Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2015-06-25 23:17:0 in /l/

/l/ 23279: Erich Kästner

malgordon Avatar
malgordon:#23279

Im Anhang eine Lesung von drei Gedichten von Erich Kästner. Viel Vergnügen.

areus Avatar
areus:#23283

>>23279
Dies sind die Gedichte:

http://mkolar.org/misc/Kaestner.html

http://interaktiv.schroedel.de/index.php?id=1376

http://interaktiv.schroedel.de/index.php?id=1376

Habe nichts zu tun, auf Wunsch lese ich etwas für Bernd ein, bin für Vorschläge offen.

kinday Avatar
kinday:#23284

>>23283
Du kannst ja Berndcomics einlesen. Bitte mit unterschiedlichen Stimmen. Oder die drei Geschichten vom Herrn B.:
Bdolf Blech - Geschichten vom Herrn B.

1.) Warum Herr B. kein Glück bei den Frauen hatte

Herr B. konnte sich nur sehr schlecht beherrschen. Erschienen Frauen in seinem Gesichtskreis, hatte er den unwiderstehlichen Drang zu schreien: "Ich brauche aber meinen geregelten Geschlechtsverkehr!" In der Regel gab es für ihn dann kein Halten meer. Er kreischte, zeterte und zuckte. Er fuhr seine Zunge aus und musste die Gesichter der entsetzten Frauen ablecken. Das war sehr unangenehm. Meist versuchte er auch mit seiner Zunge den Schoß seines weiblichen Gegenübers zu berühren. Oder spielerisch seine Kiefer um den Venushügel zu platzieren. Seine Augen rollten und seine Sprache war vollkommen unartikuliert. Er winselte wie ein halbtot geprügelter Hund. Er rieb sich an den Fesseln und Waden der fliehen wollenden Frauen. Er wand sich auf dem Boden wie ein verhaltensgestörter Wurm. Speichel trat aus. Manchmal Magensaft. Schön war das nicht. Herr B. hatte kein Glück bei Frauen

2.) Warum Herr B. keinen Besuch empfangen wollte

An sich gab es keinen Grund, warum Herr B. nicht ein geselliger Mensch hätte sein können. Er besaß einen wunderschönen, erlesen eingerichteten Keller im besten Viertel der Stadt. Ungewöhnlich stark war sein Gespür für subtile Gestaltung, eloquente Unterhaltung, sogar über fast professionelle Kochkünste verfügte diese Person. Handelte es sich bei dem Besuch jedoch um ein weibliches Wesen, so drohten Komplikationen. Auch ein erlesenes Menü edelster Weine oder exquisites Markengebäck würden nicht ausreichen die durch sein Gebaren hervorgerufenen Irritationen wieder gut zu machen. So blieben nur die Angehörigen des männlichen Geschlechts für seine Gastrolle übrig. Bei ihnen kam aber eine andere Komplikation ins Spiel: Herr B. besaß den unwiderstehlichen Drang, sobald sich ein Gast wieder von der benutzten Sitzgelegenheit erhoben hatte, umgehend an der noch warmen Sitzfläche zu schnüffeln. Bei früheren Gelegenheiten hatte er sich oft nicht beherrschen können, wenn sein Gegenüber für einen Augenblick auf der Toilette verschwunden war. Wie peinlich! Der Betreffende kam zurück und Herr B. kauerte vor den Sitzmöbeln und suchte mit allen Sinnesorganen die Emanationen des zugehörigen Gesäßes zu erforschen. Er beschnüffelte die Sitzfläche und beleckte sie mit seiner Zunge. Dabei geriet er in eine Art unbehaglich machender Raserei, die selbst tolerantere, aufgeklärte Naturen zu verunsichern pflegte. Nein, diese Schande, von anderen bei derart privaten Leidenschaften ertappt zu werden! Deshalb kamen Herrn B. keine Besucher meer ins Haus.


3.)Warum Herr B. überhaupt so menschenscheu war

Trotz seiner sehr persönlichen Eigenschaften und Angewohnheiten war Herr B. eigentlich ein sehr hilfsbereiter und umgänglicher Mensch. Eines Tages kam ein Scherge des Diktators und fragte: "Wirst du mir dienen?" Herr B. war sich nicht sicher gewesen, welche Antwort die richtige war, denn in jenen Tagen konnte man für die falsche Antwort bereits sein Leben lassen. Andererseits konnte zu viel Arschkriecherei auch bereits das Todesurteil bedeuten. Herr B. dachte also er habe einen schlauen Plan und sagte gar nichts, bedeutete jedoch dem dunklen Schergen gestisch seine Bereitschaft zum dienen. Dem Schergen war es einerlei, er verzichtete auf eine akustische Bekräftigung und ließ Herrn B. sieben mal sieben Jahre niedrigste und widerliche Tätigkeiten ausführen. Als eines schönen Tages das Regime von einem neuen abgelöst wurde, hing Herr B. dick mit drin. Das neue Regime hätte ihn um ein Haar vom Leben zum Tode befördert. Nur mit viel Gewinsel und Bettelei ließ man ihm sein Leben und gewährte ihm die Umwandlung in eine Strafe von sieben mal sieben Jahren. Nach diesem Schreck hatte er von Gesprächen mit seinen Mitmenschen genug und vermied unter Hinweis auf seine zahlreichen quälenden Perversionen jeden Kontakt.

creartinc Avatar
creartinc:#23301

>>23279
1.Wozu Lesungen? Lesungen kann ich auch vom Google machen lassen. Dem geht die Puste nicht aus und die Artikulation ist auch auf dem höchsten Niveau. Versuche doch ein Gedicht zu deklamieren oder zu vertonen. Parodiere ein Gedicht. Schreibe ein Antwortgedicht. Es doch nichts kreatives daran etwas vorzulesen.

2.Bei dir fließt die letzte Sentenz: "ich lebe trotzdem weiter!" direkt in den Professor Bummke rein. Du wirst bei "PROF" nur lauter. Wenn's dir nicht nach dramatischen Pausen war oder nach Zwischengeschwafel gewesen hättest du gleich drei Dateien in die erste Pfostierung packen können.

3.Du hast das dritte Gedicht gar nicht verlinkt was nicht weiter schlimm ist da es ja keine Deklamation sondern nur eine kümmerliche Lesung ist.

4.Danke für die Mühe, isidor. Dafür sind die Meisten hier zu scheu. Was du aber damit wolltest ist nicht klar. Ist das ein Kästnerstrang? Wolltest du den Inhalt diskutieren: ob es dem bernde nicht auch, ab und dann, nach Bäumchen ist? Oder wolltest du Kritiken? Ich habe es als Letzteres verstanden.

ggavrilo Avatar
ggavrilo:#23311

>>23301
Tatsächlich ist es wie die Überschrift sagt, ein Erich Kästner-Faden und Bernd kann sehr gerne Lieblingszitate, Gedichte und Empfehlungen von ihm oder vergleichbarer Autoren pfostieren.
Als Kind habe ich zwar nicht Emil und die Detektive gelesen, aber Pünktchen und Anton und mein Großvater hat mir das Buch von den Schildbürgern geschenkt.
Die drei Gedichte sind meine Lieblingsgedichte von Kästner. Der unscheinbare Ton scheint mir bei der Lesung angebracht, es ist ja nun nicht Baudelaire oder Nietzsche. In jeden Fall vielen Dank für die Rückmeldung.

bagawarman Avatar
bagawarman:#23312

>>23311
Sogenannte Klassefrauen Autor: Erich Kästner

Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die Klassefrauen,
weil es Mode ist, die Nägel rot !
Wenn es Mode wird, sie abzukauen
oder mit dem Hammer blauzuhauen,
tun sie's auch. und freuen sich halbtot.

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben,
oder falls man die nicht hat, den Bauch . . .
Wenn es Mode wird, als Kind zu sterben
oder sich die Hände gelbzugerben,
bis sie Handschuhn ähneln, tun sie's auch.

Wenn es Mode wird, sich schwarzzuschmieren . . .
Wenn verrückte Gänse in Paris
sich die Haut wie Chinakrepp plissieren . . .
Wenn es Mode wird, auf allen Vieren
durch die Stadt zu kriechen, machen sie's.

Wenn es gälte, Volapük zu lernen
und die Nasenlöcher zuzunähn
und die Schädeldecke zu entfernen
und das Bein zu heben an Laternen,
morgen könnten wir's bei ihnen sehn.

Denn sie fliegen wie mit Engelsflügeln
immer auf den ersten besten Mist.
Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln !
Und sie sind auf keine Art zu zügeln,
wenn sie hören, daß was Mode ist.

Wenn's doch Mode würde, zu verblöden !
Denn in dieser Hinsicht sind sie groß.
Wenn's doch Mode würde, diesen Kröten
jede Öffnung einzeln zuzulöten !
Denn dann wären wir sie endlich los.

Ende der Kästnerschen Gewaltfantasie.
Aber Bitte, jedem das seine.

souperphly Avatar
souperphly:#23313

>>23312
Aufschrei! Warum steht dieser Verbrecher nicht auf dem Index?! Skandalös!

exevil Avatar
exevil:#23314

>>23313
Klang eher nach einer sachlichen Feststellung als nach einem Aufschrei.

enriquemmorgan Avatar
enriquemmorgan:#23315

>>23312
>Wenn es Mode wird, sich schwarzzuschmieren
Du hast vergessen darauf hinzuweisen, dass hier eine rassistische Grundhaltung erkennbar wird.
#blackfacing

P.S.: ich werde das bei meinem nächsten Treffen des antifaschistischen Bibelkreises der Jungen Liberalen mal thematisieren.

mutlu82 Avatar
mutlu82:#23317

>>23311
>>23312
Gut. Dann will hier meine eigene Kästnersammlung hier pfostieren. Anfangen will mit dem Thema Uhren und Lampen.

Farlipt

Täglich seh ich sie dort stehenbleiben
und gebannt in jene Scheiben starren,
hinter denen unser Tun und Treiben
nicht beachtend, Särge auf uns harren.

Täglich seh ich, wie ihr Auge blitzt,
wenn sie in das Fenster blickt.
Was stimmt sie heiter?
Ach, sie prüft nur, ob ihr Hütchen sitzt.
Nichts weiter

//

Das Fühl I

Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine.
Kennst das Leben. Weisst Bescheid.

//

Datierung

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

//

Das Fühl II

Alles, was erlaubt ist, ist verboten.
Wer die Liebe liebt, muss in den Wald.
Oder macht, noch besser, einen Knoten
in sein Maskulinum. Und zwar bald.


//

Hotel Mama

Seine Mutter hielt den Kopf gesenkt.
Und sie schrieb gerade an den Vater:
"Heute abend gehen wir ins Theater
Erich kriegte zwei Billets geschenkt."

Und er tat, als ob er fleißig las.
Doch er sah die Nähe und die Ferne,
sah den Himmel und zehntausend Sterne
und die alte Frau, die drunter saß.

Einsam saß sie neben ihrem Sohn.
Leise lächelnd. Ohne es zu wissen.
Stadt und Sterne wirkten wie Kulissen.
Und der Wirtshausstuhl war wie ein Tron.

Ihn ergriff das Bild. Er blickte fort.
Wenn sie mir schreibt, mußte er noch denken,
wird sie ihren Kopf genau so senken.
Und dann las er. Und verstand kein Wort.

Seine Mutter saß am Tisch und schrieb.
Ernsthaft rückte sie an ihrer Brille,
und die Feder kratzte in der Stille.
Und er dachte: Gott, hab ich sie lieb!

wahidanggara Avatar
wahidanggara:#23318

>>23317
>Anfangen will !! mit dem Thema Uhren und Lampen.
*ich
Jetzt will ICH, zur Abwechslung, was politisches pfostieren. Kästner war ein kleines bisschen Dissident (und im Nationalsozialismus ist er sogar Drehbuchauthor gewesen! ! !)

Nachruf an Dr. Axel Stoll, den promovierten Naturwissenschaftler

Das, was er schrieb, war manchmal Dichtung,
doch um zu dichten, schrieb er nie.
Es gab kein Ziel. Er fand die Richtung.
Er war ein Mann und kein Genie.

Er war ein Mann wie keiner wieder,
obwohl er keinen Säbel schwang.
Er schlug den Feind mit Worten nieder,
und keinen gab's, den er nicht zwang.

Er stand allein und kämpfte ehrlich
und schlug der Zeit die Fenster ein.
Nichts auf der Welt macht so gefährlich,
als tapfer und allein zu sein!

Er rang sein Leben lang um Klarheit.
Das war sein einziges Programm.
Er respektierte nur die Wahrheit
und stand vor Kreuz und Thron nicht stramm.

//

Über DIE ... (na, ihr wisst schon)

Der kann sich freuen, der die nicht kennt!
Ihr fragt noch immer: Wen?
Sie borgen sich Geld für fünf Prozent
und leihen es weiter zu zehn.

Sie haben noch nie mit der Wimper gezuckt,
Ihr Herz stand noch niemals still.
Die Differenzen sind ihr Produkt.
(Das kann man verstehn, wie man will.)

Ihr Appetit ist bodenlos.
Sie fressen Gott und die Welt.
Sie säen nicht. Sie ernten bloß.
Und schwängern ihr eignes Geld.

Sie sind die Hexer in Person
und zaubern aus hohler Hand.
Sie machen Gold am Telefon
und Petroleum aus Sand.

Das Geld wird flüssig. Das Geld wird knapp.
Sie machen das ganz nach Bedarf.
Und schneiden den andern die Hälse ab.
Papier ist manchmal scharf.

Sie glauben den Regeln der Regeldetrie
und glauben nicht recht an Gott.
Sie haben nur eine Sympathie.
Sie lieben das Geld. Und das Geld liebt sie.
(Doch einmal macht jeder Bankrott!)

//

Chemtrails

Am zwölften Juli des Jahres 2003
lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
daß ein Bombengeschwader der Luftpolizei
die gesamte Menschheit ausrotten werde.

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
daß der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
sich gar nicht anders verwirklichen läßt,
als alle Beteiligten zu vergiften.

Zu fliehen, wurde erklärt, habe keinen Zweck,
Nicht eine Seele dürfe am Leben bleiben.
Das neue Giftgas krieche in jedes Versteck,
man habe nicht einmal nötig, sich selbst zu entleiben.

Am 13. Juli flogen von Boston eintausend
mit Gas und Bazillen beladene Flugzeuge fort
und vollbrachten, rund um den Globus sausend,
den von der Weltregierung befohlenen Mord.

Die Menschen krochen winselnd unter die Betten.
Sie stürzten in ihre Keller und in den Wald.
Das Gift hing gelb wie Wolken über den Städten.
Millionen Leichen lagen auf dem Asphalt.

Jeder dachte, er könne dem Tod entgehen,
keiner entging dem Tod und die Welt wurde leer.
Das Gift war überall, es schlich wie auf Zehen.
Es lief die Wüsten entlang, und es schwamm übers Meer.

Die Menschen lagen gebündelt wie faulende Garben.
Andere hingen wie Puppen zum Fenster heraus.
Die Tiere im Zoo schrien schrecklich, bevor sie starben.
Und langsam löschten die großen Hochöfen aus.

Dampfer schwankten im Meer, beladen mit Toten.
Und weder Weinen noch Lachen war mehr auf der Welt.
Die Flugzeuge irrten mit tausend toten Piloten,
unter dem Himmel und sanken brennend ins Feld.

Jetzt hatte die Menschheit endlich erreicht, was sie wollte.
Zwar war die Methode nicht ausgesprochen human.
Die Erde war aber endlich still und zufrieden und rollte
völlig beruhigt ihre bekannte elliptische Bahn.

souuf Avatar
souuf:#23319

>>23318
Ich hätte Teil 2. "Zeitgedichte" nennen sollen. Das klänge nicht so arche-grob. Nun aber zurück zu den Berndgedichten.

Busfahrer an den Bernd

Mensch, werde rund, Direktor und borniert.
Trag sonntags Frack und Esse.
Und wenn dich wer nicht respektiert,
dann hau ihm in die Fresse.

Sei dumm. Doch sei es mit Verstand.
Je dümmer, desto klüger.
Tritt morgen in den Schutzverband.
Duz dich mit Schulz und Krüger.

Nimm ihre Frauen oft zum Übernachten.
Das ist so üblich. Und heißt Freiverkehr.
Es lohnt sich nicht, die Menschen zu verachten.
Und weil die Welt bewohnt wird, ist sie leer.

Du darfst dich nicht zu oft bewegen lassen,
den andern Menschen in Gesicht zu spein.
Meist lohnt es nicht, sich damit zu befassen.
Sie sind nicht böse. Sie sind nur gemein.

Ja, wenn die Welt vielleicht quadratisch wär!
Und all die Dummen fielen ins Klosett!
Dann gäb es keine Menschen mehr.
Dann wär das Leben nett.

Wie dann die Amseln und die Veilchen lachten!
Die Welt bleibt rund. Und du bleibst ein Idiot.
Es lohnt sich nicht, die Menschen zu verachten.
Nimm einen Strick. Und Schieß dich damit tot.

