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Veröffentlicht am 2016-06-23 14:13:36 in /ng/

/ng/ 8124: Arbeitsunfähigkeitsversicherung und Rentenvorsorge

adhiardana Avatar
adhiardana:#8124

Bernd hatte vor Kurzem ein "kostenloses Beratungsgespräch" bei einem "Finanzplaner für Akademiker", er nahm unverbindlich Teil.
Dort wurde ihm etwas über Arbeitsunfähigkeitsversicherung und Rentenvorsorge erzählt und vorgerechnet.
Das Gespräch wirkte gekünstelt und es kam Bernd so vor als würde der Berater einen billigen Marketingtrick nach dem anderen aus dem Hut ziehen (Zitate aus Zeitungen/Tests ohne Zusammenhang; lieblos erstellte simple Grafiken, die alles super dramatisch aussehen lassen; rhetorische Fragen die auf sein Produkt führen etc.) fast wie bei Teleshopping. Der Mann war sehr jung und Bernd nimmt einfach mal an er wollte das an der FH gelernte möglichst fleißig nach Schema F umsetzen.
Leider hat Bernd wirklich Null Ahnung von Versicherung/Finanzen und hat versucht die sachlichsten Punkte zu verstehen:


Bernd wird bald 25 und wird voraussichtlich Ende nächstes Jahr einen MINT-Master abschließen.

-Der Berater meinte, dass ab Vollendung des 25. Lebensjahres sich die Beiträge für eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung ca. verdoppeln würden. Er begründete diesen Sprung mit Statistik (die meisten Leute werden zwischen 25 und 47 Arbeitsunfähig). Stimmt das? weil für Bernd klingt so ein Sprung nicht wirklich nachvollziehbar und da ich demnächst Geburtstag habe, entstand der Eindruck, er will mich ein bisschen drängen.

-Er meinte für viele Kredite etc. muss man heutzutage eine solche Versicherung vorweisen.

-Berater meinte ich könnte bereits mit einem kleinen Betrag (2€/Monat) meinen jetztigen "Gesundheitszustand einfrieren" und den Betrag später einfach erhöhen.

-Der größte Anteil der Leute wird durch psychische Krankheiten arbeitsunfähig. Bernd hat sich nie behandeln lassen, ist sich aber sicher, dass er (berndstil) Depressionen hat und kann sich vorstellen irgendwann dieses Lotterleben satt zu haben. Drinbevor Versicherungsbetrug.

Deshalb fand er diese Versicherung prinzipiell schon interessant. Da der Mindestbeitrag jedoch 25€ ist, hat er mir vorgeschlagen entweder 25€ zu bezahlen, was Bernd im Fall der Arbeitsunfähigkeit wohl ca. 1000€/Monat einbringen würde. Alternativ 2€ zum "Einfrieren des Gesundheitszustandes" und den Rest in die Rentenvorsorge...)

Zur Rentenvorsorge hat er ein bisschen was vorgerechnet... Durch Zinseszins macht es wohl Sinn möglichst früh bereits einzubezahlen etc.

Gibt es hier vielleicht Bernds, die wirklich bereuen sich nicht früher um solche Dinge gekümmert zu haben?

Bernd lebt sehr genügsam und die 25€ monatlich würden ihn nicht wirklich einschränken. Dann ist aber die Frage in wie fern sollte ich vielleicht doch lieber einfach Sparen, da ich noch keine festen Zukunftspläne habe und deshalb so flexibel wie möglich sein möchte. Trotz Genügsamkeit ist Bernd doch eher vom Argument "Leben im Jetzt, Zukunft erstmal egal (YOLO)" überzeugt.

Meinungen von Finanzbernds bitte.

bighanddesign Avatar
bighanddesign:#8125

>>8124
War jetzt zu faul alles zu lesen.

Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr sinnvoll -> Check24 und dir das passende Angebot raussuchen. Da du aber Student bist würde ich vorher abklären, ob du den Beitrag dann wenn du Berufstätig bist einfach erhöhen kannst. 1k sind nämlich nicht so viel, würde eher 1,5k nehmen.

Altersvorsorge macht Sinn aber erst wenn du einen Job und über regelmäßiges Einkommen verfügst. Macht da einen Fondsparplan oder ETF Sparplan und leg jeden Monat 200 zur Seite.

heikopaiko Avatar
heikopaiko:#8126

Altersvorsorge bringt dir nur was, wenn du es selber machst aka ETF-Sparplan ( >>7891 ) oder 1xjährlich/halbjährlich eine größere Summe anlegen.

Sobald du einen Mittelsmann reinholst frisst jeder Prozent, den du dem Geier bezahlen musst, sehr viel von deiner Anlage - eben durch Zinseszins.


100k bei 4% nach Steuer
sind nach 20Jahren knapp 180k


geht nur ein einzelner % davon an einen Finanzheini hast du unter 155k noch ein Prozent mehr an den Finanzheini und es sind nochmal 20k weniger.

