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Veröffentlicht am 2018-02-26 21:02:3 in /l/

/l/ 25857: Wodurch bessert man bloß seine Dichtkunst? Meine ...

mwarkentin Avatar
mwarkentin:#25857

Wodurch bessert man bloß seine Dichtkunst? Meine Schreiberei wirkt dermaßen gestelzt, ohne jeglichen Inhalt, es mag mir schlichtweg nicht gelingen etwas zu einem bedeutungsvollen Gedicht zu formen. Es liest sich alles abgedroschen - Poeterey für den Schweinetrog. Hast du Ratschläge, Bernd?

splashing75 Avatar
splashing75:#25858

Pfostier mal 2

vocino Avatar
vocino:#25860

Sicher ist zumindest: Du willst schreiben. Das ist doch schon was!
Vielleicht sind Gedichte nicht dein Fach. Würde parallel in andere Schriftstellerbereiche eintauchen (Prosakizzen, Kurzgeschichten, Erzählungen, Drehbücher, Theaterstücke, Novellen, Romane, Essays, Aufsätze gelehrigen Inhalts, Aufsätze lustigen Inhalts, Pamphlete, Epigramme, Graffitis, Schönschrift, Flugblätter, Aphorismen, Reportagen, Zusammenfassungen, Reiseberichte, Tagebücher, Briefe, Chatnachrichten, Kommentare usw.). Da findest du möglicherweise deine wahre Bestimmung. Man lernt, indem man schreibt, Schreiben.

sava2500 Avatar
sava2500:#25861

Schreib jeden Tag 5 Gedichte.
Ende des Monats liest du dir dann alle durch und sollte wirklich nur Müll dabei sein, schreibst du ab sofort 10 Gedichte pro Tag.

a_harris88 Avatar
a_harris88:#25862

> es mag mir schlichtweg nicht gelingen etwas zu einem bedeutungsvollen Gedicht zu formen.
Na wenn schon, heutzutage interessiert sich ohnehin kaum noch jemand dafür... Aber pfostier doch mal Beispiele!

jacobbennett Avatar
jacobbennett:#25863

Ei, jetz versteh ich es erst recht. >>25857 war bereits das Gedicht selber. Ned schlecht Bernd, ned schlecht.

surajitkayal Avatar
surajitkayal:#25864

Dichten ist wie jede Kunst eine Art von Bedürfnisbefriedigung. Bisschen so wie scheißen oder kotzen, es muss manchmal einfach raus, und gut wird es dann, wenn man seinen eigenen Geschmack und seine eigene Form gefunden hat. Sowas wie Kunstkotzen.
Also zuerst muss man die Notwendigkeit verspüren, etwas zu schreiben. Es hilft nichts, vor leerem Papier vor sich hin zu brüten. Lenk dich ab, solang nichts kommt. Und freu dich, solang du den Drang nicht spürst. Denn es soll schon Leute gegeben haben, die daran verzweifelt sind, etwas in Worten auszudrücken. Sei froh. Eine große Idee zu haben, zu deren Ausdruck dir die Fähigkeiten fehlen, das kann einen zur Verzweiflung bringen.

michigangraham Avatar
michigangraham:#25865

Zur Ermunterung des Fadenstellers einige Gedichte aus meiner Jugendzeit, die ich eben im Bücherregal wiederfand - aus einem schwarzen Notizbüchlein, zwischen Kassenzetteln versteckt. Das sind die ersten Gedichte, die ich gedichtet habe; viel besser wurde es nicht, also mein magnum opus. Ich behalte alles so bei, wie ich es auffinde; nur die Nummerierungen sind neu. Mögen die Erzeugnisse dem Leser eine Lehre sein.

I.
So ein Gedicht
das schreibt man nicht
auf brechen und auf biegen
es muss einem schon liegen.

II.
Schöne Verse will ich schreiben
doch gelingt es mir nicht recht
wie der Specht am Baum im Walde
pick ich immerfort und halte
noch den dicksten Wurm für schlecht!

III.
Ein Mensch der unter Menschen
sich nicht geborgen fühlt
der ist in seinem Innern
voll Mitgefühl erfüllt
und wühlt wie tiefe Runzeln
auf mütterliche Stirn
durch Sorgen die für immer
was fremdes sind für ihn.

IV.
Mein Schreiben ist die Rebellion
die gegen Stumpfsinn würer
das Leid ist meine Reaktion
den Stumpfsinn wohl behütet
wo steckt der Blitz der meinem Herz
aus dem Stamm zuckt himmelwärts
aus wurmstichiger Blätterwelt
donnernd uns die Nacht erhellt.

V.
Lang Schatten legen
sich auf den Horizont
muss wohl im Dunkeln leben
der Mensch verdient,
was er bekommt.

VI.
Höhenanst im
Bauch und Kopf
Beinen und Händen
und Stimme
zitternd wie
Sonnenstrahlen blendend
glitzernde Augen

Ich bin bewegt
Ich bewege mich
um mich herum.
Alle wollen mich
Ich will nicht
mehr geb auf.
Dank ab.

vovkasolovev Avatar
vovkasolovev:#25866

VII.
Sitzen und warten
der Garten ist verbrannte
Erde ich spucke darauf
Gebt mir einen Strick
mein Wille reicht bald aus.

Moralgefühle
Mal traurig
mal glücklich
dann nichts

VIII.
Die Natur verändert sich
auf immer gleiche Weise
doch die Veränderung ...
geht sie auch nur leise
wie der wachsende Baum
der wiederkehrende Traum
der grüne Flaum an den
Mauern eines Gemäuers
Brüllen eines Ungeheuers
das man doch kannte -
es war nur ein Tier
Am Himmel fliegt der Flieger
Im Urwald brüllt der Tiger
Der Motor einer Messerschmitt
Bringt sie Bomben mit?
Bringt sie Bomben?
Doch schlimmer als die Veränderung
ist der Stillstand
Bringt die Bomben.

IX.
Hineingeborener
dein Leben ist der
Menschheit Exempel
Vorübergehnder Unmöglichkeit
du singst ein Lied vom Leid
und es ist dein Leid
weit und karg ist das Feld
das zu bestellen man dir gab
Glück geht dort am Bettelstab
wo Barmherzigkeit
der Menschlichkeit
gewichen ist.

X.
Sternenrein leuchtet der
blaue schwarze Himmel
Lichterketten reihen
sich hinter dem roten
Nachtampelschein.

XI.
Ich könnte rausgehen
aus meinem Zimmer hinaus
Ich könnte ausgehen und
in ihr Zimmer hinein
Doch ich kann nicht können
Ich muss müssen
Kann nicht Küssen
Muss flüstern
damit man mich versteht

XII.
Vögel hängen wie Trauben
an den Bäumen vor meinem
Fenster. Am liebsten sind mir
die Blauen, die nicht singen,
sondern schweigen und fliegen.
Der Wind weht die Rufe
der Andern den Wandernden
nach, die Oben verschwinden
in den Wolken.
da hinten

XIII.
Den Erwachsenen ist die Welt
ebenso Fremd wie dem Kind
die Erwachsnenwelt erscheint.
Es gibt sich nicht zufrieden mit
den Antworten die es bekommt.
Keine Fragen mehr zu stellen
ist dagegen die Weisheit derer,
die nicht mehr Wachsen wollen
und
denen ihr Leben genügt.
Das Leid erleuchtet den Himmel
an dem teilnahmslos die Strne
ihre Zeit absitzen und dann
mit einem Feuerwerk vergehen.
Das Leid ist den Kindern
ein Sternensterben Tag für Tag.

XIV.
Ist der Preis zu hoch,
dann ist das hässlich.
Das heißt, ist der Preis mir zu hoch,
denn ich bin das Maß der Dinge
und aus solchen besteht die Welt.

Neulich kam mir etwas in den Sinn:
Die meisten höchsten Preise
zahlt Mann im Krieg.
Ebensoviele Preise werden
verliehen, aber nur an den,
der mitmacht.
Ich fuhr glaube ich Bahn,
als er mir kam, der Gedanke.
Ich dachte auch: Menschen,
hört auf! Ich kann das nicht
länger mit anschauen.

shesgared Avatar
shesgared:#25867

XV.
Zwischen Lampen und Passanten
Geht ein leuchtendes Mädchen
unter.

XVI.
Sie schaut mich durchdringend an
bin ich denn so interessant
um mehr als einen Augenblick
die Aufmerksamkeit zu bannen

Schauend geht sie an mir vorbei
ich drehe mich dumm herum
und- ja, und was eigentlich
frage ich mich- und stolpere
weniger heiter weiter als zuvor.


XVII.
Auschwitzfinger drücken
dürre glitzer Scherbenstücke
verquollener Augen Sonnenblicke
dann schreits gebährend auf.

Luftschutzsirenengreller Tag
die letzten Tänzer taumeln Heim
Wer möchte (jetzt) nicht
am Leben sein?

XVIII.
Ich sehe die Welt mit
meinen Augen
deine Augen
Pflaumenkerne
seh ich gerne
aus der Nähe
aus der Ferne
und auch verschlossen
sind sie mir offen


XIX.
Die Nacht stürzt polternd herab
auf den wandernden Gast
in der wandernden Stadt

In der alles rollt
auf rasenden Rädern
Mach platz, Gast!
platzt wuterfüllt ein Äderchen
und saust vorbei

XX.
Seltener als immer
aber nahezu
scheint die Dimmersonne
in mein Vorhangzimmer
zu scheinen

Durch meine Brille
durch meinen Spalt
kommt durch das Fenster
kalt die Sonne

Mit Wonne geht sie auf
die Sonne
und rauft an meinen Haaren
sie soll zur Hölle fahren
und rauft an meinen Haaren

XXI.
Im Wiesengrund
wiegt Safranschatten
Fliederquasten

Jugendlieder

XXII.
Du kannst nichts dafür
du bist, wie du bist
und es ist nicht deine Schuld

Der Mensch tut was er muss
er lebt und liebt und hasst
und er gibt sich dem Zufall

Es ist nicht deine Schuld
Das vollendete Bild entspricht
nicht der Vorstellung des Malers

XXIII.
Nimms nicht zu schwer
wenn dein Kopf leer
und dein Wort Mord ist

Du kannst nicht mehr
und bist nicht der
zu dem du einst
zu werden hofftest

Du bist du selbst.

jqueryalmeida Avatar
jqueryalmeida:#25868

>>25865
Den Metaphern fehlt die Leichtigkeit. Du schöpfst aus Eimern in denen das Wasser schon lange steht. Und dieses völlig unironische "Mögen die Erzeugnisse dem Leser eine Lehre sein" macht deine ganze Tragik deutlich.
Kümmere dich um deine Aussenwelt. Die großen Dichter waren/sind Universalgelehrte die keine Angst davor haben gegebenenfalls auch mal einen Leichnam zu sezieren.
Bei machen Texten genügen winzige Änderungen um die Unteralteranmutung zu nehemen.

Ein Mensch der unter Menschen
sich nicht geborgen fühlt
ist doch in seinem Innern
voll Mitgefühl erfüllt
und wühlt wie tiefe Runzeln
auf mütterliche Stirn
durch Sorgen die für immer
nur fremdes sind für ihn.

An den Texten gilt es nur ein wenig zu feilen. Da ist Potential!

Viel lesen.
Und immer Fragen: Was ist es an sich!

Bild relatiert: Deutsche Dissidentin mit Geige. Im Gefängnis wegen §130 StGB.
https://wir-sind-monika.com/

cheezonbread Avatar
cheezonbread:#25869

>>25868
>Und dieses völlig unironische "Mögen die Erzeugnisse dem Leser eine Lehre sein" macht deine ganze Tragik deutlich.

Ich bin mir nicht sicher, ob du mich, oder ich dich, missverstehe. Die Lehre soll sein, dass grottige Gedichte zu schreiben normal ist - und kein Grund zum verzweifeln. Gedichteschreiberbernds sitzen alle im selben Boot: kein Genie, keine Übung und oft eine hinderliche Geisteshaltung. Das erste ist gottgegeben. Über das zweite muss man kein Wort verlieren. Und das dritte löst sich durch Langmut in Wohlgefallen auf. Was ja alles mehr oder weniger darauf hinausläuft in den Tag hinein zu leben, es sich bequem zu machen, die Augen offen zu halten, nichts zu erwarten, zufrieden zu sein mit dem, was das Leben einem anträgt, und sich um Gottes Willen nicht die Haare vom Kopf zu rupfen, weil man niemals ein gelungenes Gedicht dichten wird.

Man sollte seinen »Gesammelte Werke« die Einleitungsworte voranstellen:
Hier sind die 10.000 Gedichte versammelt, die ich zeit meines Lebens verfasst habe.
Nicht eines davon ist mir gelungen.

polarity Avatar
polarity:#25870

Ein großer Dichter ist nicht der, der 10.000 Zeilen formuliert, sondern der, der eine Zeile 10.000 Mal formuliert!

enjoythetau Avatar
enjoythetau:#25872

Die Dichterey ist, bin ich ehrlich,
vollständigster Turingkram.
Folgerichtig auch entbehrlich,
Lieber Bernd, sei doch nicht lahm.

Statt Papier und Tint' zu quälen
Und der Kammer Staub zu schnaufen
Könntest du das Leben wählen,
Dich mit Wald und Berge raufen.

Wirf den Griffel aus der Stube,
Wirf dich selbst gleich hinterher.
Des Geistes spinnvernetzte Grube,
Bleibt am besten manchmal leer.

kershmallow Avatar
kershmallow:#25873

Nein Doch Oh!

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#25874

’Schamane is Programmierer im Hyperraum,
das is das was er hauptberuflich macht’
Gor Timofey Rassadin
die Zeit der Reperatur wird einfach
übersprungen, die Technik brauchen wir auch nicht mehr
wirklich, wir bekommen ein neues Modell Planet,
ein neues Modell Mensch
freigeschalten ‘ein hoher Zweck
die Bestimmung einer Species zu
verändern’
recomposing destiny

'die Strukturen
die ausgedient
haben werden fallen
unsere Aufgabe ist es zu schauen,
dass links und rechts davon
keiner erschlagen wird'
'es gibt keine Tyrannen'
'der zufriedene Sklave ist
der größte Feind der Freiheit'
'reparier nicht was eh untergehn wird’ ‘wir
haben schon gewonnen
die neue Erde is schon da wir
sind bloß zwei-drei Seiten davor'
Gor Timofey

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... bildet Banden. Macht Schulden
und verbindet in die Dörfer, in die communities
... denn es wird keine Bank, kein Rechtsstaat mehr da sein
um sie einzutreiben. ... rechne damit dass Strom, Geldautomat, Supermarkt ...
nicht mehr funktionieren ... leg Vorräte an ... nur einige Vorkehrungen um die ersten Tage / Wochen
nach dem großen Unwetter klarzukommen... x Tage Meditation ... danach werden die Funkstationen d
er neuen Welt
auftauchen ... und eine große Party wird das neugeborene Zeitalter einläuten.
Dort haben wir dann auf Fähigkeiten Zugriff, die jetzt schon geübt werden können: Lichtmensch freischalten, Wärme erzeugen,
beamen,
Körper verlassen, Materie bewegen ... lass dir von den Zauberern,
die den Sprung vorbereiten, erzählen was möglich sein wird ...
das ist nicht
deren Idee,
sie sprechen
für die
Schwarmintelligenz.

-------------------

... der perfekte #
Nullpunktsraum
alles
da wo du`s brauchst
verbunden
in der Natur
fraktalartig
gewachsen
alle Räume
in einem
Home

joeymurdah Avatar
joeymurdah:#25875

mein Bauwagen könnt man an Apple verkaufen...
is das perfekte Kreativ-Werkstatt-Coccon-Raumschiff
Kopfüber in den Schaukeln zwischen Hängebett und Hängeküche,
zwanzig Räume in einem,
alles klappt
und verschachtelt sich ...

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In Dörfern und Orten
gibt es jedoch schöne alte Höfe,
kreative Hütten oder #earthships ...
... die meisten Wagenburgen beleben mind.
ein Haus-für-alle mit Kultur und Gemeinschaft.
Schlösser und Mühlen wollen restauriert werden ...
Einsiedler- Höfe ein Welt-Kultur-Erbe werden ...
die ur-schönen Städte und Dörfer werden blühende Transformationen ...
die hässlichen Bauten die uns stören werden eh einstürzen ...
#einstürzende-Neubauten ...
... #Venus-Project ... alle Lösungen sind schon da
du kannst ja derzeit noch in Häusern wohnen, und gleichzeitig
an deinen fraktal-lebenden-Wohnformen bauen.
Neben Container, LKW, Bauwagen, Bus, Zug, Flugzeugträger-Insel ...
ist das was noch einen Motor hat,
damit bist du mobil,
kannst mit deinem Haus
verreisen

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... der natürlichste Gedanke seit es Bewusstsein gibt
der Pessimist is der Dünger ...lass dich doch mal sterben...
Meditation ist der wahre Tod,
sterben heißt DMT ... das gibts auch lebend.
Gesellschaftlich fatal was die Wertung an Knoten erzeugt.
'jeder Mensch darf sein Leben auch beenden. '
... nur die Verbindungen leiden.... und
erzeugen damit invers das Gefühl,
das Recht auf Selbstmord
zu verlieren...
dabei zeigt es nur dass
wir untrennbar mit
allem verbunden sind... und es egal ist
...kannst dein leben schon beenden, aber du wirst es lernen ...
wenn nicht in diesem, dann halt im nächsten...
und weiter geht der Kreislauf durch die dmt-suppe
das-beste-Gegenargument: #geh-reisen-statt-sterben:
lös dich von allem, pack deinen Rucksack, geh auf Reisen ...
du wirst dich finden
....klingklong...
die seltsame Beibedeutung von #Selbstmord wird eh Geschichte sein,
sobald klar wird, dass Tod nicht zum Leben gehört
#Lets-talk-about-shit-und-Blasenentzündung
#how-to-shit-in-the-forest: grab ein Loch!
... lern vom #shit-pit-asche-system am rainbow, Asche desinfiziert verhindert Gestank und Krankheitsübertragung
... pflanz Klopapier-Ähnliche Pflanzen
'irgendwann wird das was wir scheissen, nicht mehr stinken'.
... und wenn wir schon bei so klaren Themen sind: wenn du mit dem Finger im Arsch deiner Freundin warst, is das cool, aber bring einfach keine Bakterien nach vorne...
Blasen-Entzündung dankt ...
Frauen haben das meistens wegen 'falschem-Sex'

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Isidor
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Weltenpilot
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guischmitt Avatar
guischmitt:#25885

>>25857
>Wodurch bessert man bloß seine Dichtkunst?...es mag mir schlichtweg nicht gelingen etwas zu einem bedeutungsvollen Gedicht zu formen.
Das Problem ist allgemein, jeder Dichter kennt's und vielen gedruckten Stücken sieht man's noch im Gesichte an, dass die Geburt eine schwere war; was sich zumeist darin äußert, dass zwischen zwanzig nichtigen Zeilen eine bleibende steckt; hätten nicht drei oder zwei schlechte Zeilen drumherum gereicht? Und welche Kraftersparnis, und Vergeudung! Das erste ist wohl dies: kurze schnelle Gedichte zu schreiben. Und das zweite wird durch das erste unmöglich: zu langes Bedenken.
Bei Goethe finden wir den Ansatz so ausgedrückt: »Jedes meiner Gedichte ist ein Gelegenheitsgedicht; d.h. sie haben Grund und Boden in der Wirklichkeit, die der Tag mir zuträgt. Gedichte aus der Luft gegriffen sind mir zuwider; d.h. Gedicht voll langem Bedenken und Grübeln, Butzengedichte.«

ajaxy_ru Avatar
ajaxy_ru:#25890

Form ist alles, Bernd, die Form!
Nur wer die Form meistert kann sich frei von ihr entfalten. Die Form zu halten, zu verwalten, sie gestalten: es ist ein Spiel, Bernd, mit der Norm. All der moderne Müßiggang ist Mode bloß, gerinnt zu nichts gegen die alten Griechen. Dort lebt die Form und atmet, sie ist dein, du musst sie nur begreifen und genießen. Stürz dich in Metren, die wie klare Bäche fließen, die Mäandern und schließlich sich ergießen in Odenformen - da ist die Poesie die einem Gotte würdig! Willst auch du, Bernd, diesen Olymp besteigen? Dann musst zuerst dein Haupt du neigen auf Schriften. Klopstock, Fritz Jünger und Rolf Schilling mögen dir weisen diese Welt. Und wenn dir das zu deutsch und nicht gefällt, dann steige in die Tiefen der alten Römer und der Griechen.
Doch eines, eines misse ja bloß nicht: Fritz Jüngers "Rhythmus und Sprache im deutschen Gedicht."