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Veröffentlicht am 2017-02-08 07:42:47 in /r/

/r/ 4857: Warum hat sich das Christentum letztendlich durchgesetz...

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cat_audi:#4857

Warum hat sich das Christentum letztendlich durchgesetzt und war so lange Zeit erfolgreich in der Missionierung?

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mandalareopens:#4864

Ich gehe mal davon aus OP bezieht auf den Erfolg in Westeuropa und im Mittelmeerraum.

Früheste Kirchengeschichte: Eine große jüdische Diaspora deren Infrastruktur (Synagogen, Gemeindestrukturen) genutzt werden konnte, verhältnismäßig hohe Mobilität im Mittelmeerraum, Adaption und Inkulturation hellenistischer Kategorien, deutlich offener für Interessierte als das Judentum oder Mysterienkulte. Attraktive Angebote sowohl für intellektuelles Stadtbürgertum als auch für eher marginalisierte Menschen wie Sklaven, Frauen etc.

Ausgehend von der konstantinischen Wende gibt es dann allmählich auch eher profane Gründe, sich der Religion des römischen Reiches anzuschließen. Auch bei der Mission der Kelten, Iren, Germanen zeigt sich aber wieder wie dort bestehende Kategorien und Muster gut aufgegriffen werden um den Glauben des römischen Zentrums zu verkünden. Man könnte hier auf Parallelen zwischen dem keltischen Druidentum und dem Entstehen des Mönchtums ausgehend von den britischen Inseln verweisen.

Für die Karolinger lieferte die Allianz mit dem römischen Christentum dann die Möglichkeit ihre Herrschaft anstelle der Merowinger zu legitimieren und später unterworfene Stämme ebenfalls an diese Herrschaft zu binden.

Das wären zumindest die klassischen 0815-Gründe die man so im Geschichtsbuch findet.

mefahad Avatar
mefahad:#4897

>Ich gehe mal davon aus OP bezieht auf den Erfolg in Westeuropa und im Mittelmeerraum.

Nicht nur. Auch die Christianisierung Nord- und Südamerikas. War es das Schwert, welches die Religion so erfolgreich machte?

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jqueryalmeida:#4909

Ich will dem Materialsmus von >>4864 nicht ganz widersprechen. Aber er konzentriert sich doch auf das "Wie" und lässt das "Warum (gerade das Christentum)" außer Acht.

-Es bot, als man noch an das AT glaubte, ein umfassendes, erklärendes Weltbild.
-Es gibt dem Menschen Erlösung, die Liebe Gottes und das ewige Leben.
-Es begreift Naturphänomene nicht als übernatürliche Wesenheiten sondern als Schöpfung Gottes, deren Funktion zu erschließen dem menschlichen Intellekt offen steht, womit dem technischen Fortschritt und der daraus folgenden weltpolitischen Dominanz des Christentums im 19. Jahrhundert der Weg geebnet war.
-Seine Missionstätigkeit beruht auf der ernsthaften Sorge um das Seelenheil anderer Menschen und das bis zur Selbstaufgabe im Zölibat und in Aufrichtigkeit bis zum Martyrium.
-Keine Menschenopfer.
-Es nimmt sich selbst ziemlich wichtig, während die Heidentümer eher so laissez-faire waren.
-Um das Pferd mal von hinten aufzuzäumen: Da sich die christliche Kultur als sozialevolutionär stabile Strategie erwiesen hat, muss etwas am christlichen Wertegefüge dran sein. Die Kombination aus "ora et labora", "seid fruchtbar und vermehret euch" und Werten wie Demut, Barmherzigkeit und Keuschheit ist, bei allem metaphysischen Überbau, doch eine recht lebensnahe, praktische und am materiellen Fortkommen und Fortbestehen orientierte Geisteshaltung.

Die derzeitige Schwäche des Christentums kann man auf die Schwierigkeit, seine Dogmen wie die Dreifaltigkeit und die Jungfrauengeburt mit dem modernen Weltbild in Einklang zu bringen, zurückgeführt werden. Das führt entweder zu einer Abwendung vom Christentum oder zu seiner Aufweichung und damit einer Akzeptanz jeglicher Sündhaftigkeit und Gleichförmigkeit mit dem Atheimus.
Der Islam mag sich, den Unkenrufen der Atheisten und faktischen Atheisten zum Trotz, mit seiner einfacheren Theologie und dem intakten Unterordnungszwang des Individuums als die langfristig stärkere Ideologie erweisen, wenn wir nichts dagegen unternehmen.

jonkspr Avatar
jonkspr:#4910

>>4909
Danke für deine Ergänzungen,vor allem die Punkte 2 und 4 sind für mich keineswegs unwesentlich! Ich denke aber auch, dass einige der von mir angeführten Gründe nicht nur geschichtliche Zufälligkeiten sondern auch im Kern der christlichen Botschaft begründet sind (Offenheit, Anschlussfähigkeit, soziale und ethische Perspektive). Man muss sich ja auch vergegenwärtigen, dass die Vorstellung von einer Missionsreligion nicht unbedingt selbstverständlich war - die Tatsache dass eine religiöse Gruppe überhaupt von einer Botschaft getrieben wird die zu verkünden sie sich verpflichtet fühlt würde ich jetzt nicht gerade als Charakteristika des antiken Judentums oder der paganen Reichskulte bezeichnen - und Mysterienkulte sind ja schon per definitionem das Gegenteil von verkündender Religion.

Wo du von der "derzeitigen Schwäche des Christentums" sprichst, sehe ich da auch als (Teil-)Ursache, dass man aufgrund einer "Selbstverständlichkeit des Christseins" in der deutschen Vergangenheit diese Perspektive, eine frohe Botschaft zu verkünden, etwas verloren hat - es war vermeintlich in Europa nicht mehr nötig und nur eine Obligation für Missionare in Übersee, aber nicht im eigenen Leben und Denken. Aber nur in der praktischen Verkündigung (auch und gerade des Einzelnen) können solche tatsächlichen Gräben, wie du sie beschreibst (vermeintliche Unvermeidbarkeit von Dogmen mit anderen Denkkategorien) dann auch mal überwunden werden.

mattsapii Avatar
mattsapii:#4911

Nicht zu vergessen, dass das Christentum ausdrücklich und als bisher einzige die viehischen Lebend-Opferkulte als überwunden betrachtet!

https://www.youtube.com/watch?v=7EkV-LgNjwU

thierrymeier_ Avatar
thierrymeier_:#4912

Jeshua ben Joseph war so einer wie Spartakus.

Also einer, der Misstände des Herrschaftssystems des 1% ggü den 99%, die damals wie heute die Welt beherrschen, anprangerte.
Nur dass Jesus das intelligenter machte, also v.a im Unterbewusstsein der Leute wirkte (ausgenommen natürlich der Tempelzwischenfall) und Spartakus die selben Ziele mit brachialer Gewalt erreichen wollte.

Der Spartakusaufstand ist - wie zu erwarten war - nach ziemlich kurzer Zeit niedergeschlagen worden (wie eben das 3. Reich auch). Wer das hintergründig macht wie Jesus, der hat zwar nicht unmittelbar Erfolg, aber auf lange Sicht gesehen eben doch. Sowas dauert hat dann halt ein paar hundert Jahre.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass kurze Zeit nach dem Sieg der 99% über das 1%, das 1% das institutionalisierte Christentum dazu instrumentalisierte, wieder nur die Interessen des 1% zu verfolgen.


=======
=> Das 1% gewinnt immer. Egal, was man macht. Es ist doch alles umsonst.
Und: Das Christentum ist seit der offiziellen Anerkennung als römische Staatsreligion nur noch 1 Zombie. Es ist überhaupt 1 Wunder, dass das Christentum überhaupt noch existiert, weil Wirklichkeit und Anspruch doch so weit auseinanderklaffen...

yangpeiyuan Avatar
yangpeiyuan:#4913

>>4912
>ben Joseph
Hier hörte ich auf zu lesen.

trueblood_33 Avatar
trueblood_33:#4933

>>4911
Und auch nicht vergessen: Wenn du eine Sklavenreligion parallel neben deinem Herrenkult installierst, vergiss nicht das Tötungsverbot ganz oben zu halten!
Zu deiner eigenen Sicherheit!

funwatercat Avatar
funwatercat:#4968

IDF: /pol/ versucht Geschichte.

leelkennedy Avatar
leelkennedy:#4969

>>4857
weil unser germanischen Vorfahren zu tolerant waren ; hätte man jeden christlichen Multiplikator ausgemordet würden wir heute die weiße germanische Welt beherrschen und nigger nur aus dem Zoo kennen

Neuste Fäden in diesem Brett: