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Veröffentlicht am 2017-05-14 21:35:16 in /we/

/we/ 53804: Wie kann Bernd sich selbst akzeptieren? Ich verschwe...

safrankov Avatar
safrankov:#53804

Wie kann Bernd sich selbst akzeptieren?

Ich verschwende zu viel mentale Energie mir darüber Gedanken zu machen wie toll es wäre wenn ich jemand anders wäre oder wenn ich in der Vergangenheit anders gehandelt hätte.

z.B. denke ich darüber nach wie toll es sein muss in einer guten wohlhabenden Familie geboren zu werden, mit gutem Aussehen, Intelligenz und Talent. Sich früh für etwas zu begeistern und später im Studium und Beruf Spaß zu haben. Gerne mit Menschen zu reden und keine Probleme damit haben schnell Kontakte zu knüpfen. Fast immer die richtigen Entscheidungen treffen weil man klug und willensstark ist.

Bernd hat sich selbst nie gemocht und alles fällt ihm schwer. Er hat kaum Willenskraft weshalb er ständig die Vergangenheit bereut. Studium nicht abgeschlossen... Geld verschwendet... auf Gesundheit nicht geachtet... deshalb hat er auch keine gute Beziehungen zu anderen weil niemand faule Menschen mag und ich nicht sympathisch bin mit meiner monotonen lustlosen Stimme und energiearmen Art.

Nun kann man dies alles nicht ändern und somit ist es sinnlos darüber nachzudenken. Trotzdem kann ich es nicht lassen. Zu oft denke ich daran wie viel leichter ich es jetzt hätte wenn ich in der Vergangenheit bessere Entscheidungen getroffen hätte. Ich habe auch 0 Selbstvertrauen deswegen weil ich mir wie der größte Idiot vorkomme mit all diesen vorhersehbaren Fehlern.

chanpory Avatar
chanpory:#53807

>Wie kann Bernd sich selbst akzeptieren?

Vielleicht merkst du nicht, dass du es tust, aber du vergleichst dich konstant mit Anderen Menschen als wäre das Leben ein großer Wettstreit mit dem Ziel einer kollektiv geprägten Norm zu entsprechen.

Anders gesagt: du verbringst deine Zeit damit den Ist-Zustand deines Lebens mit dem Soll-Zustand der Gesellschaft abzugleichen.

Hättest du keinen Soll-Zustand, würdest du nicht auf die Idee kommen deinen Ist-Zustand damit zu vergleichen, du würdest ihn deshalb nicht als mangelhaft interpretieren und dich deshalb nicht schlecht fühlen, weil es keinen Grund gibt den Gedanken aufrecht zu erhalten nicht gut genug zu sein.

Ich sehe zwei Auswahlmöglichkeiten.

Glaube weiter an den Soll-Zustand und bleibe mangelhaft

oder

Beende den Glauben an den Soll-Zustand und akzeptiere dich.

Nur außerhalb des Soll-Zustandes kannst du auch mal gut sein lassen und deinen Frieden mit dir finden.

Mit Logik haben beide Auswahlmöglichkeiten übrigens nicht im geringsten etwas zu tun. Es ist eine Frage der gewählten Perspektive, die nichts weiter als eine Entscheidung ist. Bedenke das, bevor du auf die Idee kommst mit "Argumenten" deine Weltanschauung zu verteidigen zu wollen als wäre es keine Entscheidung.

ma_tiax Avatar
ma_tiax:#53808

>>53807
Klingt gut, jetzt ist nur noch die Frage, wie man es konkret umsetzt, daran *wirklich* zu glauben.

chatyrko Avatar
chatyrko:#53811

>>53808

Du machst mit deinen Gedanken Qualitätskontrolle. Du überprüfst deine Gedanken in Echtzeit. Schleicht sich ein vergleichender Gedanke ein, kannst du ihn abbrechen. Du erwischst dich selber:

>"Hey so eine blöde Scheisse wollte ich nicht mehr denken."

Und dann erklärst du den Gedanken für Blödsinn. Spätestens dann sollte dir klar werden, dass ein Mensch auf die Gedanken, die in ihm herumwirbeln, einfluss nehmen kann. Dadurch kommt dein Leben zurück aus dem unterdrückenden Kollektiv in deine eigenen Hände.

Blödsinnige Gedanken erkennst du sehr leicht daran, dass sie sich andauernd ohne Änderung wiederholen. Jemand, der sein Leben schon mehr in den eigenen Händen hält, würde dieses Abbrechen automatisch tun, denn ein Gedanke, den er schon oft gedacht hat, würde ihm irgendwann zu langweilig werden oder er würde merken, dass ihn der Gedanke nicht weiter bringt und das Denken des alten Gedankens Zeitverschwendung ist.

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