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Veröffentlicht am 2014-01-23 00:58:07 in /vip/

/vip/ 18852: Wie findest du es Bernd? Ich übe gerade das G...

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_zm:#18852

Wie findest du es Bernd? Ich übe gerade das Geschichtenschreiben.

Gemeinsam mit den ersten Sonnenstrahlen dieses Tages wachte er auf. Die Sonne schien stark und hüllte die noch friedliche Welt in ein warmes Gold. Es war diese Art von Sonne, die ein Kind vergessen lassen konnte Morgens eine Jacke anzuziehen, bevor es das Haus verlässt. Es konnte ein guter Tag werden, es gab, so schien es, keine Wolken am Himmel, nur das Geräusch eines vorbei fahrenden Autos störte die Idylle.
Noch etwas benommen vom frühen Aufwachen (wahrscheinlich auch vom vergangenem Abend), erstaunte ihn, während er versuchte in die Sonne zu blinzeln und dabei unbarmherzig von ihr geblendet wurde, dass seine Frau mittlerweile so umsichtig, ohne ihn dabei aufzuwecken, den Raum verlassen konnte und sogar die Rollos öffnet, ohne, dass er es mitbekommt. Rücksichtnahme, das Geheimnis einer guten Ehe, ging ihm durch den Kopf, während er sich von den Sonne weg drehte.
Seine Knochen und sein Kopf schmerzten und beim Versuch sich zu strecken fing jeder seiner Rückenwirbel an zu knacken (Ein Gefühl, welches er jedoch genoss). Es klang, als würde ein Gewehr, gedämpft, eventuell in einem anderen Raum oder unter einem Kissen in Salven feuern.
Sein unterster Wirbel wollte ihm die Genugtuung nicht geben und knackte nicht; unvollendeter Dinge blieb ihm gerade nichts anderes übrig, also richtete er sich auf und machte seine ersten Schritte ins Bad.
Beim Blick auf die Wanduhr überkam es ihn, ein schreckliches Gefühl, er hatte geträumt; für einen kurzen Moment blieb die Zeit stehen, das Atmen fiel ihm schwer und er spürte wie sein Herz laut schlug. Es war nicht Morgens früh, sondern schon fast 3 Uhr Nachmittags. Beim Blick auf die Uhr wurde ihm bewusst, wo er überhaupt war und vor allem, dass seine Frau mittlerweile bestimmt schon seit 2 Jahren tot ist. Natürlich hat auch niemand seine Rollos zu oder aufgezogen (Doch das war jetzt nebensächlich). Tief in seinem Inneren möchte etwas den Tod seiner Frau einfach nicht wahrhaben. Dieses Gefühl der Ohnmacht, beim Gedanken daran, dass er gerade nur von ihr geträumt hat, war zu viel für ihn. >Diese verfickten Träume< flüsterte er, immer noch außer Atem von dem Schock, während er wieder anfing den Rest des Weges zum Bad zu gehen.
Jetzt überkam ihn der Drang dort weiter zu machen, wo er gestern Abend aufgehört hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass er nach dem Aufwachen einen guten (meistens jedoch einen billigen) Scotch trank; wenn sein Sodbrennen stark war, trank er jedoch meist etwas weicheres. Etwas Wodka oder Rum in Milch waren meist in der Lage seinen Magen zu beruhigen. An diesen Tagen entschied meistens der Füllstand seiner Blase, darüber, ob er zuerst zur Toilette oder zu seiner gläsernen Vitrine ging. Heute gewann die Blase.
Nachdem er fertig gepisst hatte, stützte er sich mit beiden Händen auf seinem Waschbecken ab und schaute nach kurzem zögern in den Spiegel. Älter ist er wohl geworden, warum aber auch nicht. Besonders gesund hat er noch nie gegessen, weder schmeckt ihm Salat, noch würde er auf die Idee kommen welchen zu kaufen, um ihn dann gemütlich in der Küche zuzubereiten. Der viele Alkohol tut dann wohl seinen Rest.

polarity Avatar
polarity:#18853

Grammatik und Kommata
Ansonsten ganz oke, auch nicht bbesonders spannend oder interessant, aber wenigstens kann jener Bernd sich überhaupt dazu aufraffen etwas zu schreiben. ;_;

Wie fühlst Du dich dabei dass es ungelesen auf deiner Platte verrotten wird?

leonfedotov Avatar
leonfedotov:#18854

>>18853
Ach ich weiß selbst nicht, hab da eine Idee im Kopf und möchte die niederschreiben.

Bei fast jedem lesen, fallen mir Formulierungen und alles mögliche auf. was ich wieder verwerfe und neu schreibe.

Vielleicht ist die Geschichte in 1 oder 2 Jahren ja gut und lässt sich verkaufen, irgendwann muss man ja anfangen und üben.

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#18855

Gefällt mir nicht. Die Idee ist ziemlich langweilig und könnte in einem einzigen Satz wiedergegeben werden ("Manchmal träumte Bernd, seine Frau wäre noch am Leben"). Das ist nie ein gutes Zeichen.

Was die Ausführung angeht, gibt es neben vielen Flüchtigkeitsfehlern, die das Lesen erschweren, leider auch sinnentstellende Schnitzer - "Der viele Alkohol tut dann wohl seinen Rest" ist zum Beispiel Blödsinn.

ninjad3m0 Avatar
ninjad3m0:#18856

>>18855
> Der viele Alkohol tut dann wohl seinen Rest

Bezieht sich darauf, dass er älter geworden ist.

Ich hab den Text jetzt einmal überarbeitet, jedoch ist es schwer, die eigenen Fehler auf Anhieb zu sehen.

Hättest du Lust mich auf ein paar mehr hinzuweisen?

darcystonge Avatar
darcystonge:#18858

>>18856

nö, aber auf /l/ gibt es einen verhinderten Lehrerbernd, dem sowas Spaß macht.

andina Avatar
andina:#18873

>>18852
Du Arsch! Nach dem ersten Absatz freute ich mich auf eine geile Schotenaction und dann nur ein kranker Opa. Bin enttäuscht von dir Bernd ;_;

snowshade Avatar
snowshade:#18874

Bernd war mal so frei, seine eigene Version daraus zu machen. Mehr im Protagonisten internalisiert.

Goldgelb tasteten sich die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont, zerflossen an Bäumen und Hauswänden und sickerten durch jede Öffnung. Vor dem Fenster breitete sich ein blassblauer Himmel aus, an dem den ganzen Tag über keine Wolke Halt finden würde. Ein Auto surrte heiser vorbei, unfähig, das morgendliche Idyll zu durchbrechen.

Als sich das Sonnenblinzeln sich auf sein Gesicht legte, erwachte er. Es dauerte, bis sich einzelne Gedanken in seiner Benommenheit formten. Seine Frau schaffte es mittlerweile, aufzustehen und die Rollläden zu öffnen, ohne ihn in seinem leichten Schlaf zu wecken. Rücksichtnahme, dachte er -- in seinem Dämmer mehr ein Gefühl als ein Wort in seinem Kopf -- ihr gemeinsames Markenzeichen für eine perfekte Ehe. Nur widerwillig lichteten sich die Schleier in seinem Kopf und wichen einem dumpfen Schmerz, der seine Wurzeln bis in den Rücken trieb. Die alkoholselige Nacht forderte ihren Tribut. Er wusste, dass er den ganzen Tag damit zubringen würde, ihn zu entrichten: kein Platz für Sommeridyll. Als er sich streckte, antwortete jeder Wirbel mit einem trockenen Krachen, eine quälende Genugtuung für den verkrampften Körper.

Diese Leere hinter den brummenden Schmerzen im Körper. Dieses greifbare Nichts, das vollkommen fehl am Platz schien und für das sein Kopf, noch im Minimalbetrieb, keine intuitive Erklärung fand. Haltlose Blicke durch das Zimmer auf der Suche nach irgendetwas, das Sinn ergab.

Mühsam erhob er sich und fand auf schwachen Beinen Fuß um Fuß ins Badezimmer. Der Spiegel versuchte, ihn zu verhöhnen; er ignorierte es gekonnt. Die eingespielte Routine setzte ein: müde die Hose herunter, sich niederlassen auf das Porzellan, das Nötige verrichten. Die Gedanken waren weit weg, bei Sonnenaufgang und Rücksichtnahme und der flüsternden Stimme, die fragte, warum eine perfekte Ehe denn am nächsten Morgen so ein Wrack im Bett hinterließ. Sein Blick tastete sich am Waschbecken entlang zum kleinen Schrank und traf die Uhr.

Dann geschah es wieder.

Drohend schien in seinem Kopf etwas aus weiter Ferne heranzurasen, ein lautloses Tosen, wie der Zug im Tunnel, unaufhaltsam und unsichtbar. Jäh der gellende Schrei, der sein Gehirn durchfuhr, die Leinwand vor seinem inneren Auge zerriss, den Blick freigab auf die Gegenwart: drei Uhr nachmittags; kein zarter erster Sonnenschein, nur der blendende Reflex vom Nachbarhaus. Kein lautlos geöffneter Rollladen; vielmehr seit Monaten nicht mehr heruntergelassen. Keine Rücksichtnahme für die perfekte Ehe, überhaupt keine perfekte Ehe selbst.

Die tote Ehefrau.

Er sank vornüber, als wappne er sich für die Welle der Ohnmacht, die ihn unausweichlich überkommen musste. Das Summen in den Ohren wurde betäubend, alles drehte sich. Wie lange war es her, zwei Jahre? Drei? Sein Kopf bestand stur darauf, ihm im Schlaf das Damals vorzugaukeln, als habe es nie etwas danach gegeben. Täglich das zweifache Erwachen: erst im Bett, wohlig in Gedanken - dann das andere, das grausame, wie ein Wasserglas, das in Zeitlupe auf den Boden taumelt und zerschmettert wird. Minutenlang harrte er aus, bis der Sturm in seinem Kopf abgeklungen war, bis die Scherben ruhig lagen und die Wasserlache zu versickern begann. Er zitterte, sein Magen revoltierte, wozu der Alkohol das Übrige tat: sein Rückenmark, das archaisch kreischte, flieh oder stirb. Wozu? Es gab nichts zu fliehen, nur zu sterben. Jeden Tag.

safrankov Avatar
safrankov:#18878

>wachte er auf
Klischee, Klischee!
>Das Geheimnis einer guten Ehe
Wieso? Was hat seine Frau gemacht, was nicht jede halbwegs anständige Person auch gemacht hätte? Ist ein bisschen unpersönlich dafür, dass es darum geht, wie sehr er der Frau nachtrauert.
>Tief in seinem Inneren blabla war zu viel für ihn
Klingt ein bisschen arg pathetisch, beschreibe lieber, was genau ihm fehlt, anstatt mir irgendwelchen abgenutzten Begriffen rumzuwerfen.
Wieso dauert es so lange, bis der gute Herr aufsteht, aber die eigentliche Handlung hast du fast zusammengefasst?
>gepisst
>verfickt
Ja, wenn der Protagonist das sagt, kann ich das gerade noch mal durchgehen lassen, wenn der Erzähler es tut, der bisher eher unbeindruckt gewesen zu sein schien, kommt es komisch rüber.
Wieso ist es relevant, dass er findet, er würde alt aussehen (hat sich doch schon aus der Geschichte ergeben) oder dass er keinen Salat mag? Mache dir mehr Gedanken darüber, was du überhaupt sagen willst.

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