Entsprechend mehr wird es aber auch, wenn du höhere Rendite hast. Du kannst die Rendite aber nicht unendlich hoch schrauben, weil sich damit das Risiko vergrößert.

Daher gilt es bei Anlagen die laufenden Kosten und die Orderkosten so niedrig wie möglich zu halten.

peterlandt Avatar
peterlandt:#8127

>>8124
Ich glaube, gerade für Intellelle ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung völliger Schwachsinn: Guck dir Steven Hawking an, der bekommt keinen Cent, weil er kann ja fröhlich weiter vor sich hinMINTen. Für einen Arbeiter der Stirn ist Arbeitsunfähigkeit gleichbedeutend mit Gemüse. Und Gemüse braucht zum Glücklichsein nur Licht, Luft und Wasser. Irgendwelches Geld würde sich ohnehin nur deine rumänische Pflegerin unter die Nägel reißen... Bei Arbeitern der Faust sieht das schon anders aus: da lohnt sich sowas, ist aber meiner Meinung nach durch den deutschen Sozialstaat ausreichend abgesichert.
Statistisch gesehen zahlst du bei jeder Versicherung drauf (`duh). Das einzige was ich empfehle sind die Standarddinger: Haftpflicht, Rechtsschutz und Hausrat (t. Meister im "Ich aus Versehen Person oder Sache XY.)

Die 25 ng an sich machen dich nicht reich oder arm. Aber wenn sich wegen der Versicherung dein Mindsetting ändert und du unvorsichtig wirst, weil "Höhö, ich bin ja versichert, mir kann ja nix passieren," dann fickst du dich im schlimmsten Falle maximal selbst.
Beispiel:
> Einfrieren des Gesundheitszustandes
Na dann brauchste dir ja wegen Pozznegern keine Sorgen mehr machen...
Verstehste?

Außerdem kann so eine Versicherung auch einfach mal pleite gehen. Wenn du mit 40 arbeitsunfähig wirst, willst du wenigstens noch 40 Jahre Geld von denen bekommen. Und jetzt checkiere mal, wie viele Versicherungen in den letzten 40 Jahren dichtgemacht haben.

Ich bin aber auch Faschist und daher massiv auf Eigenverantung getrimmt. Was für mich gilt, muss nicht notwendig auch auf dich anwendbar sein.

joynalrab Avatar
joynalrab:#8133

>>8124
>"Finanzplaner für Akademiker",

MLP?

stushona Avatar
stushona:#8137

>>8133
Nein

>>8126
>Altersvorsorge bringt dir nur was, wenn du es selber machst
Ich will es aber nicht selber machen. Die gesamte Finanzwelt interessiert mich (momentan) Null. Mir ist klar, dass man wenn man sich selbst darum kümmere besser weg kommt. Aber ich wäre bereit den Berater zu bezahlen, damit ich mich nicht damit rumärgern muss und am Ende davon (vielleicht suboptimal) profitiere.

Deshalb lautet meine konkrete Frage eigentlich: Lohnt es sich, das ganze jetzt schon zu entscheiden?

>>8125
Ich habe auf Check 24 auf die schnelle nur Beträge gefunden die höher sind, als das was der Berater mir Prognostiziert hat, beim herumspielen mit Parametern habe ich aber nichts von einer Verdopplung der Beiträge gesehen, wenn ich ein bis zwei Jahr älter wäre.

leandrovaranda Avatar
leandrovaranda:#8140

>>8125
>Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr sinnvoll

So pauschal Bullenscheisse. Hatten wir hier vor ein paar Monaten auch schon mal. Stark berufs- und lebenswegabhängig. Die Diskussion habe ich damals auch schon geführt. Ein weiterer Bernd, der sich damals auch damit beschäftigt hatte, war auch in dem Faden - ansonsten nur dumme, typisch deutsche Klischees. Hurr durr, Sicherheit, ich hab da mal was gehört, aber die Statistik-Krempel. Werde erst mal im versicherungstechnischen Sinne wirklich berufsunfähig. Und nein, das bedeutet nicht "kann nicht mehr machen worauf ich Bock habe". Da wird sich eine akzeptable Alternativbeschäftigung finden und was akzeptabel ist, definierst nicht du, sondern nach ein paar Jahren Rechtsstreit ein Gericht für dich.

Du arbeitest mit Computern? Brauchst du mittlerweile keine Arme oder Beine mehr für. Bist du Schumi-Gemüse hilft dir die Versicherung auch nicht viel. Bist du tot? Tja, falsche Versicherung. Aber Hauptsache schön "vorsorgen" zu den 50% Steuern, die du eh schon zahlen darfst.

llun Avatar
llun:#8141

>>8140
>>8127 erst jetzt gesehen. Sorry für die Wiederholung. Sehe meine ausgeführten Punkte aber genau wie du.

>>8137
>Ich will es aber nicht selber machen.

Klasse. Dann mache es nicht. Dann zahlst du eben dafür. Und natürlich für ein "gutes Gefühl". Verbietet dir auch keiner. Ist dann aber dein Privatvergnügen. Wenn du möchtest, dass wir das als "richtig" oder "vernünftig" validieren, bist du hier falsch und solltest vielleicht zu einer der etablierten Parteien gehen - die haben das Nachbeten unsubstantiierten "Allgemeinwissens" im Programm und viel Erfahrung darin. Du kannst natürlich auch einfach einen ETF-Sparplan nehmen und dich dann nicht mehr darum kümmern. An einem schlauen Tag schaust du mal was dir Gurgel zu "dollar cost average effect" erzählt. Du kannst dich natürlich auch einfach wegficken.

thomweerd Avatar
thomweerd:#8143

>>8140
>Du arbeitest mit Computern? Brauchst du mittlerweile keine Arme oder Beine mehr für.
>Bist du Schumi-Gemüse hilft dir die Versicherung auch nicht viel

Was erzählst du eigentlich für eine Scheiße? Du hast dich 0 mit dem Thema beschäftigt, sonst wüsstest du das du Quatsch erzählst. Du pauschalisierst gerade die 5€ pro Monat BUs mit 5k monatlicher Deckungssumme, die nur Bauernfängerrei sind (und selbst da wäre Schumi Gemüse durch Unfall verusacht gedeckt.

>>8137
>Ich habe auf Check 24 auf die schnelle nur Beträge gefunden die höher sind
Dann wollte dich der Maklerjude wahrscheinlich mit einer billigen BU ohne Verzicht auf abstrakte Weisung abspeisen. Sowas bringt wirklich kaum was, wenn schon dann bitte eine ordentliche BU, die total Wasserdicht ist, sonst kann man dich abspeisen.

Bekannter von Bernd macht was mit Kompjutah, wurde irgendwann Depressiv, GF hat ihn verlassen, noch mehr Depressionen, noch mehr Druck auf der Arbeit -> Klapse. War vor etwa 2 Jahren, er kann noch immer nicht arbeiten. Lustigerweise war sein erster großer Arbeitgeber eine Versicherungsgesellschaft wo er ohne groß nachzudenken sich zu Mitarbeiterkonditionen ein Versicherungspaket hat zusammenstellen lassen, daher bekommt er jetzt seine 2k NG im Monat BU-Rente. Muss jedes halbe Jahr zu einem Arzt der Versicherung, dem er die Unterlagen von seinem Psychiater vorliegt und das wars.

mylesb Avatar
mylesb:#8147

>>8143
>Was erzählst du eigentlich für eine Scheiße? Du hast dich 0 mit dem Thema beschäftigt, sonst wüsstest du das du Quatsch erzählst. Du pauschalisierst gerade die 5€ pro Monat BUs mit 5k monatlicher Deckungssumme, die nur Bauernfängerrei sind (und selbst da wäre Schumi Gemüse durch Unfall verusacht gedeckt.

Nein. Das ist herzlich egal, wenn gar keine Leistungspflicht seitens der Versicherung besteht, da kein Schadensfall eingetreten ist. Wenn wenn du nicht BU bist, ist egal, wie die Versicherung an sich ausgestaltet ist, da du keinen Anspruch hast. Du kannst dich gerne mit der Rechtsprechung zu dem Thema beschäftigen. Professioneller Tipp: sie ist nicht sehr arbeitnehmerfreundlich. Anderer professioneller Tipp: du wirst die durchschnittlich fünf Jahre bis du wirklich mal ein rechtskräftiges Urteil hast wirtschaftlich und psychisch nicht überstehen und in der Zwischenzeit einen "zumutbaren, vergleichbaren Dschob" annehmen. Die Versicherung dagegen hat Zeit. Du hast nicht mal HIV (schon per Definition nicht).

>Sowas bringt wirklich kaum was, wenn schon dann bitte eine ordentliche BU

Das setzt voraus, dass sich Rechtsprechung und Marktumfeld in der Zeit von jetzt bis zum Versicherungsfall nicht signifikant verändern. Und das weißt du nicht. Tollerweise ist das auch ein Risiko, dass du nicht wegschieben (= dich dagegen versichern) kannst.

>Muss jedes halbe Jahr zu einem Arzt der Versicherung, dem er die Unterlagen von seinem Psychiater vorliegt und das wars.

Das ist genau der Punkt. Wird die Belastung für die Versicherungsgesellschaften zu groß (und sei es, weil wir millionenfach Leistungsempfänger, die nie einbezahlt haben, aber gleichzeitig Leistungen aus öffentlichen, wie privaten Sicherungssystemen erhalten, ins Land holen) ändert sich das ganz fix. Hat man in anderen Ländern in der Vergangenheit ja auch schon gesehen. Zumal die Psycho-Schiene in großen Teilen wirklich nur Betrug und Rumschuchtelei ist... Mimimimi, aber Robert Enke. Ja, fick dich weg, arme Schneeflocke.