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Veröffentlicht am 2016-05-04 11:34:2 in /we/

/we/ 52379: Hat ein Bernd hier Erfahrung mit stationärer Thera...

cboller1 Avatar
cboller1:#52379

Hat ein Bernd hier Erfahrung mit stationärer Therapie bzw. Tagesklinik bei "schwerer Depression"?

Mein Psychotherapeut hat mir im Erstgespräch empfohlen mich für 4-6 Wochen in stationäre Behandlung zu begeben. Weil dort angeblich schnellere Fortschritte gemacht und gleich die Medikamente eingestellt werden könnten. Ich finde das schon ziemlich krass, da man ja komplett aus dem Alltag rausgerissen wird, zumal ich glaube, dass mit diesen Ankreuzbögen wohl bei so ziemlich jedem eine Depression diagnostiziert werden würde. Fühle mich zwar oft Niedergeschlagen, konnte aber bisher irgendwie auch ohne Medikamente leben.

justinrhee Avatar
justinrhee:#52382

Dieser Bernd dachte auch schon an alle möglichen Macken in seiner Hirnchemie.

Musste schließlich einsehen, dass seine Leben wirklich scheiße ist.

slaterjohn Avatar
slaterjohn:#52383

>zumal ich glaube, dass mit diesen Ankreuzbögen wohl bei so ziemlich jedem eine Depression diagnostiziert werden würde.

Nein, aber das sagen Depressive oft.

Wenn du dich darauf einlässt wird es nicht einfach, wieder von den Medikamenten runterzukommen. Daher würde ich mir das gut überlegen.

ryanjohnson_me Avatar
ryanjohnson_me:#52386

>>52382

Also du meinst eine medikamentöse Therapie nützt nichts, wenn dein Leben einfach nur scheiße ist. Der Psychotherapeut erklärte mir ,bei schwerer Depression könne man nicht mehr klar denken und deshalb keine guten Entscheidungen für sich treffen, weshalb man sich wiederum als Versager fühlt. Dem Depressiven gelänge es daher selbst nicht, sich aus dem Teufelskreis zu befreien, weil ihn in diesem Kontext jeder Selbstheilungsversuch noch weiter absacken lässt. Vielleicht helfen die Medikamente kurzzeitig den dunklen Schleier zu lüften?

antongenkin Avatar
antongenkin:#52387

Dieser Bernd war vor ein paar Jahren für 6 Monate in einer Klinik. Hat sowohl gute als auch schlechte Seiten.

Falls du das Gefühl hast, manchen Anforderungen deines Alltags nicht gerecht werden zu können oder du aufgrund der Depressionen nicht das machen kannst, was du willst, dann könnte es schon Sinn machen. Dafür, um auf ein Medikament eingestellt zu werden, würde ich es auch sehr empfehlen. Da vor allem Anfangs erst mal alles schlimmer werden kann, ist es gar nicht so blöd jemanden den ganzen Tag um dich rum zu haben. Es war außerdem auch ganz nett, mal andere Gesichter zu sehen, neue Leute kennenzulernen, sich um praktisch nichts kümmern zu müssen.

Andererseits ist es auch eine Art Käseglocke in der du dich befindest. Wie Urlaub: Wenn du Entlassen wirst, ist alles noch genau so scheiße wie vorher. Nur bestenfalls hast du dann halt die Kompetenzen damit umgehen zu können. Ist aber nicht gesagt, dass das der Fall ist.

Wenn du es nicht selbst bezahlen musst und keinen Stress mit Arbeitgeber o.ä. bekommst - probier es. Was hast du zu verlieren? Und wenn du auf einer offenen Station bist, kannst du dich jederzeit wieder selbst entlassen. Also praktisch kein Risiko.

subtik Avatar
subtik:#52388

wenn ich Klappsenarzt wäre würde ich euch arbeitsscheuen sörens mit Haldol follbumben

baluli Avatar
baluli:#52389

Psychologenbernd hier
>zumal ich glaube, dass mit diesen Ankreuzbögen wohl bei so ziemlich jedem eine Depression diagnostiziert werden würde

Ist bis zu nem gewissen grad so. Der Bogen allein reicht aber auch nicht für ne Diagnose. Viele Leute die nichts haben Scoren gerne trotzdem mal im Bereich der leichten Depression, die mittelgradigen schwanken gern auch mal deutlich in die Kategorie schwer. Nur aufgrund des Bogens kriegst bestimmt nicht die Diagnose. Der Bogen ist mehr Screening und Anhaltspunkt für den Therapeut (oder sollte es zumindest)

>Der Psychotherapeut erklärte mir ,bei schwerer Depression könne man nicht mehr klar denken und deshalb keine guten Entscheidungen für sich treffen, weshalb man sich wiederum als Versager fühlt. Dem Depressiven gelänge es daher selbst nicht, sich aus dem Teufelskreis zu befreien,

Soweit volle Zustimmung

>weil ihn in diesem Kontext jeder Selbstheilungsversuch noch weiter absacken lässt.

Ist bei schweren Depressionen häufig so. Ob das auf dich speziell grade zutrifft kann ich natürlich nicht beurteilen.


>Vielleicht helfen die Medikamente kurzzeitig den dunklen Schleier zu lüften?
Ist an sich die Idee. Psychopharmaka sollen unterstüztend verwendet werden (mal organisch verursachte psychische Störungen ausgenommen), bei schwerer Depression hauptsächlich um den Antrieb zu steigern damit die Leute wieder in die Aktivität kommen.

Das man das im stationären Setting besser einstellen kann ist richtig, muss aber kein entscheidendes Kriterium sein.

Richtig ist sicher, dass ein stationäres Setting in bestimmten Bereichen intensiver ist und das Anfangen etwas zu verändern dort den Pat. oft leichter fällt als im Alltag und die vorgegebene Struktur auch oft hilft.
Am Ende wirst selbst entscheiden müssen ob du das brauchst oder ob du dir die nötigen Schritte auch so im Alltag zutraust.

jffgrdnr Avatar
jffgrdnr:#52390

>>52388
>Gratis Urlaub und gratis Trip

Sehe nur Gewinn.

sgaurav_baghel Avatar
sgaurav_baghel:#52391

>>52390
Wobei Haldol vom Rausch her nicht wirklich geil ist. Spreche aus Erfahrung.

ffbel Avatar
ffbel:#52395

Hurrdurr, ist die Gehirnchemie erstmal im Arsch usw... Naja warum ist sie denn im Arsch? Weil Herr Bernd Berndsen, falsche Entscheidungen in seinem Leben trifft und ihm Schlüsselkompetenzen fehlen. Auch wenn er weiss, was zu tun wäre schadet er sich lieber selbst: was für ein süßes Gefühl. Und wenn er das richtige tun will, wehrt sich sein Körper. Wie angenehm es sich in dieser Kloake doch lebt. Könnte er sich doch nur entspannt zurücklehnen und spürte nicht die Pistole auf seinem Nacken. Diese Pistole die einem von der Gesellschaft immer wieder aufgedrückt wird. Deshalb: Alleinsein.

zackeeler Avatar
zackeeler:#52398

>>52379
also dieser bernd sietzt gerade in der psychiatrie, wenn bernd also fragen hat wie es hier zugeht bekommt er offene und ehrliche antworten. Ja, viele horrorgeschichten die man so hört passieren tatsächlich, aber auf anderen stationen als ein depressiver bernd hinkommt, die angst kann ich dir also schon mal nehmen.

shesgared Avatar
shesgared:#52467

Bei statioärer Therapie geht es erfahrungsgemäß hauptsächlich darum, dass man zusieht, ein einigermaßen erträgliches Medikament für dich zu finden. Bernd zumindest hat ansonsten den Rest der Zeit damit verbracht, mit unsympathischen Mitbewohnern in seinem Zimmerchen zu hocken. Es gab viele Regeln, die Bernd gestört haben. Als Raucher konnte er zum Beispiel abends nicht mehr nach draußen, um sich noch eine anzustecken. Das Personal war häufig schlecht gelaunt bis zickig.

Das mit der Tagesklinik würde Bernd dir also eher empfehlen, obwohl auch das nicht unbedingt irgendetwas bringen würde.

Übrigens fühlen sich viele Leute niedergeschlagen. Du solltest erst einmal ausschließen, dass deine Probleme nicht andere Ursachen haben. Und dann kannst du dich noch immer dafür entscheiden, irgendwelche Pillen einzuschmeißen, die deine Wahrnehmung der Dinge verzerren. Und die Dinge sind tatsächlich eher scheiße und du hast tatsächlich mehr als genug Gründe, niedergeschlagen zu sein.

anjhero Avatar
anjhero:#52480

>>52467

Okay, das habe ich mir auch gedacht. Der Psychotherapeut war glücklicherweise krank, deshalb konnte ich dann den weiteren Termin im Sand verlaufen lassen, so wie alles momentan. Mein Leben ist langweilig, aber wenn sich mal eine Möglichkeit ergibt, ergreife ich sofort vor Angst die Flucht. Es ist als wollte ich gar keine Hilfe und schon gar keine trügerischen Medikamente. Ich fühle mich wie ein unfähiger Wurm, der niedergetrampelt werden möchte. In einer Kleinstadt-Uni, habe ich den Master an ein Studium rangehangen, dass mir zum Halse heraushängt und mich auslaugt, während die Kommilitionen im Ausland umhergurken, Praktika machen und feiern gehen. Stück für Stück habe ich mich selbst isoliert und an Lebenfreude verloren, feige Entscheidungen getroffen, Kontakte abgebrochen, Hobbys aufgegeben ect., was dazu führt das ich jetzt tatsächlich ein armes Würtschen mit einem armseligen Leben bin. Auch gute Ratschläge gehen wie Wasser durch ein Sieb, weil ich gegen alles was mir aus dem Loch helfen sollte, eine zu starke Abneigung empfinde. Deshalb flüchte ich mich in Scheinwelten, um weiteren Erniedrigung aus dem Wege zu gehen.

maiklam Avatar
maiklam:#52482

>>52398
Kann Bernd kurz umreissen, welche Horrorgeschichten so gemeint sind? Ist zwar sicherlich nicht erbaulich, aber gut zu wissen.

adriancogliano Avatar
adriancogliano:#52483

>>52482
Anderer Klapsenbernd hier reportiert ein:

In 6 Tagen geschlossene, teilte Bernd sich sein Zimmer kurz mit einem Quartalsalki mit 4 Promille der die komplette Nacht, angebunden ans Bett abwechselnd röpste & furzte wie ein Schwein, das Fenster war selbstredend verschlossen.
Tags drauf, eine Nacht lang mit jemandem der kein Wort gesagt hat sondern nur beim ein & auschecken kurz genickt hat.

Am 3. Tag dann mit einem polnischem Trockenbauer, der sich aufgrund der Stimmen in seinem Kopf bereits die Unterarme angezündet hatte und die nächsten 3 Tage wach in seinem Zimmer lag & Bernd anstarrte ( ab da, fand Bernd die 20mg Valium die ihm gegen seinen Willen verabreicht wurden gar nicht mehr so übel..).

Ansonsten auf der Station: ein sich bei jeder Gelegenheit zupissendes Zigeuner Mettchen; Demenzkranke Oma die von Familie dort abgeliefert wurde..; diverse Psychomullen & Junkies auf Haldol oä; ein laut in irgend einer Kacksprache schreiender Neger welcher ebenfalls fixiert & maximal zugepumpt wurde mit den Worten "we don't harm you" bis er endlich die Fresse hielt....

Bin mir aber sicher, hätte noch verstörender kommen können.

jasontdsn Avatar
jasontdsn:#52492

>>52483
Fragebernd kann sich vorstellen, dass man als Hilfesuchender da vielleicht sogar noch verstörter rauskommt, als man reingegangen ist...

Besonders Zwangsmedikation würde verstören.

jffgrdnr Avatar
jffgrdnr:#52502

>>52492
Was denkst du denn, was in der Psychiatrie sonst noch passiert? Du kleiner Naivling, "Psychiater" war schon immer gleichbedeutend mit "Pillengeber".

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pf_creative:#52511

>>52502
Was das Studium angeht, gibt es zwischen Psychiater und Psychotherapeut keine Unterschiede. Aber der Psychiater MUSS zwei Semester Medizin studieren. Nur er darf Bernd Psychopharmaka verschreiben.

krdesigndotit Avatar
krdesigndotit:#52528

>>52511
So ein Quark.
Ich mag jetzt nicht alle Details aufschreiben, aber Psychiater sind quasi alle Mediziner mit Zusatzausbildung. Und genau so sehen sie dein Gehirn auch, nämlich als kapottes Organ und nicht als die Summe deiner Erlebnisse.

posterjob Avatar
posterjob:#52534

>>52379
Hat mir damals mein PT auch geraten. Habe es damals nicht gemacht weil ich auch keinen Bock hätte 6 Wochen aus dem Leben gerissen zu werden und ich habe es nie bereut nicht gegangen zu sein.

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