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Veröffentlicht am 2015-09-15 21:57:06 in /vip/

/vip/ 24159: Rettungs- und Sanitätsdienst-Geschichten

alagoon Avatar
alagoon:#24159

Bernd hat auf /b/ vor einiger Zeit einmal einen Faden gesehen, in dem Sanis/Rettungsassistenten/EMTs aus dem Nähkästchen plauderten. Da das Ganze ziemlich gewinnträchtig ist, bitte ich all jene, die sich in diesem Feld betätigen, ihre Geschichten mit uns zu teilen, egal ob beruflich oder ehrenamtlich, sowie sich über die Tätigkeit auszutauschen. Außenstehenden steht es frei, zu fragen, was sie schon immer mal über das Rettungswesen wissen wollten.

Dieser Bernd ist freiwillig beim Rettungsdienst des österreichischen Roten Kreuzes. Eines Nachts bekamen ich und mein Einsatzlenker einen Auftrag aufgespielt - Nierenkoliken, Patientin 93 Jahre. Nach kurzer Anfahrtszeit kamen wir an - ein kleines Einfamilienhaus auf dem Land. Leider war jegliches (Sturm-)Läuten für fünf Minuten vergebens, bis dann doch endlich die Türe (elektrisch) entriegelte, wir waren schon drauf und dran, abzufahren. Nirgends brannte ein Licht, und wir hangelten uns langsam durch und riefen "Hallo? Jemand zu Hause? Wir sind hier, um zu helfen!" Als Bernd dann um eine Ecke lugte, rutschte ihm das Herz in die Hose - er starrte geradewegs in einen Gewehrlauf. "Wer sind Sie und was machen Sie in meinem Haus?" fragte der Besitzer, offenbar ihr Gatte, auch schon älteren Semesters. "Das sieht man doch, das rote Kreuz. Wir wurden hierher gerufen." "Ah, gut, ich dachte, eure Zentrale meldet sich, wenn ihr vor dem Haus steht". Mit diesen Worten nahm er die Waffe herunter, einen alten Mauser-Karabiner, schon sichtlich alt. "Empfangen Sie Gäste immer so?" fragte mein Kollege und grinste verstohlen. "Nein, nur die Ungebetenen. Habe zwar keinen Schein dafür, aber auch keine Munition - und um nicht ganz so aufrichtige Gesellen wie euch nicht zu verschrecken, reicht es allemal." Die Frage, ob er damit im Krieg gekämpft hatte, bejahte er. Nach kurzer Observation holten wir dann den Tragesessel und brachten die Gattin ins Krankenhaus, die sich unter Schmerzen bereits wand, den Herren als Begleitperson mit an Bord. Mitten während der Fahrt fragte sie, ob der Mann sein Portmonnaie dabei hätte und er den netten Sanitätern doch ein Bisserl geben solle, weil er ihnen so einen Schrecken eingejagt hat. Wir staunten nicht schlecht, als wir dreißig Euro kassierten - pro Mann und Nase, wohlgemerkt. Wir haben dem Paar in der Notaufnahme noch alles Gute gewünscht und uns für das großzügige Trinkgeld bedankt, dann kamen wir heim und schliefen den Rest der Nacht ereignislos durch.

Über seine alte K98 verloren wir übrigens niemals ein Sterbenswörtchen.

cat_audi Avatar
cat_audi:#24164

Erstmal hallo, Rettibernd.

Ich freue mich sehr auf weitere Geschichten von dir. Der Wahrheitsgehalt ist für mich eindeutig, da auch wir immer wieder zu Häusern gerufen werden, die nachts unbeleuchtet und schlecht zu finden sind. Das nervt, nicht wahr?

