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Veröffentlicht am 2016-04-26 02:09:07 in /we/

/we/ 52344: Leben mit Reizdarmsyndrom

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darcystonge:#52344

Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück und verbringen die Zeit lieber mit lauern anstatt zu sozialiseren wie früher. Also Bernd. Erzähl mir deine Geschichte. Wie fing es an? Wo stehst du jetzt? Was hat dir geholfen?

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rdbannon:#52345

Hab seit Jahren Reizdarmsyndrom, dazu noch schizotypische PS, Angststörung und noch so einiges anderes. Hab alles möglich ausgetestet, vor allem wird mein Reizdarm durch:

- Stress: Bin dank Sozialphobie und dergleichen leider ziemlich stressanfällig, was vor allem als ich noch Hartzer war, weil meine innere Uhr noch nie mit um 8 Uhr morgens irgendwo antanzen klar kam.
- Zwiebeln: Zwingen meinen Arsch zur Achterbahnfahrt und ich kann stundenlang auf dem Klo sitzen
- schlechtes Wetter: Vor allem bei ekligem Schneeregen wie jetzt bin ziemlich depressiv und das schlägt mir auch ziemlich auf die Verdauung. Herbststürme sind auch ganz schlimm.

ausgelöst.

Andere Faktoren spielen auch noch ne Rolle, sind aber sekundär. Behandeln tu ich es mit meinen Psychomedikamenten: Tianeptin als Hauptmedi, ist ein AD mit Opiateigenschaften, hatte zuvor Mirtazapin, aber das hat mich wie den Michelinmann aufgehen lassen, deshalb hab ichs abgesetzt. Hat aber ganz gut gegen RDS geholfen. Dazu Promethazin bei akuten Panikattacken im Allgemeinen und Quetiapin gegen Gehirnfasching.

Im Generellen helfen Opiate ziemlich gut gegen RDS. Hab auch immer ne Packung Loperamid dabei, zur Sicherheit. Kostet nicht viel, wenn du es als Generikum kaufst: 80 cent für Loperamid Heumann 10er, oder kannst dir auch vom Doc ne 50er Packung verschreiben lassen.

Aus dem Dunkelnetz könnte man sich auch Fentanyl, Opium, Schore oder Morphium kaufen, um gegen RDS anzukämpfen, ist mir als armem Sozi-Empfänger aber zu teuer. Da bleib ich lieber bei meinen Drogen vom Dealer in Weiß.

Von FODMAP und so einem Dreck als ernährungsbiologische Maßnahme halte ich nix. Hab das mal gemacht, hat nur geholfen meine Trigger rauszufinden durch Trial & Error, sonst war es ziemlicher Bullshit, zumal bei ner kompletten FODMAP-armen Ernährung du nur noch Reiswaffeln und Chemiedreck essen kannst, und ich nicht fruktose- und laktoseintolerant, zölikalisch oder sonstwas bin.

Ich kann eigentlich alles machen was ich will. Gut, meist ist das nur sabbernd und von den Pillen endbreit vorm Computa sitzen, so wie jetzt. Aber rausgehen ist natürlich auch möglich, einkaufen und sonstwas. Menschenansammlungen meide ich aber eh grundsätzlich, weil oalle Menschn samma zwider.

karalek Avatar
karalek:#52346

>>52344
Mir wurde lange das RDS nachgesagt. Nach vielen Jahren musste ich feststellen, dass es sich lediglich um die starke psychosomatische Komponente einer Angststörung bzw. deren Panikattacken handelt.

Ich kann jedem betroffenen raten auch offen und ehrlich in diese Richtung zu Forschen. Ich hab mich meinen Ängsten gestellt und habe heute dieses Problem nicht mehr. Obwohl es einige Jahre integraler bestandteil meines Lebens war.

bassamology Avatar
bassamology:#52348

>>52346
Kannst du da näher drauf eingehen? Was war zuerst da?

Ein Arzt hat herausgefunden, dass ich wohl auf Weizen reagiere, seitdem ich es weglasse ist es auch etwas besser geworden aber ich kann kein normales Sozialleben führen wenn ich noch immer wahllos nach dem Essen durchfallattacken bekomme. Mitlerweile vermute ich dass es durch die Angst kommt, die sich in den letzten Jahren durch das RDS entwickelt hat so ist, scheue aber noch davor es mit Antidepressiva zu versuchen

rohan30993 Avatar
rohan30993:#52349

>>52348
Ende der Pubertät hatte Bernd plötzlich auch mit den von dir erwähnten Durchfallattacken zu kämpfen. Diese waren auch immer kombiniert mit starken negativen Gefühlen, die ich viel zu lange mit der Situation selbst assoziiert habe.

Bis ich angefangen habe mich genauer zu beobachten: Dann habe ich gemerkt, dass diese Gefühle oftmals zuerst da sind und es dann passiert. Auch das "wann und wo" kann ein indiz sein: Passiert es hauptsächlich an Orten wo du dich (weil du Bernd bist) unwohl fühlst? unter Menschen oder im Bus? Und kannst du nach Aufnahme der identischen Nahrung stundenlang alleine an einem "sicheren" Ort lauern, ohne das etwas passiert?

Dann wird es vermutlich ist psychisch sein.

Es ist schwer zu glauben dass die Psyche einen so starken Effekt auf den Körper haben, es stimmt aber wirklich und war aber für mich einer der grössten Aha-Momente in meinem Leben.

Anschliessend machte ich eine psychotherapie gegen meine Angstattacken und die Angst vor der Angst die natürlich längst da war und alles schlimmer gemacht hat. Die Therapie und die temporäre Medikamenteneinnahme hat sehr gut geholfen, und heute habe ich das wirklich nur noch in Ausnahmfällen. Kann dann aber auch damit handeln.

Neuste Fäden in diesem Brett: