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Veröffentlicht am 2015-09-19 11:53:34 in /ph/

/ph/ 12962: John Locke

dmackerman Avatar
dmackerman:#12962

Alles zum Thema John Locke, Bernd sucht Hilfe für eine Schularbeit

orkuncaylar Avatar
orkuncaylar:#12963

Ehrlich gesagt erinnere ich mich nur daran, dass er das Wissen eines Neugeborenen als weißes Blatt beschrieb; dass also keine Information darauf vorhanden sei.

Das ist insofern besonders, als dass zuvor wohl viele davon ausgingen, dass dem nicht so sei - grundlegende Informationen vorhanden seien.

Das war sehr lustig, weil meine Philosophielehrerin damals argumentierte, dass ein Neugeborenes bereits das Konzept von Baum kennen müsse, weil ohne grundlegende Konzepte keine weiteren entstehen können bzw. aus dem Nichts kein Verständnis von Baum entstehen könne. Wenn ich mich recht entsinne, haben ein Freund und ich sie deswegen die ganze Unterrichtsstunde gelöchert, weil wir das weiße Blatt für plausibler hielten. Sie wich aber nicht von ihrem Standpunkt, dass dem Menschen bereits alles konzeptuell inneliege.

Ich bin immer noch der Überzeugung, dass das weiße Blatt viel plausibler ist. Gerade in Anbetracht des Umstandes, dass Kleinstkinder noch gar kein Verständnis davon haben, was überhaupt ein Objekt ist und wo sie selbst aufhören; und die zugehörigen Einsichten schreibe ich eher späteren Erfahrungen und weniger einer Vorprogrammierung zu.

Locke wohl auch.

Keine Ahnung, Anekdote vorbei. Ich hab's versucht.

Was genau ist denn die Frage oder die Aufgabe bei dieser Schularbeit? Einfach nur einen locke-bezogenen Text zu schreiben?

mbilalsiddique1 Avatar
mbilalsiddique1:#12964

>>12962

Wow Bernd, du darfst John Locke in einer Schularbeit durcharbeiten. Glückwunsch dazu erstmal. Dieser Bernd beneidet dich aufrichtig dafür.

John Locke hat vielem, was wir heute als selbstverständlich erachten, das Fundament bereitet.

Für eine Schularbeit wird es sicher reichen bei Wikipedia abzuschreiben und das abgeschriebene umzuformulieren. Ich kann dir allerdings nur empfehlen seine Werke zu lesen. Sie lohnen sich für jeden Philosophieinteressierten.

bnquoctoan Avatar
bnquoctoan:#12965

>>12962
Hallo OP. In bezug auf >>12963 wäre es interessant, deinen Vortrag darauf aufzubauen, soll heißen, auf Lockes Erkenntnistheorie. Und seit Locke hat sich schließlich auch ein bisschen was getan, was Forschung und Theorie betrifft. Kurzum: die Philosophie kennt seit Freud und C.G.Jung den sogenannten ozeanischen Zustand des Kleinkindes, ein Zustand, der jenseits aller Begriffe stattfindet. Was bedeutet das? Das bedeutet, in dem Kind liegt zwar die Fähigkeit zur Begriffsbildung vor, das ist eine intrinsische Eigenschaft des menschlichen Geistes ab einem gewissen Alter, doch es kommt nicht mit ausgebildetem Wissen auf die Welt.
Das Thema ist höchst faszinierend. Denn ein Kind ist ja nicht einfach dumm, es ist einfach noch nicht angepasst an das Verhalten der Gemeinschaft, es sieht die Dinge so wie sie sind, als fließende Einheit, als ein wundersames Etwas.
Das Denken hingegen beginnt, die Welt zu beschriften und zu etikettieren. Denken verdinglicht die Welt, es schneidet sie in mundgerechte Häppchen, trennt alles voneinander und der gewöhnliche Verstand wundert sich dann nach Jahren der Denk-Sozialisation, warum diese einzelnen Dinge denn nur so elegant und nahtlos miteinander wechselwirken können? Dreimal darfst du raten: weil die Verdinglichung, sprich unser Denken und die Trennung der Welt in kleine Denkeinheiten imaginär ist; jenseits unseres Gedankenrasters ist die Welt das ungebremste, ungeteilte Kontinuum, das es schon immer war, ist und immer sein wird.

Philosophen werden für ihre Antworten auf Fragen geehrt, mehr aber noch ehrt man sie dafür, dass sie Fragen stellten, die in jedem Zeitalter neue Generationen zum Denken anregen. Lockes tabula rasa war ein Wendepunkt in der Epistemologie und in der Philosophie schlechthin. Dass er damit ins Schwarze getroffen hat, das untermauern die wissenschaftlichen Untersuchungen und psychologischen Modelle der Neuzeit.

Wenn du richtig gründlich vorgehen willst, OP, auch wenn das in der Schule wohl wie Perlen für die Säue wirkt, kannst du auch die Frage stellen: was ist ein Begriff? Und denken wir denn wirklich, oder spulen die meisten Menschen nicht bloß ihr Programm ab, also handeln die Menschen nicht zum Großteil bloß nach den Regeln, die ihnen eingebläut wurden? Was bedeutet Denken?

Für dich privat könnte es von Interesse sein, weiterzudenken: Können erwachsene Menschen den tabula rasa-Zustand erneut erlangen? Was hätte das für Vorteile? Stichwort: Rekonditionierung, Entkommen aus der gesellschaftlichen Beeinflussung, Begegnung mit der Wirklichkeit. Inwieweit trennt das begriffliche Denken den Menschen von der Natur ab? Wo kann das Denken schädlich werden und was hätte tabula rasa, ein geistiger Neustart für Folgen?

BrianPurkiss Avatar
BrianPurkiss:#12966

>>12963
Das Babies nix wissen wusste schon der Onkel Calvin hundert Jahre vorher. Deswegen gilt:
Weils Baby nix von Gott versteht, auf ewig in die Hölle gehen tut, wenns stirbt.

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