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Veröffentlicht am 2016-04-26 11:11:36 in /ph/

/ph/ 13953: Ist es moralisch vertretbar neues Leben zu erschaffen?...

rcass Avatar
rcass:#13953

Ist es moralisch vertretbar neues Leben zu erschaffen?

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#13954

ist es moralisch vertretbar weiter zu leben?

areus Avatar
areus:#13956

>>13954
Kommt drauf an: hast du vor neues Leben zu erschaffen?

nehemiasec Avatar
nehemiasec:#13958

>>13956
kann ich es denn verhindern?
selbst wenn man stirbt entsteht neues leben
zu leben garantiert doch kein neues leben zu erschaffen indem es ressourcen bindet

marcusgorillius Avatar
marcusgorillius:#13969

>>13953
Da Moral auf Konsens beruht und wir bei 9 Milliarden Menschen sind, offenbar schon.

marrimo Avatar
marrimo:#13990

Der einzelne sagt ja.Im Gesamtergebnis ein Irrtum.

mhwelander Avatar
mhwelander:#13993

Wenn du der Meinung bist es war eine gute Idee erschaffen worden zu sein dann ja. Wenn nicht dann nicht.

orkuncaylar Avatar
orkuncaylar:#13994

Definiere mal bitte "erschaffen" und "neues Leben"

kamal_chaneman Avatar
kamal_chaneman:#14010

Ich denke wir können uns darauf einigen, dass eigentlich "Kinder kriegen" gemeint ist, um mal die Wirrungen zwischendurch zu glätten.

Das suggeriert mir jedenfalls das Sortiment beigehefteter Medien.

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#14013

>>13969
>Da Moral auf Konsens beruht

Is des so? Und wenn ja: wie wird dieser Konsenz gebildet und wie geändert?

chrstnerode Avatar
chrstnerode:#14015

>>14013
>Is des so?
Na ja, nicht? Wenn ich es mir einfach mal leicht mache und den Duden zitiere, steht dort

>Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden

und das ist doch nichts anderes als ein gesellschaftlicher Konsens. Gut, vielleicht war meine Formulierung zu allgemein: Es ist ein Konsens im weitesten Sinne, jeder teilt ihn nun auch wieder nicht.

>Und wenn ja: wie wird dieser Konsenz gebildet und wie geändert?

Die Bildung geschieht wohl implizit über viele Generationen, meinungsformende Ereignisse und die kulturreproduzierende Sozialisation. Änderung und Bildung sollten da ungefähr gleich laufen, denn auch Bildung ist eine Änderung von Nicht-Einschätzung zu Einschätzung. (Mir scheint es jedenfalls so, als würde beides nahezu aufs selbe hinauslaufen.)

Bin mal auf Feedback gespannt.

kazukichi_0914 Avatar
kazukichi_0914:#14016

https://www.youtube.com/watch?v=ZTpk2hodhxM

andrewofficer Avatar
andrewofficer:#14251

So, Bernd hat sich über das Thema mal ernsthafte Gedanken gemacht, hier die seiner Meinung nach anführbaren Gründe für beide Seiten + mögliche Gegenthesen:
Natalism

- Nachwuchs sichert leben der Erschaffer mit → leid vermeiden ← Gegenargument: Technisierung der Welt → Autonomie der menschlichen Versorgung rückt immer näher, wird irgendwann dauerhaft sichergestellt, keine Notwendigkeit mehr für Kinder
- biologische Notwendigkeit zum Fortbestand der Art → Frage: Existenz des Menschen gut? (Lossagung vom Trieb ja/nein?)
- Trieb zur Fortpflanzung als Wesensmerkmal ← Gegenargument: Wesensmerkmale können durch Menschen als Kulturwesen neu definiert werden → “Übermensch”, von vermeidlich schlechten Trieben losgesagt solle das "Ideal" darstellen
- Möglichkeit, durch Erfahrungen “verbesserte” Kultur an nächste Generation weiterzugeben entsteht mit ihr (eigene weltliche Wirkzeit ist begrenzt) → bessere Gesellschaft durch Anerziehung positiver Eigenschaften (aus Fehlern der Vergangenheit lernen) → moralische und geistige Vervollkommnung als Ziel für die Menschheit
- gibt sinnloser Existenz ein Telos → sinnstiftend ← Gegenargument: potenziell viel größeres Leid des Kindes wird ermöglicht, als das Glück durch die Sinnfindung der Eltern erfahren wird.

Antinatalism

- Eltern tendenziell unglücklicher als nicht-Eltern (Studien) ← Gegenargument: Leid schwer auf wiegbar mit möglichem geschaffenem “Glück”; nicht quantifizierbar
- mögliches schlechtes Leben der Kinder nicht auszuschließen → neu erschaffenes Leid
- Leid der Mutter bei der Schwangerschaft / Geburt wird vermieden (Verzicht, Schmerzen, Stress etc.) ← Gegenargument: sinnstiftend
- jeder kann Kinder bekommen → auch “amoralische” Menschen in tendenziell leidschaffenden Kulturkreisen (bspw. einigen Sekten, Extremisten, ISIS usw.) → Welt wird verschlechtert ← Gegenargument: neu erzogene Generation aus “moralischen” Kulturkreisen, sowie aus den amoralischen birgt das Potenzial diesen Umstand zu ändern (der neue Mensch ist nicht auf ein Produkt seiner Umwelt reduzierbar, sondern birgt das Potenzial bewusst zu reflektieren)

Ich weiß echt nicht was man daraus machen soll. Beide Seiten haben Argumente, die sich widerrum mit der anderen Seite aushebeln lassen, hier steht quasi Aussage gegen Aussage. Welcher man mehr Wert beimisst ist dann schließlich wohl doch individuell geprägt, oder? Sofern man sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt versteht sich, die meisten Menschen handeln sonst ja, wie Thinking-Ape aus dem Youtubevideo über mir sagt nach dem biologischem "Autopilot" und folgen ihrem Trieb der Fortpflanzung.

Irgendwie ist das bei mir immer so mit philosophischen Debatten, ich kann beide Seiten nachvollziehen, das "neutral bleiben" ist jedoch keine Option, da, man sich bei dieser ja/nein Frage durch Enthaltung zwangsweise für eine Seite entscheidet. Komische Welt.

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