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Veröffentlicht am 2016-07-28 12:19:00 in /vip/

/vip/ 25942: Eremitentum

i3tef Avatar
i3tef:#25942

Ja, es gibt bereits einen ähnlichen Faden dazu, wobei es dort eher darum geht, wie man in der Natur überhaupt überleben kann. Meine Fragestellung ist etwas spezifischer, weshalb ich der Meinung bin, dass ein eigener Faden gerechtfertigt ist.

Fick diese Turing-vollständige Erde!

(Achtung, langer Nörgelabsatz über die Gesellschaft:)
Bernd hat noch etwa zwei Jahre bis zu seinem Abschluss und könnte dann ein reguläres Spießerleben führen, so wie 99 Prozent unserer Gesellschaft. Aber irgendwie kotzt ihn diese Gesellschaft immer mehr an. Es geht nur um Geld, Geld und nochmals Geld. Die Leute definieren sich nicht als Menschen, sondern danach, wieviele Gegenstände sie in ihrem Eigentum haben, wie viel Gehalt sie am Ende des Monats von ihrem Schafhirten bewilligt kriegen, wie groß und modern ihre Küche ist (die sie vielleicht zwei Mal im Jahr benutzen). Das höchste Glück ihrem trivialen Leben ist es, ein schnelleres, teureres Auto als der Nachbar zu haben. Die Leute wetteifern darum, wer das bessere, fleißigere, gehorsamere Schaf ist. Lücken im Lebenslauf sind eine absolute Katastrophe, Lob vom Chef hingegen gleicht einem Ritterschlag. Die Menschen sind Sklaven eines Systems, das sie sich selbst geschaffen haben. Und wer diesem System entfliehen will, wird von den anderen Sklaven zurückgehalten, als Querulant, Faulenzer oder Versager beschimpft. Ganz nach dem Motto: "Wenn ich bis 75 arbeiten muss, sollen das gefälligst alle anderen auch tun müssen." Dabei entspringt diese Denkweise nicht nur dem Neid, sondern auch der eigenen Angst vor dem "Loslassen", dem Ausbrechen aus dieser kranken Gesellschaft. Bernd will bei dieser Scheiße nicht mitmachen. Da riskiert er lieber, am Armutslimit herumzuvegetieren und als Sonderling zu gelten.

Gut, das musste mal gesagt werden! Konkret geht es in diesem Faden um die Frage, wie sich Bernd von der Gesellschaft so weit wie möglich abkapseln kann. Ein hundertprozentiges Eremitentum ist sicherlich extrem schwer und vermutlich auch gefährlich, deshalb wollen wir mal ganz langsam mit dem anfangen, was möglich ist. Bernd hat folgendes Bild vor Augen:

- In jedem Fall raus aus Deutschland
- Eine kleine Hütte im Wald
- So große Autarkie wie möglich
- Geld ist erlaubt, sollte aber auf das Allernötigste (zB Medikamente) beschränkt sein
- Kleine Gelegenheitsjobs sind ebenso erlaubt, um ebendieses Geld zu verdienen
- Lebensmittel und sonstige Alltäglichkeiten werden aber selbst angebaut/erjagt
- auf Zwischennetz, elektrische Zahnbürsten und sonstigen zivilisatorischen Schnickschnack muss natürlich verzichtet werden
- Elektrizität an sich ist aber kein Problem, so man sie denn selbst erzeugen kann
- Kontakt zu Menschen wird möglichst vermieden

Angenommen, Bernd möchte dieses Bild verwirklichen. Mit welchem Aufwand muss er rechnen? Dabei geht es nicht nur um die Finanzen, sondern größtenteils um die eigene Psyche. Bernd rechnet mit Folgendem:

- € 20.000,- bis € 30.000,- für einen Hektar Land am Yukon oder was weiß ich.
- Wenn die Hütte selber gebaut wird, rechnet Bernd mit etwa einem Jahr, bis alles fertig ist.
- Regelmäßige Fehlschläge sind mangels handwerklicher Fähigkeiten selbstverständlich.
- Bernd wird wohl vor allem im ersten Jahr extrem mit seinem Willen zum Weitermachen kämpfen.
- Der Winter wird hart und zur ersten Bewährungsprobe.
- Der ersten erfolgreichen Jagd werden wohl 9001 fehlgeschlagene Versuche vorangehen.
- Bis die erste Saat aufgegangen ist, wird er sich weiterhin von Eingekauftem ernähren müssen.
- Es wird wohl Jahre dauern, bis er alle notwendigen Fähigkeiten erlernt hat, um wahrhaft autark zu leben (daher eben der "sanfte" Einstieg).