Meine Geschichte ist weniger spektakulär:

-Beachball-


Manchmal, vorwiegend im Sommer, sind die Bereitschaftsdienste eher langweilig. Zwar gibt es die ganz normalen Unfälle und Probleme des Rettungsdienstes ganzjährig, doch Erkältungen und Fieber gibt es eher im Winter.
So hatte ich mein neues Beachball-Set dabei, um die 12 Stunden Dienstzeit mit ein wenig Spaß zu füllen. Mein begleitender Arzt war ein sportlicher Typ, also nahmen wir uns die Holzschläger und den kleinen Gummiball und stellten uns zur Begeisterung der pausierenden Krankenschwestern auf die Wiese vor dem Krankenhaus und schlugen uns die Bälle zu.
Das taten wir eine ganze Weile, und neben die Schwestern stellten sich ein paar Raucher mit Gipsbeinen etc. und schauten uns zu.
Ich erkannte auch einen Mann, der vom Krankenhausparkplatz heraneilte (daran erkannte ich ihn, er lief) und sich dazustellte. Ein langer Ballwechsel folgte, begleitet von Rufen wie "Kriegt er nicht" und "Ooooh". Als ich dann zufällig den Ball mit der Oberseite des Schlägers so unglücklich traf, dass er weit abprallte, legte ich kurz den Schläger hin, um die kleine Gummikugel zu holen.
Da machte plötzlich der Mann, der bis dahin ruhig auf die Spielunterbrechung gewartet hatte, einen leichten Schritt aus der Zuschauerreihe heraus und sagte laut zu uns in einem unterwürfigen Ton:
"Entschuldigen Sie bitte. Ich möchte sie ungern stören, aber ich glaube, meine Frau im Auto bekommt grad ein Kind!"

Anmerkung: Die Niederkunft erfolgte vorschriftsmässig ein paar Stunden später im Kreissaal des Krankenhauses, es gab keine Komplikationen. In Zukunft spielen wir im Sommer jedoch auf dem hinteren Wiesenstück des Krankehauses Beachball. Sicherheitshalber und gebärendenfreundlich.

Bis zum nächsten Mal.

kershmallow Avatar
kershmallow:#24165

Star of Life. Würde nicht verladen werden wollen.

roybarberuk Avatar
roybarberuk:#24166

Bernd macht gerade seine Ausbildung zum Rettungssanitäter und beobachtet diesen Faden mit Wohlwollen. Ich habe leider selbst noch keine Anekdoten zu berichten.

bassamology Avatar
bassamology:#24167

>>24164

>Der Wahrheitsgehalt ist für mich eindeutig, da auch wir immer wieder zu Häusern gerufen werden, die nachts unbeleuchtet und schlecht zu finden sind. Das nervt, nicht wahr?

Allerdings. Brent hat es mal geschafft, zwei Gartenzwerge über den Jordan zu bringen, als er durch einen unbeleuchteten Garten lief.

>Geschichte

Man sieht, es gibt auch außerhalb von Kadse kleine Arschbürgerchen. Bei einem Blasensprung würde ich die zwei Herren zumindest nicht in Ruhe ausspielen lassen. :3

>>24165

Bis ein Patient so tot ist, dass Spenderorgane entnommen werden dürfen, sind die schon längst verdorben.

Im Regelfall sieht das so aus:

>Harmloser Notfall ohne NEF/NAW, d.h. ohne Doktor
>Person ist zu reanimieren
>Nachgefordertes NEF trifft ein, als schon drei Schüsse des Defis umsonst waren
>"Lasst stecken, Jungs, der wird nicht mehr"
>Beschauarzt wird informiert
>Kombt nach gut zwei Stunden
>Vielleicht anwesender niedergelassener oder zufällig anwesender Arzt/Amtsarzt/Notarzt/beliebiger Arzt hier sind unabhängig voneinander zum Schluss gekommen, dass der Hirntod eingetreten ist, dennoch muss noch die Walze der Bürokratie drüberfahren
>Prozedur zieht sich in die Länge
>Bei der Entnahme stellt sich heraus, dass die Organe bereits ungenießbar sind

>>24166

Ui. Noch in der Theorie oder bereits im Praktikum?

Nächste Geschichte:

Das muss Ende 2011 gewesen sein, da hatten wir gerade frisch den Larynxtubus, ein provisorischer Ersatz für den (sichereren) Endotrachealtubus, durch den man bei einer notwendigen CPR deutlich effizienter belüften kann, ohne dass man dafür Doktor oder Notfallsanitäter sein muss. Wir bekamen die Diagnose "Reglose Person - liegend", der Klassiker also. Beim Eintreffen war die Person wohl bereits eine gute Stunde verstorben, wir konnten jedenfalls nichts mehr tun, drückten aber noch weiter und forderten eben den Notarzt an, damit der das Ganze amtlich präsentiert. Als das Gespann, eine in Süßmödchen-Territorium eindringende junge Ärztin mitsamt ihrem Notfallsanitäter, der zur Not auch als Terminator durchgehen könnte, endlich kommt, legen wir bereits entspannt das ganze Zeug zur Seite, worauf sie fragt, ob wir mit dem Tubus bereits reanimiert hätten. Die Antwort auf unser "Nein" werde ich wohl nicht mehr vergessen. "Kommts, Burschen, Übung macht den Meister! Weiter, weiter!", und wir schändeten die Leiche für weitere fünfzehn Minuten.

Angehörige waren Gott sei Dank zu dem Zeitpunkt keine da.

eloisem Avatar
eloisem:#24168

Mit dieser Heli haben Wir verletzte Scummacer >90 minuten einliferung aufhalten bekommen!
Den besten der Gojim sollst du töten! yemach shemam!

leelkennedy Avatar
leelkennedy:#24178

Sind auch Feuerwehr-geschichten erwünscht? Bernd hat noch ein paar auf Lager :3

husamyousf Avatar
husamyousf:#24179

Sind auch Feuerwehr-geschichten erwünscht? Bernd hat noch ein paar auf Lager :3

markolschesky Avatar
markolschesky:#24180

>>24179
Ich kann leider nichts beitragen, würde mich aber auch über Feuerwehr-Geschichten freuen.

vicivadeline Avatar
vicivadeline:#24181

>>24180
Klaro, letztens hatten wir eine Brand in einem Wohnmobil zweier Bankroiber. Erst wurde von drinnen auf Beamte geschossen aber dann gingen wir hochprofessionell und heldenhaft gegen den Brandherd vor,
Originalbild relatiert!

Schusssichere Weste? Atemschutz? Angriffstrupp? Drauf geschissen!
Wir haben halt den Asphalt gekühlt so gut es ging (siehe Bild) und das Feuer kontrolliert abbrennen lassen. Unser Wehrführer hat noch Fotos im Wohnmobil gemacht und die waren so schlecht, dass die Speicherkarte noch am Tatort von einem Polizisten ausgeliehen und versteckt wurde. Nichtmal die Aufklärer von der_linken wollen die Fotos sehen.
Irgendwie Insasssen retten war nicht angesagt, waren ja nur Nazis da drin.

t. Stregdabernd

Ablauf:

12:06 Uhr – Eingang des Notrufs, daraufhin Alarmierung von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr Eisenach
12:08 Uhr – Ausrücken der Berufsfeuerwehr
12:14 Uhr – „Lagemeldung an die Leitstelle zur Lageerkundung, u.a. mit dem Inhalt, dass die Türen sich nicht öffnen liessen.“
12:14 Uhr – Feuerwehr beginnt mit den Löscharbeiten
12:16 Uhr – „‚Ankunft beim Patienten, 12.16 Uhr, Herr Hennig‘, dabei handele es sich wohl um einen Rettungsassistenten, nicht um einen Arzt.“ [27.08.2015, 2. ThUA]
12:22 Uhr – Meldung: „keine medizinischen Maßnahmen erforderlich“
12:30 Uhr – Meldung der Feuerwehr „Brand unter Kontrolle“
(andere Quelle: gegen 12:16 Uhr / 12:19 Uhr Eintreffen der Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr und 12:36 Uhr ist laut Brandprotokoll das Feuer gelöscht) [04.06.2015, 2. ThUA]

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leelkennedy:#24206

>>24179
liefern!

csswizardry Avatar
csswizardry:#24217

>>24181
wat

nicoleglynn Avatar
nicoleglynn:#24226

>>24217

>mundlos-leiche.jpg

ayyy

ryhanhassan Avatar
ryhanhassan:#24235

>>24167
>Ui. Noch in der Theorie oder bereits im Praktikum?
Letzte Woche Theorie jetzt. :3

michaelkoper Avatar
michaelkoper:#25501

Stosz.

lanceguyatt Avatar
lanceguyatt:#25525

Bernd hat gerade den RettSan fertig. Spannendstes in meinem Rettungswachenpraktikum war ein hypoglycämischer Schock mit GCS 4. Sonst nur Standardfälle, keine Rea. Ich war etwas enttäuscht.

Da ich keinen C1 habe werde ich wohl erstmal nicht RTW fahren können. Wenn ich Glück habe darf ich noch ein bischen als Dritter Mann mitfahren um Erfahrung zu sammeln, aber unbezahlt.

Was ich vielleicht in Aussicht habe ist eine Stelle im Sanitätsdienst, also bei Veranstaltungen. Nicht das Beste, aber besser als nichts.

devankoshal Avatar
devankoshal:#25605

Pflegerbernd ist auf der Intensiv, hat aber auch RD Erfahrung.
Patient wird auf der ITS angekündigt: Chirurgischer Notfall, Post OP ggf nachbeatmen oder überwachen.
Nachdem der Patient nicht beatmet eingetroffen ist, liest Bernd das Protokoll - Patient wurde im örtlichen Etablissement aufgelesen wegen unklarem Abdomen. Es stellte sich im Röntgen heraus, dass er sich etwas rektal einführen ließ, was erst auf dem OP Tisch wieder ans Tageslicht kam :3
Seitdem hat er einen AP wegen Perforation.

In letzter Zeit war wohl Tag der offenen Tür in den Psychiatrien, jedenfalls kamen gleich mehrere Patienten.
Eine war besonders nervig; Borderline, relativ jung.
Musste mit 8 Mann fixiert werden, Dormicum, Propofol und Esmeron erhalten damit eine Fixierung überhaupt möglich wurde. Im Weaning schaffte es unter Sedierung mit Propofol und Dormicum noch die Luft anzuhalten, dass der Respirator in die Apnoebeatmung umgesprungen ist - hat dann natürlich gegen das Gerät gepresst.<.<
Um sie dann vor Transport in die Klapse ruhigzustellen, gabs dann immer mal wieder 3-5mg Dormicum aus der Hand.

shalt0ni Avatar
shalt0ni:#25617

>>25605
hast Du auch Haldol ?

Pfleger in der Klappse stelle ich mir extrem schräg vor - ist aber bestimmt ein sicherer schob da ja genug Irre rumlaufen

jamesmbickerton Avatar
jamesmbickerton:#25618

>>25605

also ein typischer Fall von Arschverletzheit - zahlt das eigentlich die Kasse wenn eine weggerammte tunte mit Platzdarm eingewiesen wird ? oder braucht der da ne Art extra Arschversicherung für homos ??

dhooyenga Avatar
dhooyenga:#25619

>>25525
Na klar kriegste nur Standardfälle. Alles andere wär ja gelacht.
Ich hab zwei echte Reanimationen hinter mir; das erste Mal als Praktikant, da gings drunter und drüber. Auf offener Straße, ständig nur hin und her gerannt und Zeug aus dem Auto geholt.
Zweites Mal war ne Oma mit Rassellunge. Zwei Kilometer von Haus zu KH. Wer laufen kann, läuft und sie stand schon an der Haustür, als wir kamen. Stieg ins Auto ein, legte sich auf die Trage, alles gut. Als wir gerade in die Anlieferung einbiegen, hört sie auf zu atmen. Zum Glück Notärztin dabei, sofort Tubus rein. Gab dann zuerst mal nen schönen Springbrunnen. Nach zehn Minuten hatten wir sie dann soweit stabil, um sie die keine 30m zur Intensivstation zu transportieren.
Ist dann aber auch glaub ich recht schnell gestorben. Seitdem hab ich auch einen riesigen Respekt vor Lungenödemen. Wer rasselt, kriegt bei mir seitdem sofort nen Arzt nachgefordert.
Ansonsten gabs ne Oma mit Hautkrebs, die kurz vorm krepieren war und wo ich das erste Mal so richtig den Geruch von Blut mitbekommen habe und ein Opa, der uns mit der Pistole nachging. Aber das ist eine andere und längere Geschichte.

javorszky Avatar
javorszky:#25626

>>25619
Rassellunge hatte ich vor einem Monat auch, unser recht junger Arzt hat Buscopan subcutan gespritzt. 2 Stunden später im KH nochmal, hab an dem Tag wieder was gelernt

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