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Veröffentlicht am 2016-03-08 00:00:00 in /we/

/we/ 52129: Existentielle Krise

yangpeiyuan Avatar
yangpeiyuan:#52129

Wie zum Fick kommt jeder da heraus? Alle machen sich sogar darüber lustig als wäre es ein triviales Problem. So wie ich es bisher gelesen habe ist die Lösung nicht philosophisch sondern lebenspraktisch. Das heißt wer voll im Leben ist genießt die low-level Glücksgefühle ohne sich um den Sinn des Lebens im Ganzen zu kümmern. In der Tat, wenn es draußen schönes Wetter ist und ich was leckeres esse genieße ich den Moment ohne über dessen Sinn nachzudenken. Aber ich kann ja nicht so einfach für immer hedonistisch Leben.

Man braucht doch ein Ziel im Leben denke ich das als eine art Kompass funktoniert nach dem man seine Lebensentscheidungen orientiert. Aber gleichzeitig fällt mir kein gutes Ziel ein. Ich bin eben nicht talentiert und was kann ich deshalb schon groß bewirken? Aber einfach einen bequemen Job zu haben damit ich in der Freizeit fernsehen und essen kann scheint auch so sinnlos.

Ich denke jetzt nicht, dass ich intelligent und gebildet bin deshalb sollte es nicht arrogant klingen aber ich fühle als wäre ich meiner selbst zu bewusst geworden. Mir ist klar, dass Gefühle nur da sind um uns in Bewegung zu setzten. Aber während z.B. ein Roboter ein bestimmtes Ziel hat, habe ich keins. Und ich kann eben nichts wirklich genießen wissend wie sinnfrei und vergänglich es ist und wie wenig ich doch alleine bewirken kann. Ich will den Weltraum erkunden? Astronaut werden ist so schon ein verrückter Traum aber selbst dann wird man im besten Fall im Leben nur einen Planeten erkunden können. Selbst wenn ich ein leidenschaftliches Genie wäre könnte ich uns nicht weit bringen. Und so ist es überall.

Ich bin so ziellos. Hoffe Bernd hat rat und keine Beleidigungen.

kennyadr Avatar
kennyadr:#52130

Man macht sich darüber lustig, weil es ein Klischee ist: Mittelmäßige Menschen gucken das erste mal in ihrem Leben in den Spiegel und zetteln ihre persönliche mittelmäßige Revolution an; Es ist ein lächerliches Schauspiel.

Eine mögliche "Lösung": Der Mensch überschätzt sich selbst. Das Schicksal hat kein bedeutendes Leben für einen vorgesehen. Deine Erkenntnisfähigkeit ist beschränkter, als es sich anfühlt. Man ist geistig in der Lage "Warum?" zu fragen, aber darüber hinaus ist man zu wenig fähig. Das "Warum?" kommt einen vor wie eine bedeutende Frage, auf die es eine Antwort geben muss. Die Antworten bleiben aber unbefriedigend, weil die Frage dagegen so klar scheint. Das "Warum?" ist genauso selbstgemacht wie jede Antwort darauf. "Warum?" kann jeder Trottel fragen, aber Antworten können sich nur manche etwas klügere Trottel ausdenken. Wer es nicht kann, stampft wütend auf den Boden, macht seine Himalayareise und fühlt sich geläutert und kann danach weitermachen.

auch: lies mal den Zarathustra

bruno_mart Avatar
bruno_mart:#52132

>>52130
Naja Klischee? Gehört es nicht zum Leben dazu? Eben weil man mittelmäßig ist bleibt man doch darin stecken oder nicht? Jemand mit Begabung wird etwas haben was ihn erfüllt.

>auch: lies mal den Zarathustra

Werde ich tun. Wie kann ich sonst meinen Horizont erweitern? Ich würde ungerne in diesem Loch stecken bleiben und auf der Stelle treten.

necodymiconer Avatar
necodymiconer:#52133

>>52132
>Wie kann ich sonst meinen Horizont erweitern?
Was ich oben versuchte zu sagen, war dass das Denken des Menschen an Grenzen stößt die auch physischer Natur sind und keine individuelle Unzulänglichkeit sein müssen. Auch Bernd kann seine Leere mit philosophischen Erklärungen nur soweit füllen, wie er das Problem erkennen kann, d.h. soweit er die Leere fühlt. Darüber hinaus ist Bernd blind. Jeder Versuch seinen Horizont zu erweitern wird nie abschließend sein, aber möglicherweise befriedigend.

>Wie?
Keine Ahnung; Bücher, Drogen, mal raus gehen, Hobbys suchen; Seine Grenzen ausweiten bis man sie nicht mehr spürt. Himalayareise, Jakobsweg, kommunistische Weltrevolution anzetteln.

Setz dich mal ohne Ablenkung für eine Stunde oä hin und überleg was du willst in deinem Leben, was du kannst, was du gemacht haben willst bevor du ins Gras beißt und was dir wichtig/unwichtig ist. Wenn man das mal macht ohne in Zerstreuung zu flüchten, kann man vieles besser erkennen.

marcusgorillius Avatar
marcusgorillius:#52135

>Sinn des Lebens im Ganzen
Wie alt bist du OP, 14? Zumindest habe ich in diesem Alter über solche Dinge nachgedacht. Die Frage, welchen Sinn das Leben hat, ist dumm, weil Sinn relativ bzw. kontextabhängig ist. Dinge haben nur innerhalb eines spezifischen Bezugssystems einen Sinn, also einen Zweck. Soll heißen: „Welchen Sinn hat mein Leben?“ ist eine dumme Frage, weil der Zusammenhang fehlt. „Welchen Sinn hat mein Leben für das Wohl des deutschen Volkes / für die marxistische Revolution / für die Freimaurerjuden?“ ist dagegen eine vernünftige Frage. Ich verstehe nicht, warum so viele Menschen auf Sinnsuche sind, aber nicht erkennen, dass sie zu gar keinem Ergebnis kommen können, da der Zusammenhang fehlt.

>Aber während z.B. ein Roboter ein bestimmtes Ziel hat, habe ich keins.
Und welches Ziel hat eine Melkmaschine auf dem Mars? Im Bezugssystem Bauernhof hat sie einen Zweck, auf dem Mars nicht mehr.

>Aber einfach einen bequemen Job zu haben damit ich in der Freizeit fernsehen und essen kann scheint auch so sinnlos.
Dass dein Bewusstsein existiert, ist ein Zufall. Vielleicht bist du auch nur ein Boltzmann-Gehirn. https://en.wikipedia.org/wiki/Boltzmann_brain Du bist halt da, handel mit es. Sowas wie ein „übergeordneter Sinn des großen Ganzen“ ist Bullenscheiße.

>Aber ich kann ja nicht so einfach für immer hedonistisch Leben.
Natürlich kannst du das, wer verbietet es dir? Ich lebe hedonistisch und ich wage zu behaupten, dass die Mehrzahl der Menschen in der westlichen Welt es mir – wenn auch nicht bewusst – es mir gleichtut. Du hast das Ganze „low-level Glücksgefühle“ genannt. Was ist schlecht an denen? Warum reichen die dir nicht? Hedonismus bedeutet nicht, bis zum Umkippen und ohne Rücksicht auf Verluste dich tot zu vögeln, tot zu fressen oder tot zu saufen. Es ist auch hedonistisch, kurzfristig negative Gefühle (Anstrengung) in Kauf zu nehmen, um langfristig größere Lust (Konsum, Anerkennung, was auch immer) zu erreichen. Du musst halt nur für dich herausfinden, was für dich der richtige Weg ist.

samihah Avatar
samihah:#52136

>>52135
>Wie alt bist du OP, 14? Zumindest habe ich in diesem Alter über solche Dinge nachgedacht.
Und mit 15 hast du dann dein berühmtes zehnbändiges Standardwerk zur Metaphysik verfasst?

>Dinge haben nur innerhalb eines spezifischen Bezugssystems einen Sinn.
Dann war OPs Frage nach dem Sinn halt die nach dem "richtigen" Bezugssystem. Uh, ist ja ganz was anderes!

>Du musst halt nur für dich herausfinden, was für dich der richtige Weg ist.
So einfach ist das?

tmstrada Avatar
tmstrada:#52137

>>52136
>Und mit 15 hast du dann dein berühmtes zehnbändiges Standardwerk zur Metaphysik verfasst?
Wenn man aus der Pubertät raus ist, sollte man geistig so gefestigt sein, dass man solche Dinge schon durch hat. Andere kommen in dem Alter zu dem Schluss, dass Gott die Antwort auf alles ist und sind dann auch gefestigt.

>Dann war OPs Frage nach dem Sinn halt die nach dem "richtigen" Bezugssystem. Uh, ist ja ganz was anderes!
Ja, das ist etwas Anderes und zeigt, dass du nicht im Ansatz verstanden hast, was ich geschrieben habe. Hast wohl mein Standardwerk zur Metaphysik nicht gelesen :3 Die Bezugssysteme sind nämlich völlig willkürlich, man kann sie nach Belieben konstruieren. Monotheismus wäre so ein Konstrukt, wenn du unbedingt ein Bezugssystem brauchst.

>So einfach ist das?
Bild relatiert.

Auch: Ich verstehe nicht, warum du so Mett bist.

_vojto Avatar
_vojto:#52141

>>52137
>Natürlich kannst du das, wer verbietet es dir?

Das sind natürlich nur Gedanken und vielleicht wäre mein tatsächliches Empfinden anders aber mir gefällt nicht die Idee im Moment zu leben. Denn diesen spürt man nur für eine sehr kurze Zeit. In der Physik ist es infinitesimal. Ich denke wenn ich alt bin wäre es besser wenn ich auf meine Errungenschaften zurückblicken könnte als nur auf den Spaß den ich hatte, von dem ich jetzt nichts habe. Ich wäre also lieber ein alter Wissenschaftler oder Künstler als ein alter Hedonist. Gleichzeitig habe ich aber leider für nichts eine Leidenschaft.

ryanjohnson_me Avatar
ryanjohnson_me:#52142

>>52141
Es gibt halt verschiedene Arten von Hedonismus. Ein gutes Beispiel ist Epikur, der zwischen niederen und höheren Formen der Lust unterscheidet: Sich bilden, musizieren oder berufliche Erfolge zu arbeiten macht Spaß, genauso wie es Spaß macht mit Bier und Pizza vorm Fernseher zu sitzen und sich die Eier zu kraulen. Letzteres sieht er als unvernünftig ein, weil es dich nur kurzfristig glücklich macht. Ein nahezu asketisches auf „höhere“ Lust ausgerichtetes Leben ist eben auch eine Form von Hedonismus, die vielleicht von dem abweicht, was man im Allgemeinen unter Hedonismus versteht, und passt zu deiner Vorstellung vom alten Wissenschaftler oder Künstler. Das meinte ich mit:
>Du musst halt nur für dich herausfinden, was für dich der richtige Weg ist.
Mich persönlich macht eine Mischung aus kurzfristiger und langfristiger Befriedigung am ehesten glücklich – ziemlich genau das, was man sich eigentlich unter einem „normalen“, für manche Menschen langweiligem Leben vorstellt.

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