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Veröffentlicht am 2015-04-21 13:04:30 in /ph/

/ph/ 12033: Warum denken wir, was wir denken?

adammarsbar Avatar
adammarsbar:#12033

Aus aktuellem Anlass - und weil ich den Text gerade wieder gefunden haben -: Warum denken wir, was wir denken? Gibt es neben den Grenzen unserer sinnlichen Wahrnehmung auch psychologische Grenzen und bestimmende Faktoren? Direkter: Sind unsere Überzeugungen rein psychologisch, ja vielleicht sogar rein biographisch zu erklären?

Der folgende Text (Auszug aus einem Vortrag) war ein Versuch, eine mögliche (nicht die einzige!) Perspektive in Nietzsches Philosophie zu diesem Thema darzustellen.

(Ich befürchte, das war nicht die Datei mit meinen letzten Korrekturen. Kann also noch Fehler enthalten.)

Nietzsches Philosophie kann als eine Abrechnung mit allen absoluten Werten und mit jedem Anspruch auf Allgemeingültigkeit begriffen werden.
„Es giebt weder „Geist“, noch Vernunft, noch Denken, noch Bewußtsein, noch Seele, noch Wille, noch Wahrheit: alles Fiktionen, die unbrauchbar sind.“
Die Welt, wie Nietzsche sie sieht, ist kaum mehr als Chaos. Er spricht von kosmischer Dummheit, er nennt die Welt „dumm, blind, verrückt“, er bezeichnet sie als „verschwenderisch ohne Maß, gleichgültig ohne Maß, ohne Absichten und Rücksichten, ohne Erbarmen und Gerechtigkeit“, er schimpft sie „Irrenhaus-Welt“ … — kurz: die ganze Menschheit sei von „Unsinn“, von „Ohne-Sinn“ bestimmt, der Mensch selbst sei nicht mehr als ein Glückswurf, und auch die Natur sei bloßer Zufall.


Es gebe daher nichts, „was unser Sein richten, messen, vergleichen, verurtheilen könnte“; „die Irrthümlichkeit der Welt“ sei das „Sicherste und Festeste, dessen unser Auge noch habhaft werden kann“. Diese ‚Wahrheit‘ sei jedoch bisher nicht gesehen worden — nicht zuletzt, weil wir sie nicht ertragen würden: „Aber meine Wahrheit ist furchtbar: denn man hiess bisher die Lüge Wahrheit.“ Der Mensch habe sich stattdessen viele andere ‚Wahrheiten‘ geschaffen. Erst er hätte der Welt einen Sinn gegeben und den ‚Dingen‘ einen Wert untergeschoben, den sie nicht haben:

"Es dämmert jetzt vielleicht in fünf, sechs Köpfen, dass Physik auch nur eine Welt-Auslegung und -Zurechtlegung […] und nicht eine Welt-Erklärung ist […]."

Die Fragen, die sich Nietzsche nun stellt, sind: Was gibt diesen Fiktionen die Richtung? Welcher Trieb, welches Bedürfnis drängt uns wohin? Dass wir unzählige Pseudo-Wahrheiten und Werte erfunden hätten, weist für Nietzsche darauf hin, dass wir stets irgendeine Form der Orientierung, des Halts nötig haben, dass wir den Gedanken an ein sinnloses, grausames und zufälliges Spiel nicht ertragen würden. — Es sind also Probleme der Psychologie, die Nietzsche beschäftigen müssen, und auch er sah das überaus klar:

"[Der Psychologe dürfe verlangen,] dass die Psychologie wieder als Herrin der Wissenschaften anerkannt werde […]. Denn die Psychologie ist nunmehr wieder der Weg zu den Grundproblemen."

Die gesammte Psychologie sei bisher allerdings an moralischen Vorurtheilen und Befürchtungen hängen geblieben: Sie habe sich nicht in die Tiefe gewagt. Dass Nietzsche hier nicht Halt machte, ist für ihn der entscheidende Punkt. „Es gab vor mir noch gar keine Psychologie.“

Bereits als 20-Jähriger spürte Nietzsche ein Streben „nach“, wie er sagt, „zunehmender Vertiefung des Wissens“, weshalb er an seinen damaligen Wissenstand nur „geringschätzend denken“ konnte. Dass ihn derartige Gedanken 1864 beschäftigten, lässt sich sicherlich mit dem herannahenden Studienbeginn erklären. Für ihn Anlass genug, sich noch einmal selbst zu ermahnen:

"Jetzt, wo ich im Begriff bin, auf die Universität zu gehn, halte ich mir als unverbrüchliche Gesetze für mein ferneres wissenschaftliches Leben vor: die Neigung zu einem verflachenden Vielwissen zu bekämpfen, sodann meinen Hang, das Einzelne auf seine tiefsten und weitesten Gründe zurückzuführen, noch zu fördern."

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cat_audi:#12034

Als 1871 sein erstes Buch mit dem Titel Die Geburt der Tragödie entstand, ahnte er noch nicht, dass die Veröffentlichung im Folgejahr seine wissenschaftliche Laufbahn als Philologe ruinieren wird, aber er hatte den Grundstein für sein Verständnis des Menschen gelegt und den Gedanken gefunden, der seiner Einschätzung nach am tiefsten ansetzt. Er schrieb:

"Um leben zu können, mussten die Griechen diese Götter, aus tiefster Nöthigung, schaffen: welchen Hergang wir uns wohl so vorzustellen haben, dass aus der ursprünglichen titanischen Götterordnung des Schreckens durch jenen apollinischen Schönheitstrieb in langsamen Uebergängen die olympische Götterordnung der Freude entwickelt wurde: wie Rosen aus dornigem Gebüsch hervorbrechen. Wie anders hätte jenes so reizbar empfindende, so ungestüm begehrende, zum Leiden so einzig befähigte Volk das Dasein ertragen können, wenn ihm nicht dasselbe, von einer höheren Glorie umflossen, in seinen Göttern gezeigt worden wäre."

Doch nicht nur die Entstehung der Götterwelt wird von den Nöten her begriffen, sondern auch die Kunst sei die Geburt tiefster Nöte, denn, so Nietzsche, „wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit [also der Sinnlosigkeit der Welt] zu Grunde gehen“.
Der Mensch sei durch und durch, in jedem Moment seines Lebens, von Nöten bestimmt. Aber die Antwort auf die Frage, was unter Nöten zu verstehen ist, lässt sich nur schwer auf eine einfache Definition bringen. Am ehesten können Nöte als das begriffen werden, was all unser Denken und Handeln nicht nur in Gang setzt, sondern auch bestimmt; Nöte verlangen nach Befriedung und Tilgung — Nöte sind stets etwas, das nach Bekämpfung verlangt. Sie seien somit Ursache jedes unangenehmen oder nach Veränderung verlangenden Zustandes (obgleich wir ihn nicht zwingend bewusst als quälend oder belastend empfinden müssen). Es sind Wünsche, Triebe, Bedürfnisse, Ängste und so weiter und so fort.
Nietzsche überträgt die hier angedeutete ‚Not-Theorie‘ auf wirklich alle Bereiche des menschlichen Daseins und weicht von ihr bis zum letzten Werk nie wieder ab. Das Leben ist für Nietzsche ein bis zum Tode währender Kampf gegen Nöte; das Leben sei wesentlich Notbekämpfung. Was wir denken, wie wir handeln, welche Formen unsere Kulturen und sogar unsere Moralen angenommen haben, sei demnach Ausdruck unserer Art, mit Nöten umzugehen. Es sind Zeichen unserer Affekte. Man müsse daher, so Nietzsche, „die Nothstände der Menschheit studiren, aber ihre Meinungen, wie dieselben zu lösen sind, noch mit hineinrechnen.“ Dem folgenden Urteil Michael Tanners ist daher beizupflichten:

"Nietzsches lebenslanges […] Bestreben war es, die Beziehung zwischen dem Leiden und der Kultur – bzw. den Kulturen – zu ermitteln. Er kategorisiert und bewertet die Kulturen gemäß der Art und Weise, wie sie die Allgegenwart des Leidens bewältigt haben […]."

Die Entwicklung einer Kultur könnte somit als ständige Fluchtbewegung vor den Nöten beschrieben werden.

(Hier fehlt etwas aus dem Vortrag. Keine Lust, die Folien hochzuladen.)

Wichtig ist, sich klarzumachen, wie mechanistisch Nietzsche das menschliche Handeln versteht. Die jeweils gegenwärtig größte Not bestimme ausnahmslos, wie wir handeln und was wir denken. Willens- bzw. Handlungsfreizeit leugnet Nietzsche radikal. Wer von seinen Nöten gesteuert wird, wer von seinen Nöten diktiert bekommt, welches Bedürfnis er gerade befriedigen und welcher Reaktionsmöglichkeit er den Vorzug gibt, kann nicht frei darüber verfügen, wie er denkt oder handelt.
Mit besonderer Deutlichkeit hat Nietzsche diesem Gedanken in seinem Werk Morgenröthe Ausdruck verliehen. In einem verhältnismäßig langen Aphorismus schildert Nietzsche sechs in die Praxis umsetzbare Methoden, mit denen man die „Heftigkeit eines Triebes“ bekämpfen könne, um am Ende die umso kürzere Pointe zu liefern:

"[…] dass man aber überhaupt die Heftigkeit eines Triebes bekämpfen will, steht nicht in unserer Macht, ebenso wenig, auf welche Methode man verfällt, ebenso wenig, ob man mit dieser Methode Erfolg hat. Vielmehr ist unser Intellect bei diesem ganzen Vorgange ersichtlich nur das blinde Werkzeug eines anderen Triebes, welcher ein Rival dessen ist, der uns durch seine Heftigkeit quält: sei es der Trieb nach Ruhe oder die Furcht vor Schande und anderen bösen Folgen oder die Liebe."

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jonkspr:#12035

>>12034
Nietzsche spricht von einer „Lehre von der völligen Unverantwortlichkeit“ des Menschen und hält eben diese Konsequenz für den „bitterste[n] Tropfen, welchen der Erkennende schlucken muss, wenn er gewohnt war, in der Verantwortlichkeit und der Pflicht den Adelsbrief seines Menschenthums zu sehen“. Alles, was er (also der Erkennende) schätzte oder verachtete, sei hinfällig und falsch geworden, denn wo Notwendigkeit herrscht, könne es keine Werte und Leistungen geben.

"Alles ist nothwendig, jede Bewegung mathematisch auszurechnen. So ist es auch bei den menschlichen Handlungen; man müsste jede einzelne Handlung vorher ausrechnen können, wenn man allwissend wäre, ebenso jeden Fortschritt der Erkenntniss, jeden Irrthum, jede Bosheit."

Die „hundertfach widerlegte Theorie“ der Willensfreiheit erscheint ihm so abwegig, dass er den Wunsch, „die ganze und letzte Verantwortlichkeit für seine Handlungen selbst zu tragen“, scherzhaft mit dem Versuch vergleicht, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. In seinem letzten noch selbst veröffentlichten Werk 1889 zählt er die Theorie der Willensfreiheit sogar zu den vier größten Irrtümern der Menschheit.
Der zweite Aspekt, der nicht übersehen werden darf, ist, dass Nietzsche die aus dem Ausgeführten notwendige Konsequenz zieht, dass selbstloses, unegoistisches Handeln unmöglich ist. Wenn alle unsere Handlungen auf Nöte zurückzuführen sind, müsse jede Handlung der Befriedigung der jeweiligen Not dienen. Die Adjektive ‚unegoistisch‘, ‚selbstlos‘ und ‚selbstverleugnend‘ werden von Nietzsche daher als „unreal“ und „fingirt“ bezeichnet.
Wer in der Stadt von einer über Hunger klagenden Person um etwas Essbares gebeten wird und dieser Bitte nachkommt, gilt allenthalben als selbstlos, ist es aber nach Nietzsche nicht: Der Spender hatte das Bedürfnis (also die Not), der hungernden Person zu helfen — und nur dieses Bedürfnis wollte er befriedigen. Der Helfende will also primär seine Not loswerden. Das Helfen selbst ist zweitrangig, Mittel zum Zweck.
Selbst …

"Der „Nächste“ lobt die Selbstlosigkeit, weil er durch sie Vortheile hat!"

Wie sehr sich Nietzsche wohl an dieser „Fiktion“ störte, wird allein daran deutlich, dass er das Wort „unegoistisch“ ab 1881 von einer Ausnahme abgesehen immer mit ironisierenden Anführungszeichen verwendet. Und auch bei dieser einen Ausnahme und vor 1881 hat er es nur im Zusammenhang mit Kritik verwendet.

Es mag an dieser Stelle hilfreich sein, kurz ein Themenfeld zu betrachten, mit dem sich Nietzsche besonders intensiv auseinandergesetzt hat: das menschliche Denken und die menschliche Intelligenz.
Nietzsches ‚Not-Theorie‘ hat schwerwiegende Folgen für die Stellung unseres Verstandes. Wenn alles durch Nöte bestimmt wird, könne auch der Intellekt nur ein untergeordnetes „Werkzeug“ sein. Der Geist steht für Nietzsche lediglich im Dienste „der animalischen Grundfunktionen“. Das Denken ist für Nietzsche daher als ebenso unfrei wie das Wollen entlarvt. Wenn der Verstand nur die Aufgabe hat, unsere Nöte zu tilgen — uns also auch Trostmittel bereitzustellen —, hat die ‚Wahrheit‘ eines Gedankens keinen Wert. Ein Gedanke ist für den jeweiligen Menschen umso wertvoller, je besser er seine Nöte vertreibt. Die ‚Wahrheit‘ kann hier etwas gänzlich Hinderliches sein. Es widerspräche unserem Bedürfnis nach Not-Vertreibung, wenn wir etwas dächten, was unseren Nöten zuwiderläuft — es käme einer Vertiefung eben dieser gleich. Daher schreibt Nietzsche folgerichtig:

"Denn so ist der Mensch: ein Glaubenssatz könnte ihm tausendfach widerlegt sein, — gesetzt, er hätte ihn nöthig, so würde er ihn auch immer wieder für „wahr“ halten […]."

Das menschliche Begreifen sei immer ein Auslegen nach unseren Bedürfnissen; der Geist sei ein bloßes Werkzeug, ein Rettungsmittel, mit dem wir uns unser eigenes Leben erträglichen machen und uns neue Perspektiven bereitstellen können. Wir könnten nicht einmal untereinander zu gleichen Ansichten kommen, denn das würde nicht nur absolut identische Wahrnehmungen und intellektuelle Fähigkeiten, sondern auch zwingend eine Gleichheit der Nöte voraussetzen.

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linux29:#12036

>>12035
"Sobald ihr gegen mich empfindet, versteht ihr meinen Zustand und folglich meine Argumente nicht! Ihr müßt das Opfer derselben Leidenschaft sein!"

Nietzsche zieht nun auch hier die schärfste Konsequenz: Wenn der Intellekt nur ein Mittel zur Bewältigung von Nöten ist, müsste seine Ausprägung von der Tiefe der Nöte — und somit von der Notwendigkeit eines großen Intellekts — abhängen. Er hat sich immer wieder über diesen Zusammenhang geäußert. Drei besonders deutliche Zitate mögen als Nachweis dienen:

"Europa ist ein Kranker, der seiner Unheilbarkeit und ewigen Verwandelung seines Leidens den höchsten Dank schuldig ist; diese beständigen neuen Lagen, diese ebenso beständigen neuen Gefahren, Schmerzen und Auskunftsmittel haben zuletzt eine intellectuale Reizbarkeit erzeugt, welche beinahe so viel, als Genie, und jedenfalls die Mutter alles Genie’s ist."

"[…] die schwachen haben mehr Geist … Man muss Geist nöthig haben, um Geist zu bekommen, – man verliert ihn, wenn man ihn nicht mehr nöthig hat. Wer die Stärke hat, entschlägt sich des Geistes […].
Wollte man Gesundheit, so würde man das Genie abschaffen."

Für Nietzsche war damit die Basis geschaffen, einen Angriff auf die gesamte bisherige Philosophie vorzunehmen. Er widmet sich nun nicht mehr direkt den Inhalten, sondern er fragt nach den Nöten, die zu den jeweiligen Philosophien geführt haben, denn es seien ausnahmslos die Nothstände, die Philosophie treiben. Philosophie ist ihm daher nunmehr Symptom, und er provoziert mit diesem Gedanken:

"Jede Philosophie, welche den Frieden höher stellt als den Krieg, jede Ethik mit einer negativen Fassung des Begriffs Glück, jede Metaphysik und Physik, welche ein Finale kennt, einen Endzustand irgend welcher Art, jedes vorwiegend aesthetische oder religiöse Verlangen nach einem Abseits, Jenseits, Ausserhalb, Oberhalb erlaubt zu fragen, ob nicht die Krankheit das gewesen ist, was den Philosophen inspirirt hat. Die unbewusste Verkleidung physiologischer Bedürfnisse unter die Mäntel des Objektiven, Ideellen, Rein-Geistigen geht bis zum Erschrecken weit, — und oft genug habe ich mich gefragt, ob nicht, im Grossen gerechnet, Philosophie bisher überhaupt nur eine Auslegung des Leibes und ein Missverständniss des Leibes gewesen ist."

Er will nun ausgerechnet an den Philosophen entdeckt haben, dass man noch den „grössten Theil des bewussten Denkens unter die Instinkt-Thätigkeiten rechnen“ müsse. „Allmählich“ habe er festgestellt, „was jede grosse Philosophie bisher war: nämlich das Selbstbekenntnis ihres Urhebers und eine Art ungewollter und unvermerkter mémoires“. — Alles, was wir denken, gibt Auskunft über unsere Nöte — nicht über die Objekte unseres Denkens. Und da Nöte nach möglichst zügiger Tilgung verlangen, wollen wir im Allgemeinen vereinfachen, wie es Nietzsche seinen Zarathustra ‚lehren‘ lässt:

"Alles Seiende wollt ihr erst denkbar machen: denn ihr zweifelt mit gutem Misstrauen, ob es schon denkbar ist.
Aber es soll sich euch fügen und biegen! So will’s euer Wille. Glatt soll es werden und dem Geiste unterthan, als sein Spiegel und Widerbild."

Sie werden an dieser Stelle bereits erahnen, worauf Nietzsches Moralkritik vor diesem Hintergrund hinausläuft. Ich möchte Ihnen daher aus Zeitgründen nur ein einziges, vor allem gegen Kant gerichtetes Zitat vorstellen, das deutlich genug zeigt, wie Nietzsches ‚Not-Theorie‘ alle bisherigen Moralkonzeptionen fragwürdig machen soll und warum er für das Wort Moral die Mehrzahl „Moralen“ erfunden hat:

"Abgesehn noch vom Werthe solcher Behauptungen wie „es giebt in uns einen kategorischen Imperativ“, kann man immer noch fragen: was sagt eine solche Behauptung von dem sie Behauptenden aus? Es giebt Moralen, welche ihren Urheber vor Anderen rechtfertigen sollen; andre Moralen sollen ihn beruhigen und mit sich zufrieden stimmen; mit anderen will er sich selbst an’s Kreuz schlagen und demüthigen; mit andern will er Rache üben, mit andern sich verstecken, mit andern sich verklären und hinaus, in die Höhe und Ferne setzen; diese Moral dient ihrem Urheber, um zu vergessen, jene, um sich oder Etwas von sich vergessen zu machen; mancher Moralist möchte an der Menschheit Macht und schöpferische Laune ausüben; manch Anderer, vielleicht gerade auch Kant, giebt mit seiner Moral zu verstehn: „was an mir achtbar ist, das ist, dass ich gehorchen kann, — und bei euch soll es nicht anders stehn, als bei mir!“ — kurz, die Moralen sind auch nur eine Zeichensprache der Affekte."

aiiaiiaii Avatar
aiiaiiaii:#12037

>>12036

Sehr geehrte Damen und Herren, wer diesen Gedanken Plausibilität einräumt, steht vor den Trümmern der Philosophie und der Wissenschaft im Allgemeinen. Argumente haben ihre Kraft verloren, „Wahrheit“ ist eine bloße Fiktion, die uns nie selbst interessiert. Bereits 1872/1873 hielt er fest:

"Warum wollen wir nicht getäuscht werden? — […]Wir begehren wenigstens für vieles die Unwissenheit d.h. auch die Täuschung. Er will, soweit es zum Leben nöthig ist, nicht getäuscht werden d.h. er muß sich erhalten können, in diesen Bereich des Bedürfnisses will er Zutrauen haben dürfen. Nur die Täuschung, die feindlich ist, verschmäht er, nicht die erfreuliche. Er flieht das Betrogenwerden, die schlimme Täuschung. Also im Grunde nicht die Täuschung, sondern die Folge der Täuschung und zwar die schlimme Folge. Also wo in seinem Zutrauen mit bösen Folgen getäuscht zu werden möglich ist, da verwirft er die Täuschung. Da will er die Wahrheit d.h. wieder er will die angenehmen Folgen. Die Wahrheit kommt nur in Betracht als Mittel gegen feindselige Täuschungen. Die Forderung der Wahrheit heißt: thue den Menschen durch Betrug nichts Böses. Gegen die reine, folgenlose Erkenntniß der Wahrheit ist der Mensch gleichgültig. Dafür hat ihn die Natur auch nicht eingerichtet. Der Glaube an die Wahrheit ist der Glaube an gewisse beglückende Wirkungen."

Nietzsche weiß jedoch, dass der Mensch nicht auf den Glauben an Werte, nicht auf moralisches Denken und ganz allgemein nicht auf Orientierung verzichten kann. Er betont es immer wieder:

"Die Illusion nöthig für das empfindende Wesen, um zu leben. Die Illusion nöthig, um in der Kultur fortzuschreiten."
"Die Falschheit eines Urtheils ist noch kein Einwand gegen ein Urtheil […]."
"Wahrheit ist die Art von Irrthum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte. Der Werth für das Leben entscheidet zuletzt."

Doch was heißt hier „der Werth für das Leben entscheidet“, wenn es doch nichts gibt, was einen objektiven Maßstab liefern könnte? Wenn Menschen nur nach ihren Nöten handeln und denken, dann kann der Wert nur daran bemessen werden, wie gut eine Handlung oder Illusion Nöte vertreibt oder befriedigt. Alles, was diesem Maßstab standhält, ist letztlich legitim:

"Wir wissen Einiges jetzt zu gut, wir Wissenden: oh wie wir nunmehr lernen, gut zu vergessen, gut nicht-zu-wissen […]! Und was unsere Zukunft betrifft: man wird uns schwerlich wieder auf den Pfaden jener ägyptischen Jünglinge finden, welche Nachts Tempel unsicher machen, Bildsäulen umarmen und durchaus Alles, was mit guten Gründen verdeckt gehalten wird, entschleiern, aufdecken, in helles Licht stellen wollen. Nein, dieser schlechte Geschmack, dieser Wille zur Wahrheit, zur „Wahrheit um jeden Preis“, dieser Jünglings-Wahnsinn in der Liebe zur Wahrheit — ist uns verleidet: dazu sind wir zu erfahren, zu ernst, zu lustig, zu gebrannt, zu tief … […]Heute gilt es uns als eine Sache der Schicklichkeit, dass man nicht Alles nackt sehn, nicht bei Allem dabei sein, nicht Alles verstehn und „wissen“ wolle."

Ihnen wird nun von selbst klar sein, wie Sie Nietzsches berühmte ‚Lehren‘ von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, vom Willen zur Macht, vom Übermenschen und von der Sklavenmoral zu bewerten haben. Wer Nietzsche wirklich sorgfältig liest, wird schnell merken, dass er sie niemals als Lehren vorgetragen und überall dezente Warnungen davor eingeflochten hat, sie allzu ernstzunehmen.

"Ich habe diese starken Gegen-Begriffe nöthig, die Leuchtkraft dieser Gegen-Begriffe, um in jenen Abgrund von Leichtfertigkeit und Lüge hinabzuleuchten, der bisher Moral hieß."

Es sind Antilehren, Gedankenspiele, Kontrastmittel, Experimente. Wissenschaft im allgemeinen Verständnis ist für Nietzsche eine Sache der Vergangenheit. Wenn seine Philosophie wirken soll, dann kann sie es nur, indem sie Nöte weckt, indem sie an unserer Gefühlswelt rüttelt. So verstehen Sie auch Nietzsches Einseitigkeiten, seine unglaubliche Härte, seine schrecklichen Aussagen, seine Polemik und seine Frechheiten. Schopenhauer schimpfte aus Empörung, Nietzsche aus Kalkül. Wir denken nur, wenn wir es nötig haben, also musste er dafür sorgen, dass er uns verlockt oder zutiefst provoziert.

Was bleibt, wäre eine fröhliche Wissenschaft, eine heitere, eine tanzende und vor allem eine subjektive Wissenschaft, die sich nicht davor scheut, auch einmal im Narrenkostüm aufzutreten.

keyuri85 Avatar
keyuri85:#12038

>>12037
"Es ist durchaus nicht nöthig, nicht einmal erwünscht, Partei dabei für mich zu nehmen: im Gegenteil, eine Dosis Neugierde, wie vor einem fremden Gewächs, mit einem ironischen Widerstande, schiene mir eine unvergleichlich intelligentere Stellung zu mir."
"Ich will kein Heiliger sein, lieber noch ein Hanswurst."

Nietzsche ist der erste große Philosoph, der in dieser Weise offen über sich spricht, der über die Bedingtheiten seines Denkens Auskunft gibt. Er spricht über seine Krankheiten, über seine Erfahrungen und vor allem über seine Nöte. So räumt er beispielsweise offen ein, warum er seiner Not-Theorie gemäß selbst nicht ernsthaft an die ewige Wiederkehr des Gleichen glauben konnte:
"Aber ich bekenne, dass der tiefste Einwand gegen die „ewige Wiederkunft“ [des Gleichen], mein eigentlich abgründlicher Gedanke, immer Mutter und Schwester sind."

Er hätte Beide immer und immer wieder ertragen müssen.
So sehr dieses Beispiel auch zum Lachen anregt: Nietzsche hat mit seinen eigenen Gedanken im Allgemeinen ernst gemacht und damit eine neue Form des Philosophierens eingeführt.



So, der Rest gehört nicht mehr zum Thema. Daher ist hier nun auch Schluss damit.

joemdesign Avatar
joemdesign:#12039

Das aus der Begierde und den Bedürfnissen des Menschen entstandene Denken ist aber schon lange vor Nietzsche (und weit pointierter) Gegenstand philosophischer Betrachtung gewesen. Dass Philosophie oder genauer, unsere Moral, das Symptom unserer Nöte sei, ist zutreffend, aber ein Allgemeinplatz, zu dessen Darlegung man keinen Nietzsche herbeizubemühen hat.

anhskohbo Avatar
anhskohbo:#12040

>>12039
Natürlich gab's das alles schon vorher. Die Schärfe war allerdings durchaus neu.

a_khadeko Avatar
a_khadeko:#12044

>>12041
>Danke für deinen Faden, wobei es mich erstaunt, dass du für solch eine psychologistische Binsenweisheit Nietzsche ausquetschen musstest.

Das war auch für einen Vortrag explizit zu Nietzsche. Und für ein Laienpublikum. "Musstest" trifft es daher nicht. Vergleichbares hätte man problemlos auch bei anderen zusammensammeln können. War einfach gerade greifbar für mich; und vielleicht interessiert's ja doch den einen oder anderen Bernd, der sich bisher nicht mit solchen Fragen beschäftigt hat. Für dich war das insofern gar nicht (nur indirekt).


>Hierin sehe ich impliziert, dass die Philosophie, die aus der Not heraus entsteht und die Wahrheit grundsätzlich niemals in eins fallen können.

Diese Formulierung suggeriert (oder scheint es zumindest), dass es Philosophien gibt, die nicht aus Not entstanden sind. Gerade darum ging's: Er will jede, wirklich jede - also auch seine eigene - Philosophie verdächtig machen.

>Nietzsche hält das Kompensatorische der Philosophie für enthüllungswürdig, als wäre es ein Skandalon, wie Heine sagt, dass jeder unter seiner Kleidung nackt sei.

Würde ich nicht so sehen, nein. Wenn man von "Skandalon" sprechen will, scheinen mir folgende Punkte wichtig:

- dass sich Philosophen nicht selbst auf ihre Nöte hin befragen und dementsprechend anders bzw. vorsichtiger philosophieren
- dass die fehlende psychologische Betrachtung gewisse Werte und Orientierungen erhalten hat, die Leid hervorrufen oder aufrechterhalten

Dafür spricht auch, dass er die Lüge oder Auslassungen explizit befürwortet, solange sie, was auch immer das am Ende bedeuten soll, dem Leben dienen. Ihn scheint nur die schädliche Lüge zu stören. Und natürlich der schädliche Stillstand, weswegen er von einem "Hemmschuh" spricht, der gezielt anzuwenden ist, solange der 'Nutzen' stimmt.




>Bei Kierkegaard wird diese aus der Not geborene subjektive Weltsicht hingegen gutgeheißen, mit dem Hinweis darauf, dass der Wert subjektiv für wahr angenommene Dinge ein Leben erhalten kann, und deshalb die Erbaulichkeit der Wahrheit als Gegenstand der Philosophie kein Makel oder gar Zeichen verschleierter Triebwirkung ist, sondern mithin der einzige Effekt von Wert, der aus ihr hervorgeht.

Dem könnte er sicherlich durchaus unter genannten Bedingungen zustimmen. Exakt darum fragte ich dich nach dem Trostwert.

amboy00 Avatar
amboy00:#12045

>>12044
Okay, da hast du etwas Entscheidendes herausgestellt:

> Ihn scheint nur die schädliche Lüge zu stören. Und natürlich der schädliche Stillstand, weswegen er von einem "Hemmschuh" spricht, der gezielt anzuwenden ist, solange der 'Nutzen' stimmt.

Das ist dann auch die Grundannahme, aus der seine gesamte Kulturkritik zu entwickeln ist, wie ich vermute. Wenn man davon ausgeht, werden natürlich kaum noch unanfechtbare Errungenschaften der Menschheit übrigbleiben, zuerst aber ist die Kultur dran und ihre Moral, die Werte verewigt, unter denen viele zu leiden haben, weil der Leidende nicht die Leidenschaft der "Urheber" der Kultur teilt.
Das Gefährlichste ist vor dem Hintergrund wohl wirklich, eine Philosophie für mehr zu halten als für ein persönliches Seelenbild, und wie du schreibst, ist es mehr die Spiegelung des Selbst in den Dingen, mit denen man sich befasst, anstatt das Wesen der Dinge.
Nun, Nietzsches Philosophie ist ein Symptom seiner Nöte. Was könnten meine Nöte sein? Ein Drang nach dem Wunderbaren, nach Irritation in einer Welt, die alles zu verstehen meint?
Nach meiner Wahrnehmung hat der Mensch in unserer heutigen Zeit sich größtenteils abgekoppelt von seinem Innenleben oder hält es möglichst klein, um nicht in Konflikt mit den Institutionen der Gesellschaft zu kommen. Obwohl doch Kultur, Kirche, Politik, Wirtschaft allesamt menschliche Erzeugnisse sind, ist die innen innewohnende Struktur von einer lebensfeindlichen Statik. Der Mensch hat seine Bedürfnisse diversifiziert und ausgelagert, sodass nun die Einrichtungen darüber walten und entscheiden, was nicht sein darf und nicht sein kann. Das ist freilich ein Auswuchs der Philosophie aus Not heraus, dass sie zu große Anhängerschaft gewinnt und sich verselbstständigt - wenn man dann wieder auf sie trifft, ist sie zu einem Monument geworden, deren Regeln und Dogmen der Mensch nicht mehr Herr werden kann. Das ist tatsächlich ein sehr großer Anreiz dafür, sich zu mäßigen bei Anliegen von Philosophie.
Dann wiederum ist Philosophie auch eine Leidenschaft und letztlich ist sie vielleicht auch nur eine Fahne eines Schiffbrüchigen, die er an den wankenden Mast seines Wrackteils gebunden hat in der Hoffnung, dass irgendjemand ihn findet, dass er ihm ähnliche Geister hilft, Anregungen gibt oder ihnen das eigene Leben irgendwie leichter machen kann.

peterlandt Avatar
peterlandt:#12067

>>12045
>Das ist dann auch die Grundannahme, aus der seine gesamte Kulturkritik zu entwickeln ist, wie ich vermute.

Das ist zumindest die Deutung, mit der ich bei der durchgängigen Interpretation das 'rundeste' Ergebnis bekomme - bei der sich die scheinbaren Widersprüche recht sauber auflösen lassen.

>Wenn man davon ausgeht, werden natürlich kaum noch unanfechtbare Errungenschaften der Menschheit übrigbleiben, zuerst aber ist die Kultur dran und ihre Moral, die Werte verewigt, unter denen viele zu leiden haben, weil der Leidende nicht die Leidenschaft der "Urheber" der Kultur teilt. Das Gefährlichste ist vor dem Hintergrund wohl wirklich, eine Philosophie für mehr zu halten als für ein persönliches Seelenbild, und wie du schreibst, ist es mehr die Spiegelung des Selbst in den Dingen, mit denen man sich befasst, anstatt das Wesen der Dinge.

Ich denke, man kann das aus zwei Perspektiven verstehen:
1.) Denkblockaden beseitigen.
2.) (Falsche) Gewissheiten untergraben - und zwar auch des eigenen Denkens.

Darum sind die Wasser- bzw. Flussmetaphern im Zarathustra auch so wichtig. Und das Ganze endet dann recht passend mit dem Bild des Meeres.

>Nun, Nietzsches Philosophie ist ein Symptom seiner Nöte.

Richtig, und, wie gesagt, darum spricht er auch in einer so irritierenden Weise häufig von sich selbst. Die ganzen Vorreden zu den zweiten Auflagen sind deswegen so interessant. Ab da scheint er diese Herangehensweise ernst zu nehmen und schickt allen Werken nachträglich Vorreden, die beinahe Geständnis-Charakter haben, voran.

>Was könnten meine Nöte sein? Ein Drang nach dem Wunderbaren, nach Irritation in einer Welt, die alles zu verstehen meint?

Und da geht das Fragen dann weiter. Warum der Drang nach Wunderbarem? Woher das Bedürfnis nach Irritation? Man läuft dabei natürlich Gefahr, es ad infinitum betreiben zu können, aber es baut, ernst genommen, eine gewisse Distanz zum eigenen Denken auf, wenn man sich solche Fragen öfter mal stellt. Gerade darin, in diesem "Erkenne dich selbst", sehe ich viel Ruhepotenzial.

>Dann wiederum ist Philosophie auch eine Leidenschaft und letztlich ist sie vielleicht auch nur eine Fahne eines Schiffbrüchigen, die er an den wankenden Mast seines Wrackteils gebunden hat in der Hoffnung, dass irgendjemand ihn findet, dass er ihm ähnliche Geister hilft, Anregungen gibt oder ihnen das eigene Leben irgendwie leichter machen kann.

Recht treffendes Bild, obgleich da sicherlich noch andere Motive eine Rolle spielen. Kants Ethik stinkt beispielsweise ekelerregend nach Selbstrechtfertigung, nach Nichts-tun-Wollen. Es riecht evangelisch.

Ob man wirklich so weit gehen muss, jeden Gedanken erst einmal als Symptom zu betrachten, wage ich zu bezweifeln. Meine Alltags- und auch Arbeitserfahrung zeigt mir allerdings, dass viele sich selbst in der 'Rechnung' vergessen. Gerade Wissenschaftler vergessen sich als Wissenschaftstreibende sehr gerne selbst. Wie absurd so etwas werden kann, kann man ganz wunderbar bei den frühen Wissenschaftstheoretikern beobachten. Popper und Lakatos sind nur zwei herausragende, den Widerspruchsgeist reizende Beispiele.

jamesmbickerton Avatar
jamesmbickerton:#12068

>>12067
>obgleich da sicherlich noch andere Motive eine Rolle spielen
Hat Nietzsche nicht in der zwoten Unzeitgemäßen eine Art Taxonomie der Motive, Wissenschaft zu betreiben, geschrieben? Zwar spricht er von den 'historischen Wissenschaften' gesprochen, doch das scheint mir übertragbar zu sein. Antiquarisch - kritisch - monumentalisch - diese drei Modi wollte er als legitime Weisen gelten lassen, Historie zu betreiben. Ein Kategoriensystem der 'Nöte'. Aus sehr grobem Holz geschnitzt zwar, aber immerhin. Die 'Not' ist hier in Amt und Ehren gesetzt, wenn sie dem Leben bzw. dem 'umhüllenden Dunstkreis', in dem laut Nietzsche Leben gedeiht, nicht im Weg steht. Mit Benjamin könnte man vielleicht sagen: Die 'Aura' des Lebens. Nicht alle Philosophie zerstäubt diesen Dunstkreis und lässt das Leben ausdörren.

giuliusa Avatar
giuliusa:#12069

>>12068
*spricht hat

velagapati Avatar
velagapati:#12070

>>12068
Zumindest die kritische Historie (das war die dritte, glaube ich) führt ganz deutlich in diese Richtung. Ich müsste die Schrift aber mal wieder lesen, um dazu etwas sagen zu können. In den letzten Jahren haben mich (leider?) primär die Werke nach dem Zarathustra und der Nachlass beschäftigt. Wenn (!) ich mich noch richtig erinnere, dürfte dieses Stück der unzeitgemäßen Betrachtungen zu allgemein, zu wenig psychologisch gedacht sein, um bei den späteren Gedanken noch hilfreich zu sein. Gewisse Gedanken ziehen sich zwar tatsächlich durch das ganze Werke; mit größerer Deutlichkeit werden sie allerdings oft erst ab MA bzw. ab der Morgenröthe gesehen.

Neuste Fäden in diesem Brett: