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Veröffentlicht am 2016-01-22 20:22:21 in /ph/

/ph/ 13604: Schwierigkeiten des Selbstbildes

freddetastic Avatar
freddetastic:#13604

Hallo /ph/, habe eine Frage. Was das Thema Gott und Göttlichkeit anbelangt, habe ich mich lange Zeit selbst als Gnostiker im Unterschied zu Agnostiker verstanden.
Damit wollte ich ausdrücken, dass es nach meiner Auffassung möglich ist, zu erfahren, dass es Gott bzw das Göttliche gibt. Was dieses Göttliche ist, habe ich dabei bisher noch nicht näher bedacht.
Nun bekam ich aber sehr oft Gegenwind und Kritik für die Benutzung des Begriffes Gnostiker

pdugan19 Avatar
pdugan19:#13605

Einerseits aus dem Grund, weil Gnosis naturgemäß sehr nach Esoterik riecht, andererseits aber auch, weil ich wohl eigentlich etwas anderes darunter verstehe, als man gemeinhin tut.
Deshalb bin ich gerade sehr verwirrt darüber, wie ich meine Position in dieser Hinsicht nennen sollte - und ob das überhaupt nötig ist. Es wäre toll, wenn Bernd mir da einen Rat geben könnte.
Also: ich gehe davon aus, dass es das Göttliche gibt und dass der Mensch es erkennen kann. Unter Göttlichem verstehe ich aber nicht Zeus, Anubis oder Thor, sondern mehr die Essenz von allem. Da ich aber mittlerweile davon ausgehe, dass die Essenz von allem die Leere, die Formlosigkeit, das Nichts ist, weiß ich nicht, wie man von dieser Art des Gottesverständnis sprechen soll.
Drin vor: absoluter Dummfick.
Danke im Voraus.

cat_audi Avatar
cat_audi:#13606

Bin ich vielleicht bloß ein stinknormaler atheistischer Nihilist?

vicivadeline Avatar
vicivadeline:#13607

Gott ist ebenso Fülle, Form und Dasein.
Nach deiner Beschreibung würde ich dich eher einen Theisten (in denial) nennen, was natürlicherweise zu vielen Missverständnissen führen würde, denn letztlich gehört das authentische göttliche Erleben zu dem Bereich der Existenz, über den nicht gesprochen werden kann. Es ist das Unaussprechliche, die bedingungslose Subjektivität bis zur Bewusstseinslosigkeit.
Wenn du in dem Moment nicht annähernd darüber sprechen kannst, so spreche nicht darüber. Wenn du in dem Moment darüber dein Weniges sagen kannst, so sprich. Was es wirklich nicht ist, ist ein Grund zur Beunruhigung. Wenn dein Gegenüber dich kritisiert, dann lass dir von ihm Rat geben.

alta1r Avatar
alta1r:#13609

>>13607
Dankeschön.

exevil Avatar
exevil:#13611

>>13606
Kommt einigermaßen hin, aber Nihilismus ist auch wieder nicht wirklich wohldefiniert. Ich verbuche dich eigentlich auch eher als Existenzialisten, weil du dem Nichts trotzdem Lebensbejahung abringst und dich ins Absurde stürzt. Theist passt von daher nicht, als dass du keinen handelnden oder handlungsfähigen Gott annimmst, der irgendwas mit Zielen tut.

superoutman Avatar
superoutman:#13623

Ich vermute eher eine traumatische religioese Erziehung bei dir.Erinnere dich.dass erst nach dem 30 jaehrigen Krieg sich die Philosophie von der katholischen Kirche befreien konnte oder wie bei dir eben doch nur teilweise.

bouyghajden Avatar
bouyghajden:#13624

>>13623
Das kann ich nicht bestätigen, meine Erziehung war praktisch areligiös, meine Mutter meldete mich sogar von der Kirche ab - mein Vater war katholisch und ich bin katholisch getauft, aber sowohl Mutter als auch Vater hatten kein Interesse an regelmäßigen Kirchgängen, meine Mutter war Atheistin, mein Vater möglicherweise eine Art Privatmystiker (befasste sich viel mit den antiken Grundlagen der Astrologie nach Claudius Ptolemäus und dessen Tetrabiblos). Kirche, Glauben, Spiritualität waren eigentlich nie Themen zuhause, und als ich als Kind mal Angst vorm Sterben hatte, hat meine Mutter es auf ganz unreligiöse Weise geschafft, mir diese Angst zu nehmen.
Mein Vater hatte wahrscheinlich nur eine diffuse Faszination für die Tradition und die Gemeinschaft der Katholiken, aber seine Erziehung bestand eher in einem ideologiefreien Laissez faire. Außerdem hat er mal als Messdiener Weiler Hunger hatte, den ganzen Leib Christi verputzt. ;)
Existenzialist gefällt mir bisher noch am besten.

yigitpinarbasi Avatar
yigitpinarbasi:#13636

>>13624 Bist du im Begriff
Religion wie eine Ideologie anzunehmen?Vielleicht ist es auch die Natur des Menschen......sich an irgendetwas festhalten zu muessen.

jasontdsn Avatar
jasontdsn:#13639

>>13636
Es ist nich vielleicht die Natur des Menschen, es ist die Natur des Menschen. Die menschliche Existenz ist wie Möhrenziehen im Sportunterricht, soll heißen die Verkettung zum Schutz vor dem drohenden Untergang. Alles was du tust, alles was du bist, bist du auch zu deinem Schutz.

bergmartin Avatar
bergmartin:#13640

>>13636
Wie, was? Ich suche keinen Schutz in irgendeiner Religion. Vor was soll ich mich denn schützen? Ich möchte mich nicht in einer Gemeinschaft verstecken und mich in ihrem ideologischen Mantel einhüllen, und ich will nichts ungeprüft übernehmen. Auch meine eigenen Annahmen möchte ich prüfen lassen, sie auch mal in die Wildnis schicken, wo Kritiker sie zerfleischen können. Das Umfeld von Religion liefert ein geistig abgestandenes Klima, das mir nicht weiterhilft.
Ich will keine Heilung für meine Zweifel. Meine Zweifel sind das, wofür ich am meisten dankbar bin. Je mehr man zweifelt und je länger man es tut, desto mehr und intensiver stellt man Fragen. Religion bremst diese natürliche Neugier aus und befriedet sie mit der Antwort anderer Menschen. Egal ob Buddha, Christus, Charles Manson oder Nietzsche, sie alle können mir nicht das Denken und Zweifeln abnehmen, und dafür bin ich dankbar - dankbar, dass ich mich nicht mit geistigen Pauschalangeboten abspeisen lasse.

thomasgeisen Avatar
thomasgeisen:#13646

>>13640 Kannst du eine einfachen Zeichnung von dir machen?

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