//

Von den Schafen

Arbeit läßt sich schlecht vermeiden,
und sie ist der Mühe Preis.
Jeder muß sich mal entscheiden.
Arbeit zeugt noch nicht von Fleiß.

Arbeit muß es quasi geben.
Denn der Mensch besteht aus Bauch.
Arbeit ist das halbe Leben,
und die andre Hälfte auch.

Seht euch vor, bevor ihr schuftet!
Zieht euch keinen Splitter ein.
Wer behauptet, daß Schweiß duftet,
ist (ganz objektiv) ein Schwein.

Zählt die Arbeit zu den Strafen!
Wer nichts braucht, braucht nichts zu tun.
Legt euch mit den Hühnern schlafen.
Wenn es geht: pro Mann ein Huhn.

Manche geben keine Ruhe,
und sie schuften voller Wut.
Doch ihr Tun ist nur Getue,
und es kleidet sie nicht gut.

Lasst euch auf den Sofas treiben!
Gut geträumt ist halb gelacht.
Hände sind zum Händereiben.
Sprecht schon morgens: »Gute Nacht.«

Lasst die Wecker ruhig rasseln!
Zeigt dem Krach das Hinterteil.
Laßt die Moralisten quasseln.
Bietet euch nicht täglich feil.

Wozu macht ihr Karriere?
Ist die Erde denn kein Stern?
Tut, als ob stets Sonntag wäre,
denn er ist der Tag des Herrn.

Vieles tun heisst vieles leiden.
Lebt, so gut es geht, von Luft.
Arbeit läßt sich schlecht vermeiden, -
doch wer schuftet, ist ein Schuft!

//

Als Bernadette Schlafi machen ging

Ihr träumte, sie träfe ihn im Cafe.
Er läse. Und säße beim Essen.
Und sähe sie an. Und sagte zu ihr:
»Du hast das Buch vergessen!«

Da nickte sie. Und drehte sich um.
Und lächelte verstohlen.
Und trat auf die späte Straße hinaus
und dachte: ich will es holen.

Der Weg war weit. Sie lief und lief.
Und summte ein paar Lieder.
Sie stieg in die Wohnung. Und blieb eine Zeit.
Und schließlich ging sie wieder.

Und als sie das Cafe betrat,
saß er noch immer beim Essen.
Er sah sie kommen. Und rief ihr zu:
»Du hast das Buch vergessen!«

Da stand sie still und erschrak vor sich.
Und konnte es nicht verstehen.
Dann nickte sie wieder. Und trat vor die Tür,
um den Weg noch einmal zu gehen.

Sie war so müde. Und ging. Und kam.
Und hätte so gerne gesessen.
Er sah kaum hoch. Und sagte bloß:
»Du hast das Buch vergessen!«

Sie kehrte um. Sie kam. Sie ging.
Schlich Treppen auf und nieder.
Und immer wieder fragte er.
Und immer ging sie wieder.

Sie lief wie durch die Ewigkeit!
Sie weinte. Und er lachte.
Ihr flossen Tränen in den Mund.
Auch noch, als sie erwachte.

sketi_ndlela Avatar
sketi_ndlela:#23320

>>23319
*Fühlgedichten
Klingt doch besser.

ayalacw Avatar
ayalacw:#23321

>>23318
Sehr schöne Auswahl, Bernd.

polarity Avatar
polarity:#23340

Voll ok

bagawarman Avatar
bagawarman:#23358

Bernds Mutter schenkte ihm vor vielen Jahren so gegen Ende seiner Pubertät Herz auf Taille. Bernd war begeistert und war seither ein Freund Kästners. irgendwann dieses Jahr fand Bernd dann auf der Straße in einem Bücherkarton Kästners Liebesgedichte und erfreute sich schelmisch an gefickten Engeln und dergleichen :3

BrianPurkiss Avatar
BrianPurkiss:#23359

>>23358
Das mit dem Engel ist aber von Brecht, oder nicht? Oder welches meinst du?

terpimost Avatar
terpimost:#23360

>>23359
Schande über mein dilettantisches Haupt. Habe ich die beiden im Wahn glatt verwechselt. Weshalb zum fick dachte ich die Liebesgedichte wären von Kästner?

madhan4uu Avatar
madhan4uu:#23361

Aber schön zu sehen dass ich um die Uhrzeit nicht der einzige bin der auf L lauert :3