Bernd muss sich weiterhin folgende Fragen stellen:

- Was, wenn er einfach zu blöd dafür ist und haufenweise Kohle in einen lachhaften Traum investiert hat, der ihm möglicherweise gar nicht mal gefallen würde?
- Was, wenn Bernd einmal krank wird?
- Was, wenn er aufgrund der Einsamkeit wahnsinnig wird?
- Gefahr einer lebensgefährlichen Verletzung ohne Möglichkeit, Hilfe zu holen.
- Gefahr vor Bären, Wölfen und ähnlichem.
- EXTREMES Risiko, die Wildnis zu unter- und die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen.

Es wird in jedem Fall hart werden. Worauf müsste man denn sonst noch Acht geben? Ist ein solches Leben heutzutage überhaupt möglich?

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vickyshits:#25943

zoon politikon

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llun:#25944

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kennyadr:#25945

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shesgared:#25946

zoon politikon

ryanjohnson_me Avatar
ryanjohnson_me:#25947

>>25943
>zoon politikon

So ist es. Genau deshalb schrieb ich ja

>Was, wenn er [Bernd, Anm.] aufgrund der Einsamkeit wahnsinnig wird?

Eine Kommune würde alles natürlich viel einfacher machen, vom Hüttenbau bis hin zur Nahrungsbeschaffung, da dadurch ja eine gewisse Arbeitsteilung möglich würde.

Auf der anderen Seite sind Kommunen leider ziemlich anfällig für das Aufkeimen interner Konflikte, die über kurz oder lang die gesamte Gemeinschaft zerstören können. Denn die zwei (oder mehreren Streithähne) können sich nicht einfach aus dem Weg gehen, wie es in der normalen Gesellschaft möglich ist. Unweigerlich entstehen verschiedene Lager, was das Zusammenleben dermaßen unerträglich macht, dass die Leute der Reihe nach abhauen, bis nur noch ein paar Hartkern-Hippies übrig bleiben. Ich kenne keine einzige Kommune, die länger als ein paar Jahre bestanden hat.

In die selbe Kerbe schlägt der Umstand, dass man in einer Kommune stets dem Handeln oder Nichthandeln der Anderen ausgesetzt ist. Wie in einer WG wird es immer jemanden geben, der nicht bereit ist, auch nur einen Finger zu rühren. Andere haben ganz besondere Vorstellungen, wie denn das Essen zuzubereiten sei. Derlei Konfliktpotenzial wird sich früher oder später in konkreten Auseinandersetzungen manifestieren.

Auf der anderen Seite hat man mit einer Kommune Zugang zu

- sozialen Kontakten
- Freundschaft
- Sex
- (wie erwähnt) Arbeitsteilung
- einer Absicherung im Krankheitsfall
- Unfallversorgung
- udgl.

olgary Avatar
olgary:#25948

>>25942
Auswandern ist überbewertet. Man kann auch mitten in Berlin seine Einsiedelei betreiben. Brandenburg ist natürlich billiger. Eine faschistische Genossenschaft halte ich für uns Deutsche für die beste Lösung. Über ein patriarchales System ähnlich dem bei Wikipedia oder Pr0gram kann man Querulanten wirksam bekämpfen (ich hab mir da mal was ausgedacht, was im Endeffekt auf eine totale Demokratie hinausläuft, weil jeder jederzeit abstimmen kann -- weil Zecken unter solchen Umständen nicht lange lachen können, ist es natürlich Faschismus). Man sollte halt einen Menchanismus vorsehen, dass Leute die ausgeschlossen werden, möglichst schmerzfrei ausgeschlossen werden. Zum Beispiel immer 10% der Einlagen als Barreserve vorhalten (braucht man aber schon mindestens 10 Mitmacher damit das sinnvoll klappt, und wenn zwei rausgeschmissen werden sollen, wird es schon kompliziert).

Wirklich kompliziert wird es aber erst, wenn du Gleichgesinnte suchst, die auch ein bisschen was beisteuern wollen und können. Mit weniger als 10k pro Nase brauchst du gar nicht anfangen. Im Beispiel oben, könnte man mit 25...50k pro Nase gut arbeiten. Für 250k bekommst du in Ostdeutschland schon ein ganzes Rittergut inclusive einem kleinen See. Den Rest investiert man in Immobilien, die man optimalerweise selbst errichtet oder grundsaniert.

marrimo Avatar
marrimo:#25952

>>25948
>faschistische Genossenschaft (!)
>eine totale Demokratie
>kann man Querulanten wirksam bekämpfen
>möglichst schmerzfrei ausschließen
Lass mich raten, die Ausschlusskriterien sind subjektiv und variabel.
Wer würde da nicht gerne mitmachen und 10% Rücklagen mitfinanzieren wollen.
Wie wärs damit. Du klonst dich selbst, gründest dein ewiges Reich und fickst dich in den Arsch.
Natürlich immer nur in Missionarsstellung. So kannst du dir selbst in die Augen schauen und vermeidest abweichlerisches/feminines Verhalten.

chatyrko Avatar
chatyrko:#25996

>>25952
Oh wow, was du da alles rausgelesen hast. Und dumm bist du auch noch! Ich erkläre es dir am Sonntag abend nochmal ausführlich, jetzt muss ich erstmal angeln fahren :3

intertarik Avatar
intertarik:#25997

>20.000,- bis € 30.000,- für einen Hektar Land am Yukon

Woher willst du Aufenthaltsgenehmigung nehmen?


Du mußt nochmal einen Haufen Geld investieren, um benötigte Güter anzuschaffen und zur Hütte zu transportieren. Sonst erster Winter = Exitus.

iqbalperkasa Avatar
iqbalperkasa:#26000

Würde ein Land suchen in dem es vergleichsweise einfach ist als Deutscher ein Dauervisum zu bekommen und das gleichzeitig so wenig strategischen Wert hat das beispielsweise Atombomben verschwendet wären. Hier bin ich zwar wieder beim Endzeit-Szenario, aber in meinen eigenen Plänen ist dies ein wichtiger Part. Würde mich selbst vermutlich für Chile entscheiden. Als Deutscher ist es nicht schwer dort hinzuwandern, es gibt viele Deutsche Kontakte die man aufbauen kann, und auch Spanisch ist keine sonderlich schwere Sprache. Zudem ist es durch seine nette langgezogene Lage in dem Vorteil das es von warmen über kalte Regionen, Wald, Berge etc. alles bieten kann. So hat man eine große Auswahl sich für ein geeignetes Stück Land zu entscheiden.

Die Kosten sind anderswo vielleicht geringer, doch in Chile kriegt man für unter 50k€ schon relativ große Grundstücke mit ner Hütte drauf die als Ausgangsbasis herhalten würde um selber etwas zu bauen.

joe_black Avatar
joe_black:#26003

Hat OP denn jemals so gelebt?
Vielleicht solltest du zuerst ein paar Tests machen bevor du Nägel mit Köpfen machst, so ein Überlebenstrip oder so.

degandhi024 Avatar
degandhi024:#26016

>>25942
jetzt mal realistisch :usa / Kanada : wird immer wieder genannt . Problem : überall Psychos ;Leben in der natur ok solange Du nicht krank wirst ( kommste ins Krankenhaus wird es sehr schnell sehr teuer ) ; nicht jede Versicherung nimmt Dich wenn Du bereits gesundheitliche Probleme hast ( jede Zahnarztbehandlung iist in der angelsächsischen Welt TEUER .

Grundstück haste , Baumaterial auch . Wenn Du gar keine Ahnung hast und fängst im Frühling an zu basteln biste im Herbst noch nicht fertig . Fehlen Ersatzteile oder Werkzeuge kannste alles knicken , ist Deine Kettensäge nach drei Tagen hin wird es eng weil Du im Norden den Winter nicht im Zelt überlebst .

Bären : ja . gibts . und die reißen alle Verpackungen auf und gucken durchs Fenster ( wenn Du ne Hütte hast ) .

besser : ein Baumhaus ( min in 30 Meter Höhe ) . oder ein Bunker . ok .

Wohncontainer ist auch ok - weil sicher ( Transport : Luftlandedivision , Fallschorrm , groß , oder großen Landenetz ( so wie der Tüp ohne Shirm , nur größer eben ) .

mizhgan Avatar
mizhgan:#26017

>>25942
Gelände : Wald .40 ha

1) in der Mitte des Grudstücks Bäume fällen , entasten , kreisförmig anordnen , , mit Ketten und Stahlseilen an den noch stehenden Bäumen befestigen , übereinander stapeln , min. 4 m hoch , eine kreisförmige Wand entsteht ; Platz wurde gerodet ; Felsen freilegen , dient als Fundament ; Baucontainer mit Werkstatt haste dabei .

die mit den Bäumen verbundenen Stämme müssen sorgfältig gesichert werden sonst kriegste irgendwann Besuch . vor der kreisförmigen Festung : roden . Bauholz herstellen , mit der neuen Kettensäge . und Brennholz .

albertaugustin Avatar
albertaugustin:#26018

>>26017
willkommen im internet

herrhaase Avatar
herrhaase:#26019

>>26018
ja ich weiß . ich guck jetzt Straßenbahnfernsehen ohne Leude .

dmackerman Avatar
dmackerman:#26021

>>26016
>realistisch :usa / Kanada

Daueraufenthaltsgenehmigung mit aussicht auf Staatsbürgerschaft ab ungefähr 1 Mio $

>realistisch



>>26017
>mit Ketten und Stahlseilen an den noch stehenden Bäumen befestigen , übereinander stapeln , min. 4 m hoch ,

Sinn der Veranstaltung im Vergleich zu normaler Blockhütte, (siehe Bild)?

motionthinks Avatar
motionthinks:#26022

>>26021
ABM Maßnahme für meine nigger .

nein . als Festung so , dachte ich . Antibärischer Schutzwall

betraydan Avatar
betraydan:#26023

Geh halt nach Osteuropa, ähnliche Landschaftsflächen, billigeres Leben und bessere Flächen zum erwirtschaften, Leute leben teilweise ähnlich wie du selbst, vom selbstanbau und überwintern.

Kontra: die Sprache muss verstanden werden, du brauchst entsprechende Behördliche Bestechungsgelder und nochmals, die Sprache ist dein Türöffner

trueblood_33 Avatar
trueblood_33:#26026

>>26016
>>26017
>>26019
>>26022
bitte geh

_kkga Avatar
_kkga:#26027

OP, ich würde erstmal etwas Erfahrung mit den verschiedenen Aspekten der Selbstversorgung gewinnen.
Wenn du einfach so los ziehst, hältst du es kein halbes Jahr aus.

Also vielleicht für den Anfang erstmal eine Fläche zum Anbauen für Pflanzen mieten, einen Jagdkurs besuchen und ein handwerkliches Projekt anfangen.

Ist leider alles nicht so einfach und "romantisch", wie man sich das immer vorstellt.

Auch die Einsamkeit könnte ein größeres Problem werden. Klar ist man als Bernd allgemein viel alleine. Aber wenn niemand mehr da ist, ist es doch noch einen Ticken anders. Vielleicht solltest du auch das mal austesten, gibt genug Wanderwege in Lappland, bei denen du nur alle paar Tage mal auf einen Menschen triffst, dass sollte als Simulation fürs erste reichen.

Das Wichtigste, falls du es wirklich tun solltest: Versuche möglichst in den ersten Tagen eine Internetverbindung herzustellen, sonst gibst du schneller auf, als du es für möglich hältst. :3

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