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Veröffentlicht am 2017-01-06 10:54:32 in /t/

/t/ 31004: Mittelformatkamera

shesgared Avatar
shesgared:#31004

Hallo Bernd!

Bei Opas Sachen habe ich eine tolle alte Kamera gefunden (Bild relatiert, auch eine Ikonta 524, allerdings ohne jegliche Beschädigung) und habe mir gedacht, es wäre schade, die einfach vergammeln zu lassen. Also habe ich ein par Filmrollen gekauft [1] und brauche jetzt Tips, wie man damit verwertbare Fotografien anfertigt. Insbesondere ungefähre Richtwerte wie z.B. bei Sonnenschein Blende und Belichtungszeit zu wählen sind. Ein Bild kostet da immerhin 1 NG + Entwicklungskosten und Bernd möchte so wenig wie möglich Geld für total unter/überbelichtete oder unscharfe Fotos ausgeben! Gibt es hier Nachkriegsanalogfotografieveteranen?

Besten Dank!

[1] https://www.amazon.de/Ilford-Plus-Schwarz-Wei%C3%9F-Negativ-Filme/dp/B0000AE6AR/

devankoshal Avatar
devankoshal:#31005

Zunächst solltest du eruieren, ob der Balgen lichtdicht ist und eventuelle Löcher flicken (wenn du dir das nicht zutraust kannst du das ding auch ausgeklappt lassen und mit Gaffa flicken oder Papier drum wickeln) und ob die Zeiten so einigermaßen gehn (auslösen und gucken was der Verschluss macht)

Dann ist das eben so ne Sache du mußt blind die Entfernung schätzen wenns nicht das Topmodell mit Meßsucher ist, naja und auch weil die Linse meist scheisse ist empfiehlt sich F8 oder F11.

Wegen der langen Zeiten dafür das Ding auflegen und den Timer so vorhanden benutzen, kein Wackel.

Das dauert echt ewig. Die Belichtung und den groben Bildausschnitt kannst du vorher mit ner Digitalkamera (grob) messen, da haste auch gleich nen Proof. (Die Digiknipse wird irgendwas wie F3.8 einstellen, mußte halt umrechnen)
Licht geht quadratisch mit der Blende, F8 braucht 4x das Licht von F4)


Bernd hat mit diesen Methoden mit Diafilm (!) der sehr genau belichtet werden will verwertbare Photos bekommen. Ob die Entwicklung immer noch 1,- oder 2,- pro Rolle kostet beim Saturn weiß er nicht. Fuji Gera wo man einen Beutel für 2,- bekam hat die Preise deutlichst angehoben und will nur noch auf Rechnung liefern. SW Entwicklung ist noch teurer und macht man am besten selbst da kannste dann auch pullen bis der Arzt kombt.

xravil Avatar
xravil:#31007

ein alter Belichtungsmesser kann auch noch gut weiterhelfen

stephcoue Avatar
stephcoue:#31010

Wie >>31005 sagt, erstmal nach Löchern im Balgen schauen.
Dazu am besten in einem dunklen Raum eine Taschenlampe von hinten in den Balgen rein halten, dann sieht man eventuelle Löcher von außen.
Schwarzer Nagellack von innen auf den Stoff zum Löcher abdichten funktioniert gut. Die Kamera offen und den Balgen aufgefaltet lassen, bis der Nagellack trocken ist.

Der Erwerb eines alten Belichtungsmessers ist ein guter Tipp, auf Ebay gibt es ab und an günstige, z.B. von Gossen (Sixtino, Sixon), die noch recht genau sind.
In wieweit die Werte dann in der Praxis funktionieren, musst du schauen. Die Federn am Verschluss, die die Belichtungszeit bestimmen, leiern gerne aus und sorgen für eine Verlängerung der Zeit.
Also am besten erstmal einen Film ausprobieren und notfalls in Zukunft eine Korrektur abziehen.
Der FP4 Plus ist aber recht gutmütig und verzeiht zu viel Belichtungszeit recht gut.

Und bestelle nächstes Mal deine Filme lieber bei Fotoimpex, der Amazon-Preis für Analog-Material ist üblicherweise Abzocke.

sindresorhus Avatar
sindresorhus:#31012

Berndie hat auch nie sw gemacht, nur Dia als die Rolle noch nen Euro kostete auf Ebay "gebraucht"... und dann bei Saturn oder Eurocolor eingeworfen ohne Rahmung

Wenn noch nicht belichtet wäre es evtl. intelligenter, Rückgaberecht auszuüben oder das Teil an den nächsten zu verkaufen, bevor OP noch 10,- für ne SW entwicklung zahlt die dann eh nur dscheise ist.

davidtoltesy Avatar
davidtoltesy:#31016

ich weiss nur dass man alte Filmrollen im Gefrierschrank lagern sollte

jodytaggart Avatar
jodytaggart:#31018

Danke für die Tipps soweit!
Einen Belichtungsmesser werde ich mir nächste Woche für preiswert über Kleinanzeigen besorgen.
Der Balg wurde mit einer Fahrrad-LED im dunklen Zimmer geprüft und ist makellos.
Die Rollen sind bei Amazon in der Tat sehr teuer, auch wenn man den Versand schon mit anderen Sachen im Warenkorb erledigt hat.

Der nächste Schritt wäre die Entwicklung.
Kann man noch den Film einfach in der nächstbesten Drogerie in ein Kuvert stopfen und zu vertretbaren Preisen ein brauchbares Ergebnis erhalten?
Oder lohnt es sich da schon Chemiezeugs und Entwicklerdose zu kaufen und das selbst zu erledigen?

chrisvanderkooi Avatar
chrisvanderkooi:#31019

Farbfilm (C41 und E6 Dia) sind standardisierte Entwicklungsprozesse (C41 ist dann Scheisse weil es keinen Standard für die Farben gibt und der Autooptimierer dann "rät" was Weiß sein soll.) die auch von Drogeriemärkten noch angeboten werden. Preis ist ne andere Sache, man muß oft diese nutzlosen Abzüge dazu kaufen was dann 3,- mehr kostet, oder bei Rollfilm wollen sie das Doppelte für "Sonderentwicklung" oder weiß der Geier was.

SW ist schwieriger. Wenn es überhaupt angeboten wird dann teuer und schlecht.

mrzero158 Avatar
mrzero158:#31021

>>31018
Solange man sich auf das Entwickeln der Negative beschränkt, ist selbst entwickeln definitiv günstiger und besser als die Filme ins Labor zu schicken. Mehr Spaß macht es auch und man kann besser verschiedene Techniken ausprobieren.
Ein Entwicklungstank für 120er Rollfilm ist nicht sehr teuer (würde ich neu kaufen, bei Gebrauchtkauf ist meistens der Gummideckel spröde und das Entwickeln wird zur Sauerei), die Chemikalien kosten beim bereits verlinkten Onlineshop auch nicht viel.
Einzig etwas nervig ist das Entsorgen von Entwickler und Fixierer. Ich sammel die getrennt in 5L-Kanistern und bringe sie einmal im Jahr beim Schadstoffmobil vorbei.

Da ich keinen Negativscanner habe, fotografiere ich die Negative mit der DSLR vor einer homogenen hellen Fläche ab.
Negativscanner wie z.B. der Canoscan 9000F kosten gebraucht aber auch nicht die Welt und liefern sinnvolle 16 Bit TIFF mit brauchbarer Auflösung.

adammarsbar Avatar
adammarsbar:#31023

Was muss denn da groß entsorgt werden? Der Entwickler ist doch irgendso ein Krebs wie Ubichinon oder Kaffee (lachz) und das Fixiersalz irgendein Thiosulfat? Und danach sind irgendwelche Silberionen drin. Die sollte man rezyklieren...

Natürlich ist das jetzt ungesund aber das sind Sachen die jetzt auch in Biologie gelegentlich auftreten, und das Silber macht auch nicht viel.

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