Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2018-02-28 09:51:20 in /d/

/d/ 93106: Das Aufhören

ffbel Avatar
ffbel:#93106

Lieber Bernd,

habe vor 3 Wochen beschlossen, nachdem ich ein Jahr lang jeden Tag mehrmals vaporisiert habe*, mit dem Konsum von Gras aufzuhören. Bin einmal rückfällig geworden aber nun seit 10 Tagen sauber.

Ich vermisse den euphorisierten und doch entspannten Geisteszustand, den das Gras auslöst. Ich fühlte mich kreativer und als ob ich alles besser könnte. Das war jedoch ein Trugschluss - ich habe in dem Jahr null komma nichts zustande gebracht. Ich bin offensichtlich nicht in der Lage verantwortungsbewusst mit dieser Droge umzugehen.

Mich interessiert jetzt, ob du dir auch vorgenommen hast, von der Droge deiner Wahl loszukommen; was deine Beweggründe sind und waren und schließlich, wie erfolgreich du deinen Plan bisher umgesetzt hast.

Liebe Grüße,
Bernd

* Kiffen und Bong nur selten

sawalazar Avatar
sawalazar:#93107

Ach Bernd kiff doch einfach trotzdem, aber halt erst Abends oder nachdem du etwas erreicht hast.
Oder siehe es eher als Pause über 1-2 Monate bevor du wieder anfängst.

robergd Avatar
robergd:#93108

> Das war jedoch ein Trugschluss - ich habe in dem Jahr null komma nichts zustande gebracht

Wenn Du das nicht von anderen eingeredet bekommen hast sondern wirklich davon überzeugt bist, hast Du's quasi schon geschafft.

Persönlich, na ja, .... dazu zitiere ich mal Hemmingway auf die Situation angepasst: "Mit dem Kiffen aufzuhören ist ganz einfach. Das hab ich schon hunderte Male geschafft"

Vorgenommen hatte ich mir das eigentlich gar nicht. Hat sich so wegen untenstehender Umstände ergeben.

Also, Substanz der Wahl war (und ist) ebenfalls Kiff. Aber die Überzeugung dass es mir nicht gut tut hat 20 Jahre gebraucht sich in meinem Kopf festzusetzen, so wegen Filterblase und so, und ist immer noch nicht so richtig verankert. "Rückfällig" werd ich alle paar Monate mal wieder, find ich aber nicht sooo schlim. Selbst wenn ich wieder ein paar Wochen am Stück durchrauche ist der Entzug lächerlich einfach und Nebenwirkungen vernachlässigbar. Aber auch solche Phasen passieren weniger als 1x im Jahr, da ich seit dem ersten Entschluss aufzuhören von meinen Kifferkumpels gemieden werde und auch sie meide. Erste Erkenntnis beim Wiedertreffen war so, dass eigentlich unsere einzige wirkliche Gemeinsamkeit der Drogenkonsum war. So jetzt nüchtern da dabei zu sein und die zu beobachten löst nur tiefes Bedauern in mir aus bis hin dass es mich anwiedert. Und das kann ich mir nicht geben, da werd ich gleich wieder depressiv.

Da waren auch stark externe Einflüsse ursächlich, so im Rückblick. In meinem Alter haben eben die meisten "von damals" auch längst aufgehört, in der Drogenszene fühle ich mich absolut unwohl (so mit den versifften Couchen, den Schnorrern und Dieben und auch die ständigen Träumereien von einer besseren Welt aber keiner ist bereit und kriegt den Arsch hoch überhaupt irgendwas zu tun und es sollen gefälligst die anderen, "Gesellschaft", "Regierung", wer auchimmer, machen. Find ich inzwischen verachtenswert. Kennste sicher auch, zumindest so ähnlich. Auf Partys und Konzerten wirste auf Grund des Alters automatisch für nen Zivibullen gehalten und jeder behauptet, nichts damit zu tun zu haben, usw.

Weiterhin, wenn man mal 12std täglich arbeitet (8h + 1h Pause + 2x1.5h Arbeitsweg), hat man eigentlich gar nicht mehr die Zeit für mehr als eine Entspannungstüte am Abend. Und die Freizeit investiere ich jetzt lieber an der Verbesserung meiner Social-Skills und neue Leute kennen zu lernen, um vielleicht doch irgendwann mal eine anständige Frau abzubekommen. (Bin ebenfalls Vollbernd). Hätte ich schon vor 20 Jahren machen sollen, aber .... was solls, "hätte hätte Fahradkette".

Ich will nicht behaupten dass sich das immer automatisch auswächst. Aber als Rat, nimm einen Punkt wo ein neuer Lebensabschnitt für Dich beginnt zum Anlass. Ausbildung/Studium fertig, Umzug in eine andere Stadt wegen Job, o.ä., und halt Dich einfach von der Szene fern. Mit Gras geht das recht einfach. Mit Alkohol ist das fast unmöglich.

Wünsche Dir alles Gute, bleib dran, aber mach Dir auch nicht allzu viel Sorgen. Weil deswegen depressiv zu werden und dann die Depressionen wiederum mit Drogen zu bekämpfen ist kein sinnvoller Kreislauf, is ja hoffentlich klar.

ankitind Avatar
ankitind:#93110

>habe vor 3 Wochen beschlossen, nachdem ich ein Jahr lang jeden Tag mehrmals vaporisiert habe*, mit dem Konsum von Gras aufzuhören.

Das ist wirklich schon der gesamte Fehler:
>Jeden Tag
>Mehrmals täglich

Man muss sich wirklich Grenzen setzen. Das ist beim Trinken ja im Grunde nicht anders.

Meine Regeln sind z.B:
>maximal 2 mal die Woche
>nur abends
>nicht nach 21 Uhr

Ausnahmen bestätigen die Regeln. Ich kann das für mich ganz gut kontrollieren, aber halte diese Regeln unter dem Strich schon weitgehend ein.

Aber du schreibst ja, dass du komplett davon wegkommen willst, weshalb das ja eigentlich irrelevant ist (wollte es nur der Vollständigkeit halber für Mitleser erwähnt haben).


>ich habe in dem Jahr null komma nichts zustande gebracht.
Ähnliches befürchte ich trotz meiner Regeln manchmal auch. Allerdings leide ich an schweren Minderwertigkeitskomplexen und sehe oft meine eigenen Erfolge nicht. Ich weiß zumindest, dass ich solide da stehe und auch voran komme - aber der "was wäre gewesen, wenn ich nicht gekifft hätte"-Gedanken bleibt eben.
Von daher kommt mir der Gedanke das Kiffen komplett aufzugeben schon immer wieder.
Aber:
>Ich vermisse den euphorisierten und doch entspannten Geisteszustand, den das Gras auslöst.
So geht es mir eben auch. Der Rausch ist besser, wenn man selterner konsumiert, was in der Hinsicht eine Einhaltung meiner Konsumregeln belohnt.

Meiner Erfahrung nach steigt und sinkt mein Konsum antiproportional zu meinen sonstigen Aktivitäten, v.a. Verpflichtungen. Gerade letzteres darf keinesfall leiden, ersteres sollte es nicht auf Dauer.

Um also Erfolgreich den Konsum zu verringern oder gar wie du zu beenden, muss man schlicht und ergreifend etwas mit sich anfangen zu wissen.


Ganz wie >>93108 berichtet: Hat man genug andere lohnende Aktivitäten erscheint das Kiffen nicht unbedingt attraktiv und man kommt gar nicht dazu.

>Aber als Rat, nimm einen Punkt wo ein neuer Lebensabschnitt für Dich beginnt zum Anlass. Ausbildung/Studium fertig.
Ist einer sehr interessanter Gedanke. Wahrscheinlich wird man ohnehin nach ein paar Jahren doch mal wieder sich etwas gönnen, kann dann aber vielleicht ganz anders genießen und leichter einen wirklich unbedenklichen Konsum (z.B nur einmal im Monat) pflegen.