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Veröffentlicht am 2017-04-25 16:14:25 in /we/

/we/ 53776: Bernd hat ein Problem. Und es lässt sich so kla...

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wahidanggara:#53776

Bernd hat ein Problem.

Und es lässt sich so klar umschreiben, dass eine Diagnose eigentlich möglich sein sollte und damit hoffentlich auch Wege es zu beheben.

Bernd ist 30 und wohnte bis vor kurzem noch zuhause. Dort verschlechterte sich sein Verhältnis mit den Eltern, weil er sich nicht "frei", dafür permanent beobachtet fühlte.
Die logische Schlussfolgerung war daher auszuziehen. Das tat Bernd dann auch und sitzt jetzt alleine in seiner Einzimmerwohnung. Doch an seinem Gemütszustand und Stimmung hat sich nichts verändert.
Zwar besteht die Gefahr nicht mehr, dass die Eltern ins Zimmer platzen, während Bernd tagsüber reibi macht, aber das Gefühl beobachtet zu werden und eingeengt zu sein ist nach wie vor vorhanden. Nur sind es jetzt die Nachbarn, die Bernds innere Ruhe stören.
Aber nicht weil sie selbst laut sind. Damit kann Bernd leben. Es ist vielmehr so, dass dadurch, dass Bernd sie ohne Probleme hören kann, er weiß, dass sie auch sein Tun wahrnehmen können.
Und das ist ein Problem. Denn dieser Umstand lähmt Bernd buchstäblich. Es wird nur noch in der Wohnung geschlichen und Musik und Filme nur mit Kopfhörern konsumiert. Dieses Verhalten scheint aber nicht gesund zu sein, weil Bernd selbst merkt, dass sich in ihm etwas anstaut, er sich aber nicht traut es rauszulassen, aus Angst, jemand könnte es mitbekommen.
Bernd erinnerte sich dann an seine Zeit zuhause und stellte fest, dass sie immer dann am besten war, wenn beide Eltern außer Haus waren und er dieses komplett für sich allein hatte und ihn niemand hören konnte.
Dann sprang Bernd im Haus herum wie ein junger Gott und sang einfach laut irgendwelche Lieder, meist sogar nur einen Refrain immer und immer wieder. Das tat sehr gut, weil so Druck rauskonnte. Und das fehlt Bernd jetzt in seiner Wohnung, weil er sich nie sicher sein kann, ob alle direkten Nachbarn (es sind 5) weg sind, so dass er ungestört ein wenig rumspacken kann. Und das schlaucht ganz schön.
Natürlich lässt sich einfach sagen "Scheiß auf die anderen, spring rum, sing, sei laut und einfach du selbst!" Aber es funktioniert nicht. Bernd ist da komplett gehemmt und wenn er es tut, fühlt es sich nicht gut an, weil er immer im Hinterkopf hat, dass es andere mitbekommen, dabei möchte Bernd unbemerkt bleiben.
Das ist auch noch ein Punkt, der beim Umzug dazu gekommen ist. Bernds Hoffnung war, in der Anonymität der Reihenwohnung unterzugehen. Niemand würde sich für ihn interessieren und jeder wäre für sich allein. Leider hat er redefreudige Nachbarn erwischt, die sehr wohl mitbekommen haben, dass er eingezogen ist und so das Gefühl noch verstärken, dass Bernd sich nicht verstecken kann und von ihnen gehört wird.
Ein Zusatz noch. Wenn Bernds Kühlschrank anspringt und relativ laut wird, fühlt sich Bernd kurzzeitig erleichtert, weil das Geräusch seine Geräusche überdeckt und gleichzeitig ein unauffälliges ist, was keine Rückschlüsse auf ihn ziehen lässt, außer dass er einen Kühlschrank besitzt. Im Gegensatz zu einer gerade laufenden Fernsehsendung oder Musik. Außerdem kann er immer dann ein wenig entspannen, wenn er über Kopfhörer Musik hört. Das liegt aber wohl gar nicht so sehr daran, dass er dann seine Nachbarn nicht hört, als viel mehr daran, dass er seine eigenen Bewegungen nicht mehr hört und sich dann wohl weniger Gedanken darum macht, ob und was die Nachbarn davon mitbekommen. Leider ist dieses Phänomen nicht stark genug als würde es ausreichen, dass Bernd mit Kopfhörern auf anfangen könnte laut zu singen.

Also das war soweit die Anamnese, so genau wie Bernd sie beschreiben konnte. Gefühlt scheint der Fall so speziell zu sein, dass damit doch eigentlich eine Diagnose gestellt werden könnte und hoffentlich auch der Weg zur Behebung oder Milderung des Problems.

Also, hat (Psychologie-)Bernd eine Idee, was genau Bernds Problem ist und wie er dem beikommen kann?

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