Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2016-09-19 20:22:1 in /we/

/we/ 53191: Sehnsucht

joeymurdah Avatar
joeymurdah:#53191

Bitte nicht bannen, das hier ist KEIN generischer Bravocontent!

Es geht um Folgendes: Ich möchte wissen inwiefern Sehnsucht krankhaft sein kann und was da so Auslöser sein kann.

Zuerst muss ich bemerken, dass ich in meinem Leben jetzt zwei feste Freundinnen hatte. Eine Ex und eine aktuelle. Ex ist dumme Hurre, aktuelle ist Süßmödchen und Heiratsmaterial. Ich bin ein unabhängiger Mann Ende 20, kann meinen eigenen Haushalt alleine führen, im Zweifelsfall Musel wegboxen und habe mittlerweile genug Einkommen, um gut leben zu können.
Nun war es damals so, dass ich sie wahrscheinlich mehr liebte, als sie mich. Ich war ihr völlig verfallen, hörig etc. Wie das bei einigen halt so ist bei der ersten festen Freundin (war 20 zu der Zeit). Nachdem sie auf relativ üble Art Schluss mit mir gemacht hatte, war ich völlig zerstört, hätte mich sogar beinahe totgetrunken (bzw. betrunken versehentlich umgebracht). Danach war mein Immunsystem im Arsch, auch schon aufgrund der Belastungen der vorigen Monate. Ich war damals jeden Tag bei ihr, wir sahen uns ständig. Danach war ich von jetzt auf gleich wieder völlig alleine.
Dann kamen zweieinhalb Jahre Junggesellentum ohne auch nur eine einzige Verabredung, bis ich meine aktuelle kennenlernte. Zuerst sträubte ich mich dagegen, weil ich kurz vorm Abschluss stand und große Pläne hatte. Aber wie das so ist, Liebe ist irrational und dicke Eier tun ihr übriges und so kamen wir zusammen. Das ganze geht nun schon über drei Jahre so und ich bin auch wirklich glücklich und möchte nichts anderes...
Durch meinen Beruf war ich aber gezwungen, meine Heimat zu verlassen. Sie hat dort eine Stelle, mit der sie noch sehr glücklich ist, weshalb ich sie auch nicht zwingen möchte, mit mir zu gehen. Zuerst ging es rund 300 km weg. Vorher sahen wir uns auch fast jeden Tag, da ich zu der Zeit in der Nähe ihrer Wohnung arbeitete. Dann gab es plötzlich wieder diese Zäsur. Weg und getrennt und da nicht so toll bezahlt, schlechtes Auto und generell nicht gern im Straßenverkehr unterwegs auch höchstens noch am Wochenende Heimaturlaub. Am ersten Abend musste ich fast heulen, weil ich sie mindestens zwei Wochen nicht mehr sehen konnte. Ich habe es so eingerichtet, dass wir jeden Tag skypen konnten. Ich machte an den entsprechenden Freitagen extra früher Schluss, um so früh wie möglich zu ihr zu kommen. Und Sonntags auf der Heimat dann wieder ein Loch. Andererseits ging es unter der Woche, weil ich ja weit genug weg war, dass man sich einigermaßen daran gewöhnen konnte.
Jetzt habe ich eine neue Stelle angetreten, nur noch rund 70 km entfernt. Jetzt ist das Problem, dass ich zwar im Grunde sogar pendeln könnte, das aber aufgrund Verkehr und Auto nicht will. Durch diese Tatsache aber, kommt es mir teilweise fast wie Verschwendung vor, diese Zeit nicht mit ihr verbringen zu können. Ich fahre unter der Woche einmal und dann Freitags in die Heimat. An diesen Tagen kann ich dann an nichts anderes denken, als die Zeit rumzukriegen und mich so schnell wie möglich auf den Weg zu machen. Es gibt für mich nichts schöneres, als neben ihr wachzuwerden und sie im Arm zu halten.
Der Abschied fällt mir zwar nicht so schwer wie während der Fernbeziehung, aber dafür ist die Zeit dazwischen umso unerträglicher. Ich komme mir vor wie ein Kind, das nach seiner Mama schreit, dabei komme ich mit meiner überhaupt nicht klar und auch nicht mit Frauen, die wie sie sind.
Mittlerweile kommt es mir vor wie eine echte Abhängigkeit, ich bekomme Entzugserscheinungen und habe die Befürchtung, dass ein Beziehungsende schlimme Folgen für mich haben könnte.
Ich will sie nicht weniger lieben, im Gegenteil, aber ich würde gerne während der Zeit, während der wir getrennt sind, doch gerne den Kopf frei haben.

Geht es anderen auch so, bzw. hattet ihr sowas auch schonmal?

teylorfeliz Avatar
teylorfeliz:#53192

>das hier ist KEIN generischer Bravocontent!
>Beziehungskrebs

_zm Avatar
_zm:#53197

>Dann kamen zweieinhalb Jahre Junggesellentum ohne auch nur eine einzige Verabredung
Klingt so als wäre das was besonderes und besonders lange oder so. Dabei: eh normal, komm mal runter.

