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Veröffentlicht am 2016-12-18 01:49:06 in /we/

/we/ 53536: Beziehungsprobleme mit Eltern

im_jsmith Avatar
im_jsmith:#53536

Liebe Bernds,

ich kann mich leider nicht so gut in Worte fassen, aber ich versuche mal mein Bestes euch meine Situation näher zu beschreiben. Ich habe hier glaub ich mal einen ähnlichen Faden eröffnet, bin mir aber nicht mehr sicher; könnte also sein, dass der ein oder Andere meine Geschichte so ein bisschen kennt.

Kurze Angaben zu mir:

Ich bin 28 Jahre alt, lebe seit etwas über zwei Jahren von Hartz IV, habe keine berufliche Ausbildung, Schulabschluss ist die Fachhochschulreife mit einem 3,4er Durchschnitt. Ich bin körperlich recht "kaputt", ich leider unter extremer Adipositas und mir fehlen 6 Zähne, mein Rücken leidet sehr unter dem Gewicht, leichter Bandscheibenvorfall ist diagnostiziert. Lebensqualität ist, bis auf ein Hobby welches mich begeistert, nicht so wirklich vorhanden. Zudem leide ich unter starken Ängsten, Zwangsgedanken und (eventuellen) Depressionen.

Nun wollte ich jedoch nicht direkt über mich sprechen, sondern möchte eher deinen Rat bezüglich meiner familiären Situation wissen, es geht dabei um meine Eltern.
Meine Eltern sind seit über 40 Jahren verheiratet, führen nach aussenhin eine "normale" Ehe die gefühlstechnisch jedoch komplett auf Glatteis liegt. Meine Mutter ist nach Misshandlung in der Kindheit, Krebserkrankung, Mobbing und meiner aktuellen Situation von Depressionen und Ängsten zerfressen, es ist nicht einmal mehr möglich mit ihr ein normales Gespräch zu führen, da sie durch die vielen Medikamente vermutlich einiges an Hirnzellen verloren hat. Es ist als wäre ihr IQ von 110 auf 70 gefallen. Das Einzige was sich im Leben noch etwas glücklich macht, ist wenn ich zu Besuch komme. Da darf sie endlich mal wieder meine Wäsche waschen, mein Lieblingsessen kochen und es wird viel gebettelt; ich solle doch unbedingt wieder bei meinen Eltern einziehen, das wünscht sie sich sehr...

Mein Vater hingegen ist ein emotionsloser Knurrkopf, scheint aber den Zustand meiner Mutter irgendwie ertragen zu können. Er war schon immer sehr kontrollierend meiner Mutter gegenüber, hat ihr wenig Freiheit gegeben und überall "den Finger drauf gehabt". Von meinem Vater bekommt meine Mutter keine Hilfe oder Unterstützung, Psychotherapien sind für ihn Schwachsinn und nur für Schwächlinge. Ich nehme mal an, dass meine Mutter sich nicht traut aus dem Grund professionelle Hilfe zu suchen, zumal er auch sehr bockig werden würde, wenn er sie zum Therapeuten fahren müsste. Mit meinem Vater komme ich eher nicht so gut aus, wir haben zwar ein nettes Verhältnis, jedoch hatte er noch nie den kleinsten Funken Respekt für mich über. Als ich ihm von meinen psychischen Problemen erzählte, setzte er nur ein Grinsen auf und ignorierte es. Sollte ich auch nur irgendwas an ihm kritisieren, wird er sofort Laut und unterdrückt mich. Wie gern ich doch nur mal die Sache mit meiner Mutter ansprechen würde, allerdings würde er mir vorwerfen die Schuld dafür zu tragen, da bin ich mir ziemlich sicher.

So sitzen also meine Eltern den lieben langen Tag auf der Couch und schauen Fernsehen oder wandern durch den Garten, Freunde haben beide nicht, Hobbys sind auch nicht wirklich vorhanden. Ist ja eigentlich nichts schlimmes, da beide eben solche Eigenbrödler sind und Menschenkontakt eh scheuen, aber in der aktuellen Situation weiß ich nicht wie lange das meine Mutter so noch mitmacht...

Liebe habe ich von den Beiden eher indirekt erfahren, als ich Kleinkind war gab es schon kuscheln und auch körperliche Nähe (Mütterlicherseits), aber auch schon in dem Alter fingen an meine Eltern mich sehr zu verwöhnen. Meine Eltern sind klassische Helikoptereltern, haben mir wirklich so gut wie jeden Wunsch erfüllt (Spielsachen usw.) und immer nur mein Lieblingsessen gekocht, ich glaube meine Eltern wurden Helikoptereltern da sie innerlich extrem emotional sind. Ihr eigenes Kind weinen zu sehen muss wahrscheinlich heftige Gefühle ausgelöst haben, welche sie jedoch nie zeigen konnten. Mit Wertsachen und Essen haben sie mich natürlich irgendwie Glücklich gemacht, jedoch war das so ganz ohne Emotionen immer nur halb so wertvoll. (keine Ahnung wie ich das besser beschreiben könnte..)

cheezonbread Avatar
cheezonbread:#53537

>>53536
Naja, irgendwann wurde ich dann immer fetter und fetter, wurde extrem gehänselt in der Schule (Schläge, Rucksack samt Schulsachen in Mülleimer geworfen, Joghurtdeckel in die Haare geschmiert und sämtlichen verbalen psychoterror) was stark an meinem Selbstbewusstsein genagt hat, aufgrund von Problematiken mit der Kommunikation konnte ich mir damals nie Hilfe suchen da bei meinen Eltern Probleme immer nur heruntergeschluckt wurden.

So ging das immer weiter in meinem Leben, habe Schulen und Ausbildungen angefangen welche ich immer wieder geschmissen hab. Ich habe nie gelernt irgendwas durchzuziehen, Fersagen ist das Einzige was ich so halbwegs drauf hab. Keine Energie, keine Motivation, kaputte Eltern, kaputter Körper.. Alles Scheiße.

Was mich vorallem so sehr stört ist dass sie _mich_ für ihre Situation verantwortlich machen, dass sie dadurch nicht glücklich werden können. Bin ich/ist ein Kind denn Garant für ein glückliches Leben? Bin ich Schuld an der Situation? Was sollten meine Eltern tun? Habe ich nur Luxusprobleme und sollte "aufmannen"? Ich kann das selbst alles schlecht einschätzen.

Eingreifen kann ich kaum in ihr Eheleben, das sind beide gefestigte Persönlichkeiten. Früher als ich noch Kleinbernd war, habe ich mir gewünscht dass sie bei einem Autounfall sterben, jedes mal wenn sie einkaufen waren. Ich glaube diese Gedanken hatte ich wegen der fehlenden Aufmerksamkeit, oder so.. bin mir nicht sicher. Heute wünsche ich mir das auch noch manchmal, da würde ich mich endlich frei fühlen. Ich denke auch oft daran den Kontakt einfach abzubrechen und wegzuziehen, aber daran würden meine Eltern und auch ich zerbrechen.

Tut mir leid für den etwas wirren Text und die Rechtschreibfehler, musste mir das mal von der Seele schreiben. Würde mich über etwas Input von dir freuen.

stevenfabre Avatar
stevenfabre:#53538

>>53536
>>53537
Deine Eltern sind Versager und haben einen Versager erzogen. Sie sind daran schuld, aber natürlich auch du selbst, weil du, genau wie deine Eltern, ein jammerndes Wrack bist, daß eher alles beim Alten sein lässt, statt irgendwas ob seiner Situation zu tun.


> Ich bin 28 Jahre alt, lebe seit etwas über zwei Jahren von Hartz IV, habe keine berufliche Ausbildung, Schulabschluss ist die Fachhochschulreife mit einem 3,4er Durchschnitt. Ich bin körperlich recht "kaputt", ich leider unter extremer Adipositas und mir fehlen 6 Zähne, mein Rücken leidet sehr unter dem Gewicht, leichter Bandscheibenvorfall ist diagnostiziert. Lebensqualität ist, bis auf ein Hobby welches mich begeistert, nicht so wirklich vorhanden. Zudem leide ich unter starken Ängsten, Zwangsgedanken und (eventuellen) Depressionen.

Sind alles Probleme, die du selbst lösen könntest. Aber was machste? du lässt alles einfach so hinsiechen, genau wie es dir deine Eltern beigebracht haben.

> Meine Eltern sind seit über 40 Jahren verheiratet, führen nach aussenhin eine "normale" Ehe die gefühlstechnisch jedoch komplett auf Glatteis liegt. Meine Mutter ist nach Misshandlung in der Kindheit, Krebserkrankung, Mobbing und meiner aktuellen Situation von Depressionen und Ängsten zerfressen, es ist nicht einmal mehr möglich mit ihr ein normales Gespräch zu führen, da sie durch die vielen Medikamente vermutlich einiges an Hirnzellen verloren hat. Es ist als wäre ihr IQ von 110 auf 70 gefallen. Das Einzige was sich im Leben noch etwas glücklich macht, ist wenn ich zu Besuch komme. Da darf sie endlich mal wieder meine Wäsche waschen, mein Lieblingsessen kochen und es wird viel gebettelt; ich solle doch unbedingt wieder bei meinen Eltern einziehen, das wünscht sie sich sehr...


Deine Eltern sind Ü60, da ist die Kuh eh schon aufm Eis. Ihr Leben ist vorbei, da kannste nix meer machen.

>>53537
> Heute wünsche ich mir das auch noch manchmal, da würde ich mich endlich frei fühlen. Ich denke auch oft daran den Kontakt einfach abzubrechen und wegzuziehen, aber daran würden meine Eltern und auch ich zerbrechen.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Deine Eltern projizieren ihr Versagen auf dich, und du deines auf sie. Ihr habt ne schöne Symbiose. Vielleicht gehen sie ja in 20 Jahren drauf, dann darf bald-50-Berndi auch mal anfangen zu leben. Oder auch nicht.

safrankov Avatar
safrankov:#53539

>>53538
>Deine Eltern sind Versager
Ne, sind sie nicht, allerdings haben sie hart mit meiner Erziehung versagt. Wie in meinem Eingangspfosten beschrieben, kommen beide aus völlig kaputten Elternhäusern; meine Eltern haben nur versucht für mich das Beste zu tun, damit ich es einmal nicht so beschissen hab.

>und haben einen Versager erzogen.
Absolut.

>Sind alles Probleme, die du selbst lösen könntest. Aber was machste? [...]
Ist ja nicht so, dass ich das selbst nicht wüsste, habe ja im Eingangspfosten beschrieben, dass mir für alles Energie und Motivation fehlt...

Ich war mal für ne weile auf SSRIs, meine Psychiaterin meinte dass ich dadurch mehr Antrieb bekomme, allerdings hatten die Null Wirkung, hatte nur extrem fiese Albträume.

Ich weiß dass nur ich mir selbst helfen kann, aber irgendwie weiß ich nicht mal wie und wo ich anfangen sollte. Am liebsten hätte ich es, wenn mich eine Person begleiten könnte oder mich dazu bewegt etwas zu tun.

>Deine Eltern sind Ü60, da ist die Kuh eh schon aufm Eis. Ihr Leben ist vorbei, da kannste nix meer machen.
Glaube dass man immerhin meiner Mutter irgendwie helfen könnte, allerdings ist die gefangen bei meinem Vater.

>Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Mit dem Kontaktabbruch? Das wäre Doppelmord.

Auch wenn das was ich in meinem OP geschrieben haben etwas abwertend gegenüber meiner Eltern klingt, muss ich sagen dass ich beide sehr lieb habe. Ich glaube es gibt auf diesem Planeten keine liebenswerteren und "wärmeren" Menschen als meine Eltern. Die Beiden würden sich ihre Arme für mich abhacken, den allerletzten Cent ausgeben (...) die "Liebe" die sie mir gegenüber haben ist schon ziemlich heftig.

_vojto Avatar
_vojto:#53541

>>53536
Du magst deine Eltern?

Nun, was spricht denn gegen den Einzug im Elternhaus? Der Mutter würde das ja sicher guttun. Und du hast ja scheinbar weder GF noch Dschob, also bist du völlig ungebunden.

Hast du denn ein Auto/Führerschein? Du könntest die Mutter doch zur Therapie fahren wenn sie das sinnvoll findet und dein Vater muss es nicht tun.

