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Veröffentlicht am 2016-04-16 06:21:58 in /l/

/l/ 24324: In was für einer Sprache sollte ich Klassiker lese...

bouyghajden Avatar
bouyghajden:#24324

In was für einer Sprache sollte ich Klassiker lesen? Bei englischer Literatur ist es offensichtlich es in Englisch zu lesen. Wie sieht es allerdings bei italienischer oder französischer Literatur? Ich lese gerne Bücher in Englisch, allerdings würde es mir auch nicht schaden mein Deutsch etwas durch das lesen deutschter Bücher etwas zu verbessern. Gibt es eine Diskrepanz zwischen deutschen und englischen Übersetzungen im Vergleich zu den originalen? Würde es Sinn ergeben die Bücher auf englisch zu lesen um besser damit im Internet zu diskutieren?

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enriquemmorgan:#24325

Weshalb ist Dante nicht Übersetzer geworden? Er hat gemeint man könne gar nicht übersetzen. Man könne es aber versuchen, das schöne an Vergil mit dem neumodischen Reimgesang der Troubadours und der sizialinischen Dichterschule zu vereinen. Davon haben wir die Divina Comedia.
Wenn dich das Thema Übersetzung interessiert, würde ich dir mal raten, die Klassiker zum Thema Übersetzung durchzuackern anstatt jeden Klassiker in jeden dir bekannten Dialekt und im Original zu lesen.
Such du dir ein Sachbuch zu dem Thema Übersetzung in der Bib! Es haben viele kluge Leute sich schon was dazu gedacht.

dpg Avatar
dpg:#24326

Kommt wohl auf den Übersetzer an. So pauschal kann man das nicht sagen. Gerade bei Dante gibt's wahrscheinlich eine lange Übersetzungstradition in diversen Sprachen; mal mehr mal weniger gut gelungen. Die Übersetzung von Lyrik ist aber generell schwyrik. Haha.

bassamology Avatar
bassamology:#24327

Sag das mal nicht. Die Shakespeare-Übersetzungen von Schlegel oder wie der heißt sind sozusagen ein eigenständiger Zitatensteinbruch. Zudem würdest du auf Englisch auch nur die Hälfte verstehen, vor allem nicht die schweinischen Anspielungen.

Um die englische vor der deutschen Übersetzung zu präferieren, müßte letzte wirklich schlecht sein. Man kann aber parallel lesen und bekommt dann eine Idee was evtl. gemeint war. Bernd geht das mit Strugazki so.

xspirits Avatar
xspirits:#24328

>Strugazki
Es ist eigentlich ganz Einfach: Die DDR Übersetzungen sind meistens gut gemacht und die BRD Übersetzungen sind stets billig, versuchen aber irgendwelche antisowjetischen Gedanken reinzulesen ob sie da gewesen waren oder nicht. Problem bei Wessis generell ist dass sie generell kein russisch sprechen was allerdings mehr Freiraum für die Phantasie des Übersetzers bietet.

>Zudem würdest du auf Englisch auch nur die Hälfte verstehen
Zu Schlegels Zeiten wurde auch nur etwa ein Zehntel von dem Zeug verstanden was uns die Schakespeareforschung bis heute erklären konnte. Aber: Schlegel wird auch im Ausland (t.Ausländer) wegen seiner romantischen Übersetzungstheorie gelesen und darum lohnt es sich auf jeden Fall. Es ist alleinig sein Verdienst dass archekühle Kunst™-Nachdichtungen von, in etwa, sumerischen Epen bei denen wir nur circa jedes fünfte Wort verstehen, noch immer unter dem Namen "Übersetzung" feilgeboten werden. Shakespeare hatte er natürlich nicht verstanden und er hat ihn damals nicht verstehen können aber er hat sich die Mühe gemacht ihn zu verstehen und hat den Rest, unter der Annahme Shakespeare sei doch ein ganz gescheiter gewesen, dem deutschen Publikum seiner Zeit versucht näherzubringen.
Natürlich ist jede Übersetzung ein Ding für sich. Bei Borges gibt es lobgesangt auf den Shakespeare und Baudelaire vom Stefan George, es gibt englische Rückübersetzungen des pasternakschen Shakespeares und Derrida hatte mal herzlich über den Versuch die Übersetzungen und Übersetzungstraditionen irgendwie an das Original™ zu knüpfen gelachet.
Mir ist auch ein bestimmter Ulk zu Robert Burns und die deutschen Übersetzungen die Beethoven, in etwa, benutzt hat aufgefallen: Das Scots des Burns wurde zuweilen selbst in England im Sinne der deutschen Pseudoübersetzungen verstanden, die selbst allesamt den Sinn alleine durch Hochdeutsch und Hochenglisch triangulierten.

wiljanslofstra Avatar
wiljanslofstra:#24354

>Strugazkis

Da bin ich mir ohnehin nicht sicher, ob die Übersetzungen erfasst haben, worum es geht. Manche Werke scheinen mir derart rätselhaft, dass ich nicht weiß, ob es an mir liegt, an den Autoren, oder an der Übersetzung. Leider kann ich kein russisch.

m_kalibry Avatar
m_kalibry:#24355

>>24354
Kurzer Nachtrag: Anderer erschließen sich mir wiederum sofort, was mich allerdings umso mehr verwirrt.

lightory Avatar
lightory:#24358

>>24354
>>24355
Die Progressor Romane haben stets eine Handlung. In philosophischen Sachen, wie dem Picknick, geht es eher um skizzierte Szenen, Stimmung, Phrasen und kurz angeschnittene Ideen und das geht, natürlich, vor allem in den bundesdeutschen Übersetzungen kaputt.

mat_stevens Avatar
mat_stevens:#24361

>>24324
In der Originalsprache, wenn du diese beherrschst.

>>24328
>Es ist eigentlich ganz Einfach: Die DDR Übersetzungen sind meistens gut gemacht und die BRD Übersetzungen sind stets billig, versuchen aber irgendwelche antisowjetischen Gedanken reinzulesen ob sie da gewesen waren oder nicht.
Dies. Gerade bei den Strugazkis fällt das krampfhafte Suchen nach antikommunistischen und antisowjetischen Untertönen in den Westausgaben sehr unangenehm auf, wenn man bereits Ostübersetzungen derselben Werke kennt. In der DDR wurde Literatur höchstens in einem Nachwort oder Vorwort politisch "passend" eingeordnet, wenn das nötig schien.
Bernd, der Französisch und Englisch spricht, hat eine Sammlung französischen/deutschen/russischen Naturalismus aus dem Aufbau Verlag geerbt. Wirklich gut gelungen (soweit Bernd das beurteilen kann), auch von der Optik der Bücher her.

breehype Avatar
breehype:#24365

>>24361
>krampfhafte Suchen nach antikommunistischen und antisowjetischen Untertönen in den Westausgaben sehr unangenehm

Macht der Gewohnheit. Es muss ja sein, was so sein muss. Vergleiche die Rezeption von Animal Farm, 1984, oder Biedermann und die Brandstifter.

suribbles Avatar
suribbles:#24368

>>24354

Sehr interessant, daß auch kaum Interpretationen dazu zu finden sind. Was zum Teufel sind Luden?

Bernd glaubt immer noch, die Strugazkis haben da Ferengi vor ihrer Zeit gepullt. Die Verweigerung der Fuckisierung, welche das Entfalten der geistigen Fähigkeiten blockiert.. gab es im Ostblock nicht Verweigerer des Wehrdienstes?

Und am Schluß der Spezialsekretär so: Hurr! Durr! Antwort: Die meisten Uden sind doch schon längst abgehauen.

jamesmbickerton Avatar
jamesmbickerton:#24369

>>24365
>Animal Farm, 1984
Naja, Orwell wurde da zu Lebzeiten doch sehr deutlich. Insbesondere die Katalonien-Erlebnisse sind da ziemlich eindeutig.