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Veröffentlicht am 2014-04-19 03:26:57 in /ph/

/ph/ 10414: Bernd, glaubst du dass Pflanzen ein Bewusstsein ha...

splashing75 Avatar
splashing75:#10414

Bernd, glaubst du dass Pflanzen ein Bewusstsein haben und ihre Umwelt wahrnehmen können?
Vor kurzem kam mir dieser Gedankengang, da ich mich in letzter Zeit viel mit Pflanzen beschäftige. Es ist doch so, dass Pflanzen den selben Urinstinkten folgen wie Menschen und sämtliche andere Lebewesen: Selbsterhaltung und Vermehrung.
Die Selbsterhaltung findet durch Aufnahme von Licht, Wasser und Nährstoffen statt, die Vermehrung meist durch Samen. Natürlich gibt es hier ausnahmen, aber gerade die Vermehrung durch Samen finde ich interessant.

Nehmen wir mal eine Erdbeere. Die Erdbeere bildet süße, rote Früchte. Diese Locken Tiere an, die die Erdbeeren fressen und die Samen wieder ausscheiden. Dort wo sie ausgeschieden wurden, wächst eine neue Pflanze.
Doch woher weiß die Erdbeere, dass Tiere süße, rote Früchte mögen? Woher weiß die Erdbeere überhaupt, dass Tiere existieren?

Anderes Beispiel: Linde und Ahorn bilden Samen. Wenn diese einfach herunterfallen, bringt das nicht viel. Also lassen diese Bäume kleine Flügel an ihren Samen wachsen, damit der Wind sie weit weg transportiert und der Samen weit entfernt einen neuen Baum bilden kann.
Woher aber, weiß der Baum dass so etwas wie Wind überhaupt existiert?
Meiner Meinung nach muss der Baum seine Umwelt wahrnehmen können und über ein intelligentes Ich-Bewusstsein verfügen, welches die gegebenen Umstände (Wind) logisch verknüpft und eine gute Möglichkeit zur Fortpflanzung (Samen mit Flügel) findet.

Ein anderes Beispiel wären Vogelbeeren, die von Vögeln gefressen und hunderte von Metern entfernt ausgeschieden werden. Woher weiß die Pflanze, dass es so etwas wie Vögel gibt? Und woher weiß sie, dass Vögel orangefarbene Beeren mögen?

Haben Pflanzen also wirklich ein Bewusstsein und können sie ihre Umwelt wahrnehmen? Gibt es wissenschaftliche Thesen, wie dies geschieht?
Diskutiert.

alexcican Avatar
alexcican:#10415

Biologische Antwort.
Selbstprogrammierende Gene.

javorszky Avatar
javorszky:#10416

>Bernd, glaubst du dass Pflanzen ein Bewusstsein haben und ihre Umwelt wahrnehmen können?
Nein. Es existiert keinerlei Nervensystem. Deshalb ist davon nicht auszugehen.
>Doch woher weiß die Erdbeere
Pflanzen wissen nichts in diesem Sinne. Das würde implizieren, dass Pflanzen lernfähig sind. Eine einzelne Pflanze ändert nicht ihre Eigenschaften ob einer "Erkenntnis" o.ä.
>Gibt es wissenschaftliche Thesen, wie dies geschieht?
Evolution. Verschiedene Dinge entstehen durch Mutation. Einige Dinge sind überlebens- und fortpflanzungsfähiger als andere.
Deswegen erscheint das Pflanzenverhalten intelligent bezüglich der Fortpflanzung. Aber es hat sich halt nur das fortgepflanzt, was zufällig zur Umgebung passte.

Auch: Ich möchte dich in ein Loch werfen und zusehen, wie dir Flügel wachsen.