Sonst denke ich dass du echte Luxusprobleme hast. Manch einer ist hier ZL Stufe 29 oder wartet zumindest seit Jahren auf ein neues gf.
Um noch irgendwas produktives dazulassen, du hast ja schon irgendwie erkannt dass dein Verhalten nicht ganz gesund ist. Du klammerst dich extrem an deine Freundin und bist viel weniger autonom als es für dich und eure Beziehung gesund wäre. Besonders letzteres solltest du dir merken.
In diesem Sinne wäre es möglicherweise eine gute Idee dem auf den Grund zu gehen.

bighanddesign Avatar
bighanddesign:#53203

>>53191
Rede doch einfach mal mit Ihr darüber. Weiß Sie um deine krasse Sehnsucht?

kriegs Avatar
kriegs:#53211

>>53197
Nach der ersten Freundin dachte ich noch "keine Jungfrau mehr, jetzt kommen sie angerannt!".
War natürlich Quatsch, ich hatte damals einfach "Glück" und war dann wieder wie vorher. Und mit "keine Verabredung" meinte ich "keine Berührung außer Umarmung von Mutter zum Geburtstag". Derzeitige hat sich auch eher zufällig entwickelt. Außerdem ist man dann einfach angefixt. Vorher war ich halt alleine und Jungfrau, kein Problem, gab ja Alk und Videospiele.
Danach wusste ich, was ich haben konnte und das dann nicht mehr zu haben und auch nicht in der Lage zu sein, wenigstens nochmal irgendwo den Pimmel reinstecken zu können (für Nutten bin ich zu geizig) war dann schon hart. Ich hatte mich auch auf mehr als zweieinhalb Jahre eingestellt.
Der Witz ist ja, dass ich nach außen den harten Macker gebe. Ich habe die Hosen an in der Beziehung und bestimme, was läuft. Darum kann ich ihr auch nicht sagen, wie schlimm die Sache steht, >>53203, weil beim letzten Mal hab ich eben Gefühle gezeigt und kurz vor Schluss hieß es dann von wegen kein richtiger Mann und so. Ich habe zwar versucht, in diese Beziehung ohne Gepäck reinzugehen, vor allem weil ich bei meiner Ex von ihrer Seite gemerkt habe, wie schlecht das ist, aber so ganz ohne ging dann doch nicht. Natürlich sage ich ihr hin und wieder, dass ich sie vermisse, aber das ist dann auch das höchste der Gefühle. Ich werde mit Sicherheit nicht vor ihr weinen oder die Kontrolle verlieren oder sonstwas. Dazu gehört auch, dass sie nicht weiß, dass ich mich so stark von ihr abhängig fühle.
Ich versuche eben nur, die Sache zu ergründen, herauszufinden, was da los ist. Ich habe mich schon einen Großteil meines Lebens selbst therapiert. Das hat auch immer funktioniert, nur weiß ich hier halt nicht, wo genau ich ansetzen soll. Und mal anonym bei Leuten nachzufragen, von denen ich denke, dass sie dieses unendliche Verlangen gut kennen, schien mir eine gute Idee.

sreejithexp Avatar
sreejithexp:#53213

>>53192
Erstmal das, darum Säge.

Bernd es wirkt als genügst du dir selbst nicht mehr und klammerst als Konsequenz. Wie stehts mit deiner allgemeinen Lebenszufriedenheit, von Arubaito und stabilem Haushalt mal abgesehen?

Bernd hat irgendwann gemerkt das Beziehungen ganz schnell wegbröseln sobald man in eine Abhängigkeitsschieflage gerät. Guck was dir fehlt und änder was, villeicht solltest du dich von dir aus für eine weile trennen und dich nur auf dich selbst konzentrieren.

Selbstreflektion als Strategie, Selbstbewusstsein als Puffer hat sich Bernd angelernt um mit dem Leben zu handeln und fährt damit inzwischen ganz gut.

anhskohbo Avatar
anhskohbo:#53214

>>53213
Mh, der Witz ist, dass ich eigentlich noch nie so zufrieden war wie jetzt. Arbeitstechnisch ging es dieses Jahr massiv bergauf, ich bin kerngesund und habe, außer hin und wieder arbeitsbedingt keinen Stress.

Natürlich, das mit dem Selbstbewusstsein ist so eine Sache. Über 20 Jahre keins zu haben macht sich schon bemerkbar. Ich habe zwar in den letzten Jahren extrem aufgemannt, aber ganz bin ich noch nicht über den Berg. Ich kann es nach außen gut verstecken, aber meistens, wenn ich dann darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass ich noch nichts erreicht habe und vor allem meinen eigenen Prinzipien nicht genüge. Ich versuche zwar, so weit es geht nach ihnen zu leben, aber ich bin auch sehr bequem und schaffe es nicht immer. Dann ärgere ich mich natürlich über mich selbst.

