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Veröffentlicht am 2015-02-24 10:17:45 in /li/

/li/ 24355: Entwicklung des Anzugs

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kennyadr:#24355

Seit der Industrialisierung veränderte sich der Anzug ziemlich schleppend doch er tut es. Wir sehen heute andere, leichte und ein bisschen glänzende Stoffe mit Nadelstreifen. Die Innenaustattung ist nahezu beliebig. Das Hemd neigt immer mehr dem Minimalistischen zu - ein Haifischkragen steht für einen ausdruckslosen Sparkassenmitarbeiter und Christian Lindner. Dennoch, würde sich noch kein Politiker oder ein Wirtschaftseggsperte wie Justin Timberlake auf die Bühne trauen. Noch nicht. Vielleicht passiert das nie. Vielleicht aber auch doch. Entwickelt sich der Anzug auch irgendwie weiter? Die Anzüge für Frauen entwickeln sich irgendwie weiter und wirken immer öfter als ob die Frauen aus einer nicht ganz so fernen Zukunft kommen. Warum ist es so?

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horaciobella:#24358

Der Anzug hat mehrere Dimensionen. Einerseits ist er ein "besseres" Kleidungsstück, andererseits erfüllt er einige Funktionen einer Uniformierung. In dieser Funktion bedeutet er Seriosität, Kompetenz, Autorität sowie (ursprünglich) Männlichkeit. Der Aspekt der Uniformierung ginge durch größere Veränderungen verloren. Deswegen wird sich der Geschäftsanzug weiterhin nur sehr langsam entwickeln.
Bei Frauen trifft das nicht zu, da sie erst spät Einzug in die Geschäftswelt gehalten haben. Von Frauen wird zwar erwartet, dass sie sich der Uniformierung anpassen, allerdings war der Anzug stets männlich konnotiert, weswegen ihre Uniformierung abweichen und weiblich wirken musste. Anzüge bei Frauen sind eine spätere Entwicklung, weswegen für sie von Anfang an weniger strikte Regeln galten. Diesen Freiraum nutzt die Modebranche seitdem, allerdings ist die Abweichung von der männlichen Uniformierung nicht beliebig weit möglich.

Für freizeitlich genutzte Anzüge gelten bei Männern auch weniger Regeln, auch wenn sie weiter am klassischen Anzug orientiert bleiben. Trotzdem wird die Möglichkeit zur Varianz dort schon länger genutzt.

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horaciobella:#24359

Anzug, Hemd ohne Krawatte ist ja im klassischen Anzugsmillieu schon akzeptiert, ausser in der Spielbank. Sicher wird der Dresscode in Zukunft weiter zerfickt. Also beispielsweise Chinos und dunkle Jeans ersetzen die Krawatte als Induvidualisierngsmerkmal. Ist ja noch nicht allzulange her, da war ein Mann ohne Hut undenkbar. Heute ist ein Mann mit Hut in der öffentlichen Wahrnehmung bestenfalls ein Exzentriker, im Normalfall Turingvollständig.

peterlandt Avatar
peterlandt:#24360

>>24359
Ach, Hutbernd. Der Hut war schon immer der Mode ausgeliefert. Handle endlich damit.

iamglimy Avatar
iamglimy:#24361

>>24360 Die Form vielleicht. Noch vor wenigen Dekaden waren jedoch Mützen für den Arbeiter und Hüte für Mittel- und Oberschicht obligatorisch. Lerne historische Fakten zu akzeptieren.

Eigentlich erstaunlich, daß die Genderwissenschaften noch nicht die Krawatte als Penissymbol erkannt und gegeißelt haben.

areus Avatar
areus:#24362

>>24361
Weiberfastnacht wird nie meer dieselbe sein.

naupintos Avatar
naupintos:#24363

>>24361>>24361
Mützen werden immernoch getragen. Allgemein sind Kopfbedeckungen immernoch ganz normal. Du nimmst aber nur den Herrenhut bzw. Hutmode der Vergangenheit als Hut wahr.
Krawatte ist schon längst als Penissymbol bekannt.

>>24359
>Ist ja noch nicht allzulange her, da war ein Mann ohne Hut undenkbar.
Wie Bilder relatiert eindrucksvoll zeigen, war ca. 1935 kein einziger Mann ohne Hut vor der Tür. Besonders die Führende Riege hätte sich diesen Faux Pas niemals erlaubt und ließ sich nur mit Hut ablichten.
Der Hut war Acessoire oder funktionales Kleidungsstück (Wetterschutz). Genauso wie heute. Soviel zu historischen Fakten.

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#24364

>Die 20er-Jahre sind für mich das goldene Zeitalter des Stils

langate Avatar
langate:#24367

>>24363

Bild relatiert: 1918

Ich glaube, die 17 Jahre dazwischen machen hier durchaus einen Unterschied aus.