eduardostuart Avatar
eduardostuart:#10417

>>10414
Stell dir vor, du wärst eine Pflanze und könntest direkt Energie aus Licht gewinnen. Pflanzen sind im wahrsten Sinne des wortes erleuchtet, darum müssen sie sich auch nicht bewegen. Sie sind Meister der Meditation. Durch ihre Wurzel sind sie immer verbunden mit der Erde, mehr als jedes andere Lebewesen, und durch ihre Fähigkeit, Licht zu verstoffwechseln immer verbunden mit dem Himmel.
Denke dir einen Menschen, der sich ganz in sich selbst versenken kann, ein Meister der Meditation. Für ihn verblasst die äußere Welt, er lässt alles geschehen, er fühlt sich verbunden mit Himmel und Erde. Er könnte wie die Pflanze ohne weiteres gepflückt oder gebrochen werden können, aber er ist okay damit. Der größte Teil seines Wesens beteiligt sich nicht am Durcheinander des Sichtbaren.
Man kann von den Pflanzen lernen, aber wenn man es tut, wird man selbst Pflanze. Ein Bewußtsein wie die Menschen haben Pflanzen nicht und brauchen es auch nicht.
Kennst du den Film Johnny got his gun, der im Lied One von Metallica besungen wird? Da geht es um einen Typen, der im Krieg schwer verwundet wird und danach aus nichts mehr besteht als einem Körper ohne Arme und Beine, seiner Sinne beraubt, völlig von der Außenwelt abgeschnitten.
Für einen normalen Menschen ist das der absolute Horror. Für die Pflanze ist es in gewisser Weise normal, weil sie so geboren ist und sich verständigen kann mit der Welt auch ohne grobstoffliche Einwirkungen.
Das Bewußtsein der Pflanzen muss sein wie ein einziger Traum. In Rilkes Gedicht Orpheus. Eurydike. Hermes beschreibt Rilke den Gemütszustand Eurydikes, die von Orpheus aus der Unterwelt geführt wird. Aber Eurydike ist schon nicht mehr menschlich, ihr Geist ist dunkel geworden und kaum mehr empfänglich für die Erscheinungen der Sinne:

"Sie war schon nicht mehr diese blonde Frau,
die in des Dichters Liedern manchmal anklang,
nicht mehr des breiten Bettes Duft und Eiland
und jenes Mannes Eigentum nicht mehr.

Sie war schon aufgelöst wie langes Haar
und hingegeben wie gefallner Regen
und ausgeteilt wie hundertfacher Vorrat.

Sie war schon Wurzel. " http://www.rilke.de/gedichte/orpheus_eurydike_hermes.htm

timgthomas Avatar
timgthomas:#10418

>>10417
>Das Bewußtsein der Pflanzen muss sein wie
Setzt die Antwort auf OPs Frage als Prämisse voraus. Ob eine Pflanze überhaupt ein Bewusstsein hat ist interessant, nicht, wie du dir dieses vorstellst. Das kommt eventuell danach.

Was mich nur wundert: Dass isidor antwortet, obwohl ich dachte, er hätte das Thema eröffnet. Selbstschuchteley?

herrhaase Avatar
herrhaase:#10431

Ich denke nicht, dass Pflanzen ein Bewusstsein haben.
Habe allerdings mit dem Gedanken gespielt, dass Wälder, welche fraktale Ast- und Standortsmuster unter den Bäumen aufweisen zu scheinen, ein Bewusstsein haben könnten, das durch Austausch von Information entsteht.

guischmitt Avatar
guischmitt:#10436

>Das würde implizieren, dass Pflanzen lernfähig sind.
http://koryos.tumblr.com/post/74182518821/a-plant-doesnt-need-a-brain-to-remember-things

leandrovaranda Avatar
leandrovaranda:#10437

>>10436
Oh, das ist interessant. Ich habe die Arbeit dahinter mal gelesen. Ich finde schade, dass sie nicht getestet haben, ob andere Stimuli ebenso ignoriert werden wie ihre Wassertropfen; es wäre recht aussagekräftig gewesen, wenn dies der nicht der Fall wäre. So hingegen sehe ich nicht die sichere Gewissheit, dass die nachlassende Reaktion nicht auch durch nachlassende Struktur (Erschöpfung des Potenzials) verursacht wird. Die veränderte Beleuchtung als Motivation aufzufassen ist eventuell auch ein Irrweg, da mehr Photosynthese auch zu mehr Potenzial führen kann.
Wartezeit und spätere Tests helfen recht wenig für den Fall, dass Strukturen bereits zerstört sind, falls diese nicht regenerationsfähig sein sollten.

So sieht das eher nach einer günstigen Korrelation für die Pflanze aus.

Aber an sich eine coole Idee.

Neuste Fäden in diesem Brett: