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Veröffentlicht am 2016-07-06 09:16:03 in /fb/

/fb/ 96740: GPL Fragen

csswizardry Avatar
csswizardry:#96740

Du Bernd, ich habe mal eine Frage.

Und zwar möchte ich eine Software entwickeln und damit Geld verdienen, Problem ist dass ich dabei auf GPL3 lizensiertes zurückgreife.

Es geht um eine Art CMS-System für spezielle Anforderungen.
Wenn meine Arbeit beendet ist hat der Kunde auf (s)einem Webserver eine Software laufen, mit der er interne Vorgänge und seine Produkte organisieren kann sowie eine Webseite die für jeden sichtbar ist.

Ich greife dabei auf ein Web-Framework zurück das unter GPL v3.0 veröffentlicht wurde. Ich habe das Framework selber nicht verändert, nutze es nur.

Nun gibt es ja wildeste Spekulationen darüber wie mit GPL-Software umzugehen ist, ich erhoffe mir von Bernd etwas Klarheit.
Eine Kernaussage der GPL ist ja (angeblich), dass ich aus GPL-Software abgeleitete Software auch unter GPL veröffentlichen muss.

Ich vermute in Paragraph 5 ("Conveying Modified Source Versions") steht dann der für mich relevante Teil unter c):
"You must license the entire work, as a whole, under this License to anyone who comes into possession of a copy. "

In Parapgraph 0 ist "modify" wie folgt definiert: "To “modify” a work means to copy from or adapt all or part of the work in a fashion requiring copyright permission, other than the making of an exact copy"

Meine Fragen:
(1) ich habe ja das Framework nur kopiert, nicht verändert/modified, muss ich meine ganze Arbeit unter GPL veröffentlichen?

(2) sollte eine Veröffentlichung unter GPL nötig sein, wer ist dann "anyone who comes into possession of a copy"? Nur mein Kunde oder auch die Besucher der Webseite? Der Kunde hat den Sourcecode ja sowieso schon auf seinem Webserver bekommen...

(3) sofern meine Arbeit unter GPL3 lizensiert und nur dem Kunden zugänglich gemacht werden muss, sehe ich es richtig, dass dieser dann meine Software frei verteilen darf, da sie ja unter GPL steht?

fluidbrush Avatar
fluidbrush:#96749

Dir Antwort hat du dir doch bereits selbst gegeben:
> GPL greift nur bei Änderungen
> Op macht keine Änderungen
> Greift nun die GPL?
Wie kann man Softwareentwicklung betreiben wenn man mit elementarer Logik überfordert ist?

Außerdem findet man >9000*9000 Einträge bei Google und Co zum Thema... Mehr Klarheit als Wikipedia und Fachforen wird dir /fb/ auch nicht liefern können.

malgordon Avatar
malgordon:#96750

> Zu 2: Wenn der Code nur beim Kunden auf dem Server ausgeführt wird, dürfte der Kunde reichen. Kritischer wird es bei JavaScript und Co. Ohne nachzusehen ist das sicher bereits ausdiskutiert.

Zu 3: Stimmt. Der Kunde kann den GPL Code beliebig kopieren und weiter verteilen. Daher funktioniert so klassisches Datenträger verkaufen mit GPL halt nicht mehr.

motionthinks Avatar
motionthinks:#96754

>>96749
> Wie kann man Softwareentwicklung betreiben wenn man mit elementarer Logik überfordert ist?
Anscheinen hast du noch nicht viel Kot gesehen.

dwardt Avatar
dwardt:#96761

>>96754
Musste zuerst Grinsen und dann weinen weil es so wahr ist.

olgary Avatar
olgary:#96763

>>96740
>"To “modify” a work means to copy from or adapt all or part of the work in a fashion requiring copyright permission, other than the making of an exact copy"
was ist daran so schwer zu verstehen? Das reine Einbinden einer externen Library ist keine Modifikation, das sollte doch klar sein.

nehemiasec Avatar
nehemiasec:#96765

>>96763
Achso. Warum genau muss NVIDIA dann fuer seine Treiber DKMS verwenden und kompiliert zur Installationszeit gegen die Kernelheader eine "Open-Source"-Bibliothek, die den Treiber einbindet?

rdbannon Avatar
rdbannon:#96767

>>96765
vielleicht einfach nur weil sie nicht für jede existierende distribution+version ein fertiges paket zur verfügung stellen wollen?

crhysdave Avatar
crhysdave:#96768

>>96765
Der Fall ist doch genau umgedreht. Nämlich closed Source Treiber von Nvidia in einem open source Produkt, nämlich dem Kernel.

Normalerweise würde man die Treiber einfach mit dem Kernel ausliefern, aber geht nicht weil sie halt nicht Open Source sind und Nvidia deshalb für jeden neuen Kernel praktisch eine neue Version bereitstellen muss.

Ist eher so, dass die Sache dafür spricht dass man beides kombinieren darf. Sonst wären die Treiber von Nvidia verboten durch die GPL. So ist es erlaubt - wenn auch umständlicher in der Pflege.

joshjoshmatson Avatar
joshjoshmatson:#96769

>>96767
>>96768
Aha.
http://www.golem.de/news/nvidia-gpl-verhindert-treiberentwicklung-1210-95205.html

andrewgurylev Avatar
andrewgurylev:#96770

>>96769
>>96765
naja kernel-module sind in der Hinsicht etwas speziell, da sie nicht einfache standalone-programme sind.

https://en.wikipedia.org/wiki/Loadable_kernel_module#License_issues

kennyadr Avatar
kennyadr:#96771

>>96740
Liefere dein Produkt einfach ohne das GPL3-Framework aus und laß deinen Kunden das zusammensetzen. Das Resultat darf er dann natürlich nicht mehr weiterverbreiten, weil das wegen deines Codes ein GPL-Verstoß wäre. Nutzen kann er die Kombi aber trotzdem problemlos, das berührt die Urheberrechte nämlich gar nicht. :->
>>96769
>http://www.golem.de/news/nvidia-gpl-verhindert-treiberentwicklung-1210-95205.html
>Solange die Schnittstelle unter der GPL (EXPORT_SYMBOL_GPL) steht, darf Nvidia aber nicht mit seinen proprietären Treibern darauf zugreifen.
Das ist deswegen so witzig, weil es rechtlich totaler Schwachsinn ist. Daran merkt man eben, daß Techies keinen Schimmer von Juristerei haben.
Die GPL gewährt nämlich das Recht, den Linux-Code beliebig zu verändern. Also kann Bernd auch ausdrücklich EXPORT_SYMBOL_GPL nach Belieben umbenennen und entfernen und dann das Resultat wiederum unter der gleichen Lizenz (aka GPL) verbreiten. Der Lizenztext GPLv2 enthält auch keine spezielle Regelung für "EXPORT_SYMBOL_GPL", diese Zusatzregel haben sich nämlich die Kernelentwickler ausgedacht. Dummerweise verbietet der GPL-Lizenztext aber eben genau solche Zusatzklauseln, zusätzliche Einschränkungen oder Änderungen am Lizenztext selbst. :3

edobene Avatar
edobene:#96801

Danke für die vielen Antworten, leider (bisher) ohne endgültige Antwort, aber die gibt es vermutlich sowieso nicht...

>>96771
>Liefere dein Produkt einfach ohne das GPL3-Framework aus und laß deinen Kunden das zusammensetzen.

Das könnte natürlich funktionieren, ich verkaufe Nutzungsrecht an meinem Produkt und dazu gibt es gratis die Einrichtung bei der ich GPL-Framework und mein Produkt auf den Webserver kopiere.
Ist schon eine ziemliche Korinthenkackerei, aber NVIDIA macht es ja offenbar ähnlich....


>>96750
> Kritischer wird es bei JavaScript und Co.
alle relevanten JS-frameworks sind zum Glück weniger einschränkend lizensiert - das ist offenbar notwendig damit sie überhaupt (auch) kommerziell sinnvoll nutzbar sind.

markgamzy Avatar
markgamzy:#96802

>>96771

Jedes Laden/Ausführen Turingverseuchter Ware ist ohne Zustimmung des Berechtigten ferboten.
Ist ne Klausel die damals extra für Tech den Tech eingebracht wurde. Ist bei Audio (sofern nicht Turingcodiert) zum Beispiel nicht so. Ne Audio-Raubkopie die du irgendwo gefunden hast darfst du 9001 mal abspielen, interessiert nicht.

Faszinierend wird es dann, wenn ein Buch technisch gesehen Turing kommt wie in diesen Drecksformaten PS oder PDF.

Da kann man dann mit mangelnder Schöpfungshöhe argumentieren (weil von Computer generiert) oder mit "ist doch ein Text!"
Ersteres funktioniert nicht so richtig weil Kot von Humanoiden meist 1:1 in das Teil kopiert wird (diese Humanoide dann aber wieder meist gar keine Rechte an den Abmahnschleimpilz übertragen haben - tja -)

Zu den Schnittstellen: Es kombt nicht darauf an ob da ein Krebssymbol exportiert wird, sondern ob du Code aus Dingda benutzst. Bei vielen Projekten werden Macros eingebunden und dann Tilt.

Ohne das kann dir das am Arsch vorbei gehn, zur Not mußt du ein "cleanes" .h schreiben.

Jedoch kannst du IMMER verklagt werden. Ob reine APIs schützbar sind war bis vor kurzem in den Staaten immer noch unklar. Und wie gesagt. Hallo wir sind Orakel und pfänden Sie jetzt.

alagoon Avatar
alagoon:#96803

>>96749
>>96749
>>96749
>>96749
>Mehr Klarheit als Wikipedia und Fachforen wird dir /fb/ auch nicht liefern können.
DIES!

Um noch eine weitere Laienmeinung einzuwerfen (bei der ich mir aber zu 95% sicher bin): Nein, darfst du nicht.
Du darfst GPL-Software in deinem Arbeitsumfeld als Tool verwenden (z.B. GIMP für Fotobearbeitung oder gcc zum kompilieren), aber du darfst sie in keine neuen Programme einbauen, die nicht GPL-kompatibel sind (?). Was du wahrscheinlich meinst ist LGPL, das weitgehend wie GPL ist, aber es dir erlaubt durch dynamisches Linking oder ähnlicher sauberer Trennung die LGPL-Software zu verwenden, solange du diese selbst nicht modifizierst. Bei GPL ist das halt nicht gegeben. Nicht umsonst ist GPL unter Kapitalisten wie dich extrem unbeliebt und BSD das ultimativ gute.

jacobbennett Avatar
jacobbennett:#96804

Du darfst das schon, nur steht das Binary dann eben unter GPL-Lizenz, d. h. wenn du es weitergibst, mußt du die Quellen dazu liefern, womit dann der Marktwert auf 0 abgeschrieben wird.

Interessant wäre es das mal anzudenken, ob eine Weitergabe von Europa nach Chingchong Zweigstelle echt noch "dieselbe" Person ist oder ob das dann dem Empfänger ein GPL ermöglicht. Oder ob überhaupt jegliche so gelinkte Software GPL ist und überhaupt nur durch die Geheimhaltung des Konzerns geschützt wird. Die ist ja nie vollkommen. Kann ja passieren, daß Datenträger abhanden kommen.

linux29 Avatar
linux29:#96805

>>96802
>Jedes Laden/Ausführen Turingverseuchter Ware ist ohne Zustimmung des Berechtigten ferboten.
Es bedarf keiner Zustimmung, um Programme auszuführen, das ist ja genau das, was die angelsächsischen EULA-Spasten nicht kapieren wollen. Das Nutzungsrecht ergibt sich inhärent aus der Herrschaft über das legal erworbene Vervielfältigungsstück. Die Urheberrechte sind damit erschöpft[tm]. Das mußte auch Kleinweich mit ihrer OEM-Fenster-Scheiße jedesmal auf die harte Tour lernen.

zacsnider Avatar
zacsnider:#96806

Nein, es bedarf dieser Zustimmung, diese darf aber nicht verweigert werden, wenn du ein bla bla bla Erschöpfungsgrundsatz.

Da sind meerfache Fußangeln drin, zum Beispiel kriegst du heute meist gar keine Datenträger mehr (vermutlich aus diesem Grunde). Oder der Spaß dass das Teil innerhalb der EU erstmals legal gespawnt haben muß. Da wurden schon Leute für ein paar CDs aus USland abgemahnt oder so ein Mist.

In unserem Falle heißt es, daß du zur Nutzung von GPLkrebs eine Ermächtigung aller Rechteinhaber brauchst. Diese geschieht normalerweise dadurch, daß du die GPL impliziert akzeptierst (so zumindest haben die sich das gedacht).

Irgendwelche Kompilate die du irgendwie generiert oder "gefunden" hast, dürften ja wohl schwerlich den klassischen Ätsch bätsch hab ich ehrlich im Laden gekauft Erschöpfungsgrundsatz erfüllen. Eigentlich müßte schon das Ein-Compilieren fremden Codes eine zustimmungspflichtige Handlung sein.

franciscoamk Avatar
franciscoamk:#96808

Übrigens handelt es sich nicht um ein Kompilat sondern um eine Handvoll PHP Scripte.
bitte nicht bannen

>>96803
> du darfst sie in keine neuen Programme einbauen, die nicht GPL-kompatibel sind (?)
Wenn meine index.php das Framework included und dann meine Scripte, habe ich dann das Framework "eingebaut"?
Die index.php könnte ich natürlich ohne Bedenken auch unter GPL ganz frei veröffentlichen

>Was du wahrscheinlich meinst ist LGPL
nein, das Framework steht unter GPL v3, es handelt sich um das fat-free-framework
http://fatfreeframework.com/development#fair-licensing

kinday Avatar
kinday:#96809

Die GPL hatte immer die Mere aggregation clause drin, was wiesligen Windhunden erlaubt hat, die ganze Arbeit als GPL zu liefern und ihr supergeheimes Requesterprogramm das die GPL lib "nur" aufruft als unfree auf demselben Datenträger.

So zumbeispiel das ganze suse value add-on zeug iirc.

Weiß nicht was gplv3 dazu sagt.

necodymiconer Avatar
necodymiconer:#96810

>>96806
>Nein, es bedarf dieser Zustimmung, diese darf aber nicht verweigert werden, wenn du ein bla bla bla Erschöpfungsgrundsatz.
Die reine Nutzung eines Werks (Programm ausführen, Bild angucken, Buch lesen, Musik anhören) ist genau eben nicht zustimmungspflichtig. Es geht immer nur ums Kopieren, die GPL greift nur dort. Daher nennt sich sie ja Copyleft.
Computerprogramme dürfen sogar ausdrücklich verändert werden (z. B. DRM geknackt), um die legale Werknutzung, sowie das Anfertigen der legalen Sicherheitskopie zu ermöglichen.
>Da sind meerfache Fußangeln drin, zum Beispiel kriegst du heute meist gar keine Datenträger mehr
Spielt keine Rolle, sobald man sich durch einen offiziellen Herunterlad legal Besitz verschafft hat, ist das Urheberrecht damit erschöpft.

iamfelipesouza Avatar
iamfelipesouza:#96811

> Mehr Klarheit als Wikipedia und Fachforen wird dir /fb/ auch nicht liefern können.
Na, OP? Na? Sag es! Tu es! Sag, dass ich Recht hatte!

soyeljuaco Avatar
soyeljuaco:#96812

>Spielt keine Rolle, sobald man sich durch einen offiziellen Herunterlad legal Besitz verschafft hat, ist das Urheberrecht damit erschöpft.

Das ist schon mal ne forsche Auffassung von "Vervielfältigungsstück". Die Sache ist bei einer Original-CD klar, aber bei /dev/sda4: 234889 of 1024088 files?

>Die reine Nutzung eines Werks (Programm ausführen, Bild angucken, Buch lesen, Musik anhören) ist genau eben nicht zustimmungspflichtig.

Nein, bei (raubkopierten) Computerprogrammen im Unterschied zu raubkopierter Musik eben schon:



§ 69c Zustimmungsbedürftige Handlungen
Der Rechtsinhaber hat das ausschließliche Recht, folgende Handlungen vorzunehmen oder zu gestatten:

1.
die dauerhafte oder vorübergehende Vervielfältigung, ganz oder teilweise, eines Computerprogramms mit jedem Mittel und in jeder Form. Soweit das Laden, Anzeigen, Ablaufen, Übertragen oder Speichern des Computerprogramms eine Vervielfältigung erfordert, bedürfen diese Handlungen der Zustimmung des Rechtsinhabers;
2.
die Übersetzung, die Bearbeitung, das Arrangement und andere Umarbeitungen eines Computerprogramms sowie die Vervielfältigung der erzielten Ergebnisse. Die Rechte derjenigen, die das Programm bearbeiten, bleiben unberührt;
3.
jede Form der Verbreitung des Originals eines Computerprogramms oder von Vervielfältigungsstücken, einschließlich der Vermietung. Wird ein Vervielfältigungsstück eines Computerprogramms mit Zustimmung des Rechtsinhabers im Gebiet der Europäischen Union oder eines anderen Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum im Wege der Veräußerung in Verkehr gebracht, so erschöpft sich das Verbreitungsrecht in bezug auf dieses Vervielfältigungsstück mit Ausnahme des Vermietrechts;
4.
die drahtgebundene oder drahtlose öffentliche Wiedergabe eines Computerprogramms einschließlich der öffentlichen Zugänglichmachung in der Weise, dass es Mitgliedern der Öffentlichkeit von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl zugänglich ist.



Du mußt also Linus oder billg fragen bei cp kewlprog.exe /tmp, oder beim Bereitstellen eines Shellaccounts (wobei da wieder die Formulierungen im gesetz herrlich dämlich sind.)

3. bedeutet, du darfst deine Windumm-CD weiterverkaufen.
Auch hier wieder relativ dämlich formuliert so daß man meinen könnte, der Käufer dürfte Windumm von CD ausführen aber nicht installieren ohne Erlaubnis.

Aber weiter gehts:


(1) Soweit keine besonderen vertraglichen Bestimmungen vorliegen, bedürfen die in § 69c Nr. 1 und 2 genannten Handlungen nicht der Zustimmung des Rechtsinhabers, wenn sie für eine bestimmungsgemäße Benutzung des Computerprogramms einschließlich der Fehlerberichtigung durch jeden zur Verwendung eines Vervielfältigungsstücks des Programms Berechtigten notwendig sind.
(2) Die Erstellung einer Sicherungskopie durch eine Person, die zur Benutzung des Programms berechtigt ist, darf nicht vertraglich untersagt werden, wenn sie für die Sicherung künftiger Benutzung erforderlich ist.
(1) Soweit keine besonderen vertraglichen Bestimmungen vorliegen, bedürfen die in § 69c Nr. 1 und 2 genannten Handlungen nicht der Zustimmung des Rechtsinhabers, wenn sie für eine bestimmungsgemäße Benutzung des Computerprogramms einschließlich der Fehlerberichtigung durch jeden zur Verwendung eines Vervielfältigungsstücks des Programms Berechtigten notwendig sind.


Mußt billg doch nicht fragen ..


(3) Der zur Verwendung eines Vervielfältigungsstücks eines Programms Berechtigte kann ohne Zustimmung des Rechtsinhabers das Funktionieren dieses Programms beobachten, untersuchen oder testen, um die einem Programmelement zugrundeliegenden Ideen und Grundsätze zu ermitteln, wenn dies durch Handlungen zum Laden, Anzeigen, Ablaufen, Übertragen oder Speichern des Programms geschieht, zu denen er berechtigt ist.aufen, Übertragen oder Speichern des Programms geschieht, zu denen er berechtigt ist.



Noch dämlicher konnte man es wohl nicht formulieren? Man nem isch Debuga oder aufgebohrte VM. Und jetzt? Bin ich dazu "berechtigt"?

dpg Avatar
dpg:#96813

>>96812
Ich weiß Berndi, es gibt Idioten (Juristen), die glauben das "Laden des Programms in den Arbeitsspeicher" sei eine zustimmungspflichtige Vervielfältigungshandlung nach § 69c.
Ist aber völliger Unfug, denn beim Ausführung von bernd.exe oder katze.elf entsteht gar keine Kopie davon im Arbeitsspeicher. Nein, wirklich nicht.
Das mag ein völlig Ahnungsloser (Anwalt oder Richter) nicht glauben wollen, aber das ist so und wer sich auch nur ein bißchen mit der Arbeitsweise moderner Betriebssysteme auskennt, weiß auch, warum das so ist. :3
Und ja, copy bernd.exe c: ist tatsächlich eine Vervielfältigungshandlung.

solid_color Avatar
solid_color:#96819

>>96813
>denn beim Ausführung von bernd.exe oder katze.elf entsteht gar keine Kopie davon im Arbeitsspeicher
Sicher, Bernd. Denn der Dateisystemtreiber tut so eine höchstens ein paar MB große Datei auf keinen Fall erstmal in den Cache wenn darauf zugegriffen wird. Es wird jeder Zugriff einzeln direkt an die Festplatte weitergegeben.

dmackerman Avatar
dmackerman:#96822

>>96819
Ach Bernd, dein Kenntnisstand ist auch ungefähr seit 30 Jahren überholt. :3

subtik Avatar
subtik:#96823

https://www.youtube.com/watch?v=R1-0ixIU6GQ

marcusgorillius Avatar
marcusgorillius:#96825

>>96822
Probieren wir es doch einfach mal aus:
[email protected]:# ./vmtouch -v /usr/sbin/smartctl
/usr/sbin/smartctl
[ ] 0/123

Files: 1
Directories: 0
Resident Pages: 0/123 0/492K 0%
Elapsed: 0.001608 seconds
[email protected]:# smartctl -V
smartctl 6.5 2016-01-24 r4214 [armv5tel-linux-4.6.0-1-marvell] (local build)
[...]
[email protected]:# ./vmtouch -v /usr/sbin/smartctl
/usr/sbin/smartctl
[OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO] 123/123

Files: 1
Directories: 0
Resident Pages: 123/123 492K/492K 100%
Elapsed: 0.001674 seconds

Komisch. Ist doch tatsächlich die ganze Datei im Cache, wenn man nur mal die Version ausgeben lässt.

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#96834

Das hat nichts mit dem Dateisystemtreiber zu tun.
Bislang hat auch die Core vpro spitzelntechnologie noch keine Technik entwickelt, ein Programm auszuführen, ohne daß es im RAM ist. Da mußt du auf die gute alte Turingmaschine umsteigen.

Die vom Trübsystem on-demand gemappten .code Dinger sind meist 4K groß (eine Seite) und das reicht dicke. Man beachte, daß der zitierte Paragraph nicht verlangt, daß du die Datei vollständig "kopierst"; auch dürften irgendwelche Massagen usw. (zum Beispiel Parsing, Tokenexpansion, CPU-Emulation JIT compiler) unbeachtlich sein.

ademilter Avatar
ademilter:#96835

OK man könnte sich auf den radikalen Standpunkt stellen, Zeug im RAM sei keine Kopie, weil nicht verkörperlicht. Aber Cave: Swap!

Hatte jetzt noch die Prägung von irgendwoher daß dem nicht so ist. Glaube rusfw hatte mal sowas erzählt, daß also RAM schon ne Kopie ist.

Fragt sich dann wozu dann spezifiziert wird, daß Kopien beim Laden und ablaufen lassen genehmigungsberechtigt sind. Welche sollten das sein? Bernd fällt da nur irgendwelcher Technikkrebs ein. Sachen in /tmp rumgerödelt, temporäre Kopien damit es irgendwie schneller geht, Cache fürs Netzwerk, son Mist.

funwatercat Avatar
funwatercat:#96836

Im übrigen verschwimmt die Unterscheidung verkörperlicht - RAM denn eine SSD ist auch bloß nichts anderes als irgendwelche verschobenen Ladungen in Potentialtöpfen und handelsübliche DRAM-Riegel halten ihre Daten erschreckend lange.

macxim Avatar
macxim:#96837

TLDR Danke lieber Gesetzgeber daß alles vage Scheiße.
Immerhin ist es nicht so schlimm wie beim Mordparagraphen, wo aus ideologischen Gründen für irgendwelchen Wahnsinn von "Mordmerkmalen"(tot ist tot) zwingend lebenslänglich aufgerufen wird, aber die Gerichte einfach aufs Gesetz scheißen (grade eben erst, versuchter Mord - selbes Strafmaß - zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung).

jjshaw14 Avatar
jjshaw14:#96843

>Man beachte, daß der zitierte Paragraph nicht verlangt, daß du die Datei vollständig "kopierst"; auch dürften irgendwelche Massagen usw. (zum Beispiel Parsing, Tokenexpansion, CPU-Emulation JIT compiler) unbeachtlich sein.
Die Konsequenz aus einem solch umfassenden Urheberrechtsbegriffes wäre, daß Microsoft die Urheberrechte an jeder .docx erhält, die du mit Microsoft Word abspeicherst. Das will man auch wieder nicht. ;-)
>OK man könnte sich auf den radikalen Standpunkt stellen, Zeug im RAM sei keine Kopie, weil nicht verkörperlicht.
Spielt aber bei genauem Hinsehen keine Rolle, da das Zeug im RAM eben wenig mit dem urheberrechtlich geschützten Inhalt des Originaldatenträgers zu tun hat. Er ist eine individuelle und PC-spezifische Schöpfung des Betriebssystems. Wenn ich diesen RAM-Inhalt nehme und den RAM deines PCs rüberkopiere, läuft bei dir auch kein Programm, sondern die Scheiße stürzt ab.
>Danke lieber Gesetzgeber daß alles vage Scheiße.
Letztlich sind diese "Vervielfältigungen" durch Programmnutzung auf einem Computer juristische Fiktion, die keine Entsprechung in der Realität hat. Das hält Juristen nicht davon ab, diese "herrschende Meinung" beizubehalten.
Man hätte ins Gesetz schreiben können, daß die Werknutzung bei Computerprogrammen generell genehmigungspflichtig wäre. Fertig, aus. Damit wären dann EULAs automatisch rechtswirksam. Im Gesetz steht aber die Vorbedingung der Vervielfältigung drin.
Und nun konstruieren Juristen genau diese herbei, wo tatsächlich keine ist (aus einem ganz simplen Grund nicht: Das wäre nämlich totale Speicherverschwendung).

chatyrko Avatar
chatyrko:#96845

>>96843

Warum das jetzt, ist in dem XMüLl turingvollständiger Code enthalten?


(Siehe PDF/PS früher in Faden)


Leider hat die Juristerei nicht viel mit Logik zu tun und solche Nebensachen können richtig übel reinhauen.
Zum Beispiel hat ein bekannter Jurist damals Firmen animiert, Filmchen in ihre Computerspiele einzubauen. Die genossen Laufbildschutz oder wie das heißt. Damit haben sie dann die Crackzer fol erwischt.

danro Avatar
danro:#96847

>>96845
>Zum Beispiel hat ein bekannter Jurist damals Firmen animiert, Filmchen in ihre Computerspiele einzubauen. Die genossen Laufbildschutz oder wie das heißt. Damit haben sie dann die Crackzer fol erwischt.
Technisch ist ein Computerprogramm, welches Laufbilder ausgibt, eben genau das: ein Computerprogramm und kein Film. Wäre es einer, könnte man die Spiel-DVD in einen DVD-Player legen und sich die "Laufbilder" ansehen. Tatsächlich muß man aber das Computerprogramm (eben das Spiel) selbst laufen lassen, um die Cutszenen sehen zu können oder bspw. die Spielmusik hören zu können. Defacto erzeugt das Programm diese Laufbilder und Töne in konsumierbarer Form überhaupt erst auf der Datenverarbeitungsanlage des Nutzers. Womit wir wieder bei der Frage sind, wer nun eigentlich die Rechte an den Ausgaben (Pixel auf dem Bildschirm, Ton in der Soundkarte, .docx auf der Festplatte) eines geschützten Programmes hat? Auch bei Lass-Spielens ist das ja völlig ungeklärt und Gegenstand von lustiger Streiterei.

BillSKenney Avatar
BillSKenney:#96848

>>96847
Bist du bescheuert?
Wenn ich jetzt also auf meine DVD zusätzlich noch einen Medienplayer mit draufpacke ist das ganze kein Film mehr sondern ein Programm?

steynviljoen Avatar
steynviljoen:#96849

>>96847

Tja, nur ist die Geschichte wahr.
Das war damals, als es noch gar keinen Schutz für Programme gab bzw. dieser ungeklärt war.

Und du glaubst ja wohl nicht, daß ein Bild oder ein Filmchen, was einfach im binär-blob oder im Dateisystem der CD eingepackt ist, nicht als Bild oder Filmchen durchgeht. Das kannste ja mal versuchen, uuencode geil.mp4 und in .c verpacken zusammen mit einem Abspieler und das alles dann "unter GPL" weil is ja mein Brogram. So schnell kannst du gar nicht gucken, wie sie dich pfänden.


>>96848

Das ist mere aggregation bzw. eben 2 Werke zusammengeklatscht (spannender die Frage ob einer der Autoren sich dagegen wehren könnte).

Falls du ein Programm schreibst, was diesen einen Film abspielt, heißt die Antwort: Ungeklärt, wie bei PS und PDF. Vermutlich würde jeder Dorfrichter das Ding wegen der Dateiendung .exe als Programm klassifizieren.

saulihirvi Avatar
saulihirvi:#96850

>>96848
>Bist du bescheuert?
>Wenn ich jetzt also auf meine DVD zusätzlich noch einen Medienplayer mit draufpacke ist das ganze kein Film mehr sondern ein Programm?
In der analogen Welt war das alles noch ganz einfach. Da hat man ein Buch mit Kassette ausgeliefert. Das Buch war ein Druckwerk und die Kassette mit zugehöriger Musik ein Tonträger, die jeweils eigenständigen urheberrechtlichen Schutz genossen.
Hat man sich jetzt aber den Tonträger gespart und die Musik bspw. in Form von Noten abgedruckt, damit der Leser sie selber singt, wurde deswegen das Buch nicht plötzlich zum Tonträger. Genau diese Masche haben sie aber bei Computerprogrammen reichlich benutzt.
Im Prinzip sind diese ganzen Unterscheidungen durch die Digitalisierung eh hinfällig geworden, am Ende haben wir eh nur Daten.
Da muß man sich mal hinsetzen und klipp und klar die Rechte und Schranken festlegen und nicht versuchen, mit Biegen und Brechen hundert Jahre alte Gesetze darauf anzuwenden. Das hätten die Piratenparteien leisten können, wenn sie sich nicht durch die CIA komplett zerlegen lassen hätten.

kershmallow Avatar
kershmallow:#97063

>>96808
> Wenn meine index.php das Framework included und dann meine Scripte, habe ich dann das Framework "eingebaut"?
Erlaubt unter LGPL, verboten unter GPL. Außer natürlich du gibst dein Programm unter GPL weiter. (Oder reicht auch GPL-Kompatibel? Bin mir da unsicher.)

>>96808
> >Was du wahrscheinlich meinst ist LGPL
>nein, das Framework steht unter GPL v3, es handelt sich um das fat-free-framework
Mit "was du meinst" beziehe ich mich darauf, was du hoffst, wofür GPL steht:
>ich habe ja das Framework nur kopiert, nicht verändert/modified, muss ich meine ganze Arbeit unter GPL veröffentlichen?
Erlaubt unter LGPL, verboten unter GPL (s.o.).

matt3224 Avatar
matt3224:#97746

>>97063
> Erlaubt unter LGPL, verboten unter GPL. Außer natürlich du gibst dein Programm unter GPL weiter.

Was wäre, wenn Bernd nur seine index.php nicht unter GPL sondern unter LGPL stellt, und dann diese mit unfreien Zeug bestrahlt?

aio___ Avatar
aio___:#97748

>>96808
Wollte nach dem Lesen des Fadens nach dem System fragen, da mir gleich F3 dazu eingefallen ist. Falls Du bcosca nach der proprietären Lizenz fragst, wäre es kühl, wenn Du den Preis hier pfostieren würdest.

PS: bcosca der Spaten dürfe eigentlich (nach meinem GPL-Verständnis) gar keine porprietäte Lizenz anbieten, da ich schon einigen Soßenkot beigetragen habe und nirgends meine Rechte abgegeben habe (wie ich es bei anderen Projekten schon machen durfte).