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Veröffentlicht am 2015-04-06 22:28:46 in /l/

/l/ 22758: Hat jemand Lust mit mir gemeinsam einen Text für d...

andyisonline Avatar
andyisonline:#22758

Hat jemand Lust mit mir gemeinsam einen Text für diesen Wettbewerb zu schreiben: http://fm4.orf.at/stories/1755147/ ?

Der Plan ist, eine Kurzgeschichte zu verfassen, die alle untenstehenden Kriterien erfüllt, also einen den Siegertext.

Einsendeschluss ist in einem Monat. Bild nicht themenbezogen.

bighanddesign Avatar
bighanddesign:#22759

Um allen Beteiligten unnötige Arbeit zu ersparen, hier einige Hinweise für (potentielle) Autoren, basierend auf den Anthologien der letzten Jahre:
1. Nehmt das Ausschreibungs-Motto nicht allzu ernst! Ein loser Bezug zum Thema lässt sich bei so ziemlich allen Geschichten herstellen – auch im Nachhinein – und wenn den Juroren eine Story zusagt, braucht auch überhaupt kein Bezug vorhanden zu sein. Beispiel: Die Siegergeschichte von 2010.
2. Storys aus folgenden Genres werden bereits von der Vorjury ausgesiebt: Krimi, Fantasy, Mystery, Historie, Satire, Science Fiction, Märchen, Abenteuer.
3. Was bleibt da noch übrig? mag man fragen. Alltagsgeschichten, Slice-of-Live-Stories aus dem Hier und Jetzt mit (vorgeblich) biographischem Hintergrund; so was halt.
4. Bevorzugt werden Geschichten aus der Ich-Perspektive, wenn’s geht, mit irgendeinem Bezug zur Medienbranche, sowie eher abgefuckte Charaktere.
5. Sei negativ! Gefragt sind Ennui, Weltschmerz, Sentimentalität und schlechter Sex.
6. Sei nicht witzig! Keine (Selbst-)Ironie! Schon gar keine geistreiche Schlusspointe!
7. Wenn du glaubst, deine Story sei banal, eher alltäglich und irgendwie langweilig, dann ist sie genau richtig!
8. Sei jung! Sei jünger! Sei hipp! Sei cool! Das gilt auch (aber nicht unbedingt) für die Charaktere, v.a. aber für die Autoren. Wenn du über 35 bist und keine Kontakte zur Medienbranche hast (als DJ oder etwas ähnlich cooles) – vergiss es! Oder nutz die Identität deiner Kinder, Neffen usw.
9. Sei nicht zu anspruchsvoll; benutz nicht zu viele big words!
10. Die gute Nachricht: Stilistisch ist so ziemlich alles möglich, vom vermeintlichem Naturalismus bis zur Avantgarde.

kazukichi_0914 Avatar
kazukichi_0914:#22760

Es folgen einige Ideen:

1) ein junger Mann mit kurdischem Migrationshintergrund hadert mit kultureller Entwurzelung, spätpubertärer Orientierungslosigkeit, Anfeindungen durch die Mehrheitsgesellschaft (et cetera, das Übliche halt). Er flüchtet sich in Gewalt- bzw. romantische Revolutionsphantasien. Als sein älterer Bruder bei der Verteidigung Kobanes fällt, beschließt er dessen Platz im kurdischen Freiheitskampf einzunehmen. Während der Reise nach Syrien findet er die große Liebe/den Tod/zu sich selbst.

2) eine junge Transfrau ohne Migrationshintergrund (man soll es auch nicht übertreiben) versucht ihre spätpubertäre Orientierungslosigkeit zu überwinden, indem sie die elterliche Kleinstadt verlässt und krampfhaft versucht, sich in der Großstadt eine neue Identität als gute Informatikerin und DJane aufzubauen. Schließlich erkennt sie, dass vordefinierte Identitäten der eigentliche Krebs sind, beschließt nach Hause zurückzukehren und findet auf dem Weg dorthin ihre große Liebe/den Tod/zu sich selbst.

3) eine junge Frau mit polnischem Migrationshintergrund versucht ihre spätpubertäre Orientierungslosigkeit durch Drogenkonsum und Promiskuität zu überwinden. Eines Nachts wird sie Zeugin einer Vergewaltigung, versucht einzuschreiten und schlägt im folgenden Handgemenge unglücklich mit dem Hinterkopf an einen Waschtisch aus Kunstmarmor. Im Krankenhaus wird ihr klar, dass sie selbst als Kind von ihrem Onkel Krzysztof missbraucht wurde. Sie erkennt, dass sie ihren selbstzerstörerischen Lebenswandel nur ändern kann, wenn sie ihrem Onkel gegenübertritt und so ihr seelisches Trauma verarbeitet. Zu diesem Zweck besorgt sich sich von ihrem Exfreund Mirhat kurz vor dessen Abreise nach Rojava (es handelt sich um den Bruder von 1) eine alte Glock 26. Im Nachtzug nach Breslau begegnet sie einem geheimnisvollen Fremden und findet die große Liebe/den Tod/zu sich selbst.

4) ein dickes Mädchen wird im Internet gemobbt. Nach einigen mäßig interessanten Ereignissen, die in Form von weinerlichen Blogeinträgen wiedergegeben werden, findet sie die wahre Liebe (in Gestalt von 5)/den Tod/zu sich selbst.

5) ein polyamouröser Endzwanziger suhlt sich in seiner postpubertären Orientierungslosigkeit und gefällt sich in der Pose des selbstzerstörerischen digitalen Bohemiens. Auf der re:publica findet er die wahre Liebe in Gestalt von 1,2,3 und 4/endlich den Drogentod/zu sich selbst (als ob).

Ende der Ideensammlung

VinThomas Avatar
VinThomas:#22761

>>22760
Ein Schnüff Ende ist ein sehr schönes Stilmittel, befürchte aber, dass es nicht als Siegerstück akzeptiert werden wird! Liefere deshalb unbedingt ein zweites alternatives Hollywoodende ab, wo der Hausneger oder besser "Glozzo" die Springerstiefel-Glatze mit den Worten "du sollst leben!" stirbt, weil er seine rassistische Bösarschigkeit am Ende einsieht und die fette Runing-Gag-Tunte auf Kosten seiner eigenen Hoden rettet.

Bei einem solchen Wettbewerb darf Nichtgewinner-Bernd sicher sein, seine besten Ideen im neuesten Werk von Helene Hegemann und Papa verwurstet wieder zu finden.

Die Jury:
Sonja Eismann (Journalistin und Autorin)
Wladimir Kaminer (Schriftsteller und Kolumnist)
Angelika Reitzer (Schriftstellerin)
Tex Rubinowitz (Witzzeichner und Autor)
Christoph Strolz (Wortlautgewinner 2014)

Das sind mindesten 2,5 Juden. Nur lobend erwähnen wollend.

solid_color Avatar
solid_color:#22762

>>22758
Was springe da für Bernd raus?

curiousonaut Avatar
curiousonaut:#22763

>>22760
>große Liebe/den Tod/zu sich selbst

Warum nicht alle drei Dinge?

Auch: Könnte man nicht einfach einen guten Faden literarisch etwas umarbeiten und
die so entstandene Geschichte unter dem Namen Bernd Lauert einreichen? Auf /b/ und /we/ gibt es doch mehr als genug Material dafür.

tweet_john Avatar
tweet_john:#22764

>>22761
>Ein Schnüff Ende ist ein sehr schönes Stilmittel, befürchte aber, dass es nicht als Siegerstück akzeptiert werden wird!

Nicht sicher. Eigentlich wollte ich ein Stück selbstverliebte, depressive Jugendliteratur einsenden. Alltagsszenen mit einigen poetischen Momenten, die Gegenwart als hormongeschwängerter Kleinstadtalbtraum, die Zukunft als verheißungsvolles Nordlicht in einer ungewissen Ferne. Sowas halt. Das jeweilige Ende bliebe angedeutet.

Die Tatsache, dass mindestens zwei Jurymitglieder selbst eher absurde und komische Texte schreiben, gibt mir aber zu denken. Vielleicht führt der Weg zum Endsieg doch eher in die von dir vorgeschlagene Richtung - andererseits gibt es auch eine Vorjury... schwierig, schwierig.

>Das sind mindesten 2,5 Juden.

Glaub nicht. Rubinowitz ist bloß ein Künstlername, Kaminer... keine Ahnung, könnte sein. Falls du doch Recht hast, was wären die strategischen Implikationen?

gmourier Avatar
gmourier:#22767

>>22763
>Warum nicht alle drei Dinge?

Ich würde das Ende wie gesagt eher offen- und den jeweiligen Helden in eine ungewisse Zukunft entlassen. Das mit "Liebe/Tod/Selbstfindung" sollte witzig gemeint sein. Kommt nicht wieder vor (im Grunde geht es natürlich immer um diese Dinge, darüber sind wir uns vermutlich einig).

>Könnte man nicht einfach einen guten Faden literarisch etwas umarbeiten und die so entstandene Geschichte unter dem Namen Bernd Lauert einreichen?

Finde ich gut. Der Bildbrettfaden als literarische Form wird leider immer noch unterschätzt. Wenn du einen konkreten Vorschlag hast, würde ich mich gern genauer darüber unterhalten. Ob so etwas für diesen Wettbewerb geeignet ist, muss man sehen (vielleicht könnte man in die Richtung "weinerliche Blogeinträge" arbeiten wie in 4 vorgeschlagen).

>>22762
Das Preisgeld findest du auf der im Originalpfosten angegebenen Seite, Berndi.

jitachi Avatar
jitachi:#22768

>>22767
Loserbernd wäre doch eine geeignete Figur, nicht?

kennyadr Avatar
kennyadr:#22769

>>22768
Für den Wettbewerb sicher nicht (zu weiß, zu männlich und zu langweilig für ein junges, hippes Publikum).

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#22770

Reich doch eine "Post von Wagner"-Pastete ein, die scheinen mir ganz gut zu diesem Wettbewerb zu passen.

shesgared Avatar
shesgared:#22772

>>22769
Aber er ist doch gelb wie ein jeder Chinese.

andyisonline Avatar
andyisonline:#22776

>>22772
"Jahrelang glaubtest du mich an der Gelbsucht erkrankt. Dabei bin ich Mongole!"

jeremyworboys Avatar
jeremyworboys:#22777

>>22764
>die strategischen Implikationen?
Die klassische Komplikation ist, das solche Wettbewerbe zumeist unter den zahlenden Schülern der Proffessorn ausgeschnappst werden.
Bernd hat mal an einem Entwurfs-Wettbewerb teilgenommen, der Oberkurator war mit einer Anverwandten von Bernd liiert und so erfuhr Bernd, dass die Veranstalter eigentlich auf "namhafte Künstler" als Teilnehmer spekulierten um mit einem so geadelten Bauwerk am Kunst-Tourismus zu partizipieren. Bernd postulierte daraufhin, das für das eher magere Gewinngeld von 7500,- kein namhafter Künstler seinen goldnen Hintern aus dem Bett heben werde, und so geschah es auch. Bernd prokrastinierte den Abgabetermin, den Wettbewerb gewann ein gesichtsloser, schlampig modellierter Agenturentwurf, das Preisgeld ging raus, aber das Objekt wurde nie gebaut.
Bernd würde es trotzdem versuchen, um dann bei Ablehnung die Jury auf Diskriminierung zu verklagen.

Kaminer schreibt in Russendisko: "Es hiess das ein Kontingent Juden in die BRD ausreisen durften. Wir wurden alle Juden."
Kennst du schon die beiden amüsierten Herren aus dem Video hier?
https://www.youtube.com/watch?v=Vgt2J54iZOQ
Cleverles.

VinThomas Avatar
VinThomas:#22778

>>22777
Naja, der Preis ist ja sehr niedrig dotiert und Prestige ist auch keines damit verbunden - glaube eigentlich nicht, dass hier großartig betrogen wird.

Mir ist allerdings gerade aufgefallen, dass der letztjährige Gewinner ein Mann war. Da mit der Eismann offensichtlich eine Gleichstellungsbeauftragte in der Jury sitzt, muss es diesmal eine Frau werden. Das erschwert die Sache, da man den Klarnamen angeben muss. Ich glaube, ein Transmonsterdrama drängt sich unter diesen Umständen geradezu auf.

timgthomas Avatar
timgthomas:#22779

>>22767

>Kommt nicht wieder vor

Schade. Ich fand's schon witzig.

>>22769

Man könnte aber versuchen, einen sehr weißen sehr Mann sehr krass scheitern zu lassen. Das könnte dann wieder oke sein.

Auch: 24.000 Zeichen – das ist nicht so viel, oder?

Auch auch: Kriegen wir nicht Ärger, wenn wir die hier öffentlich gemeinsam bearbeiten, denn die Geschichte soll ja unoch unveröffentlicht sein. Und mitttlerweile wird hier ja alles über Krautkanal aufgezeichnet und auch google-indiziert, denke ich.

terpimost Avatar
terpimost:#22784

>>>22779
>Auch: 24.000 Zeichen – das ist nicht so viel, oder?

Nein, es sind ungefähr sechs Seiten oder der maximale Buffer des von Data Becker für den Commodore C64 entwickelten Textverarbeitungsprogrammes "Textomat". 24000 Zeichen ist übrigens die maximale Länge - der Text kann auch kürzer sein.

>Auch auch: Kriegen wir nicht Ärger, wenn wir die hier öffentlich gemeinsam bearbeiten

Man müsste sich natürlich konspirativ vernetzwerken und Banden bilden [email protected]

illyzoren Avatar
illyzoren:#22789

>>22784
Habe mich vertan: [email protected]

hoangloi Avatar
hoangloi:#22790

>>22784
>>22789

Wir könnten uns auch mal im IRC verabreden. Hätte "heute" so ab 24 Uhr Zeit.

katiemdaly Avatar
katiemdaly:#22792

>>22790
ja, warum nicht. Ich bin der mit der Rose im Knopfloch.

mactopus Avatar
mactopus:#22843

Bernds Anfang. Für die Geschichte mit der Transfrau aus der ostdeutschen Provinz. Sie macht auf was mit Medien und so. Ein total angesagtes Modeblog vielleicht. Lohnt es sich oder soll Bernd gleich aufgeben?


7:00
Meine Nippel, hart wie Deutschlands Jugend im Winter '41, zum zerbersten gespannt. Vor mir, majestätisch thronend, der neue Analdildo: pink, dicht genoppelt; roh. Drachengröße. Frisch geliefert von einem gehetzten Postboten (Topos seit der Antike); davor: frisch verpackt, irgendwo in der mitteldeutschen Provinz, von unbedeutend, unbekannter Hand.
Die letzten Sonnenstrahlen quetschen sich aus Wolkenschlitzen am Himmel, fallen hinab, klettern frech durch das angekippte Fenster, und werfen hinter dem Kunststoff-Monument lange Schatten. Der wohlgelaubte Wald flüstert. Vögel vorbeizwitschern gen Süden, an einen besseren Ort (locus amoenus).
Ich erblicke den gilbenden Zettel auf dem Tischbrett. Nehme ihn in die Hand, lese; nochmals.
Aderlass im Seelensack. Herrgott! Gebrauchsanweisung auf Japanisch und Finnisch. Zum Glück sinnfällig bebildert. Eidetisch donnernd geradezu. Erheiternd großäugige Zeichentrickfiguren lehrmeistern die korrekte und sichere Anwendung. Anale Stimulation nach Zahlen. Kindertagesfestleicht:
1. Dildo mit Gleitgel einreiben. 2. Eigenes Rektum mit Gleitgel einreiben. 3. Dildo langsam anal einführen.
Herzlichen Glückwunsch! Feuerwerksexplosionen. Wagnerianisches Getöse mit viel Pomp. Aber niemand da zum Händeschütteln.
7:06
Die Langsamkeit des Eindringens zent tief im Basis-Chakra. Ataraxia macht sich breit. Terribilis est locus iste. Hic domus dei est et porta caeli et vocabitur aula dei.
8:45
Befleckt, die Sauerei aufwischend, blicke zärtlich ich in das tiefschwarze Antlitz der Nacht. Wind: leichte Brise aus Süd=Süd=Ost. Im Umkreis von fünf nautischen Meilen nur Ingrimm, Irrtum. Oben ohne trete ich auf den Balkon. Lasse die kühle Nachtluft am Körper werken. Auf der Tanzkarte für heute keine Namen; nur ein schlecht gemalter Dildo. Kleiner Scherz, haha. Wie Großmutter sagte: Ein vergrabener Stein bleibt dumm.
Hatten es nicht leicht die alten Leute damals. Erlebten wilde Zeiten. Führer, Hippies, Helmut Kohl. Degeneration eines Menschengeschlechts in nur drei Generationen. Germania weint rhythmisch tropfend am Rhein blutige Tränen. Eins, zwei, drei; eins, zwei, drei; drüber walzert das Volk. Die Frauen, das Haar betucht oder gleich völlig beburkat; sehschlitzig guckend. Überall nur mehr fremdzungig giftendende Wortkatarakte, die nicht länger in den eigenen Mund passen.

alexradsby Avatar
alexradsby:#22846

>>22843
Trollwille ist sofort auffällig. Steige etwas sanfter, wenn du kannst, raffinierter, ein.
Versuche es mit einem Zwielicht zwischen Echtleben und virtuellem Elend.

craighenneberry Avatar
craighenneberry:#22847

Hallo, Arno-Schmidt-Bernd! Deine Gewinnchancen sehe ich so ziemlich bei Null. Text brachte mich aber zum Schmunzeln, mach ruhig weiter.

Der Einstieg ist ein wenig sehr auf den Effekt hin geschrieben, da gebe ich meinem Vorbernd recht. Die "O Abendland"-Litanei am Ende könnte straffer sein.

haydn_woods Avatar
haydn_woods:#22848

>>22846
>Trollwille ist sofort auffällig.
Du denkst zu sehr in KC-Kriterien. Das geht glatt als Avantgarde durch.

garethbjenkins Avatar
garethbjenkins:#22849

>>22848
Ich fürchte du hast recht.
War nicht der Avantgardeliterat der Troll des 19ten Jahrunderts?

fatihturan Avatar
fatihturan:#22858

>sei selbst überaus witzig
>6. Sei nicht witzig! Keine (Selbst-)Ironie!

Tol.

samscouto Avatar
samscouto:#22860

>>22858
Du weißt aber schon, dass sich die meisten Menschen für überaus witzig und kreativ halten. Bernd begegnet dem immer, indem er Humors- und Kreativitätszuweisungen in Gesprächen verneint. Das ist aber auch keine Lösung und macht Bernd nur noch mehr zum inneren Waldschrat ;____;


===================
9:13
Neulich las ich: Merkel trennt privat ihren Müll nicht. Eindeutig der Versuch absolutistische Hoheitsrechte an der symbolträchtigen teutschen Abfalltonne zu erlangen! Hab mokant gelächelt. Ostzonal-sozialistisch in der Jugend, friedlich nackisch badend (unrasiert, beinbärtig!), mangeln der Frau Hochwohlweisen Bundeskanzlerin doch die Erlebnisse folgender Urphänomene: Soldat sein müssen, Krieg, Kriegsgefangenschaft, Hunger; stattdessen: maulwurfig, klandestine politische Arbeit im Namen des Volks=Körpers. Klabautermannig an die Holzwand klopfend. So sind's!
Doch das dumpf=betäubte Volk, fernsehglotzverdumt – Memoria abhold – harrt sitzbuckelnd ungewöhnlich proportional, augglitzernd, vor dem Altar der passiven Unterhaltung (vulgo: Flimmerkiste); ohrlidlos, Sachen begehrend, die niemand haben muss. Wildgänsend, beidseitig dick bebuttert.
9:17
Das erste Wort, das ich als Kleinkind sprach, war: nein. NEIN=KIND. Die Eierschalen des großen Nichts klebten noch an mir. Leeres, sauberes Nichts; weitweit reichliches Nichts. Nichts=Nichts. Emotional=terroristisches Genie ohne Talent (Musil et cetera); von ambitusanlag=hausend, austrainierten Kampfmaschien=Tatarengeistern filzbedeckt und mit reichlich Fett aufgefüttert. Solch Schande kann nicht aus dem Herczen eines Ritters kommen, aus feurig=durchfensterter Westfront der Künstlerseele allerdings schon.
Ha! Das wird sogleich getwittert! Feurig=durchfensterte Westfront der Künstlerseele.
Klingt mythisch=mysteriös, Raum für eigene Assoziationen; avantgardistisch=chamäleonartig, post=postmodern. Dazu vielleicht noch die Photographie der bestrumpfhosten Hundewelpen am Ostseestrand (it's all about location, location, location!); letztsommerlich aufgenommen, unpubliziert.
Pro: ICH; feurig, ein Jahr jünger! Kontra: vegan=tierschützernde Leserschaft; der Realität krawallig=klackernd hinterherhinkend.
Vielleicht doch keine so gute Idee.
11:25
Seins=Fiction=Film. Habe fast geweint, trotz mühsam erworbener Misanthropie; massiv willensgebrochen in den Schlaf.

Am Morgen:
Die Mutter, anfänglich groß gaudio bölkend, ob der Heimkehr des Sohnes (nun: Tochter, ohne heiligen Gral; das liegt in der Natur der Sache, Heinz!), fürderhin dunstkreisig, erfrischend grob ums Zimmer schwirrende Vesta! Knarzend, holzig=bekannt, sich öffnende Tür:


Mutter: S'gibt Frühstück. Steh auf mein Kind (sic!).
Tochter: Mosis, I, 3, 15.
Mutter: Was?
Tochter: Ach, vergiss s. Ich komm gleich.

===========
Eigentlich wollte Bernd zuerst „(sic!; die cis-sum!)“ schreiben, aber ich glaube, dass das nicht so gut an diese Stelle passt. Eigentlich überhaupt nicht. Die neue Beziehung zwischen Mutter und Tochter soll eine gute sein. Eine bessere. Nicht so wie die zwischen Mutter und Sohn. Frau sein = Leben auf leicht spielen. Ist bekannt, ja? Vielleicht sollte die Mutter die Tochter auch beim Namen nennen. Dann fiele das „(sic!)“ weg. Wie nennt sich nochmal der dicke Bernd aus dem Pott zur Zeit: Kristine? Christine? So in der Art, oder? „Es gibt Frühstück. Steh auf Christine“ Klingt das gut? Oder eher Tienchen. Die Mutter freut sich inzwischen bestimmt endlich eine Tochter zu haben. Nach anfänglichem Schock versteht sich! Auch: Moses, I, 3, 15 könnte gegen eine bessere Stelle ausgetauscht werden. Bernd ist absolut nicht bibelfest. Hinweise daher in den Faden. Bitte nichts aus dem Koran. Es soll ja nicht zu klischeehaft werden… (man beachte die richtigen Auslassungspunkte!)

grafxiq Avatar
grafxiq:#22863

>>22860
>Bernd begegnet dem immer, indem er Humors- und Kreativitätszuweisungen in Gesprächen verneint.

Kenne sowohl das Fühl als auch die beschriebene Gegenmaßnahme. Allerdings habe ich meinen inneren Waldschrat längst ins Herz geschlossen (ich nennen ihn "Bernd").

Über 11:25 musste ich laut lachen. Ich freue mich - das twitter' ich.

Zu den Fragen im Spoiler vielleicht später noch was, wenn mir was einfällt, also vermutlich nie.

marshallchen_ Avatar
marshallchen_:#22871

>>22860
Das Kohelet ist bei der Bibel immer gut.

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#22886

>>22860
>Moses, I, 3, 15 könnte gegen eine bessere Stelle ausgetauscht werden. Bernd ist absolut nicht bibelfest.

Ich bin auch nicht bibelfest hab aber vor einiger Zeit zu Maria Magdalena recherchiert. Es gibt eine hübsche Stelle bei Johannes, in der Jesus am Kreuz hängt und seinen Lieblingsjünger mit den Worten "ecce filius tuus" seiner Mama anvertraut (bzw. seine Mama dem Jünger). Einige vertreten die Meinung, dieser Lieblingsjünger sei die Magdalena gewesen...

Die Stelle ist Johannes 19,26.

Auf den Scherz mit "mein Kind (!)" würde ich an deiner Stelle ungern verzichten. Der letzte Satz der Tochter am Ende genügt, um eine mögliche Versöhnung anzudeuten oder auf eine solche hinzuführen.

pakhandrin Avatar
pakhandrin:#22899

>>22886
Ich schneie hier nur gerade so herein und mir erschließt sich vielleicht nicht die Komik deines Pfostens, aber sowohl die lateinische Formulierung als auch das allgemein verfügbare Wissen zum NT sprechen von Johannes als vom Lieblingsjünger Jesu. Maria Magdalena war seine engste Vertraute, sein Verhältnis zu ihr ist kreativ bearbeitet worden in Dostojewskis Schuld und Sühne, wo Maria Magdalena durch Sonja dargestellt wird: die Sünderin aus Liebe und Opferbereitschaft.

vaughanmoffitt Avatar
vaughanmoffitt:#22900

>>22899
Ja, Aluhuttheorie halt. Filius passt zum Thema Genderverwirrtheit.