Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2016-04-09 18:37:06 in /ng/

/ng/ 7739: Hallo Finanzjuden, wie würdet ihr die paar Kr&...

Bernd Avatar
Bernd:#7739

Hallo Finanzjuden,

wie würdet ihr die paar Kröten die ihr als Ausbildungsgehalt erhaltet investieren / sparen um wenigstens etwas bewirken zu können? Ich bin jetzt 21 Jahre alt und mache eine Ausbildung zum Fachinformatiker, verdiene jetzt im zweiten Lehrjahr ungefähr 515€ Netto. Ich brauch das ganze Geld eigentlich im Monat nicht, ich habe höchstens 150€ Ausgaben im Großteil nur fürs Auto. Öffis wären nur 30€ billiger aber viel viel mehr Stress, müsste morgens gut eine Stunde früher aufstehen und über 9000 Anschlüsse bekommen damit ich in den nächsten Landkreis komme, mit dem Fahrzeug ist es nur auf die Autobahn auffahren und nach 15 Minuten abfahren.


Bis jetzt spare ich mein Geld einfach so auf dem Girokonto, und war die letzten Jahre etwas verschwenderisch. Trotzdem konnte ich knapp 1600€ ansparen die ich nicht wirklich brauche.

Was könnt Ihr mir empfehlen? Die meisten Tagesgeldkonten zahlen bei so niedrigen Summen keine Zinsen, oder soll ich das Geld jetzt einfach als Notrücklage sehen und wenn richtig Geld reinkommt anfangen zu investieren?

hota_v Avatar
hota_v:#7740

Jein. Rücklagen in der Höhe sollte eigentlich jeder Erwachsene haben. Alleine schon für unvorhergesehene Kleinigkeiten (Reparaturen am Auto, Strafverfahren mit Geldstrafe, irgendeine Möglichkeit, die sich auftaut).

Tagesgeld kannst du damit knicken. Den Standard-Ratschlag "günstiger ETF auf den Index, thesaurierend, nicht anfassen, keine Tussi schwängern" eigentlich auch. Wenn aus deinen 1.600 NG dann 1.800 NG werden, hast du auch nicht wirklich viel gewonnen.

Was du machen könntest - unter der Annahme, dass du einen Dschob bekommen wirst, der ein ordentliches Leben ermöglicht, sind im Prinzip zwei Sachen:
a) Glücksspiel. Klassische 50:50 Chance, alles oder nichts.
b) Hochrisiko-Anlagen. Die Chancen sind dabei vielleicht besser. Vielleicht aber auch nicht. Da du jung bist, eher nicht, da in deinem Alter so ziemlich alle.jpg Vollidioten sind (dagegen spricht, dass du dir darüber Gedanken machst und das Geld nicht gleich für Weiber, Klamotten und Handys ausgeben willst). Der Vorteil ist, dass du Erfahrungen für später sammeln kannst. Und da es kein loldemodepotihrneger.bmp ist, nimmst du es auch ernst und gehst diszipliniert heran. Wunder solltest du trotzdem nicht erwarten und besonders risikobehaftete Investments stehen dir eh nicht offen (Risikoklasse E wird dir kein seriöser Broker einräumen; schon D wäre in meinen Augen schwer zu verantworten).

Betriebliche Altersvorsorge würde ich auch im Kopf behalten. Wir leben im Moment in der DDR 2.0 - all die Steuern und Abgaben, von denen in deinem Leben viele entrichten wirst, bringen dir gar nichts. Istebenso.png Also bleiben dir zwei Möglichkeiten: im Alter das, was dann Sozialhilfe ist und inoffizielle Ersparnisse. Oder früh vorsorgen und es offiziell machen. Das Lebensniveau wird so oder so ähnlich sein. Und zwar ähnlich schlecht.

jqueryalmeida Avatar
jqueryalmeida:#7742

>>7740
Erst erzählst du ihm, er soll Rücklagen halten, um ihm dann zu Glücksspiel zu raten?

ETFs machen imo aber auch keinen Sinn, du zahlst einfach noch zu viele Gebühren relativ zu deinem Vermögen. (Transaktionsgebühren können schonmal so 15€ sein, wenn du mal kurzfristig Geld brauchst, sind die futsch)

Mein Rat ist einfach nichts zu tun.

Bernd hat 5000€ einfach so auf dem Girokonto rumliegen, um laufende Ausgaben zu decken (Gut, ich verauslage auch regelmäßig Reisekosten, da kommt was zusammen). Der Rest ist angelegt.

grrr_nl Avatar
grrr_nl:#7743

>>7742
Ab wann machen EFTs sinn?

Es muss ja eine Möglichkeit geben wenigstens ein paar Cent für meine Kröten zu bekommen.

nasirwd Avatar
nasirwd:#7744

Edelmetalle. Die Konsumsucht wird befriedigt und man hat was schönes, glänzendes zum Spielen und angucken. Man kann NUR gewinnen.

amboy00 Avatar
amboy00:#7745

>>7744
Nee, soweit hab ich mich schon Informiert, Edelmetalle sind keine gute Anlage.

mugukamil Avatar
mugukamil:#7746

allgemein:
1. alle Schulden abbezahlen

2. ein paar Tausender auf ein Notfallkonto
Notfall im Sinne von hatte Unfall und muss Autoreparatur zahlen und nicht irgendein "würde jetz mal gern in Urlaub fahren und das Geld da reicht grade genau dafür"

3. 4-6Monate Lebenskosten auf einem weiteren Konto zur Seite legen

4. alles weitere Geld investieren/anlegen
Gebühren dabei so niedrig wie möglich halten
sowohl beim ordern (=lieber erst genug Geld ansparen und dann erst alles zusammen investieren als jeden Monat mehr order-Gebühr abdrücken als man in 2Jahren Rendite hat) als auch bei Depotkosten (=keine).

5. bei Sachen die schnell Wert in den ersten paar Jahren verlieren (zb Auto, aber auch neugebautes Haus) lieber gute Gebrauchte kaufen. Bei Auto kauft man dann am besten von irgendeinem Opa der nur 1x die Woche 1000m damit zum Einkaufen gefahren ist etc.



Bedenke 0:
nicht so viel Geld ausgeben wie du fühlst und den Rest sparen/investieren, sondern soviel Geld sparen wie du dir vorgenommen hast und mit dem restlichen Geld auskommen.

Bedenke 1:
ein Haus/Eigentumswohnung ist in vielen Fällen eine Investition wie ein neues dickes Auto - nämlich keine.

Bedenke 2:
bestimmte Sachen wie Punkt 3. machen natürlich weniger Sinn, wenn du gern mal alle paar Jahre in Hartz4 gehst.

amboy00 Avatar
amboy00:#7748

Bedenke 3:
bei Punkt 3 gern auch mehr als 6 Monate.
Das gilt auch oder sogar grade für Leute, die ein Haus abbezahlen. Denn wenn man mal Krank oder arbeitslos wird und dann nicht 4-5 Monate die Kosten überbrücken kann, bis es wieder besser läuft, kann das mal ganz schnell ganz scheiße ausgehen.

newbrushes Avatar
newbrushes:#7749

>>7742
Ein Ratschlag war das ja nicht. Ich wollte ihm nur die Optionen aufzeigen.

>>7743
Klar gibt es die. Du kannst dir auch Tagesgeld-Anbieter suchen, bei denen du noch etwas bekommst. Ist kein Problem, denn die gibt es. Die Frage ist immer nur, welches Risiko du dabei eingehst und TG macht nur Sinn, wenn man kein Risiko will.

>>7744
Würde ich bezweifeln. Hat zwar grundsätzlich etwas, aber a) er ist jung, b) er braucht die Liquidität vielleicht bald und c) im Moment?

>>7746
>>7748
Für Erwachsene sinnvoll. Er hat aber keinen Dschob, keine Karriere, keinen Lebenslauf, keine Fähigkeiten, die am Markt nachgefragt werden (jaja), keine Kontakte, kein dieses und jenes. Also könnte es sein, dass da mal eine Phase mit HIV drin ist und da sollte man auch an das Thema Schonvermögen denken. Alles darüber ist erst mal wenig hilfreich.

Was positiv ist (und deshalb helfe ich auch nur OP): er scheint kein total verblödetes Konsumopfer zu sein. Bei Mama und Papa leben ist günstig, klar, aber er könnte das Geld auch in den Scheiss "investieren", der der Jugend wichtig ist. Anders gesagt: der Kopf ist anscheinend nicht vollständig im Arsch.

georgedyjr Avatar
georgedyjr:#7750

>>7746
>ein Haus/Eigentumswohnung ist in vielen Fällen eine Investition wie ein neues dickes Auto - nämlich keine.


Investition da im Sinne von Rediteobjekt und nicht im Sinne von "große Ausgabe", denn das ist ja bei Haus und ggf auch Auto schon gegeben.


>>7749
>Für Erwachsene sinnvoll. Er hat aber keinen Dschob, keine Karriere... Also könnte es sein, dass da mal eine Phase mit HIV drin ist und da sollte man auch an das Thema Schonvermögen denken.

Ja deswegen der Hinweis mit Hartz4.
In so einem Fall kann man sich nur Geld in bar beiseite legen und/oder es konsumieren.

Ggf Überschüsse an Familienmitglieder verleihen, die grade Kinder bekommen haben oä -und das Geld gebrauchen können- und es sich dann zurückzahlen lassen, wenn man aus dem HIV raus ist oä.

jffgrdnr Avatar
jffgrdnr:#7751

>>7750
>
Ja deswegen der Hinweis mit Hartz4.
In so einem Fall kann man sich nur Geld in bar beiseite legen und/oder es konsumieren.

Ggf Überschüsse an Familienmitglieder verleihen, die grade Kinder bekommen haben oä -und das Geld gebrauchen können- und es sich dann zurückzahlen lassen, wenn man aus dem HIV raus ist oä.

Ich habe einen guten Vorteil das ich nach der Ausbildung zu 97,5% einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen werde. HIV sollte kein Problem darstellen und ich will da auch nicht wirklich rein, hab so schon das Problem das ich kaum Hobbies habe und die Zeit nicht rumbekomme.

wahidanggara Avatar
wahidanggara:#7752

1.600,- NG ist praktisch nichts. Mit einem einzigen unvorhergesehenen Notfall (z.B. Reparatur am Autogetriebe) wäre das Geld schon mehr als weg. Ich würde an deiner Stelle das Geld erst mal weiter auf dem Girokonto geparkt lassen, wo es im Notfall schnell greifbar ist.

Wenn du deine Ausgabendisziplin weiter so durchhalten kannst, solltest du am Ende der Ausbildung 10-15.000,- NG auf der hohen Kante haben und in einen Dschob reinkommen, wo du ernsthaft Geld ansparen kannst. Da dürfte auch der Zeitpunkt kommen, wo du aus Hotel Mama raus musst/willst und mit 150 NG Lebenserhaltung vorne und hinten nicht mehr auskommst und umdisponieren musst.

Ich würde mir an dem Zeitpunkt nochmal Gedanken machen. Da hast du dann auch eine Summe zur Hand, die sich anzulegen lohnt, und der Markt kann bis dahin schon wieder ganz, ganz anders aussehen.

>>7744
>>7745
Edelmetalle sind eine gute Beimische, aber a.) ist der ideale Einstiegszeitpunkt schon rum und b.) sind mit 1.600 NG auch keine guten Käufe drin, nicht mal wenn du deine ganzen Ersparnisse in einen einzigen 1-Unzen-Barren steckst. (Wozu ich dir nicht mal als Goldkäfer raten würde - eine Unze ist schon grenzwertig im Preis-Leistungs-Verhältnis, lässt sich nicht vernünftig teilweise verflüssigen falls man kurzfristig bares braucht und wäre eine unglaublich einseitige Anlagestrategie.)

mizhgan Avatar
mizhgan:#7753

>>7746
Was ist zur Zeit eigentlich so schlimm an einer Immobilie?
Ich weiß dass man den Juden Zinsen in den Rachen wirft - aber diese sind ja z.Z. minimal.
Dazu kommen noch laufende Kosten.
Aber klingt für mich eigentlich immer noch besser als das Geld direkt irgendso einer Erben-Fotze in den Arsch zu schieben, damit sie ihrem Sohn eine Ärztepraxis spendieren kann.

nehemiasec Avatar
nehemiasec:#7754

>>7753

Es gibt einen Immobilienfaden.
>>7652


Durchschnittlich ist die Rendite von Immobilien bei max 2% nach Inflation also gen 0%. Durchschnitt heißt in der Praxis wenige große Gewinner, viele die grad so +/-0 rausbekommen, nicht grade wenige, die Miese machen.



Wenn die Kaufpreise jetzt höher sind nützen dir niedrige Zinsen auch nicht viel - vom Gesichtpunkt des "billigeren" Kaufs her. Weiß man bloß halt nicht, wenn man jetzt blind in den Markt springt, weil alle "Niedrigzins" rufen und man nicht weiß, wie der Markt vorher aussah, weil man ihn erst seit gestern beobachtet und heut Abend schon ein Haus gekauft haben will.

Wenn du dir irgendwelche Elektronik für 1000€ kaufen willst rammelst du auch nicht in den ersten laden der seine Rabattpreise am lautesten rausschreit. Bei Kaufpreisen, deren Höhe man nicht überblicken kann scheint das komischerweise anders zu laufen.

Immobilie ist meist kein Renditeobjekt sondern möchte haben ähnlich einem tollen Auto. Du kannst nicht mal schnell das Gästebad verkaufen, wenn du schnell Geld brauchst, ein Batzen Geld ist an einer Stelle konzentriert investiert etc.

Haus/Immobilie allgemein ist eher was, was man sich kauft, wenn man nach allen Investitionen noch einen Batzen Ged übrig hat. Der Deutsche Michel shwört halt drauf, weil Hauskauf mit der Bank im Nacken für ihn die einzige Möglichkeit ist sich zusammenzureißen und mal Geld zu sparen anstatt alles zu konsumieren.



Mietfrei -wie es manchmal beworben wird- wohnt man aber in einer eigenen Immobilie keinesfalls, auch wenn sich das die ersten 2-3Jahre im neuen Haus vielleicht so anfühlt. Nach 10-20 Jahren kommen nämlich die großen Kosten und wenn du dafür nicht immer monatlich etwas Geld zurückgelegt hast dann reihst du dich ganz schnell mit bei den Immobilienbesitzern ein, die nicht mehr so gern von ihrem Haus reden. Und billiger als mieten ist Eigenbesitz auf keinen Fall.

gojeanyn Avatar
gojeanyn:#7755

>>7754
>Wenn du dir irgendwelche Elektronik für 1000€ kaufen willst rammelst du auch nicht in den ersten laden der seine Rabattpreise am lautesten rausschreit. Bei Kaufpreisen, deren Höhe man nicht überblicken kann scheint das komischerweise anders zu laufen.

Dies. Ist übrigens auch zu beobachten, wenn man den Leuten total sinnlose Kredite anbietet: kostet der Fernseher 1.999,99 NG ist das ziemlich viel Geld. Kostet er dagegen nur 49,99 NG im Monat über 4 Jahre plus Anzahlung mit einem obligatorischen Versicherungsblumenstrauß und Garantieverlängerung, dreht sich das natürlich gaaanz schnell.

Mein Broker bietet mir seit kurzem an, dass ich die eingeräumte Kreditlinie doch gerne auch für andere Sachen verwenden dürfte. Selbe Masche. Die Leute sind eben dumm. Sonst würde es keiner anbieten.

>Haus/Immobilie allgemein ist eher was, was man sich kauft, wenn man nach allen Investitionen noch einen Batzen Ged übrig hat. Der Deutsche Michel shwört halt drauf, weil Hauskauf mit der Bank im Nacken für ihn die einzige Möglichkeit ist sich zusammenzureißen und mal Geld zu sparen anstatt alles zu konsumieren.

Stimmt. Wobei das früher anders war. Vor 10-15 Jahren gab es noch durchaus rentable Investmentmöglichkeiten, wenn man Förderung und steuerliche Aspekte berücksichtigt und nicht vermietet hat. Heute ist es einfach nur noch Schwachsinn.

Aber Enteignung auf Raten ist in diesem Land ja total in.

>Und billiger als mieten ist Eigenbesitz auf keinen Fall.

Ausgehend von "heute kaufen", ja und bezogen auf Deutschland. In der wirklichen freien Welt lohnt sich das aber durchaus noch - und da kann man auch durchaus mal zweieinhalb Entscheidungen treffen oder Sachen selber machen, ohne das man die Nachbarn fragen, 9000 Behörden beknien und die Baumschutzsatzung auswendig kennen muss.

Deutschland ist eben vorbei. Ist ja auch gewollt - die Leute sollen ja das tolle Europa akzeptieren.

moynihan Avatar
moynihan:#7756

>>7755
>Und billiger als mieten ist Eigenbesitz auf keinen Fall.
>Ausgehend von "heute kaufen", ja und bezogen auf Deutschland.


Wenn man den unfairen Vgl macht und vergleicht das größere Haus mit der sonst eigentlich für die Familie ausreichenden Mietwohnung (vielleicht sogar noch inkl Pachtgarten von 400-600m²) kostet das Haus immer mehr, da sich die Leute meist ein Mehr an Fläche und Raum gönnen, der so eigentlich nicht gebraucht wird und auch fürs Lebensgefühl nicht wirklich nötig ist.

Dieses Mehr an Raum kostet dann aber mit der Zeit auch entsprechend mehr und eben nicht nur beim Kauf einmalig.



Das sich Häuser im Durchschnitt* als Renditeobjekt nicht lohnen gilt auch für die USA wie für die meisten Länder**. Der Typ mit dem letzten Nobelpreis in Wirtschaftsschwafelwissenschaften (Schiller?) hat sich damit zb beschäftigt. Die Leute glauben bloß, dass es eine bessere Anlage ist, als Geld auf der Bank liegen zu haben, denn ihr Haus können sie anfassen, der Mechanismus ist scheinba einfach (eigenes Haus = keine Miete) und die ganze anderen menschliche Rationalisierungsmechanismen.

Dass das alles nicht wirklich ganz so ist, wie man sich das vereinfacht vorstellt, merkt man dann eben erst, wenn man in dem Boot sitzt und durch ein Loch Wasser reinkommt.


Habe selbst einige Verwandte (über 60%) und Bekannte, die Hauseigentum besitzen, aber keiner von denen hat eine klare Rechnung von Hauskauf beginnend mit allen Kosten etc damit man mal klar sieht ob es denn billiger ist oder wie viel sie ihr Eigentum eben im Schnitt so kostet. Rechnungen werden bezahlt, wenn sie kommen und danach sind sie vergessen. Je älter die Immobilie wird umso mehr Zähneknirschen begleitet den Prozess. Keiner von denen hat einen klaren Überblick über die Kosten.


___
*hier muss ich aber auch vermuten, dass sich aber auch (vor allem) die Gewerblichen eher arm rechnen von wegen Steuern


**gibt da glaube nur wenige Ausreißer
wüsste selbst nur von Japan, wo die eigentlichen Häuser nach einer festen Tabelle innerhalb weniger Jahre ihren kompletten Wert(!) verlieren und nur der Grund und Boden noch zählt, weil so gut wie kein Japaner gebraucht kauft und das dann nutzt.

karalek Avatar
karalek:#7757

>>7756
>Wenn man den unfairen Vgl macht und vergleicht das größere Haus mit der sonst eigentlich für die Familie ausreichenden Mietwohnung (vielleicht sogar noch inkl Pachtgarten von 400-600m²) kostet das Haus immer mehr, da sich die Leute meist ein Mehr an Fläche und Raum gönnen, der so eigentlich nicht gebraucht wird und auch fürs Lebensgefühl nicht wirklich nötig ist.

Stimmt und du sagst ja selber, dass es ein unfairer Vergleich ist, aber das ist in meinen Augen sogar sinnvoller Luxus. Bernd ist selbst am Stadtrand mit großem Garten, Vorgarten und Garage aufgewachsen. Alles nicht nötig, aber es ermöglicht ein sehr angenehmes Aufwachsen. Bernds Familie lebt mitten in der Stadt - weil Dschob. Der Unterschied ist, dass man damals für 500.000 DM eben entsprechendes Haus und Grundstück bekommen hat, für 250.000 NG aber nicht mal annähernd die jetzigen Wohnung kriegen könnte.

Das ist aber keine wirtschaftliche Entscheidung. Genau so, wie ich wirtschaftlich kein Auto bräuchte (Großstadt), aber mich weigere wie ein daherlaufener Lump mit Bus und Bahn fahren zu *müssen*.

>Dieses Mehr an Raum kostet dann aber mit der Zeit auch entsprechend mehr und eben nicht nur beim Kauf einmalig.

Richtig. Eigener Zeitaufwand für z.B. einen Garten gar nicht mitgerechnet.

>Das sich Häuser im Durchschnitt* als Renditeobjekt nicht lohnen gilt auch für die USA wie für die meisten Länder**.

Wobei in den USA die Situation etwas anders ist: der Mietmarkt ist dort ein anderer. Und es ist auch nicht so starr wie hier. Das jemand mit 25 sein Haus abbezahlt hat, wenn er einen ordentlichen Dschob hat, ist gar nicht mal so unüblich. Der wird dann dort bleiben. Jemand der mit 25 mit dem College fertig ist, wird noch ein paar mal umziehen.

Dort muss man aber auch keine 3-jährige Ausbildung machen, um die hohe Kunst des Kassierens zu erlernen, und dann den Anspruch zu haben dafür 1.500 NG netto zu bekomben. Deutschland ist einfach auf Gleichmacherei getrimmt. Wenn ich mir ansehe, was mittlerweile aus einem guten Akademikergehalt von 100.000 DM geworden ist, ist das einfach nur traurig. Mit 50k NG ist das Modell (Frau bleibt zu Hause, zwei Kinder, Urlaub, Auto, Haus) einfach unmöglich geworden.

>Dass das alles nicht wirklich ganz so ist, wie man sich das vereinfacht vorstellt, merkt man dann eben erst, wenn man in dem Boot sitzt und durch ein Loch Wasser reinkommt.

Wenn man mittlerweile mit 10 Jahren eine EC-Karte hat und lernt, dass man mit Plastik Sachen kaufen kann, ist das aber auch kein Wunder. Sparen lohnt sich nicht mehr, ist aber auch nicht gewünscht. Große Teile der Bevölkerung sind vom Staat abhängig oder arbeiten direkt oder indirekt für ihn. Die Theorie sagt, dass die nicht die Hand beißen werden, die sie ernährt. Gerade die linksgrünen Mäuler tun das aber gerne, denn sie haben gelernt, dass sie damit durchkommen. Klientelpolitik eben.

Wesentliche Aspekte, die das eigene Leben und die eigene Unabhängigkeit betreffen (und dazu gehört die langfristige Finanzplanung) werden bewusst an den Staat abgetreten. Der ist ja der Gute und soll mal machen.

Unabhängigkeit fängt aber bei den eigenen Finanzen an. Nichts ist so unabhängig wie sagen zu können "fickt euch, ich bin weg" und keine negativen Konsigwenzen.jpg befürchten zu müssen, weil man das für sich durchgeplant hat. Die Realität sieht anders aus. Bei der Unterschicht mit viel Glück auf schwarze Null gerechnet, wenn bloß nicht passiert. Bei der Mittelschicht (Steuern + Notwendigkeiten, wie 40 NG Handy, 40 NG Internet, 40 NG Bezahl-Fernseh und neben den Fixkosten noch der obligatorische Urlaub und das Auto, auf das die Nachbarn neidisch sein sollen). Willkommen in der Konsumsklaverei. Ein Haus verstärkt das 1a.

vocino Avatar
vocino:#7758

>>7757

Naja, Bernd hat auch zu 4. in einer 120m² Wohnung gelebt und es gab zusätzlich einen ~700m² Garten mit kleinem Bungalow, wo man mehrmals die Woche nach Feierabend bzw am Wochenende war. Kann man alles auch zur Miete haben und so ein Garten kostet nicht wirklich viel Pacht im Jahr. Und zum "mit eigenem Haus kann einem keiner was wegnehmen": es wird auch in den wenigsten Normallebenszenarien jemand kommen und dir den Pacht-Garten wegnehmen. Genauso mit der Mietwohnung. Nachteil ist nur, dass wenn du wirklich mal den Garten abgibst die dort vergrabenen Hunde und anderen Haustiere nicht in der Familie bleiben -wie beim Vererben- sondern da dann jemand fremdes über den Friedhof der Kuscheltiere stolpert, wenn er an den falschen stellen Beete errichtet. Wegnehmen ist hier mit Gärten eher nicht - ganz im Gegenteil stehen hier immer mehr Gärten leer, weil die ganzen alten Männer, die die bisher hatten, langsam alle wegsterben.


Wenn man sowas hier neu als sei Eigentum (Haus+großen Garten) haben will kostet das auch schon eine Stange Geld. Und für das Geld kann man sich ähnliches auch für 25-30Jahre mieten, ohne danach alles komplettsanieren zu müssen, weil man nicht der Eigentümer ist. Und als Mieter hat man dann auch noch etwas Geld locker, was man nebenher sparen könnte. Der gemeine Mieter in Dtl steht im Alter im Vgl zum Hausbesitzer nur schlechter da, weil die Mieter meist eben nichts oder viel weniger Geld sparen und nicht weil Eigentum so viel billiger ist. Vergleicht man Hauskäufer mit einem Mieter, welcher so viel Geld zurücklegt, wie der Häuslebauer in sein Haus steckt (abzüglich der Miete), kommt ganz klar der Mieter mit mehr Gewinn bei raus. Das Problem ist eben nur, das viele Mieter ihr Geld verkonsumieren während der Häuslebauer durch die Hausabzahlung zwangsspart.


Dieser Bernd würde aber, selbst wenn Hauseigentum an sich billiger wär als mieten, trotzdem mieten, da ihm die ganzen nervigen Sachen wie Gehweg räumen und streuen im Winter, Handwerkerkrebs etc viel zu krebsig sind.

Was eigenes Stück Land bedeutet kriegt er schon ansatzweise durch den Garten mit (Nachbarn, tolle Verpflichtungen) und ist da grade noch zu ertragen aber auch nicht toll. Wirklich seine Ruhe vor Nachbarn, Staat und sonstigem hätte man sowieso nur mit großem Grundstück im Nirgendwo ohne Nachbarn. Aber das findet man nicht so leicht und wenn es das gibt, dann ist die Internetverbindung scheiße.

saarabpreet Avatar
saarabpreet:#7759

>>7758
Zustimmung. Bis auf dieses:

>Dieser Bernd würde aber, selbst wenn Hauseigentum an sich billiger wär als mieten, trotzdem mieten, da ihm die ganzen nervigen Sachen wie Gehweg räumen und streuen im Winter, Handwerkerkrebs etc viel zu krebsig sind.

Bei mir ist die Situation wie beschrieben (Familie, Großstadt, guter Bezirk, relativ teuer, zur Miete, würde nicht kaufen wollen), aber die Nebenkosten für Scheisse, die ich nicht brauche, gehen mir extrem auf den Senkel. Treppenhausreinigung ist noch ein halbwegs akzeptabler Kosten-/Nutzeneffekt. Gehweg ist unvermeidlich, wegen Haftung. Der verfickte Garten, der im Prinzip eine Ausweichfläche ist, wenn jemand die (zugewiesenen) Parkplätze blockiert und Fachkräfte, die für 50 NG/Std. eine Glühbirne wechseln, nerven einfach nur.

Die ideale Kombination wäre da wohl Eigentum auf dem Land (selbst machen) und günstige Mietwohnung in der Stadt. Aber so viel Wert legt Bernd eigentlich auch nicht auf das Landleben.

>Was eigenes Stück Land bedeutet kriegt er schon ansatzweise durch den Garten mit (Nachbarn, tolle Verpflichtungen) und ist da grade noch zu ertragen aber auch nicht toll. Wirklich seine Ruhe vor Nachbarn, Staat und sonstigem hätte man sowieso nur mit großem Grundstück im Nirgendwo ohne Nachbarn. Aber das findet man nicht so leicht und wenn es das gibt, dann ist die Internetverbindung scheiße.

Ist bei mir ähnlich. Da wo ich noch leben könnte (Nähe Großstadt, Nähe Autobahn, halbwegs zivilisiert) ist es dann finanziell nicht mehr interessant. Das amerikanische Modell finde ich da interessanter: Wohnung in der Stadt, großes Grundstück in der Wildnis kaufen, selbst Hütte hinstellen, fertig. Geht natürlich nicht, weil Deutschland.

kershmallow Avatar
kershmallow:#7760

>>7759
>Der verfickte Garten, der im Prinzip eine Ausweichfläche ist, wenn jemand die (zugewiesenen) Parkplätze blockiert und Fachkräfte, die für 50 NG/Std. eine Glühbirne wechseln, nerven einfach nur.


>Garten
Wenn du ein kleines Häusle mit etwas hast, was sich auch wirklich Garten nennen darf -und die Nachbarn eben auch- dann wird das ebenso nerven.

Bei meinem Bruder in der Umgebung (dörflicher eingemeindeter Teil einer Großstadt) mit Einfamilienhäusern neben Mehrfamilienmietshäusern:
-viele Hunde, auf Grundstücken bellen die auch gern mal jeden der vorbeikommt an und sind genau dafür auch da, dh das wird nicht abgestellt, selbst wenn man das als Nachbar nicht mag

-Leute, die in ihrem garten jeden 2.Tag mit 8 Freunden grillen und saufen mit allem was dazugehört

-Kleinstbetriebe die mit Holz arbeiten und entsprechende Sägen nutzen

-zum Wochenende hin mäht immer irgendwo irgendeiner seinen Rasen oder sägt oder Hämmert an seinem Haus

-wenn du keinen Rasen hast sondern Wiese wachsen lässt glotzen dich alle komisch an



>Fachkräfte mit 50€/h für Glühbirnen
OK. Ja so Kosten für Sachen, die man mitzahlt aber nie Nutzt (zb Fahrstuhl für Leute in EG bis 2OG)... Der größte Posten für Bernd neben Gebäudeversicherung bei Bernds Haus ist die Beleuchtung, da das Licht im Treppenhaus 24/7 angeschaltet ist, weil nicht überall Fenster sind. Die zahlen da knapp 5500€ im Jahr für den Commieblock mit 2x10Stockwerke... könnte man sicher mit LED mindestens halbieren.

Dieser Bernd findet das aber sonst eigentlich ganz OK.
Wohne billig aber entsprechend alt und da ist sowas sehr von Vorteil. Habe letztens auch einen verkalkten Wasserhahn vom Handwerkerservice des Vermieters austauschen lassen auch wenn ich das selber könnte. Selber machen hätte mich aber -neben dem Geld- einiges Zeit und wie sich herausstellte wohl auch Nerven gekostet, da hier einige Sachen noch DDR Standard haben und die Hahnbefestigung improvisiert daran angepasst werden musste. Solche Überraschungen, können dann auch mal eine ganz einfache Heimwerkeraktion zu einem teuren Staatsaufwand werden lassen.

Alles mit Strom will man hier sowieso nicht selber machen, denn hier passieren gern mal Sachen, die eigentlich so lt Elektriker nicht sein dürfen oder können (2 Stromkästen 1x Rausschraubsicherungen 1x neuer mit Kippschalter und Starkstrom für Herd nebennander und andere Wertarbeit sorgen dafür). Da macht Bernd auch wirklich nur den Austausch von Glühbirnen selbst und alles andere machen bitte die Elektriker.


Und was viele Heimwerker mit Haus so alles bei sich zuhause zusammenfrickeln, will dieser Bernd lieber gar nicht wissen. In Bernds Familie gibt es da so ein Paar Experten. Zwar keinen Plan aber alles selber machen. Internetkabel den Kopf abschneiden, Kabel durch kleines Loch in Wand schieben und Kopf wieder drankleben und sich dann wundern, wenn das scheiß Internet nicht geht sind da noch Sachen, über die man wenigstens lachen kann und die nicht gefährlich sind in dem Fall... Wenn solcherlei Begabung dann noch mit der Einstellung alles möglichst billig wieder zu flicken zusammenkommt, dann kann man es gleich vergessen. Ein so über 20 Jahre zusammengeflicktes Haus wäre der Alptraum für jeden Käufer.