Alternativ kannst du sie natürlich auch öfter besuchen.

mfacchinello Avatar
mfacchinello:#53542

Ich würde Dir abraten bei Deinen Eltern einzuziehen. Gegen mangelnde Motivation habe ich leider auch keinen Ratschlag, außer das Du Dich quasi für die Erledigung ungeliebter Tätigkeiten belohnen könntest.
Es sieht wohl so aus, Bernd, das es Dir in Deiner jetzigen Verfassung schwerfällt Dich aufzuraffen und einige Dinge zu ändern. Dazu fällt mir leider auch nichts ein was Dir helfen könnte.

Tja Bernd, es sieht schlecht aus.

thinkleft Avatar
thinkleft:#53546

Kann man nichts machen. Deine Eltern werden so bleiben. Ziehe nicht bei ihnen ein.

terryxlife Avatar
terryxlife:#53550

Es ist unangenehm, aber man kann nicht alle gleichzeitig retten. Fang mit dir selbst an, niemand ausser deinem direkten Nachwuchs sollte dir wichtiger sein als du selbst. Es ist unendlich schwer, sich von seiner Mutter zu lösen, gerade wenn [du glaubst dass] sie auf dich angewiesen ist. Aber manchmal ist es nötig.

Der derzeitige Zustand ist scheinbar nicht gut für dich. Wäre es besser für dich, mehr Kontakt zu haben, oder wäre es besser, weniger Kontakt zu haben? Beantworte diese Frage ohne ein einziges Mal "also für meine Mutter wäre es besser/schlechter" zu sagen. Dann sehen wir weiter.

Schrittweises Vorgehen hilft beim Lösen von sehr komplexen Problemen, also leg los.

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#53552

>>53541
>Nun, was spricht denn gegen den Einzug im Elternhaus? Der Mutter würde das ja sicher guttun. Und du hast ja scheinbar weder GF noch Dschob, also bist du völlig ungebunden.

Mir würde das aber nicht gut tun, bin aktuell seit zwei Tagen wieder dort und möchte eigentlich wieder direkt in meine Wohnung. Das Einzige was mich hier so ein bisschen hält, ist dass ich mich nicht ganz so einsam fühle. Ausserdem ist meine Wohnung ziemlich versifft.

Meiner Mutter würde das glaub ich auch nur so halbwegs gut tun bzw. "bekämpft" es nicht die Ursache. Reden kann man mit ihr ja auch nicht mehr da sie wie oben beschrieben wirklich ziemlich verdummt ist. Sie kann sich nicht mal mehr die einfachsten Dinge merken, bringt kleinste Zusammenhänge völlig durcheinander und ist generell komplett planlos. Müsste sie für meinen Vater kein Essen kochen würde sie wohl vor dem Herd verhungern.

Vielleicht Demenz? Ich weiß es nicht...
Sie hat auch oft Aussetzer in denen sie für 1-2 Minuten schwer atmet und nicht mehr ansprechbar ist.

Hier wieder zu wohnen wäre also wirklich nicht gut für mich.

>Hast du denn ein Auto/Führerschein? Du könntest die Mutter doch zur Therapie fahren wenn sie das sinnvoll findet und dein Vater muss es nicht tun.

Kein Führerschein und kein Auto, nächste Stadt is 8km entfernt.

>>53542
>Es sieht wohl so aus, Bernd, das es Dir in Deiner jetzigen Verfassung schwerfällt Dich aufzuraffen und einige Dinge zu ändern. Dazu fällt mir leider auch nichts ein was Dir helfen könnte.

Werde ab Januar mal gucken ob ich in Therapie komme, obwohl das wohl auch wenig bringt...

Mit dem Jobcenter habe ich vereinbart dass ich mir eine Tagesklinik wegen meinem Gewicht suche, aber das ist auch schwierig wegen der Krankenkasse...

Einfach aufhören mit dem Fressen kann ich auch nicht und hab ich auch keinen Bock dazu da mich nichts anderes im Leben glücklich macht.

>>53550
>Es ist unangenehm, aber man kann nicht alle gleichzeitig retten. Fang mit dir selbst an, niemand ausser deinem direkten Nachwuchs sollte dir wichtiger sein als du selbst. Es ist unendlich schwer, sich von seiner Mutter zu lösen, gerade wenn [du glaubst dass] sie auf dich angewiesen ist. Aber manchmal ist es nötig.

Danke dir, ist ganz gut das mal so neutral zu hören. Bist auch nicht die Einzige Person, die das so für richtig hält die meine Lebensgeschichte so kennt, habe den Rat auch von "Freunden" so bekommen.

>Der derzeitige Zustand ist scheinbar nicht gut für dich. Wäre es besser für dich, mehr Kontakt zu haben, oder wäre es besser, weniger Kontakt zu haben?

Klare Antwort: noch viel weniger Kontakt als jetzt.

Manchmal wünsche ich mir auch, dass mir ein Fachmann dazu rät, den Kontakt völlig abzubrechen.

Das Gewissen dabei (selbst beim schreiben von dem Satz eben) ist leider so unglaublich erdrückend...
Ich kann doch nicht Menschen aus meinem Leben verstoßen die alles für mich aufgeben würden, mich unglaublich doll lieben und ihre Existenz komplett auf mir aufbauen. Es tut schon jetzt unglaublich weh meine Eltern so zu sehen. Ich bin doch kein Egoist und kann sie so nicht "leiden" lassen...

Vielleicht hilft es aber auch schon, wenn ich einfach weiter weg ziehe, 300km am besten. So dass ich eben nicht mal schnell am Wochenende kommen kann. Aber selbst dabei würden meine Eltern kaputt gehen und ihre Trauer auf mich übertragen.

trueblood_33 Avatar
trueblood_33:#53554

>>53539
> Auch wenn das was ich in meinem OP geschrieben haben etwas abwertend gegenüber meiner Eltern klingt, muss ich sagen dass ich beide sehr lieb habe. Ich glaube es gibt auf diesem Planeten keine liebenswerteren und "wärmeren" Menschen als meine Eltern. Die Beiden würden sich ihre Arme für mich abhacken, den allerletzten Cent ausgeben (...) die "Liebe" die sie mir gegenüber haben ist schon ziemlich heftig.

Und genau das macht sie zu Versagern. Deine Eltern sind wie die drei Affen.

sawalazar Avatar
sawalazar:#53555

>>Deine Eltern sind Versager
>Ne, sind sie nicht
>>und haben einen Versager erzogen.
>Absolut.
Merkste selber, ne? Raus aus der demütigen Haltung. Deine Eltern könnten Millardäre sein und trotzdem versagt haben. Sie sind tief unglücklich und unfähig Beziehungen aller Arten zu unterhalten.


Ich denke ein Kontaktabbruch ist nicht zwangläufig nötig. Du kannst doch deinen Eltern klar machen, warum du Distanz brauchst. Wenn dein Vater es nicht verstehen will, soll er sich hinfortficken.
Deiner Mutter würde ich kommunizieren, dass du jetzt als erster Mensch in dieser Familie die notwendigen Schritte hin zu einem besseren Leben machst. Biete vielleicht noch "emotionale Unterstützung" an, in Form wöchentlicher Telefonate oder so.

Eine Musterlösung zur Rettung deiner Mutter kann es nicht geben. Opferst du weiterhin deine Zukunft um es deinen Eltern recht zu machen, ändern sie niemals etwas an ihrem Leben, denn weitermachen wie bisher hat sich seit Jahrzehnten "bewährt".

>Vielleicht Demenz? Ich weiß es nicht...
Depressive Pseudodemenz

>Sie hat auch oft Aussetzer in denen sie für 1-2 Minuten schwer atmet und nicht mehr ansprechbar ist.
Ist sie gar nicht ansprechbar, oder nicht ansprechbar im Sinne "Moment, ich brauch jetzt mal eine Minute für mich, bitte sprich mich nicht an"?
So oder so ein Fall für den Arzt.

jonesdigidesign Avatar
jonesdigidesign:#53556

>>53536
>Auch wenn das was ich in meinem OP geschrieben haben etwas abwertend gegenüber meiner Eltern klingt, muss ich sagen dass ich beide sehr lieb habe. Ich glaube es gibt auf diesem Planeten keine liebenswerteren und "wärmeren" Menschen als meine Eltern.

An dem Punkt muss ich einfach mal deine Urteilsfähigkeit in Frage stellen. Hast du im Eingangspost nicht eigentlich das Gegenteil von Wärme beschrieben? Wie kann ein "warmer", emotionaler Mann hinnehmen, dass seine Frau vor sich hin siecht?
Und wahre Liebe entspringt aus Selbstliebe, nicht Selbstaufgabe. Deine Eltern lieben dich in deiner Rolle als Kind und als Projektionsfläche für unterdrückte Gefühle die sie anders nicht ausleben können, aber nicht als eigenständige Persönlichkeit die Raum für Entfaltung, Unterstützung aber auch Anforderung braucht. Das ist ziemlich entmenschlichend von ihnen, nicht großherzig.

Ich kenn da ähnliche Konstellationen, mein Vater "liebt" mich auch zumindest insofern, das er z.B. völlig krank vor Sorge wird, wenn er nicht weiß wo ich bin. Dachte früher immer es wäre Kontrollzwang, aber mittlerweile weiß ich, das das echte Emotionen sind, die natürlich einer Form von "Liebe" entspringen. Aber: Was hab ich davon? Das klingt egoistisch, aber es ist so. Lieben heißt, das Beste für jemanden zu wollen. Das ist natürlich idealisiert und trifft so nicht immer zu, gerade bei Eltern kann man es aber auch irgendwo erwarten.

Du solltest dir Hilfe suchen und wie du ja schon selbst ahnst wäre es womöglich auch nicht schlecht, den Kontakt abzubrechen oder extrem zu reduzieren.
Je nachdem wie du das tust, eröffnet es deinen Eltern ja auch neue Möglichkeiten. Du kansnt fatalistisch denken und sagen
>Das wäre Doppelmord.
Denkst du das ehrlich? Haben deine Eltern Suizidgedanken geäußert?
Könntest du ihnen durch eine erzwungene Ablösung nicht auch neue Möglichkeiten eröffnen?
Ich weiß ja nicht, wie oft du deine Eltern so siehst, aber wenn deine Mutter sehr auf dich als emotionale Krücke baut, tust du ihr vielleicht einen Gefallen wenn du dich ablöst. Auch wenn sie womöglich erstmal auf die Schnauze fällt.

Ich könnte mir aber auch vorstellen, das du vielleicht nicht ganz ehrlich zu dir bist und deine Eltern doch mehr brauchst als du zugeben möchtest.
>So sitzen also meine Eltern den lieben langen Tag auf der Couch und schauen Fernsehen oder wandern durch den Garten

Ist das nicht ganz normal für alte Leute? Leiden die beiden wirklich darunter oder nur du?

mrzero158 Avatar
mrzero158:#53587

>>53538
>sei einfach du selbst
Wo sind eigentlich die Mötter auf diesem Brett?

vocino Avatar
vocino:#53596

>>53536
Meiner Meinung nach gehört ihr alle in Therapie. Einzeln. Natürlich bist du nicht für das Glück deiner Eltern zuständig, gewöhn dir den Gedanken ab. Und zieh bloß nicht mehr zuhause ein, das wäre wohl der Untergang für euch alle. Dein Leben das du so führst, klingt nicht sehr beneidenswert. Aber du bist noch jung und kannst was reißen. Am besten du suchst dir schleunigst einen Therapieplatz (von Verhaltenstherapie halte ich persönlich aber nicht viel) und meldest dich fürs Abendgymnasium an.

gojeanyn Avatar
gojeanyn:#53601

Wollte mich mal rückmelden und bescheid sagen dass ich den Faden weiterhin verfolge, nochmals vielen Dank für die bisherigen Antworten!

>>53556
>Wie kann ein "warmer", emotionaler Mann hinnehmen, dass seine Frau vor sich hin siecht?
Es fehlt ihm vollständig seine Emotionen zu zeigen/mitzuteilen, dementsprechend geht er auch sehr sorglos mit meiner Mutter um. Er ist halt einfach 'da', kalt und emotionslos. 'Jammern können nur die Verrückten!'

Vor ca. 2 Jahren am Esstisch:
Bernds Mutter erzählt zu meinem Vater mit wässrigen Augen dass sie 10kg verloren hat [Anmerkung zum Eingangspost, Mutter hat Krebs] und eben nichts Essen mag. Bei dem Gespräch hatte sie auf Verständnis und Mitleid gehofft, das Einzige was sie jedoch erhielt war:

'Oh, na das ist ja schön!'

Mein Vater empfindet schon Mitleid und er ist ein emotionaler Mensch, nur ist es ihm eben nicht möglich diese auch nur ansatzweise zu zeigen. Liegt wohl auch daran dass er aus einer recht kaputten Familie kommt.

Was ich damit meine ist auch, dass er die aktuelle Situation sehr bewusst wahrnimmt, sich aber auch nicht zu helfen weiß.

>Deine Eltern lieben dich in deiner Rolle als Kind und als Projektionsfläche für unterdrückte Gefühle die sie anders nicht ausleben können, aber nicht als eigenständige Persönlichkeit die Raum für Entfaltung, Unterstützung aber auch Anforderung braucht

Das könnte es glaub ich ganz gut treffen, ja. Hätte ich gar nicht so gut in Worte fassen können.

>Das ist ziemlich entmenschlichend von ihnen, nicht großherzig
Letztendlich wollen sie auch nur dass ich glücklich werde und einen Job finde.

Dass das aus psychischen und physischen Gründen sehr schwierig ist, geht glaube ich komplett unter bei ihnen. Die Sache mit dem Gewicht, für welches meine Eltern verantwortlich sind, wird gar nicht angesprochen, obwohl das meine allergrößtes Problem ist...

Unterstützung wünsche ich mir allerdings auch nicht, das ist längst zu spät und geht aufgrund meiner Emotionalen Barriere eh nicht. Man merkt nur gerade an dem Punkt die Vermeidungsstrategie meiner Eltern, es wird nicht angesprochen sondern einfach nur totgeschwiegen. War schon immer in allen Belangen so.

>Du solltest dir Hilfe suchen und wie du ja schon selbst ahnst wäre es womöglich auch nicht schlecht, den Kontakt abzubrechen oder extrem zu reduzieren.

Das wünsche ich mir irgendwie sehr...

>Denkst du das ehrlich? Haben deine Eltern Suizidgedanken geäußert?
Wohl eher kein Selbstmord, aber meine Eltern sind beide wirklich sehr krank. Könnte mir gut vorstellen dass die innerhalb von 12 Monaten einen Herzinfarkt erleiden.

Meine Eltern haben nun mal ihr Leben lang nur für mich gearbeitet, nur für mich das Haus gekauft und abbezahlt, nur für mich vorgesorgt. Sich selbst haben sie jedoch dabei völlig außer acht gelassen.

Und nun ist das Kind leider missraten und beide sind todunglücklich...

>Ich weiß ja nicht, wie oft du deine Eltern so siehst
Ca. 5 Tage im Monat, 2x telefonieren pro Woche. Meine Wäsche wäscht meine Mutter da ich keine Waschmaschine hab.

Den Kontakt müsste ich schon sehr sehr krass reduzieren, oder ganz...

>Ich könnte mir aber auch vorstellen, das du vielleicht nicht ganz ehrlich zu dir bist und deine Eltern doch mehr brauchst als du zugeben möchtest.
Weiß nicht...

Ich finde schon dass ich beide ziemlich brauche, aber es ist wirklich nicht gut für mich. So wird sich eben nie etwas verändern.

>Ist das nicht ganz normal für alte Leute? Leiden die beiden wirklich darunter oder nur du?

Hast schon recht, nur grübeln dann eben beide viel rum und oder giften sich an. Die beiden hocken nun mal seit über 40 Jahren nebeneinander rum, wirklich jeden Tag; macht sowas einen nicht kaputt?

smaczny Avatar
smaczny:#53602

>>53555
Danke für deine Antwort!

>Raus aus der demütigen Haltung
Ich weiß, ich weiß...

Aber es ist alles so mühsam, ich weiß überhaupt nicht wo und wie ich anfangen sollte...

Ausbildung? Studium? 500km weiter wegziehen? Wie soll ich einen Umzug alleine bewerkstelligen? Wie soll ich das alles zahlen? Woher nehme ich die Kraft? ;_;

Ich weiß nicht was ich machen soll, ich hab überhaupt keine Ansprüche an mein Leben, wünsche mir nur dass es doch irgendwie besser wird.
Hab ja nicht mal irgendwelche Interessen und eine Familie möchte ich eh niemals gründen.

>Ist sie gar nicht ansprechbar, oder nicht ansprechbar im Sinne "Moment, ich brauch jetzt mal eine Minute für mich, bitte sprich mich nicht an"?
Es ist als hätte man ihr das Gehirn aus dem Kopf entrissen, sie ist nicht mehr ansprechbar und atmet schwer vor sich hin, dieser Zustand dauert bis zu drei Minuten.


_________________________


>>53596
Danke für deine Antwort!

Alle in Therapie geht nicht, mein Vater würde das eh nicht mitmachen.

Das einzige was meine Mutter macht sind ihre Termine beim 'Nervenarzt' wahrnehmen, denke mal da lässt sie sich neue Psychopharmaka verschreiben oder so. Ob da etwas behandelt wird weiß ich nicht.

>Am besten du suchst dir schleunigst einen Therapieplatz (von Verhaltenstherapie halte ich persönlich aber nicht viel) und meldest dich fürs Abendgymnasium an.
Habe aktuell als Auflage vom Jobcenter mir ne Tagesklinik/Therapie zu suchen, vielleicht hilft mir das ja irgendwie.

Nach dem Aufenthalt in der Psychiatrie hab ich da aber irgendwie meine Zweifel...

Das mit dem Abendgymnasium ist vielleicht keine schlechte Idee, ich weiß aber nicht ob ne Ausbildung vielleicht doch besser wäre. Ich habe absolut keine Arbeitserfahrung. Jedoch habe ich große Angst vor irgendwelchen Kevins in der Berufsschule, irgendwie bin ich doch schon zu alt und überhaupt, was will ich denn werden? Keine Ahnung was für ne Ausbildung ich machen sollte.

Studieren war mal so ein kleiner Traum, aber der Zug ist wohl eher schon abgefahren. Sprachen wäre da so mein Interessengebiet gewesen, aber jetzt noch sowas anfangen? Mit meiner FH-Reife komme ich eh nirgends rein.

karsh Avatar
karsh:#53603

>>53602
>Es ist als hätte man ihr das Gehirn aus dem Kopf entrissen, sie ist nicht mehr ansprechbar und atmet schwer vor sich hin, dieser Zustand dauert bis zu drei Minuten.

Kleine Anmerkung: wenn sie aus diesem Zustand wieder erwacht, hat sie mindestens die letzte Stunde völlig vergessen und kann sich an absolut nichts mehr erinnern.

fatihturan Avatar
fatihturan:#53604

>Ich bin 28 Jahre alt, lebe seit etwas über zwei Jahren von Hartz IV, habe keine berufliche Ausbildung, Schulabschluss ist die Fachhochschulreife mit einem 3,4er Durchschnitt. >Ich bin körperlich recht "kaputt"
Bis hierhin war ich wie: bist du ich?

>ich leider unter extremer Adipositas und mir fehlen 6 Zähne
Doch dann war ich wie: IGITT, komm mir bloß nicht zu nahe du Zahnkrüppel!

Auch: ja, du musst aufmannen. Mach eine Psychotherapie gegen deine Depressionen und deine Essstörung, geh zum Zahnarzt und putz dir in Zukunft deine Zähne du Ekel.
Parallel stellst du deine Eltern vor die Wahl: ihren Scheiß auf dei Reihe zu kriegen und ihren emotionalen Ballast nicht bei dir abzuladen (denn schließlich haben sie sich ausgesucht ein Kind zu bekommen, du hast dir aber keineswegs ausgesucht Eltern zu haben) oder du stellst den Kontakt zu ihnen ein. Du kannst ihnen sagen dass du sie liebst, aber du nicht als Versager enden willst, und dich jetzt um deine eigenen Probleme kümmern musst, bevor du dich mit ihren Gefühlen und selbstgemachten Problemen belasten kannst.
Ist das so einfach? So einfach ist das.

Neuste Fäden in diesem Brett: