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Veröffentlicht am 2017-07-08 11:43:59 in /we/

/we/ 53909: Ich komme mir so vor als würde ich in einem stahlg...

iamkeithmason Avatar
iamkeithmason:#53909

Ich komme mir so vor als würde ich in einem stahlgerüst leben, dass ich über die zeit lieblos hingeschissen habe.

Wenn ich übergewichtig bin, attestiere ich es diesem "stahlgerüst". Ich bin nicht hungrig, esse dennoch, es schmeckt so gut wie sonst auch - ergo bin ich glücklich.

Heute jedoch bin ich hungrig. Ich habe seit 20 stunden nichts gegessen, und ich weiß dass ich hungrig bin, ich weiß, es würde mir gefallen in irgendetwas reinzubeissen und runterzuschlucken, so hungrig bin ich - irgendwas- würde reichen, und dennoch habe ich ein schlechtes gefühl im bauch, als hätte ich das schon zu oft gemacht, so oft, dass ich es nicht einmal in meiner derzeitigen hungersnot einreden kann, der apfel ist einfach zu faul um einen biss aus ihm rechtzufertigen. Aber auch das erste mal das gefühl, dass ich nicht essen möchte, sondern muss. Als müsste ich, wie ein Tier, eine Notdurft verrichten.

Das selbe Gefühl einen diminishing return erreicht zu haben auch bei anderen sachen, Spiele, Musik, Film, das konsumieren von Eskapismus konsumiert mich, jede Sekunde die ich da reinwerfe, ist eine Sekunde die ich nicht wieder bekomme, und diese Zeit, meine Zeit, opfere ich einer Sache die ich nicht geschaffen habe.A lles was bleibt ist die erleuchtung dass ich fresse, was andere auf den tisch stellen, dass mein tisch, sollten andere vom ihm essen wollen, leer steht.

Ich habe so das mulmige gefühl dass ich zum ersten mal mich in meinen Gedanken identifiziert habe, und sollte diese scheu, ob des hungers zu essen "Ich" bzw. ein teil dessen sein, dann kam es nicht heute in's sein, sondern war schon immer da doch ungehört.

Das lässt mich die frage stellen auf wievielen ebenen ich mich nicht höre, mich selbst nicht verstehe, verstehen will oder kann.

Sollten es etliche sein, was dann für einen Vorsprung müssen alle anderen Leute vor mir haben, die sich schon ein leben lang kennen lernen, die sich gewaltige prachtbauten von persönlichkeiten erbaut haben, die wissen wer sie sind, was sie wollen, und wie sie es erreichen. Während ich in diesem charakterlosen stahlgerüst festsitze, es war nie der wille da, etwas schöneres aufzubauen. Schließlich bin das nur Ich, was mich die frage aufkommen lässt warum ein anderer für sich selbst sachen beanspruchen kann, bei deren anblick ich neidisch werde, ich jedoch nie selbst auf etwas glückgebendes hinarbeite, weil ich einfach keine ahnung habe was das für mich beinhaltet.

Ich komm auf mich selbst überhaupt nicht mehr klar, als wäre mein ganzes leben einem wahnsinn gewidmet, mit dem ich mich jetzt nicht mehr identifizeren kann als hätte ich bis jetzt alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, ohne perspektive je auf den richtigen weg zu kommen.

rawdiggie Avatar
rawdiggie:#53912

Bin ich ein schizo der weltfremden scheiß von sich gibt, oder kann sich einfach nur niemand erbarmen ein "ja bernd, kenn ich" loszulassen?

subburam Avatar
subburam:#53917

>als wäre mein ganzes leben einem wahnsinn gewidmet, mit dem ich mich jetzt nicht mehr identifizeren kann als hätte ich bis jetzt alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, ohne perspektive je auf den richtigen weg zu kommen.
Das kenne ich, so ist es wohl wenn psychische Probleme zu lange unbehandelt bleiben :/

saarabpreet Avatar
saarabpreet:#53925

Nun kennt auch OP mein fühl, das Fühl wenn man eine Textwand schreibt und nichts zurück kombt. Zumindest nichts hilfreiches. Wie ist bei dir das Wetter heute?

jasontdsn Avatar
jasontdsn:#53934

>>53925
Dann schreib du OP doch etwas hilfreiches

vickyshits Avatar
vickyshits:#53939

Na dann versuch ich mal, etwas Hilfreiches zu schreiben.

Vorab: Ich kann dir keine simple Anleitung zu Lösung deiner Probleme geben. Aber ich kann dir versichern, dass du auf gutem Wege bist, deine Situation zu verbessern, denn den ersten Schritt hast du bereits gemacht: die Erkenntnis. Weiterhin scheinst du genug Selbstreflexion zu besitzen, um die weiteren zu beschreiten.

Dieser Bernd kann dein Situation gut nachvollziehen. Bernd ist bzw. war in einer ähnlichen Situation.

Was du am Anfang beschreibst, nennt sich "emotionales Essen". Macht Bernd auch, aber es ist in den Griff zu bekommen, für dich besonders, da du ja schon von dir aus gemerkt hast, wie du nicht aus Hunder, sondern aus Verdrängung ist. Ähnlich verhält es sich auch mit Unterhaltungs-Eskapismus.

>Das lässt mich die frage stellen auf wievielen ebenen ich mich nicht höre, mich selbst nicht verstehe, verstehen will oder kann.
>was dann für einen Vorsprung müssen alle anderen Leute vor mir haben, die sich schon ein leben lang kennen lernen

Wenn man sich die Stumpfheit unserer Gesellschaft ansieht, glaube ich, dass die wenigsten so selbstreflektiert darüber denken würden, wie du. Auch wenn man dafür vielleicht einen kleinen Schaden braucht, ist es meiner Meinung nach besser, als aufdiktierte Dogmen, Verhaltensweisen und Werte wie ein dressiertes Tier zu übernehmen. Natürlich kann man nich tin die Köpfe anderer reinsehen und sie können durchaus sehr selbstreflektiert, sich jedoch den zwingenden Umständen ergeben habend sein. In der Philosophie nenne man das glaub ich Qualia-Problem. Oder so ähnlich. Ohne Gewähr. Aus deinem Kopf kannst du jedenfalls nicht heraus, nicht wissen, wie andere ihre 'Gebäude' handhaben.

> als hätte ich bis jetzt alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, ohne perspektive je auf den richtigen weg zu kommen.

Selbst wenn du bis jetzt alles falsch gemacht hättest, lässt sich das jetzt nicht mehr ändern. Schließe damit ab. Oder um es positiv zu formulieren: starte einen Neubeginn.

Was du jetzt machen musst, ist deine Werte zu finden. Wofür du leben willst, was für eine Person du sein willst, was es dir wert ist, dein Leben daran zu orientieren. Das ist leichter gesagt, als getan, da stecke ich selber gerade fest. Das allerdings ist der "Sinn" der einem die antreibende Kraft gibt, Dinge zu erreichen. Werte schaffe Verhaltensregeln und jene schaffen Selbstdisziplin, zu Handeln rein aus der Motivation heraus, für seine Werte einzustehen. Es kann religiöse Ausmaße annehmen und bei Museln reicht die Disziplin anscheinend, für ihre Werte zu sterben. Aber der buddhistische Mönch, der sich angezündet hat, ist vielleicht ein schöneres Beispiel. Oder die Selbstmumifizierer. Klar sind deren Werte von ganz außen betrachtet schwer zu teilen, sie scheinen sinn- und wahllos. Aber ist im Endeffekt nicht alles sinnlos? Menschen können es schaffen mittels Willenskraft selbst das Leben zu überwinden. Das finde ich faszinierend daran.
Dass du keine Perspektive hast, auf den richtigen Weg zu kommen ist Schwachsinn. Wie bereits gesagt, hast du mit der Einsicht bereits den ersten Schritt getan.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu sehr am Thema vorbeigeredet und du konntest davon was mitnehmen. Du deutest selber an, dass du nicht weißt, was du willst, aber das ist eben mein Rat: Nimm dir etwas Zeit, genau das herauszufinden. Und hör eher auf dein Innerstes und lass dir nichts von Außen (soziales Umfeld, Gesellschaft) aufdiktieren. Bild relatiert finde ich eigentlich ganz gut, kannst ja mal sehen, ob dir das was hilft.

syntetyc Avatar
syntetyc:#53943

>>53939

Danke Bernd, sich verstanden fühlen hilft schon sehr.

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