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Veröffentlicht am 2015-12-08 09:39:2 in /l/

/l/ 23973: Zeitgenössische Zynik.

adammarsbar Avatar
adammarsbar:#23973

Der Autor Michael Winkler wird immer mehr zum legitimen Karl Kraus Nachfolger.
Scharfzüngig, keine Angst vor gar nichts und jedes Jahr einen Prozess am Hals.
hier eine Kostprobe:

In vielen Ländern werden Richter gewählt. Sie sind damit Vertrauenspersonen des Volkes, nicht des Staates. In Merkeldeutschland sieht das natürlich ganz anders aus, so viel Demokratie wird hierzulande nicht gewagt. Auf der einen Seite wäre jeder Feld-, Wald- und Wiesenjurist als Richter geeignet, denn das Jura-Studium soll genau das vermitteln: die Befähigung zum Richteramt. In der Praxis kommt es jedoch auf die "Staatsnote" an. Staranwälte und hochrangige Firmenjuristen verdienen zwar mehr Geld, doch der Staat bietet dem fertigen Juristen das sicherste Einkommen, weshalb sich der Staat die guten Juristen heraussucht, eben über die Examensnote. Wobei die gute Examensnote allerdings etwas anderes aussagt: Benotet wird, wie gut der Kandidat die Ansichten und Meinungen seiner Professoren wiedergeben kann. Die Gesetzbücher sind für alle gleich, jedoch lassen sich die Paragraphen auslegen und anwenden. In der Physik gibt es Messungen, und wenn in Tübingen etwas anderes gemessen wird als in Heidelberg, liegt irgendwo mindestens ein Fehler vor. Juristerei ist in vielfältiger Weise Auslegungssache, weshalb benotet wird, wie gut der Kandidat die Auslegung seiner Professoren übernommen hat. Es geht dabei nicht um Gerechtigkeit! Ein junger Mann, der die Speicherfähigkeit einer EDV-Anlage im Kopf hat, wird auf jeden Fall besser benotet als jemand mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Diese Papageienfunktion trägt ihm die Staatsnote ein. Wenn er dann auch noch politisch zuverlässig ist, findet er tatsächlich seinen Weg in den Staatsdienst. Deshalb sind Richter immer linientreu. So jemand hat keine Probleme damit, wie weiland Hans Filbinger in den letzten Kriegswochen Todesurteile zu fällen - und anschließend auf die Seite der Demokratie zu wechseln. Die Staatsnote beweist schließlich, daß der Kandidat anpassungsfähig ist und keinerlei Gerechtigkeitsvorstellungen seine Karriereaussichten trüben.

http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html

Auch lesenswert, seine Pranger.

marrimo Avatar
marrimo:#23974

Ähhh, falsch falsch falsch.
Der Jurist vertritt, wozu er lustig ist, solange er keinen maximalen Stuss quatscht. Ergo gutes Staatsexamen = gute Argumentation + Systematik + Darstellung + umfangreiches Wissen + fol schlau

Das was dir jeder sagt, wenn du Jura studierst, lautet: Ihr könnt alles vertreten! Seid halt einfach nicht dumm dabei.
Richter sind zu wichtig, als das man irgendeinen Durchrutschjuristen einstellen will. Creme of the crop.
Alles, was es auf der Welt gibt, sind herrschende Meinung und Mindermeinung. Und zuweilen wird die Mindermeinung zur herrschenden und umgekehrt.

Der Mann scheint mir dummer Populist zu sein, der keine Ahnung hat. Oder aber du postest schwache Beispiele.

orkuncaylar Avatar
orkuncaylar:#23999

ey kennst du schon diesen Ken? Ken Jebsen von KenFM? Auch total der Durchblick und so, keine Angst vor der Lügenpresse und Friedensaktivist!