier das Erbe, mach den Führerschein, um dem Führer nahe zu sein und bewirb Dich auf gute Stellen die Dich reizen. Eine gute Stelle mit guter Bezahlung, interessanten Aufgaben und nettem Umfeld ist Umzug und Pendeln wert.
Eine schlechte Stelle hingegen ist beschissen, egal ob sie lokal oder "europeweit" ausgeschrieben ist.

krdesigndotit Avatar
krdesigndotit:#9752

>>9751

Vielen Dank.

Bernd hat schon bei ein paar Arbeitgebern angerufen und viele sagten bernd, dass wenn er sich für eine Ausbildung bewirbt sie i.d.R. nicht auf den Bachelor schauen.

Bernds Abi (was ja auch schon ne ganze Weile her ist) ist mit 2.0 nicht schlecht, allerdings nur befriedeigend in Mathe und Physik. English ist allerdings ganz passabel.

Falls Bernd sich doch für einen Master entscheiden sollte: Bernd hat wie gesagt nur ein Fachhochschulstudium absolviert, wie hart wäre dann an Umstieg auf ein normales Hochschulstudium z.b. für Verwaltung?

Führerschein hat Bernd übrigens, er geht nur nicht davon aus das er genug Pinke Pinke für ein Gefährt haben wird.

Zum Thema Fersa-Gen: Bernd kriegte es teilweise nichtmal hin Mails zu öffnen und Panikattacken oder Ängste zu haben und ist immer noch mittelstark depressiv und eher lethargisch. Diese Posts zu schreiben kostet Überwindung. Bisher hat er es geschafft so gut wie alles davon aus seiner Akte herauszuhalten weil er z.b. nur die Uniberatungen und Hilfen in Anspruch genommen hat. Allerdings muss man natürlich auch einem potenziellen Arbeitgeber erklären woher diese lange studienzeit stammt und dann sind da noch Einstellungstests... Oh Gott, Bernd weiss nicht mal mehr, wie man sich darauf vorbereitet ;__;

Du siehst also, es läuft trotz allem nicht so pralle. Die Freunde sind auch meistens keine Hilfe, weil diese i.d.R. einen guten Schafsjob haben und zumeist komplettes Unverständnis zeigen.

to_soham Avatar
to_soham:#9753

>Desweiteren plane Dein Leben ohne Erbe. Menschen haben die Angewohnheit sich ans Leben zu klammern und für 2 Jahre mehr (via teure Operationen, teure Pflege, teure Ausstattung) ihr gesamtes Lebenswerk zu versilbern.
Dies Bernd, über Erben lohnt es sich nicht zu viel nachzudenken, endet immer anders als man denkt.

>Da beisst der 70jährige Erbonkel nicht einfach ins Gras, sondern kriegt 10 Altersheim für Alzheimerhärtefälle und danach stehen sie bei Dir auf der Matte und wollen seine Schulden eintreiben.
In dem Fall kann man ja leicht das Erbe ausschlagen aber problematischer wird es bei den Eltern denn da besteht nämlich Unterhaltspflicht, und wenn die Rente nicht reicht und das Vermögen von den Eltern weg ist (geht schneller als man denkt), muss das Kind aufkommen so bald es über bestimmten Beträgen verdient oder bestimmtes Vermögen hat. Muss ja natürlich nicht vorkommen aber deswegen rechtzeitig so Sachen mit den Eltern absprechen und Bescheid wissen.
Aber das wichtigste ist sich um sein eigenes Leben kümmern und voran zu kommen.

>Führerschein hat Bernd übrigens, er geht nur nicht davon aus das er genug Pinke Pinke für ein Gefährt haben wird.
Ach Quatsch, wenn du den ersten Dschob hast und nicht sofort alles auf Animufiguren verschleuderst, kriegst du ja NG für ne passable Karre in drei, vier Monaten schon zusammen (denk dran, immer etwas Geld zur Seite legen), die kostet dann auch pro Monat nicht viel.

Dieser Bernd war eigentlich auch so ähnlich wie du während des Studiums, nach dem er nen Dschob angetreten hat wurden viele Sachen automatisch besser, Bernd ist fitter, disziplinierter und hat mehr Spaß am Leben. Klar geht das ganze manchmal alles auf den Sack aber geht absolut jeden so. Bernd ist aber in der Industrie, hat halt auch Vor- und Nachteile gegenüber Bürodschobs.

polarity Avatar
polarity:#9757

was war der Ursprung von Bernd's Lethargismus? Bernd braucht wahrscheinlich ein Tritt im Arsch, um effektiv funktionieren zu können. Bisschen Bewegung wäre nicht schlecht. Will Bernd nicht für ein Jahr irgendwo im Ausland zu arbeiten? Das kann dem Bernd helfen, seine Erwartung von sich selbst bisschen zu ändern. Bernd scheint von der gesamten Lebensaktivität genervt zu werden und nur nach eigene Ruhe suchend.
Was die Arbeit betrifft, kann Bernd nicht äußerst viel raten. Bernd war einige Zeit autistisch, bin aber deswegen ein CS Nerd geworden was bei dem Berufswahl hilft. In der Softwarebranche gibt's bekanntlich viele Leute mit Bernd's Neigungen. Wahrscheinlich kann Bernd versuchen die Dokus für Software zu schreiben, oder in UI Design/Design Research tätig sein. Eine Bekanntin von mir studierte Psychologie und arbeitet in Design Research, wahrscheinlich wird es dem Bernd angenehm. Leider kann Bernd wenig außer meiner Branche raten, da mein Kenntnis da nicht ausreicht.

Was nervt Bernd dann bei den Leuten? Es ist unklar, ob Bernd sich überhaupt in einem Arbeitsteam gut fühlen kann. Sieht Bernd andere Leute als dumm und oberflächlich? Sind sie nicht imstande, den Bernd zu schätzen und zu verstehen? Oder findet Bernd sie fremd und nicht relevant? Bleibt Bernd lethargisch, weil er keinen Zweck finden kann, der Wert ist um irgendwas zu unternehmen?

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