Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2015-10-27 19:26:32 in /l/

/l/ 23803: Bücher gewinnbringend verkaufen

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#23803

Bernd hat aus dem Nachlass seiner Großmutter kiloweise Bücher geerbt und möchte diejenigen, die ihn nicht interessieren nun zu Kapital machen. Nun weiß Bernd natürlich, dass auch alte Bücher zu 90% keinen Marktwert haben. Wie kann man also den Wert von Büchern ermitteln, und wo kann man sie gut zum Kauf anbieten? Hast du Erfahrungen?

kiwiupover Avatar
kiwiupover:#23805

Hier!

ankitind Avatar
ankitind:#23806

>>23803
Bernd macht mal die Liste auf:
Eisenmenger: Entdecktes Judenthum, über 1500,-
Fachliteratur illustriert: zwischen 50 und 500.-
Adolf Hitler, Mein Kampf, gut erhalten: 100,-
Alles andere ohne Originalumschlag, so gut wie Ramsch.
Pass also auf die Umschläge auf!

enriquemmorgan Avatar
enriquemmorgan:#23807

Wenn du Bücher vorne aufschlägst, steht da der Titel, der Autor, der Verlag und die Auflage (teilweise steht da auch nur 11000-17000, das heißt das die "Seriennummer" des Buches zwischen diesen Zahlen liegt). Bücher vor 1945 sind mehr wert, da durch die Bombardierungen viele Bücher verbrannt sind. Wenn die Bücher WEIT vor 1945 gedruckt wurden, sind sie natürlich auch noch mal interessanter. Und sie sind interessanter, wenn sie Illustrationen haben, vor allem farbige (wenn es alte Bücher sind). Auch wichtig sind natürlich die Autoren, wenn du den Namen aus dem Deutschunterricht kennst, ist das Buch zumindest ein paar Euro wert. Wenn es alt, gut erhalten und eine frühe Auflage ist, kann es auch einiges oder sehr viel mehr wert sein. Schutzumschläge der Bücher sind übrigens sehr relevant, wenn die gut erhalten sind, kann der Wert das dreifache betragen, also pass da gut drauf auf!

Nazikram ist auch immer etwas wert, ne Standardausgabe von Mein Kampf ein paar Euro, aber je absurder und hochwertiger es wird, kann es relativ schnell viel mehr werden. Falls du haufenweise große Hitler-Bildbände findest oder so.

Ansonsten kann es sein, dass deine Oma zum Beispiel gute Sachbücher etc. besessen hat oder allgemein viele Bücher zu einem bestimmten Thema, dann können die Bücher allein, weil der Inhalt sehr interessant ist, einen Wert haben, auch wenn die Bücher neueren Datums sind. Dazu zählen keine Geo-Bildbände, weil die eine Million mal gedruckt wurden, aber sonst hochwertige Sachen sind auch interessant. Im Allgemeinen kann man auch versuchen, sich vom persönlichen Instinkt leiten zu lassen, wenn man zumindest ein bisschen einen Sinn für Bücher hat. Wenn ein Buch auf irgendeine Weise interessant ist, hat es vermutlich auch einen Wert.

Nachdem du dir alle Bücher angeschaut hast und entschieden hast, welche grundsätzlich von Interesse sein könnten, geht es nun darum herauszufinden, wie viel Wert sie denn nun sind, denn das kann von 5-5000€ theoretisch alles sein. Dazu empfehle ich dir die Internetseite zvab.com, das ist eine Internetseite wo Antiquariate ihre Bücher einstellen. Mit der Suchfunktion kannst du herausfinden, für wieviel dieses Buch in einem Antiquariat verkauft wird, wodurch du den Wert ziemlich genau schätzen kannst. Dabei musst du natürlich auf die Beschreibung des Buches achten, da es selbst in einem Jahr mehrere Auflagen geben kann und die Auflage nicht immer dabei steht, außerdem natürlich auf die Beschreibung des Zustands. Nutze am besten gleich die Detailsuche (http://www.zvab.com/showAdvancedSearch.do), damit du nicht tausend Nachdrucke nach 1960 angezeigt kriegst etc.

Ich habe als Beispiel mal Ausgaben von Kleiner Mann - Was nun? von Hans Fallada aus dem Erscheinungsjahr 1932 gesucht (http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=hans+fallada&publisher=&title=kleiner+mann+was+nun&keyword=&anyWords=&isbn=&publicationYearFrom=1932&publicationYearTo=1932&priceFrom=&priceTo=&itemMedium=al&countryOfSeller=all&languageOfBook=all&lastXDays=-1&displayCurrency=EUR&itemsPerPage=25&totalItemCount=200&sortBy=1=), anhand des Ergebnis kann man wohl sagen, dass eine beliebige, gut erhaltene Ausgabe aus diesem Jahr wohl 15-20€ Wert ist, und das man noch mal nachschauen sollte, ob man nicht eine gute Erst- oder Zweitausgabe in Händen hält. Wenn du deine Ausgabe nicht finden kannst, schaust du, ob du eine vergleichbare findest.

Notier dir den geschätzen Wert auf eine Liste oder schreib ihn sanft mit Bleistift in eine Ecke der Innenseite des Deckels (mach nichts kaputt, gesunden Menschenverstand benutzen) so machens die Antiquare. Du kannst zum Verkauf entweder in ein Antiquariat gehen und sie dem Antiquar zum Kauf anbieten, du kennst jetzt ja den ungefähren Wert und er kann dich nicht verarschen. Wenn du dem Antiquar sagst, dass du große Mengen hast, die kein Ramsch sind, kommt er auch in die Wohnung deier Oma und du musst keine Bücher schleppen, wo du nicht weißt, ob du sie los kriegst. Du musst natürlich damit leben, dass der dir nicht den späteren Verkaufspreis zahlt, weil er ja auch Geld verdienen will, aber gut verhandeln sollte man natürlich trotzdem. Oder du verkaufst die Bücher halt selber auf Flohmärkten. Geh am besten auf größere Flohmärkte und nicht auf Dorfflohmärkte, wo nur 3 Leute ihr Zeug anbieten, weil du willst ja schon Kunden, die dann auch deine teureren, spezielleren Bücher kaufen.

polarity Avatar
polarity:#23808

Fortsetzung wegen Zeichenbegrenzung:

Und lass nicht einfach so einen Typen kommen, ohne zu wissen, was deine Bücher wert sind, denn dann wirst du garantiert verarscht.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen, lieber Bernd.

kennyadr Avatar
kennyadr:#23809

>>23807
>>23808
Zuerst einmal ganz vielen Dank, Bernd! Das hilft mir sehr, ich habe schon fast keine sinnvolle Antwort mehr erwartet :3

Ein paar Anmerkungen:
>Wenn du Bücher vorne aufschlägst, steht da der Titel, der Autor, der Verlag und die Auflage
Leider sind die Angaben hier bei vielen alten Büchern recht mager, Jahr und Auflage fehlen oft. Hinten steht auch nichts. Bei der Auflage davon auszugehen, dass es sich um die erste handelt, ist jedoch trügerisch, wie ich feststellen musste, und warum das Jahr nicht angegeben wird, ist mir unerklärlich.

Ich hatte schon ein wenig gegoogelt und einige Buchverkaufsseiten bzw. Preissuchmaschinen gefunden, konnte aber natürlich nicht einschätzen, welche was taugen. Darunter neben dem von dir erwähnten zvab.com diese:

eurobuch.com
vialibri.net/?l=DE
booklooker.de
rebuy.de
momox.de

ZVAB macht mir auch einen sehr guten Eindruck. Eurobuch, vialibri und booklooker durchsuchen verschiedene Anbieterseiten und wirken ebenfalls recht solide. Auf rebuy und momox hingegen werden die meisten älteren Bücher nicht mal gefunden, für neuere gibt es lächerlich geringe Preise angeboten (10 Cent o.ä.).

Zum Vergleich habe ich auf allen Seiten u.a. das Buch "Der Phönix" von Francois Ponthiers gesucht; Ausgaben von um 1900 herum sind um die 20 € wert, solche von um 1960 hingegen nur um die 2 €. Anhand des Umschlages habe ich festgestellt, dass ich tatsächlich den (wertlosen) Nachdruck von 1960 habe, doch dieses Prozedere für jedes Buch zu wiederholen erscheint mir sehr aufwändig.

sokaniwaal Avatar
sokaniwaal:#23810

>>23809

>Leider sind die Angaben hier bei vielen alten Büchern recht mager, Jahr und Auflage fehlen oft. Hinten steht auch nichts. Bei der Auflage davon auszugehen, dass es sich um die erste handelt, ist jedoch trügerisch, wie ich feststellen musste, und warum das Jahr nicht angegeben wird, ist mir unerklärlich.

Bei manchen Ausgabe steht das wirklich nicht, bei anderen muss man ein paar Seiten weiter blättern oder auf die letzte Seite schauen. Man kann auch zusätzliche Angaben wie den Namen des Illustrator oder den angegeben Verlag eingeben, so findet man manchmal schneller die Ausgabe, die man in der Hand hält. Bei deutschen Büchern deutet auch der Mangel an Frakturschrift darauf hin, dass das Buch nach 45 gedruckt wurde. Auch erkennt man irgendwann zum Beispiel das 60er Jahre Design der Cover.

Der Vorteil an zvab.com ist, dass die Seite vollständig antiquarisch ausgerichtet ist und die Antiquare selbst die Bücher einstellen und nicht irgendeine Metasuchmaschine dahintersteckt. momox und rebuy kannst du für alles antiquarisch ausgerichtete vergessen, da geht es mehr darum dass du da zum Beispiel 10 Jahre alte Jugendbücher für 50 Cent das Stück verkloppen kannst. Wenn überhaupt.

Übrigens glaube ich, dass du dich über Der Phönix irrst. Das Buch ist ziemlich sicher erst um 1960 erschienen, da ich keine Ausgaben vor diesem Datum finde und der Autor sonst unter anderem über deutsche Offiziere in Stalingrad geschrieben hat. Darüber hinaus scheint das Buch auch völliger Ramsch zu sein, man findet im Internet noch nicht mal eine ordentliche Inhaltsangabe. Sind die Bücher deiner Oma noch halbwegs so geordnet, wie als deine Oma noch gelebt hat? Ich würde mal annehmen, dass sie recht viele Bücher aus den 60ern und 70ern hatte, wenn sie so Zeug wie Der Phönix hatte. Dann kannst du alle Bücher, die in diese Richtung gehen und deren Autor/Titel dir nichts sagst, beiseite räumen. Wenn du Glück hast befinden sich gleich in der Nähe des Phönixes weitere Bücher, die ein sehr ähnliches Design haben. Die tust du dann in eine Ramschkiste und verkloppst die für ein Euro auf dem Flohmarkt.

Um zu wissen, ob ein Roman etc. überhaupt irgendwas draufhat, kannst du natürlich auch einfach mal den Autor googeln. Wenn du nur irgendwelche Ebay-Kleinanzeigen findest, ist der Autor vermutlich scheiße. Wenn er einen Wikipedaartikel hat oder so, vielleicht nicht und jemand liest das Zeug heute noch.


Ansonsten setz dich einfach mal 1-2 Tage hin und tipp die Bücher alle bei zvab.com ein, selbst wenn sie alle Schrott sind, hast du zumindest was über antiquarische Bücher gelernt.

jamesmbickerton Avatar
jamesmbickerton:#23812

>>23810
Noch mal vielen Dank für deine Antworten :3

>Auch erkennt man irgendwann zum Beispiel das 60er Jahre Design der Cover.
Ich glaube bei mir fängt das langsam an, sind es so skizzenhafte Zeichnungen auf einfarbigem Hintergrund? Einband fehlt meist :/

>momox und rebuy kannst du für alles antiquarisch ausgerichtete vergessen, da geht es mehr darum dass du da zum Beispiel 10 Jahre alte Jugendbücher für 50 Cent das Stück verkloppen kannst. Wenn überhaupt.
Hab ich auch so wahrgenommen, der größte Schrott, völlig nutzlos.

>Übrigens glaube ich, dass du dich über Der Phönix irrst.
Glaube ich mittlerweile auch, eine Metasuchmaschine hatte da wohl was falsch positives ausgespuckt. Ich hatte es aber nur als Testbeispiel genommen, nicht als repräsentativ für sämtliche Bücher.

>Sind die Bücher deiner Oma noch halbwegs so geordnet, wie als deine Oma noch gelebt hat?
Halbwegs :/ Tante hat sie ohne Konzept in Kisten gepackt.

>Ich würde mal annehmen, dass sie recht viele Bücher aus den 60ern und 70ern hatte, wenn sie so Zeug wie Der Phönix hatte.
Hat sie, allerdings auch anderes, alte Gedichtbände und Bücher von ihren Eltern und Großeltern, da wird es schon interessanter. Ich wühl mich noch durch.

>Ansonsten setz dich einfach mal 1-2 Tage hin und tipp die Bücher alle bei zvab.com ein, selbst wenn sie alle Schrott sind, hast du zumindest was über antiquarische Bücher gelernt.
Bin dran, nächstes oder übernächstes Wochenende mach ich den ganzen Papierkram zuhause, Steuer und den ganzen Scheiß, da wird das dann mitbearbeitet.

herrhaase Avatar
herrhaase:#23815

>>23812
>Ich glaube bei mir fängt das langsam an, sind es so skizzenhafte Zeichnungen auf einfarbigem Hintergrund? Einband fehlt meist :/

Ich bin kein Kunsthistoriker, aber so ungefähr kommt das hin. Oft etwas stilisiert, eher nicht natürlich. Man erkennts auch am Material des Einbands und des Papiers, das das schon ein ziemlich neues industrielles Produkt ist.

Ansonsten wünsche ich dir viel Spaß beim Stöbern. Vielleicht noch ein Tipp, da die Bücher ja aus deiner Familie stammen. Mitunter findest du auf den ersten Seiten Widmungen, die dir etwas aus deiner Familiengeschichte verraten. Dann willst du das Buch evtl. allein deshalb behalten. Ich habe zum Beispiel einen Roman über irgendwelchen Militärheldentod-Nazikram von 1943, mit einer Widmung von einer Frau an meinem Opa "zu deinem 23. Wiegenfeste und für den schönen Sommer '42". Ich hätte meinen Opa gerne gefragt, ob er die Dame geknallt hat, leider war er da schon tot. :( Dass er ihr später noch freundschaftlich verbunden war, weiß ich.

Und noch ein Protipp: Bücher tut man in Kisten immer stapeln und niemals seitlich oder gar mit dem Rücken nach oben reinstopfen. Dann nehmen sie Schaden!

karsh Avatar
karsh:#23817

Äh, was da bei Antiquariat steht, das ist was der Reibi dafür haben will, nicht der Marktpreis.

Antiquar-Geschäftsmodell ist Lager mit über 9000 Büchern und Geduld, bis jemand unbedingt eins davon haben will und dann die relativ exorbitanten Kosten zahlt.

ebay Suche nach [x] beendet [x] verkauft zeigt dir was leute in letzter zeit tatsächlich dafür gezahlt haben.

Nach Bernds Ansicht wird ein Buch wertlos bzw. 1,- sobald es in deinem Regal steht bzw. aus der Folienverpackung genommen wurde.

Ausnahmen sind Nazikram, Sachen von 1822 (obwohl da Google Books wildert inzwischen) sowie Fachbücher, die die Leute fürs Studium brauchen (d.h. aktuelle Ausgaben)
Der Rest sind Sammler die ganz bestimmte kleine Auflagen, Erstauflagen usw. suchen, aber das ist relativ erratisch.

Bernd Avatar
Bernd:#23818

Garantiert unverkäuflich: Die Kiloware aus den 70ern bis 90ern: Readers Digest Auswahlbände und solcher Scheiss, Großes Lexikon in 20 Bänden usw.

ntfblog Avatar
ntfblog:#23823

>>23818
Schon richtig, alte Lexika und Reiseführer hab ich schon entsorgt, außer sie waren wirklich antiquarisch, bzw. einer war ein Wanderführer durchs alte Thüringen, Heimat meiner Oma, Geschenk mit Widmung von ihren Eltern, sie ist gern gewandert, so was hebt man dann natürlich auf.