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Veröffentlicht am 2014-09-09 19:00:20 in /b/

/b/ 8048427: Der Troll - Das unbekannte Wesen

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emmakardaras:#8048427

Meinungen? Sind es wirklich immer die unterfickten geltungssüchtigen Neidbolzen?

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/hass-im-netz-ich-bin-der-troll-13139203.html
> Hass im Netz
> Ich bin der Troll

Die ersten Nachrichtenportale im Internet schließen ihre Leserkommentare, weil ihnen die Häme und der Hass dort auf die Nerven gehen. Wer sind die Leute, die das Internet vollschimpfen? Besuch bei einem Leserkommentierer, bei Bernd Lauert. (Name geändert, d. Red.)

Krawall stiften, das dauert zwei Minuten. Bernd Lauert scrollt durch Google News. Eine Meldung zum Jugenddrogenbericht. Lauert überfliegt den Vorspann, den Text liest er nicht. „Das ist doch immer das Gleiche“, sagt er und springt in den Kommentarbereich. Mit den Zeigefingern haut er einen Satz in die Laptoptastatur. Er löscht ein paar Wörter, ergänzt, löscht: „Gebt den Hartz-IV-Empfängern weniger Geld, dann hat sich auch das Drogenproblem bei Jugendlichen gelöst.“ Bernd Lauert fährt sich mit der Zunge über die Lippen, er drückt Enter.

Es ist ein Kommentar von vielleicht 200, die er heute schreibt. Bernd Lauert hat immer eine Meinung, zu allen Themen - außer Sport. Er kommentiert überall im Netz, von morgens bis in die Nacht hinein, sieben Tage die Woche. Lauert sagt: „Provozieren, das ist wie ein Orgasmus.“ In seinen grauen Augenhöhlen funkelt es hellblau, sein Gesicht verzieht sich zum Lächeln. „Wenn sich jetzt jemand aufregt, dann ist das mein Ejakulat.“

Jede Nachricht wird kommentiert. Wer sich in die Halbwelt endloser Diskussionsstränge begibt, wird wie von einem Strudel aufgesogen. Hunderte schalten sich täglich in die Debatten bei „Spiegel Online“, „FAZ.net“, „Krautchan“ oder „Süddeutsche.de“ ein. Die meisten diskutieren über das Thema des Textes, manche liefern zusätzliche Informationen, korrigieren den Autor. Bernd Lauert hingegen polemisiert, er provoziert. „Ich bin der Troll“, sagt er. Troll, so nennt man in der Netzsprache Menschen, die an Diskussion nicht interessiert sind, die Streit wollen.

Bernd Lauert, 55, sitzt in seinem Wohnzimmer im fränkischen Ochsenfurt. Die Krücken sind an die Wand gelehnt. Die Hüfte ist künstlich, das Kreuz gebrochen. Mühsam ist er über alte Decken in die Sofaecke gerutscht. Früher war er Grenzoffizier in der DDR, später Schlosser. Seit 1999 ist er Frührentner. „Ich bin ein Krüppel“, sagt er. Seine Frau hat ihn vor zehn Jahren verlassen, der gemeinsame Sohn ist bei ihm geblieben.

(...)

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subburam:#8048429

2001 kauft sich Lauert seinen ersten Computer, kurz darauf meldet er sich in den Foren und Kommentarbereichen an. Er durchkämmt das Internet. Er liest Blogs und Nachrichtenseiten, Hintergründe und Archive, Meinungen und Essays. „Damals habe ich angefangen zu denken.“ Während er das sagt, hacken seine Zeigefinger den nächsten Kommentar ins Netz.

In Berlin haben Asylsuchende eine Schule besetzt, sie sind im Hungerstreik. Lauert schreibt: „Die Flüchtlinge in Kreuzberg drohen mit Selbstmord. Ich betone: sie DROHEN. Um es zu tätigen sind sie zu feige.“ Am Anfang, sagt Lauert, habe er noch schmalzig, liebevoll, philosophisch geschrieben. „Das hat aber niemanden interessiert.“ Seine Beiträge veränderten sich, sie wurden aggressiver. „Indem ich alles überspitze, in alle Richtungen, will ich die Leute aufwecken“, sagt er.

(...)

Im Februar 2011 hält ein Polizeiwagen in der kleinen Wohnsiedlung in Ochsenfurt. Es klopft an Lauerts Tür, sein Sohn ist vor ein paar Minuten zur Schule gegangen. Ein Durchsuchungsbefehl, zwei Beamte und ein Gerichtsvollzieher betreten die Zweizimmerwohnung. Sie packen die Lauerstation ein, Lauerts wertvollsten Besitz. Er ist ein Beweisstück. Gegen Bernd Lauert liegt eine Anzeige vor. Der Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft Würzburg gegen ihn erhebt: Volksverhetzung. „Da war ich schon richtig baff“, sagt Lauert. Mit einem Kommentar über körperlich Behinderte war er zu weit gegangen: „Aus einer Apfelkiste sortiert man auch die schlechten aus und wirft sie weg.“

Screenshots sind Trophäen

Lauerts Krücken retten ihn. Er spricht von einer „Selbstpersiflage“, da er doch selbst schwerbehindert sei. Die Staatsanwaltschaft lässt ihm das durchgehen. Kein Verfahren, keine Strafe. „Seitdem bin ich ein Staatsfeind“, sagt er und grinst. Die Anzeige hat ihn nicht gebremst. „Ich habe gemerkt, dass ich noch viel weiter gehen kann“, sagt er. „Ich habe nichts zu verlieren, mir kann keiner was.“ Die Provokationen werden schärfer, die Beleidigungen entgleisen: Der Bundespräsident sei ein kriegstreiberisches Arschloch, die katholische Kirche eine „Kinderficksekte“, die Bundesregierung korrupt, Veganer faschistisch. Jeden Tag spuckt Bernd Lauert seinen Hass ins Netz. Er kämpft gegen alles und nichts. Sein größter Wunsch: „So ein richtiger Shitstorm.“ Lauert will das, wovor sich andere fürchten. Er will Streit. Er will Prügel.

„90 Prozent der Bevölkerung denkt nicht. Die leben ihr Leben und interessieren sich nicht dafür, wieso es ihnen so scheiße geht“, sagt er ohne vom Bildschirm aufzublicken. Lauert ist unzufrieden mit der Regierung, mit der Gesellschaft. „Jede Meinung ist heute gleich politisch unkorrekt“, sagt er und zieht hastig an seiner Zigarette. Die unzähligen Kommentare sind seine Form des Protests. Das Netz belohnt Provokation. Bei Krautchan folgen Lauert über 2300 Menschen. Seine Trophäen sammelt er in einem Ordner auf seinem Laptop, viele Screenshots, fein säuberlich archiviert.
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steynviljoen:#8048436

Neger bitte, der letzte Faden dazu ist erst auf Seite 3.

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gmourier:#8048950

>>8048436
Warum finde ich sie nicht? ;_; Waren sie wenigstens ergiebig?

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tereshenkov:#8052116

Inzwischen hat er in seinem Gurgel-Blog auf den Artikel reagiert. EIgentlich sollte man dem Blog einen Besuch abstatten und ihn seine eigene Medizin schmecken lassen.

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id835559:#8052126

>>8052116
Elfe?

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id835559:#8052133

>Seit 1999 ist er Frührentner
Noice, immerhin NEET-Silberstatus.

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oanacr:#8052162

>>8052133
Bernd wäre auch gerne Frührentner. Endlich ungehindert NEETen.

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bluesix:#8052554

>>8052126
>Elfe?
https://sites.google.com/site/brotundgames/medienfutter

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iamsteffen:#8055279

>>8052554
Finde dort keine Kommentarfunktion.

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sava2500:#8055421

>>8048429
> Die Provokationen werden schärfer, die Beleidigungen entgleisen: Der Bundespräsident sei ein kriegstreiberisches Arschloch, die katholische Kirche eine „Kinderficksekte“, die Bundesregierung korrupt, Veganer faschistisch. Jeden Tag spuckt Bernd Lauert seinen Hass ins Netz.
Die Wahrheit sagen ist also "Hass", den man "ins Netz spuckt"?

slaterjohn Avatar
slaterjohn:#8055432

Hatten wir schon kommt immer wieder rein.

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sindresorhus:#8055453

>>8052554
?

clubb3rry Avatar
clubb3rry:#8055531

>„Jede Meinung ist heute gleich politisch unkorrekt“

Wo er recht hat, hat er recht.