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Veröffentlicht am 2014-04-24 16:12:00 in /trv/

/trv/ 2300: Alpen überqueren

adewaleolaore Avatar
adewaleolaore:#2300

Bernd, ich möchte mit ein oder zwei Freunden im Sommer die Alpen überqueren, samt Wildcampen und allem drum und drann.
Gibt es Bernds die schon ähnliches gemacht haben und Tipps zu etwaigen Routen oder Ähnliches geben können? Die "klassiche Überquerung" scheint von Oberstdorf nach Mehran zu gehen, hat das schon irgendwer gemacht?

antonyryndya Avatar
antonyryndya:#2302

Meinste echt das wildcampen in den Alpen so ne gute Idee ist? Kann natürlich gut sein das ganze Zeit gutes Wetter herrscht aber wenn da mal was losbricht reist es ganz schnell alles runter.
Bernd hat vor 2 Jahren mal ne Hüttentour in Österreich gemacht und wenige Tage zuvor hats da ordentlich runtergehauen, an einigen Stellen des Weges lagen dann auch übermannshohe Fellsbrocken auf dem Weg wenn dieser nicht ganz gefehlt hat und man drumherum klettern musste, Brücken hatte es auch weggespült
Alles in allem war's zwar geil aber ich würde doch lieber Hütten zum nächtigen vorziehen

suribbles Avatar
suribbles:#2303

>>2302
Auch wenn es keine so gute Idee ist, aber ich möchte unter freiem Himmel in der Wildnis schlafen. Dieses romantische Mensch-vs-Natur-Aspekt sollte halt vorhanden sein. Wenn es unglaublich schüttet kann man ja immer noch in eine Hütte.

fffabs Avatar
fffabs:#2306

>>2300
Obersdorf nach Meran hab ich 2012 auch gemacht, ist ein Teilstück vom E5. Mit Wildcampen wirds eher schwer, aufgrund vom Mangel passender Orte. Wenn du das auch innerhalb von einer Woche abziehen willst, was wohl die beste Möglichkeit ist, mach es einfach so wie alle anderen auch.

Geh in die Hütten. Kann zwar durchaus teuer sein, hat aber auch super Atmosphäre. Abends nach harter Wanderung Saufen und ordentlich Essen, irgendwann stinkt auch jeder gleich (Socken waschen ist für Muschis) und da jeder da jedes kleine Grüppchen den gleichen Weg geht, sieht man sich jeden Abend wieder und lernt nette Leute kennen.
Wer sowas noch nicht mitgemacht hat, sollte es mal erleben. Hüttenromantik ist halt auch Romantik. Nur schnarcher müssen wohl den ein oder anderen Witz ertragen, schliesslich schlafen alle nahe beieinander. Oropax mitnehmen!
An bestimmten Orten besteht auch die Möglichkeit, die Nacht auf der Alm zu verbringen. Unbedingt machen!
Der Unterschied zwischen Alm und Hütte ist nicht nur, das die Tiere in der Alm im selben Gebäude schlafen. Es gibt keine Hüttenruhe, die Frau des Almwirtes kocht affengeiles Zeug (Bei uns Käsespätzle, absolut alles Hausgemacht!) und wer nicht satt wird kriegt halt die gleiche Portion bis er satt ist. Und mit dem Almwirt bis in die Morgenstunden saufen ist auch mega spaßig.
Es kommt auch zwischendurch hin und wieder ein größerer Ort, da kann man dann auch schlafen, und Campingplatz gibt es bestimmt auch. Allgemein ist das Gepäck leicht zu halten, also Zelt ist offensichtlicherweise fehl am Platz.
Wenn Bernd keine alpine Erfahrungen hat, sollte er sich an ein kleines Grüppchen anhängen (da zwei Freunde vorhanden gehe ich mal davon aus, Bernd ist nicht absolut Sozialinkompetent). Falls keins von beidem geht, wäre vielleicht ein Bergführer angebracht. Ist Bernd immernoch trotzig und denkt Romantik > Sicherheit, les dir vorher ein passendes Buch durch. Was man macht, wenn man auf einem Schneefeld ins rutschen kommt (Auf den Bauch und Beine breit) und anderes ist essentielles Wissen.

Dann noch ein paar Sachen, die ich aus meinen Fehlern gelernt habe (versuche, sie zu vermeiden):
1. Stiefel mit festen Sohlen mitnehmen. Die Sohle sollte so wenig biegbar sein, wie möglich.
2. Körperlich vorbereiten, nicht nur Kondition sonder vorallem die meistbeanspruchten Körperpartien. Knie sind unglaublich wichtig, informiere dich auch, wie du Bergwanderst und sie möglichst schonst. Ich war zu übermütig, bin viel von Felsen runtersprunge, ab und zu gerannt, auch ein paar mal Torso- und Gesichtsbremsen hingelegt und hatte zuviel Gepäck dabei (fast 12 kilo, unter 8 ist empfohlen). Das Ergebnis war dann ein Kreuzband- und Miniskusriss, der erst 6 Monate später beim MRT als solcher klassifiziert wurde. Unnötiger, nerviger Scheiss, Bernd!
3. Regenhose und allgemein alles mit möglichst viel Wasserresistenz mitnehmen. Meine treue Regenjacke war in nullkommanix ein nasser Lappen.
4. Ein paar Blasenpflaster und eine gute Salbe mitnehmen.
5. Diese schwulen Nordic-Walking Stöcke sind wirklich eine Überlegung wert. Nehmen eine Menge Belastung von den Beinen und auf Geröll- und Schneefelder Retter in der Not. Ansonsten kann man sie auch einfahren und an die Rucksackseite stecken.

Wenn du noch fragen hast, frag. Ich versuche zu helfen. Allgemein: MACH! Es ist eine super Erfahrung und innerhalb von zwei Tagen ist man weiter weg vom alltäglichen Stress als nach zwei Wochen am Strand. Am Anfang ist es hart, aber nach spätestens 3 Tagen hat man sich eingewandert, danach ist alles ziemlich einfach.

Auf Anfrage kann ich ja mal versuchen, die Bilder auf meinen Laptop zu kriegen, dann kann ich einige hier posten.

coreyhaggard Avatar
coreyhaggard:#2310

Hier noch mal Bernd der vor 2 Jahren sowas gemacht hat.
Ich würde dir raten auch bisl was zu futtern mitzunehmen und mind. 1 Liter Wasser (wirst du sicher in den Hütten an denen du vorbeikommst wieder auffüllen können). Wir hatten Salamis dabei, die halten sich lange und sind super da man ja doch recht viel schwitzt, außerdem Panzerkekse von Bernds Zeit beim Bund. Das Essen hat nicht viel Gewicht ausgemacht, richtig gegessen wird ja eh auf den Hütten, aber für zwischendurch zum Knabbern gibt's Energie.
Gutes Schuhwerk ist natürlich pflicht: richtig gute Stiefel sind natürlich teuer aber muss man nicht mal unbedingt einlaufen, ich hatte meine knapp ne Woche und hatte keine Probleme (Bernd bevorzugt Haix, gut sind auch Lowa, Hanwag und Meindl)
Dein Rucksack sollte richtig sitzen damit es beim stundenlangen laufen und steigen nicht schmerzhaft wird, also am besten mit Hüft- und Brustgurt, je nach Gepäckmenge mit festem Rückenteil.
Wasserfeste Bekleidung ist absolut wichtig wie Bernd vor mir schon gesagt hat, Nässeschutzhose habe ich allerdings nicht gebraucht, Knielanger Poncho war bei dem Regen den wir hatten absolut ausreichend.
2 Paar Socken dürften für die Woche etwa reichen, Ski- oder Wandersocken (Bernd bevorzugt Baumwoll/Polyestergemisch, stinken nicht so schnell außer man hat extreme Schweißfüße) 1 Paar davon ist zum wechseln falls das andere nass wird; am besten nie(!) mit nassen Socken laufen (bisl schwitzen sollte nicht stören, einfach Abends ausziehen und zum trocknen aufhängen).
Ansonsten Multifunktionsunterwäsche, beim laufen wird dir sicher ordentlich warm werden also reicht wohl 1 Schicht und Abends auf der Hütte (oder vor'm Zelt) noch nen kuscheligen Pullover.
Wenn mir noch was einfällt meld' ich mich noch mal.

bassamology Avatar
bassamology:#2322

Ich rate dringend vom Wildcampen ab. Nicht nur wegen der Gefahr bei Gewittern sondern vor allem weil die Ranger (Nennt man die dort so?) es längst als höchst profitable Einnahmequelle sehen. 300€ Strafe pro Person. Ich habe nun schon zweimal erlebt, wie sie jemanden aus 3000 Meter Höhe aus einem Busch gezerrt haben. Das ist dann erstens sehr unschön und zweitens lässt es dich permanent in Angst campen. Nimm die Alpenhütten! Kostet 7€ pro Person und 12€ mit Frühstück. Und sicher ist es auch noch.

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