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Veröffentlicht am 2016-10-24 01:32:17 in /we/

/we/ 53364: Erfolgsfaden

vovkasolovev Avatar
vovkasolovev:#53364

In diesem Faden möchten wir ausnahmsweise über die Erfolge in unseren jämmerlichen Existenzen schreiben. OP fängt an.

Vorgeschichte:

Bernd musste sich in der Schule nie wirklich anstrengen. Das einzige Fach, in dem er tatsächlich etwas leisten musste, war Mathe. Und selbst da reichte es für eine gute Note aus, sich am Abend vor dem Test mal für ein, zwei Stunden hinzusetzen. Dementsprechend fiel er ordentlich auf die Fresse, als er auf die Uni kam. Er wusste einfach nicht, wie man lernt; und er war es auch nicht gewöhnt, dass man für Erfolg auch etwas leisten muss. Er machte die ersten zwei Jahre praktisch nichts für die Uni, schwänzte Vorlesungen, schob Prüfungen zig Mal auf - er war de facto ein NEET. Bernd verbrachte lieber den ganzen Tag vor dem Computer und versoff die Wochenenden.

Bis er im vierten Semester endlich kapierte, dass es so nicht weitergehen konnte. Aufgrund seiner geringen Studienleistungen musste er Studiengebühren bezahlen. Die Kinderbeihilfe, sein bis zu diesem Zeitpunkt einziges Einkommen, wurde ihm aus demselben Grund gestrichen (man muss in Österreich mindestens 8 ETCS pro Semester vorweisen, um sie zu erhalten). Bernds Eltern wollten ihn auch nicht mehr finanziell unterstützen: "Wer nicht ernsthaft studiert, wird von uns auch nicht unterstützt." Und damit hatten sie vollkommen Recht. Bernd lebte noch ein halbes Jahr vom Geld, das er von ihnen für seine Matura (das Abitur) geschenkt bekommen hatte, danach war er pleite. Und zwar so richtig pleite. Zehn Euro auf dem Konto.

Damit begann die Suche nach einem Job. Er fand eine schlecht bezahlte Anlernstelle, die er neben seinem Studium in Teilzeit ausüben konnte. Das Studium verfolgte er nun durchaus mit gewissem Ernst. Er kam endlich weiter, hinkte aber selbstverständlich den anderen, mit denen er es begonnen hatte, hinterher, da er ja nun obendrein noch berufstätig war. Es folgten vier Jahre des "Dahinlebens". Bernd war jetzt nicht konkret unglücklich, er würde sich rückblickend aber auch nicht als lebensfroh bezeichnen. Er erfüllte eben seine Pflichten und verlauerte und verzockte seine Freizeit weiterhin.

Als vor etwa einem halben Jahr Bernds ehemalige Ersti-Kollegen nacheinander ihr Studium abschlossen, stürzte Bernd binnen weniger Tage in die schwerste Lebenskrise, die er je gehabt hatte. Er selbst würde noch mindestens zweieinhalb Jahre brauchen. Sein Leben hatte für ihn keinerlei Sinn mehr. Er machte sich pausenlos Sorgen, ob er nach seinem Abschluss mit seinen zig Semestern überhaupt einen Job finden würde. Er dachte nicht nur über Suizid nach, sondern machte sich konkret Gedanken darüber, wie er es bewerkstelligen könnte. Er fuhr mit dem Auto der Eltern, das er sich ohne zu fragen ausgeliehen hatte, durch die Gegend und suchte nach einem schönen, dicken Baum, in den er hineinfahren könnte. Er ging im Haus auf und ab und, die Augen auf die Decke gerichtet, auf der Suche nach einem stabilen Balken.

Neben diesen Suizidgedanken, ja geradezu "Beinahe-Ausführungen", entwickelte Bernd offensichtlich eine Art PTSD in Bezug auf die Uni. Wenn er auch nur im Bus irgendeinen Wildfremden von der Uni reden hörte, bekam er diesen verdammten Stich im Herzen; dieses schreckliche Gefühl, im Leben diese eine, große Chance gehabt und nun verbockt zu haben. In Vorlesungen, die Bernd gerade noch irgendwie zu besuchen imstande war, fühlte er sich fehl am Platze. Er sah die ganzen jungen Gesichter mit ihren hoffnungsvollen und unbeschwerten Mienen und hatte ständig das Gefühl, hier nicht mehr hinzugehören; das Gefühl, eigentlich schon längst fertig sein zu müssen. Bernd lebte von einen Tag in den anderen und ging jeden Tag mit dem Entschluss zu Bett: "Morgen mach ich's. Morgen häng' ich mich auf."

baluli Avatar
baluli:#53365

Hauptteil:

Wie sich Bernd denken kann, kam es nicht zur Ausführung. Bernd tat in Bezug auf seinen Suizid das, was er am besten konnte: Prokrastinieren. Er suchte nach einem Psychotherapeuten und wurde überraschend schnell fündig. Mithilfe dessen konnte Bernd wieder ein gewisses Maß an Ordnung in sein verkorkstes Inneres bringen und sogar einen provisorischen Plan für seine Zukunft erstellen. Die Schritte waren klein: Täglich um spätestens acht Uhr vormittags aufstehen, gesunde Ernährung, mehr Zeit mit Freunden anstatt allein vor dem PC und so weiter. Bernd fing sogar an, halbherzig zu meditieren.

Durch dieses vorsichtige Herantasten an "normale" Verhältnisse fand Bernd Stück für Stück wieder etwas Lebensmut. Aber seine Gefühlswelt war eine Achterbahnfahrt. Tage voller Motivation und verbissenem Jetzt-erst-recht-Denken übten regelmäßigen Wachwechsel mit solchen, in denen Bernd wieder jede Hoffnung fahren ließ. Aber es schien sich kontinuierlich zu verbessern und die "guten" Tage wurden immer häufiger, während die "schlechten" seltener wurden. So konnte sich Bernd in kleinen Schritten wieder aufraffen.

Mitte September ereignete sich ein glücklicher Zufall, der Bernds Gemütsverfassung endgültig auf einen Weg nach oben beförderte: Er hatte sich auf gut Glück für eine Teilzeitstelle beworben, die mit seinem Studium zu tun hatte. Er würde also vortan nicht nur Geld verdienen, sondern auch noch Praxiserfahrung sammeln und damit den ganzen milchgesichtigen Mindestzeit-Absolventen ohne Lebenserfahrung ein ordentliches Stück voraus sein. Die Ausschreibung war ihm durch Zufall aufgefallen und er hatte auch keine großen Hoffnungen gehabt, die Stelle zu erhalten. Aber durch eine inzwischen entstandene Mentalität des "Man kann's ja mal versuchen" hatte er sich eben darauf beworben.

Und er bekam die Stelle. Und zwar nicht nach längerem Aussieben der Bewerber (deren es im Übrigen einige waren) oder als zweite Wahl, weil der ursprünglich Bedachte abgesprungen wäre, sondern auf Anhieb. Bernd war also offensichtlich trotz seines teilweise verNEETeten Lebenslaufes der beste oder zumindest sympathischste Bewerber gewesen. Dieser zufällige Umstand, den das Schicksal ihm beschert hatte, brachte Bernd endgültig auf den richtigen Kurs. Er ist wieder hochmotiviert und macht sich keine allzu großen Sorgen über seine Zukunft mehr. Bernd ist nun auf einem guten Weg, die nächste anstehende Prüfung zu schaffen, und er wird auch den Rest seines Studiums schaffen. Teilweise ist er allen Ernstes sogar am Überlegen, ob er danach vielleicht noch einen Doktor anfangen soll, einfach nur um aller Welt, aber vor allem sich selbst zu beweisen, wozu er imstande ist.

Der Phönix ist der Asche entstiegen. Die Zeiten des Selbstmitleids und des seelischen Elends sind vorbei. Bernd war gewaltig auf die Fresse gefallen, aber er stand aus eigener Kraft wieder auf und geht den für ihn bestimmten Weg jetzt mit nur noch größerer Entschlossenheit weiter. Gewinnen kann man das Spiel des Lebens ohnehin nicht. Irgendwann wird Bernd sterben müssen. Aber verdammt nochmal, bis es soweit ist, will er ein Leben geführt haben, auf das er stolz sein kann!

armcivor Avatar
armcivor:#53366

Studienversager fühlt jetzt mies.

Hab leider keine Zeit für eine Textwand, weil ich gleich zur JobCenter-Maßnahme (Schikane für "Arbeitsverweigerer") muss ...

Vergiss die wilden Jahre nicht und stirb zeitnah an Krebs :3

meisso_jarno Avatar
meisso_jarno:#53367

Denkst wohl du bist was besseres als wir weil du Erfolge hast und etwas worauf du Stolz sein kannst.

nicoleglynn Avatar
nicoleglynn:#53368

>>53366
>>53367
Lasst ihn doch, den Neid hat er sich erarbeitet.

OP, sei bitte nicht so ne Schuchtel, mmkay? Sich mit Dschopp und Studium aus Lebenskrise rauzuarbeiten, ist zwar lobenswert und verdient einen saftigen Schulterklopfer, ist aber jetzt keine Meisterleistung. Und die echten Probleme kommen noch.
Daher mein Tipp: Nutz den gewonnenen Schwung, um ganzheitlich an dir zu arbeiten. Mach dich selbst zum Herren deines Lebens, denn ansonsten bist du nur dein Dschopp, Studium, etc., und das kann man verlieren.
Ergo: Nutz den Erfolg, um jetzt gründlich aufzuräumen und aufzumannen.

illyzoren Avatar
illyzoren:#53369

>>53366
Ach Bernd! Ich kann dich gut verstehen. Auch ich hegte in meiner beschissensten Phase einen Hass auf alles, was auch nur um ein winziges Sandkörnchen glücklicher zu sein schien.

Vielleicht muntert dich meine Geschichte dergestalt auf, dass du erkennst, dass auch für dich nicht alles verloren ist; dass es sich immer lohnt weiterzumachen - ganz gleich, welche Lebensumstände jemanden gerade individuell quälen. Vielleicht magst du uns deine Geschichte erzählen?

>>53367
>Denkst wohl du bist was besseres als wir weil du Erfolge hast und etwas worauf du Stolz sein kannst

Jeder Mensch kann Erfolge vorweisen, ganz gleich, wie klein sie sein mögen. Auch du.

Und nein, ich halte mich nicht für was Besseres. Wenn es irgendetwas gibt, was ich aus dieser meiner Lebenskrise gelernt habe, dann ist es wohl der Umstand, dass jeder Mensch sein eigenes Kreuz zu tragen hat. Es gibt niemanden ohne Probleme. Bernd war ursprünglich eingebildet und arrogant gewesen, aber durch diese Erfahrung lernte er in gewissem Maße, Verständnis für anderer Leute Sorgen zu empfinden. Immerhin ging (und geht) auch er durch solche Schluchten.

>>53368
>Daher mein Tipp: Nutz den gewonnenen Schwung, um ganzheitlich an dir zu arbeiten. Mach dich selbst zum Herren deines Lebens, denn ansonsten bist du nur dein Dschopp, Studium, etc., und das kann man verlieren.

Dir ganzheitliche Veränderung geht bereits vonstatten. Wie erwähnt hat Bernd begonnen zu meditieren. Er versucht sich dabei stets klar zu machen, dass das Leben kein Wettlauf um die bestbezahlten Posten, die glänzenste Karriere ist. Das Leben ist ein Geschenk oder ein Fluch, je nachdem, wie man damit umzugehen versteht. Mir sind andere Dinge inzwischen einfach wichtiger: Meine Freunde, meine Familie, meine Beziehung, meine Hobbies und Interessen... Sie machen einen Teil - ja, mich insgesamt - aus, nicht mein Bankkonto oder meine Karriere. Es war und ist schwierig für mich, so zu denken, denn ich war früher von dieser typischen Karriereschäfchen-Einstellung überzeugt: Der Mensch ist nur so viel wert, wie er verdient.

Ich gebe mir Mühe...

Im übrigen würde ich gerne auch von euren Erfolgserlebnissen hören. Darum geht es in diesem Faden ja.

devankoshal Avatar
devankoshal:#53370

>Meine Freunde, meine Familie, meine Beziehung, meine Hobbies und Interessen

OP, auch wenn dein Faden aller Ehren wert ist, das klingt für mich so, als wärst du eben auch nur ein weiterer Busfahrer, der zwar große Probleme in beruflich-finanzieller Hinsicht hatte, aber zumindest die Fähigkeit und Eigenschaften hat, Freunde und gar GF zu finden, etwas, was dem typischen Bernd völlig abgeht, und nicht mit ein bisschen angeleiteter Motivation wieder geradegebogen werden kann. Insofern muss man in Anbetracht dessen deine Erfolge doch etwas relativieren. Bernd würde mit GF-Unterstützung auch besser durchs Leben kommen.

karsh Avatar
karsh:#53371

>>53370
>Bernd würde mit GF-Unterstützung auch besser durchs Leben kommen.
Nein, das denkst du bloß ;)

>>53369
Gut so, Bernd, sehr gut. Ich muss mich zwar meinen Vorrednern anschließen, du bist tatsächlich nur ein fehlgeleiteter Busfahrer gewesen, aber das ist nicht schlimm.
Was mir (abgesehen von der schieren Verzweiflung ob meines FersaGens und der daraus resultierenden, motivierenden RAGE) oft hilft, ist in den Spiegel zu sehen. Die meisten Leute sehen da nämlich nur sich selbst, aber da irren sie sich. Sie sehen ihr Leben, das ist ein Unterschied.

Naja, in summa, fein fein, aber jetzt verlass bitte diesen höllischen, von Gott verlassenen Ort und komm nie wieder zurück, mmkay?

meisso_jarno Avatar
meisso_jarno:#53372

>>53371
>>Bernd würde mit GF-Unterstützung auch besser durchs Leben kommen.
>>Nein, das denkst du bloß ;)

Nein, das wäre wirklich so. Die paar Male die Bernd wirklich verliebt war, konnte er sich tatsächlich aufraffen und hatte auch sein Leben kurzzeitig wieder im Griff. Nur hat es halt nicht lange gehalten da nie Beziehung drauss wurde.

Also ja, mit gf ginge es Bernd wesentlich besser.

csteib Avatar
csteib:#53373

>>53372
Na schön, dann ist es halt für jeden anders. Viel Spaß mit deinem GF, und jetzt geh bitte.

donjain Avatar
donjain:#53375

>>53369
Du willst also von meinem Erfolg hören?
Nagut, hier wir gehen.

Vor etwa 1,5 Jahren ging Bernd abschnur.
Zuvor weidete er vollkommen koscher in der Briefzustsellerbranche und versuchte nebenbei sein tatsächliches berufliches Ziel zu erreichen. Angefangen mit einem Ausbildungsplatz.
Von seinem bisherigen Versagen berichte ich an dieser Stelle nicht.
Nach einen Jahr Vertragslaufzeit war der Jude enttäuscht von Bernds Motivation (Überstunden verrechnen zu lassen) und Bernd enttäuscht vom Ausbildungsmarkt und er dachte sich, ob der vielen Vorgänger-Djops, dass es an der Zeit sei, sich von seinen Vorstellungen der Realität zu verabschieden.

Der Endsieg war bis ins kleinste geplant.
Spurlos in den Sonnenaufgang schickte er sich an, beladen mit einem 60L Rucksack, einem rostigen Fahrrad und 300 Euronen „Abfindung“ gen Osten.
Keine offenen Rechnungen, keine unausgesprochenen Meinungen, keine Rückhochs, nichts könnte ihn aufhalten … außer das rostige Fahrrad.
Und so bröselte nach etwa zwei Wochen des zeckenfreien Querfeldeins ein zentraler Bestandteil seines Meisterplans als erstes Opfer der Pilgerreise und Bernd sah sich gezwungen einen erheblichen Teil seines Vermögens in ein Bahnticket zu investieren.
Bis dahin hatte Stadtbernd im Zelt in Wäldern geschlafen, Regenwasser zum waschen aufgefangen und in eisiger Kälte Beeren zum Frühstück gesammelt … und er genoss es.
Durch das fehlen des konstanten Komputah-Stimulus war es fast wie eine Offenbarung, die Natur/Realität auf diese Weise zu erleben … frei von Erwartung und Hoffnung und weit jenseits von dem, was manche Komfort nennen.
Aber ich sollte nicht so große Worte benutzen, die Reise war noch jung.

Im spätsommerlichen Berlin betrat Bernd die Bühne.
Eine wundervolle Stadt präsentierte sich in unerwartet wundervollem Wetter und Bernd ging mit einer geradezu Hüfsterhaltung (vielleicht von dem riesigen Rucksack erzwungen) an allerlei kulturellen Erzeugnissen vorbei.
Der neue Plan sah vor, zur Not zu Fuß über die Grenze in den gelobten neuen Lebensraum vorzudringen aber bis dahin galt es noch, die restlichen ~100 Euronen sinnbringend anzulegen und unbedingt weit abseits in den Wäldern des Speckgürtels zu schlafen.
Er marschiert der Nase nach durch Berlin, blieb an manchen Orten stehen und beobachtete und manchmal ergab sich sogar soziale Interaktion.
Vermutlich gerade weil die breite Masse Kontakt mit „so jemandem wie dem“ mied, lernte Bernd eine andere Seite des Berliner Leben und seiner Unterschicht kennen.
In der Zeit wurde er von mehreren Antifa-Süßmödchen gegrüßt, die womöglich hinter dem ungewaschenen und wettergegerbten Gesicht den Bernd erkannten und er grüßte brav zurück.
Er betrank sich und philosophierte im Beisein einiger vertrauter Repräsentanten der Obdachlosigkeit und erzählte und lachte so viel, wie schon lange nicht mehr und das, obwohl schon eine gewisse (Sprach-)Barriere zwischen sozial-ungebundenen, digitalen Ureinwohnern und konsequenten Alkoholikern liegt.
Er war ein bisschen wie Internet nur anders.
Obwohl Obdachlosigkeit gerade in Berlin eigentlich keine schöne Erfahrung ist, war dies doch der – dem Geld sei Dank – zauberhafteste Teil der Odyssee.

Mit dem Schwund des Geldes, schwang auch das Pendel zurück.
Bernd hatte bereits eine große Strecke zurückgelegt war aber immer noch nicht in der anonymen Ferne angekommen.
Nach etwa einem Monat seit Antritt erinnerte ihn die näher rückende Zukunft immer dringlicher daran auch noch das letzte Drittel der Reise zu beenden also kappte er ein letztes mal die losen Verbindungen, packte sich den Rucksack voll Proviant und machte sich gen Osten auf.
Eine Spur aus Ballast hinterlassend und angelegte Wege großzügig missachtend stapfte er durch Hinterland bis eines Tages das Ende erreicht schien.
Geld und Proviant waren verzehrt und Polen eigentlich nur noch einen Tagesmarsch entfernt aber die Erschöpfung setzte ein.
Bernd war, seitdem er die Berliner Stadtgrenzen hinter sich gelassen hatte wieder von einsamer Natur und Gedanken des Abschieds umgeben nur hatte er diesmal keinen Blick für irgendetwas anderes als einen schönen, stabilen Baum.
Nach all der Planung, den Opfern und der Wanderung, nachdem ein stinkendes Feuer die wirklich letzten Reste seines Lebens eingeäschert hatte und er sich nur noch hätte abstoßen müssen … konnte er es nicht.

Ich halte es für angemessen meine Geschichte an dieser Stelle mit einem Versagen zu beenden.

tjisousa Avatar
tjisousa:#53376

>>53373
Und woher soll ich ein gf nehmen? Wenn ich eins finden könnte, wäre ich doch gar nicht hier.

jehnglynn Avatar
jehnglynn:#53377

>>53376
Achso, ja, tschuldige, hab ich mich wohl verlesen.

Dann bleib halt hier.

albertodebo Avatar
albertodebo:#53385

Hab auch noch einen für mich doch recht eindrucksvollen Erfolg zu verbuchen. Dürfte wohl zwischen >>53365 und >>53375 stehen.

Ich erinnere mich noch genau, als ich mein Abitur in der Tasche hatte. Ich saß mit meinen damaligen besten Freund am Bahnhof während die Sonne die Gleise in goldenes Spätsommerabendlicht tauchte.
Wir fragten was aus uns wohl werden würde in zehn, zwanzig Jahren. Schnippsten die Zigarettenstummel weg und tranken das Bier aus.
Die Hälfte ist rum.
Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium begann ich mit der Zeitarbeit um Wartesemester zu sammeln. Nach einiger grießgrämerei lernte ich dort eine kleine Büromaus kennen. Dachte sie wäre wie jede andere, bekam aber Gefühle.
Hatte jedoch auch Zweifel, ob sie nicht nur dafür da war, damit wir Leistung zeigten. Sie war immer so lieb zu mir, kleinere, sanfte Berührungen hier und da, spornte mich aber auch zur Arbeit an. Es entwickelte sich für mich etwas. Dann jedoch wurde ich gefeuert. Sie wollte sich noch einmal melden.
Ich entwickelte aufgrund des Drogenkonsums, genetischer Veranlagung und fehlender Liebe eine chronische Schizophrenie gepaart mit Angstattacken. Eines Tages stürzte ich mich (eher aus Verwirrung als aus letztem Willen) von einer Brücke.
Landete in einer Nervenklinik wo mir die Diagnose gestellt wurde. Ich wollte und konnte es nicht akzeptieren.
Sie wollte sich doch melden. Ich bin nicht krank. Ich habe doch Potenzial. Ich nehme keine Medikamente.
Als dann im selben Jahr auch noch die Wartesemester für meinen Wunschstudiengang reichten war es bereits zu spät. Die Zeichen hatten mich überrannt.
Erfolglos studierte ich zwei Jahre, wurde psychotisch und landete erneut in der Anstalt.
Heute akzeptiere ich die Realität. Ich habe so gut wie keine Freunde mehr, sie hatte nie Gefühle für mich, ich sehe nur halb so gut aus wie ich dachte, ich brauche die Medikamente, ich schaffe mein Studium und auch meine Wunschausbildung zum Polizisten nicht. Ich bin krank. Und folge immer noch den Zeichen. Das ist immerhin etwas, womit ich arbeiten kann.

gretacastellana Avatar
gretacastellana:#53419

>>53364

Bernd kann sich gut verkaufen, alles klappt beim ersten Mal, abgesehen vom ersten Mal und den leidigen Thema GF. Das macht Bernd aber auch faul. Bernd kiffte viel, nutzte sein Talent, machte eine und die erstbeste Ausbildung dauerbreit. Nun ist Bernd 30, fühlt im Sozialwesen gar nicht wohl, weil eher Autist, kifft nicht mehr und hat außer einem Sigsbeck keine Ziele. Das läuft ganz gut, Arbeit dafür eher nicht und hat kein GF. Dafür kann Bernd so gut wie alles: Heimwerkeln, Musizieren, mit Rechnern, wird oft für seinen guten Kleidungsstil gelobt und ist bei Killerspielen immer im positiven Bereich.

abotap Avatar
abotap:#53429

>>53385
Was sind das so für Zeichen?
Dieser Schizobernd hat schon länger keine mehr gesehen, ich weiß nichtmal ob das gut oder schlecht ist oder einfach ist wie es ist. Früher war immer recht klar was zu tun war, weil es einem ja immer gesagt wurde.

Erfolge hat Bernd leider keine vorzuweisen, macht ihn ein wenig betroffen, aber vielleicht bedeutet das ja auch etwas?

illyzoren Avatar
illyzoren:#53448

>>53429

Ach Bernd. Das ist eine ganz bittere Veranstaltung.
Stell dir das am besten so vor:
Du wurdest von Zuhause rausgeworfen und hast keine Ahnung was du machen sollst. Eine Ampel geht auf Grün und dann gehst du einfach los. Danach fährt ein LKW mit einer Werbung für Berufskraftfahrer vorbei und du bewirbst dich dort.
Gibt meinem Leben immerhin so etwas wie einen roten Faden. Ist aber auch nicht so, dass ich nicht über meine Wahl reflektieren würde.

mactopus Avatar
mactopus:#53511

Beim Lesen des ersten Abschnitts dachte Bernd:
Fick ja, das ist bin ja ich!
Aber am Ende war es ja doch nur Glück. Schön für dich, aber keine Hilfe.
Naja. Aber das mit der Teilzeitstelle ist eine gute Idee, Arbeiten bringt immer was, weil man da eine konkrete Sache erwirtschaftet: Geld.
Nur diese Arbeit zu finden, naja ...

Bernd hat schon zwei Studiengänge hinter sich, ist jetzt im dritten.
Eigentlich diesmal interessant, kein Mathe weit und breit und auch sonst sehr lockere Studienumgebung und keine Gruppenarbeiten in kritischen Fällen (Bernd verlässt einfach immer das Seminar, wenn das gefordert wird).
Bernd ist komplett arreine und das ist auch sein Problem: Hat er keinen Grund, z.B. gute Studienkollegen, sich auch mal in der Uni blicken zu lassen, ist es ein Kraftakt, dorthin zu gehen, auch wenn man es ja nur für sich macht. Aber die ganze Schreibarbeit, Studienleistungen ... In der Schule hatte Bernd immer gleichartige Kollegen, die ihm die Schule irgendwie schmackhaft machten - letzte Reihe über Videospiele und Filme sprechen, hin und wieder was für die Schule tun, lief irgendwie.
Das fällt in der Uni wek, da sind nur hochtrabende Hüftster vom Gymnasion, die nichts anderes außer ein funktionierendes Leben kennen, so scheint es. Bernd passt da nicht rein,
außerdem ist er schon bald 30.

Andererseits würde Bernd ja nichts vorm PC verpassen, aber der Geist erkennt es, nur scheint der Triumph des Willens in weiter Ferne.
Es bleibt also weiterhin, auf glückliche Fügungen zu hoffen, die den Geist anspornen.

t1mmen Avatar
t1mmen:#53515

>>53511
Dieser Bernd hat sich, nachdem er das erste Studium abbrach und im Zweiten nicht von der Stelle kam, irgendwann gezwungen das Studium durchzuziehen. Und zwar so stark, dass er in 3 Semestern jeweils 45 credit points absolviert hat und in letztendlich 6 Fachsemestern fertig wurde. Dafür war er laufend gestresst und alle Menschen, die ihm in der Zeit begegneten, mochten ihn nicht.
Könnte ich nochmals von vorne anfangen, dann würde ich einfach an die FH gehen. Das Unisystem in den deutschsprachigen Ländern ist einfach nicht für Menschen wie mich gemacht.

langate Avatar
langate:#53523

>>53511
dies, so sehr dies.
Bernd ist aus der richtig fiesen depressiven Phase zwar raus, verkackt aber grade sein 2. Semester infolge, weil er einfach nicht hingeht. keine sozialkontakte und der gedanke "schaff ich auch so" hindern ihn daran, morgens überhaupt aufzustehen.
Stimmt vom Stoff her auch, aber wenn man nicht mitbekommt, was für Arbeiten überhaupt abgegeben werden müssen, kann man sie ja auch schlecht machen, auch wenn man es eigentlich könnte. Bei Gruppenarbeiten ist Bernd auch komplett raus und geht dann einfach nicht mehr zum Kurs.
Es ist alles so mühsam, Bernd.

antongenkin Avatar
antongenkin:#53524

Erfolgsgeschichte hier zu vermelden. Früher sozialängstlich gewesen, blockiert beim arbeiten, depressiv, unmotiviert im Studium, Rückzugstendenzen. Das war vor 4-5 Jahren. Mittlerweile komplett ausgewechselt. Viel offener, lerne viel schneller neue Leute kennen, bin im Studium motiviert, und arbeite daran den Meister fertigzustellen. Da ich schon zu Beginn der Pubertät mit unter anderem Depressionen zu kämpfen hatte und viel Leid erleben musste, ist es ein großer Fortschritt für mich, so geworden zu sein wie ich jetzt bin. Ich hätte nicht gedacht dass ich mich Mitte 20 noch so extrem verändern würde, aber genau das ist passiert. Hallelujah!

>>53515
15 pro Semester, ist jetzt nicht grade wahnsinnig, die Leistung?

ffbel Avatar
ffbel:#53648

>>53524
Wie hast du das mit der Veränderung geschafft?

shesgared Avatar
shesgared:#53649

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