Insofern, Selbstreflexion habe ich genug, schon immer. Ich kenne mich selbst wirklich sehr, sehr gut. Nur das mit dem Selbstbewusstsein ist so eine Sache. Man denkt immer, man ist weitergekommen und dann passiert etwas, was die eigene Nichtigkeit wieder so richtig weit heraushebt.
Ich hatte auch schon überlegt, ob ich vielleicht depressiv bin/werde. Meine Mutter hatte, soweit ich weiß, mal irgendwas in der Art, weswegen sie auch irgendwie behandelt wurde. Ich habe den größten Teil meines Lebens mit ihr in einem Haus verbracht, diese ganzen Stimmungen und Grübeleien mitbekommen, ohne aber in der Lage zu sein, zu helfen. Ich habe immer versucht, so gut wie möglich zu sein, um nicht selber noch ein Grund dafür zu sein. Vielleicht habe ich selbst eine Veranlagung dazu? Eigentlich bin ich sehr positiv eingestellt, aber z.B. in der dunklen Jahreszeit falle ich immer in so ein Loch und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Auch ein Grund, warum ich da nicht alleine sein will, denn dann fange ich an zu trinken und das will ich nicht.

mfacchinello Avatar
mfacchinello:#53216

>>53214

Ah, einer der Klassiker.
Zu hohe Selbstansprüche trotz persönlichen Erfolgen weil man diese nicht zu schätzen weiß.
Warscheinlich dazu ein ständig mosender innerer Kritiker der dir Selbstzweifel und Verlustängste einredet.

Objektivier mal Berndi, du hast aufgemannt, dir 2 GF´s und Job gekrallt. Das ist mehr als die meißten Bernds je hinbekommen.

Das mit deiner Mutter klingt etwas nach elterlicher Prägung und Depression kann durchaus vererbt oder anerzogen werden.

Falls kein Vater im Haus war ist das auch noch mal ein Faktor der lange, lange für wackeliges Selbstbewusstsein sorgen kann weil die männliche Identifikationsfigur gefehlt hat.

Berndi ich würd dir Gesprächstherapie empfehlen bevor du wirklich in Depressionen abrutscht. Normale Wartezeit liegt in Deutschland bei 2-3 Monaten das hältst du durch.
Geh am besten zum Hausarzt, die haben normalerweise Listen mit örtlichen Therapeuten und überweisen recht fix.
Wäre auf jeden Fall besser als jetzt zu stagnieren und auf den Absturz zu warten.

orkuncaylar Avatar
orkuncaylar:#53237

>>53216
Ach Bernd, was andere hinkriegen, ist mir scheißegal.
Dazu muss ich auch ganz klar sagen, dass die ganzen Zauberer meiner Meinung nach selbst schuld sind. Aufgepasst: Jungfräulichkeit ist nichts besonderes oder schützenswertes. Es ist nichts, was dich weiterbringt und das erste Mal ist auch nichts besonderes. Im besten Falle leicht peinlich, im schlimmsten traumatisch. Nichts, worauf man warten müsste. Wenn doch der Leidensdruck so groß ist, geh zu einer Nutte. Hätte ich auch gemacht, wenn ich damals nicht diese Beziehung an Land hätte ziehen können (wohlgemerkt durch mein großes Maul katalysiert. Groß reden und frech sein hilft wirklich).
Was ich sagen will: Ich messe mich nicht an Bernds. Natürlich ist es für den archetypischen Bernd - welchen ich im Übrigen ablehne, weil das auch eine neuere Erscheinung ist, denn nur Neukrebs denkt, dass Bernd zwangsläufig ungeküsste Jungfrau und asozial sein müsse - ungewöhnlich, "erfolgreich" zu sein. Job und Beziehung zu haben, ordne ich aber nicht als "erfolgreich" ein. Das ist eher Normalzustand für jemanden, der nicht komplett kaputt ist. Und nochmal: Bernd ist kein Kellerbewohner und Asozialer. Gibt z.B. genug Leute hier, deren Vater eindeutig als Bernd klassifiziert werden kann. Trotzdem hat der Mann offensichtlich Frau und Kind erzeugen können.
Entschuldige, wenn ich auch gerade so stark vom Thema abweiche; sowas gehört wohl eher auf /b/, auch wenn es dort wohl auf taube Ohren stößt.

Also nochmal: Mir ist scheißegal, wer was erreicht. Ich messe mich nicht an Larry Page, Thomas Edison oder gar einem Goethe. Ich messe mich daran, was man als normaler Mensch erreichen kann. Und ich finde, als normaler Mensch kann man auch ruhig so gut sein wie möglich. Dazu gehört kein Talent, sondern nur Wille. Und eben dieser Wille ist nicht immer stark genug und das wurmt mich, vor allem, weil ich es ja besser weiß, weil ich mir die zu Grunde liegenden Prinzipien selbst auferlegt habe.

Was du über Depression gesagt hast, macht mir aber doch etwas Angst.
Vor allem, weil ich dem ganzen Therapiekrams, auch durch Erfahrungen von Bekannten, eher suspekt gegenüberstehe. Ich denke nicht, dass ich bereits depressiv bin oder bipolar oder sowas, aber könnte durch so eine Therapie nicht eben so etwas induziert werden? Dass die Untersuchung des Systems dieses bereits so stört, dass die Folge eine negative ist?

Neuste Fäden in diesem Brett: