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Veröffentlicht am 2015-11-26 12:07:59 in /we/

/we/ 51586: normal leben

seanwashington Avatar
seanwashington:#51586

Als Sohn einer Grenzlinienmutter (nicht diagnostiziert - sobald man ihre hunderprozentige, geistige Gesundheit angezweifelt hat, war man der Teufel und es brach die Hölle aus) und eines entsprechend gebrochenen Vaters, bin ich seelisch etwas vernarbt. Seit vielen Jahren nun, besonders seit meinem abgebrochenen Studium, kriege ich mein Leben einfach nicht auf die Reihe. Im Job komme ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu spät, ich verbringe Tage damit, einfach an die Wand zu starren und vernachlassige meine Wohnung. Gleichzeitig habe ich aber immer noch große Erwartungen und unrealistische Vorstellungen und bilde mir ein, es wäre nur eine Phase (die schon Jahre anhält). 0 Freunde. Ich hatte schon Beziehungen, allerdings sind das immer die selben Muster: es gleitet in ein schnelles Abhängigkeitsverhältnis und sie will mir Schuldgefühle einmassieren. Ich gehe ihnen mittlerweile weitgehend aus dem Weg. Außerdem scheine ich einen falschen Stolz zu besitzen.

Mein Umfeld kriegt davon nichts mit. Ich bin eigentlich ein recht umgänglicher Typ wenn's sein muss und Verwandte/Familie lüge ich einfach an.

Ist es jemandem ähnlich ergangen? Wie kriegt man sein Leben wieder auf die Reihe? Ich möchte zumindest pünktlich zur Arbeit erscheinen, mich und meine Wohnung vor dem Verfall bewahren und hätte zumindest gerne einen Freund.

ryandownie Avatar
ryandownie:#51588

Deine Antriebslosigkeit habe ich mit Antidepressiva in den Griff bekommen. Seitdem lebe ich erst richtig auf und kann meinen psychischen Schaden erst so richtig verarbeiten, weil ich nun erst merke, was glücklich/zufrieden oder auch nur normal sein wirklich bedeutet. Dahingegen waren 2 Jahre Psychotherapie ohne Medikamente für den Arsch.

pakhandrin Avatar
pakhandrin:#51589

>Ist es jemandem ähnlich ergangen?
Ja

>Wie kriegt man sein Leben wieder auf die Reihe?
Bisher gar nicht. Plane seit 2 Jahren mir Bupropion zu besorgen.

lg, dein Bernd

soyeljuaco Avatar
soyeljuaco:#51590

Bernd hier geht es ähnlich, kümmert sich aber um seine Seele wenn überhaupt selbst. Wird sich zeigen, ob das so ne gute Idee ist.

Ob Mama Bernd klinisch bekloppt ist, lässt sich nicht 100% sagen, aber sie war jedenfalls kalt und der Papa hätte genausogut aus Thailand Unterhalt bezahlen können.

>antriebslos
Häkchen
>Abhängigkeit in Beziehungen
Häkchen
>Verwandte anlügen
Fickja

Meine Ansicht dazu ist, dass Bernd sich wieder die Sklaverei wünscht, in der er von anderen gesagt bekommt, was er tun soll, so wie von Mama. Solche Männer gab es schon immer was bedeutet, dass sie für die Menschheit ein notwendiger Bestandteil sind.

>Mulle redet Schuldgefühle ein
abschießen, ganz einfach. Sich kastrieren lassen und sich verwöhnen lassen sind zwei paar Stiefel. Fremde Kinder muss man sich im 21. Jhd auch nicht mehr andrehen lassen.

csteib Avatar
csteib:#51593

>>51588
>>51589
Fühlt man sich nicht bisschen scheiße, seelisch Leidende auszunutzen um seine Pillen zu vermarkten?

>>51590
>Meine Ansicht dazu ist, dass Bernd sich wieder die Sklaverei wünscht, in der er von anderen gesagt bekommt, was er tun soll, so wie von Mama. Solche Männer gab es schon immer was bedeutet, dass sie für die Menschheit ein notwendiger Bestandteil sind.
Bei klassischen "Muttersöhnchen" kann man vielleicht darüber reden aber hier ist es wohl nicht der Fall. OP hat ja studiert und scheint eine eigene Wohnung und einen Arbeitsplatz zu haben und das trotz schwieriger Eltern. Dürfte eher ein gesellschaftliches Problem sein: dadurch, dass so viele Frauen studieren bzw. im Arbeitsmarkt durch z.B. Quoten integriert sind fehlt es an attraktiven Arbeitsplätzen für Männer und dadurch dass Frauen selbst "gute" Arbeitsplätze haben, verringern sich die Chancen auf gute Beziehungen dramatisch. Der Arbeitsplatz eines Mannes muss in einer gesunden Beziehung, die auf gegenseitigen Respekt basiert, mehr einbringen als der der Frau. Die Folgen, dass Frauen durch die stressigen Anforderungen der Arbeitswelt beziehungsunfähig werden und dass Männer sich aussichtslos und ungebraucht fühlen liegen auf der Hand.

Ehrlich, eine Gesellschaft in der voll ausgebildete/gebildete Männer alleine leben und Pillen schlucken und Frauen im idealen Heirats/Gebäralter ihre Nerven abarbeiten (und daher auch Pillen schlucken) ist quer durchgebrochen. Die Frau wird dort nicht gebraucht.

>>51590
>abschießen, ganz einfach.
Dies. Wenn sie sich nach dem 3. Treffen oder so in eine Opferrolle begibt (die Exfreunde waren ja so schlimm, die Welt ist so grausam,... ) und/oder dich ungebührlich bewundert (du bist anders als die anderen) und/oder du das Gefühl hast, dass sie gar nicht so richtig darauf eingeht was du sagst, dann sollten deine Alarmglocken läuten. Wenn eine Frau ernsthaft (an deiner Persönlichkeit!) interessiert ist, ist sie bisschen schüchtern (ehrlich und nicht aufgesetzt, verlass dich auf dein Gefühl, liegt zu 99% richtig).

jitachi Avatar
jitachi:#51594

>>51586
Mach das, wofür deine Mutter nie Verstand und Arsch genug in der Hose hatte: Kläre ab, ob die Ursache deiner Problemen eine psychische Erkrankung, z.B. eine Depression, ist. Falls ja: Lass diese Erkrankung behandeln. Psychiater diagnostizieren und verschreiben Medikamente. Psychologen diagnostizieren und therapieren per Gespräch. Sowohl Psychiater wie auch Psychologen haben meist mehrere Monate Wartezeiten bis zu einem Ersttermin. Da es große Qualitätsunterschiede und überdies eine ziemlich verwirrende Vielfalt von Therapieansätzen und Richtungen gibt kann es durchaus Sinn machen, sich vorab und kurzfristig erstmal an eine Beratungsstelle (z.B. städtisch, Caritas, Diakonie etc.) oder den Hausarzt zu wenden.

hibrahimsafak Avatar
hibrahimsafak:#51595

>>51593
>Ehrlich, eine Gesellschaft in der voll ausgebildete/gebildete Männer alleine leben und Pillen schlucken und Frauen im idealen Heirats/Gebäralter ihre Nerven abarbeiten (und daher auch Pillen schlucken) ist quer durchgebrochen.
Das wird mit 20 Mio. Neubürgern alles wieder in Ordnung komben.

evandrix Avatar
evandrix:#51596

Danke an euch. Das Hinausschreiben des Problems und eure Antworten haben bei mir einen Denkprozess in Gang gebracht, der sich positiv auf mich auswirkt und auch sonst sehe ich plötzlich Möglichkeiten und Wege. Heute bin ich das erste Mal seit langem ausgekommen ohne ständig Kaffee reinzuschütten und ich habe quasi automatisch zum ersten Mal seit Monaten wieder einen Einkaufszettel vor dem Einkauf geschrieben, anstatt einfach irgendwas zu kaufen.

>>51594
Das werde ich machen. Ich denke ein Problem ist einfach, dass ich mich alleinegelassen fühle und mir nicht helfen lasse. Alleine komme ich hier aber wohl nicht raus. Werde mich nach einem Psychologen/Therapeuten umsehen. Danke.

alexradsby Avatar
alexradsby:#51656

>>51596
Das ist ein Ansatz. Mein Leben hat sich durch die Einnahme eines Antidepressivums erheblich vebessert. Antriebslosigkeit und Leere sind die schlimmsten Gefühle, die man sich vorstellen kann.

joshjoshmatson Avatar
joshjoshmatson:#51659

>>51586

Ich hatte solche Phasen, bin aber immer wieder rausgekommen.

Bringe Neues in dein Leben. Abwechslung. Versuche Dinge die du noch nie oder schon lange nicht mehr versucht hast.

Das nächste mal wenn du an die Wand starrst dann nimmst du dir vor etwas neues zu tun.

Du überlegst lange was du machen könntest um dir die Zeit angenehm zu gestalten. Du lässt dir beim Überlegen Zeit und stresst dich nicht und gehst nicht gleich ab, wenn dir nicht sofort was einfällt. Du entscheidest dich für etwas und tust es.


>Heute bin ich das erste Mal seit langem ausgekommen ohne ständig Kaffee reinzuschütten und ich habe quasi automatisch zum ersten Mal seit Monaten wieder einen Einkaufszettel vor dem Einkauf geschrieben, anstatt einfach irgendwas zu kaufen.

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