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Veröffentlicht am 2016-04-12 08:47:03 in /l/

/l/ 24317: Nous sont Böhmermàn!

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m_kalibry:#24317

In Kunst und Liebe gibt es Gebiete, in denen die ihnen beiden konstitutive Eigengesetzlichkeit ihre Gültigkeit einbüßt: in der Aufdringlichkeit und in der Prostitution. Und diese beiden Begriffe spielten in Jan Böhmermanns neuestem Meisterwerk schon deshalb eine besondere Rolle, weil er das Kunstwerk in einem dialektischen Feld zwischen Provokation und Anerkennung sieht, das er auch in Bezug auf Liebe zum Gegner zur Anwendung bringt. Was sich liebt das neckt sich, wohl selten ist dies offensichtliche Korrelation so zur Selbsterfüllenden Prophetie geworden wie in dem multikulturell geprägten Meisterwerk "Schmähkritik". Als glühender Verehrer der Vielfalt und des Stilbruchs, als Verfechter von sexueller Selbstbestimmung und Homorechten bricht Jan die Tabus gleich dutzendweise!. Als erster Lyriker von Format, setzt er sich über muffiges Deutschtum hinweg und benutzt in netzerfrischender Unbekümmertheit, das multinationale Idiom der heute 12 jährigen "Generation Kanaksprak"
Hierbei ist er nicht zimperlich, schon in der zweiten Zeile verletzt er die Gefühle gleich zweier Fraktionen, nämlich die der Veganer und der Tierschützer in dem er an den Geruch von Massentierhaltung und widerlichem Fleischkonsum erinnert. Auch wenn er damit schon früh die ersten Recepienten verprellt, so ist das ein gelungener Kunstgriff der ihm Luft verschafft und Räume eröffnet, in denen er seine Anklage gegen Ankara, jenen ins Gesicht schleudern kann, die ihn und seinen Humor verstehen, die seine, Böhmermanns Sprache sprechen; Den Jungkanaken auf deutschem, auf fremdem, ablehnenden Boden, deren öder Tagesablauf nur hin und wieder aufgelockert vom kurzweiligen Vergnügen des Kartoffelklatschens. Erfahrungen die den heranwachsenden Jan in seinem Kiez früh geprägt haben müssen.
Wohl wenige Lyriker von Format haben je den Höhepunkt ihrer Reception lebend erfahren. Die Postmoderne mit ihren millisekundschnellen Übertragungswegen macht es möglich Hasspropaganda so sicher auf den Weg zu bringen, dass Justiz und Sprachwärter nur eifersüchtig Nachkarten können. Wenn dies nun der Fall ist -und ein türkischer Offizieller hat ja bereits, wie zu erwarten war, den Bogen zum Holoklaus geschlagen, indem er das Gedicht, ebenso richtig wie traditionsbehaftet als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet"- Wenn dies also der Fall ist, so trifft es mit der Markierung des Jan Böhmermann als Täter sicherlich den Falschen. Jan Böhmermann ist nur das Organ, ein Sprachrohr aller Medienkonsumenten, dass sich Luft macht, er ist ein blasses, muckerhaftes Arschloch, aber er ist unser Arschloch! Dieses GEZ geförderte Gedicht ist unser aller Schuld und nur unser urdeutscher Rassismus bricht sich ungehemmt Bahn, wenn wir die Bereicherung, die dem Humor und dem Sprachwitz der Neuankömmlinge entspringt, welchen Böhmi in seinem gewaltigen und umwälzungsschwangeren Meisterwerk so sprachgewaltig recipiert, ablehnend verweigern.
Böhmermann spricht die Sprache die er, die Millionen von Neuankömmlingen uns gelehrt haben! So wie die Jugend es in ihren türkischen Schulen in Kreuzberg, Duisburg und Neukölln tagtäglich erlebt. Von Ziegenfickern, Gummimasken und einem ganzen Regenbogen von unappetitlichen Vorgängen ist die Rede. Wer es nicht sieht, dem sei es gesagt: Das ist die Transformation in der wir uns befinden! Es wäre sinnlos die Augen zu verschliessen und sich zu wehren, dies ist die Sprache der Rundfuckmehrheit der Multikulti-Mehrheit und sie wird unsere Mehrheit sein.

Nous sont Böhmermàn!

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silv3rgvn:#24318

epic :-D