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Veröffentlicht am 2014-03-04 11:31:13 in /ph/

/ph/ 10067: http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2012/...

cheezonbread Avatar
cheezonbread:#10067

http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2012/09/mediziner-vermutet-fuhrten-epileptische.html

Es gilt als die "göttliche Krankheit", Epilepsie. In diesem Artikel wird beschrieben, wie der Monotheismus eine Folge davon sein könnte. Auch Dostojewski, der sich zu einem feurigen Verfechter des Christentums entwickelte, war Epileptiker.
Ich weiß nicht wie Migräne und Epilepsie zusammenhangen, außer dass es mit einer Verknotung von Reizen und einem Anschwellen der Kapillare im Hirn zusammenhängt, aber auch Van Gogh, der unter Migräne litt, war, was wenige wissen, vor seiner Zeit als Maler ein überzeugter christlicher Prediger.
Ist Religiosität also nichts als die Folge einer Krankheit? Oder ist etwas dran, wenn man den Visionen die diese Krankheiten ermöglichen mehr zumutet als dass es bloße Hirngespinste sind? Wie weit gehen Religion und Krankheit miteinander einher? Und: wenn Religion Ausdruck von Krankheit ist, ist der wirklich religiöse Mensch dann auch ganz allgemein krank? Oder ist Krankheit ein Urteil, das nur den Menschen im Kontrast zur Gesellschaft, in der er lebt, zulässig ist?

bassamology Avatar
bassamology:#10070

Du vermischt ganz schön viel.

Nur, weil die Halluzinationen einiger Epileptiker als göttliche Visionen fehlinterpretiert wurden, heißt das nicht, dass Religiosität bei jedem auf solchen Erkrankungen beruht. Wieso du Van Gogh als Migräneleidenden einbringst ist ein Mysterium, da du zuvor noch von Epilepsie sprachst und Einzelbeispiele nie etwas belegen. Weiterhin gibt es auch eine historische Erklärung für die Einführung des Monotheismus in Ägypten, die machtpolitische Motive annimmt.

>Ist Religiosität also nichts als die Folge einer Krankheit?
Nah, es gibt auch gesunde Gläubige und atheistische Epileptiker.

Die weiteren Fragen fallen damit irgendwie weg.

Ich frage mich trotzdem manchmal, ob religiöse Leute in irgendeiner Form geistig benachteiligt sind. Oh nun.

dhooyenga Avatar
dhooyenga:#10071

>>10067
>Wieso du Van Gogh als Migräneleidenden einbringst ist ein Mysterium

Nö, wieso. Die Überschrift lautet Religion und Krankheit und es gibt neurophysiologische Ähnlichkeiten in den Bedingungen der Krankheitsbilder. Nietzsche und Beethoven litten auch darunter, gleichzeitig ist es eine mögliche Erklärung für die Intensität ihrer Werke und ihren zum Bipolaren neigenden Charakter.

http://www.weltkopfschmerztag.de/geschichte-der-migraene/index.php

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#10072

>>10071
Noch ein Artikel:

http://www.migraine-aura.com/content/e24966/e22874/e24668/index_en.html

leandrovaranda Avatar
leandrovaranda:#10073

Ja super. Und folgende Personen hatten weder Migräne noch Epilepsie:

Goethe, Mozart, Sartre, Camus, Platon, Archimedes, Miguel de Cervantes Saavedra, Walter Gropius, ...

Gibt sicher genug Migräneleidende und Epileptiker, die ihr ganzes Leben lang nichts so Großes auf die Beine stellen, sonst wäre Deutschland nämlich von Meisterwerken überflutet. (~10% Migräneleidende, ~1% Epileptiker) Mit bipolarer Störung nennst du wenigstens etwas, das zumindest in seiner manischen Phase zu kreativer Tätigkeit führen kann. Aber das tut Langeweile auch.

Du versuchst Kausalität herzustellen, wo nicht mal Korrelation ist.

HERMETIKERRRRRR... !

kennyadr Avatar
kennyadr:#10074

>>10073
>Du versuchst Kausalität herzustellen, wo nicht mal Korrelation ist.

Puh, soweit gehe ich doch gar nicht. Was ich geschrieben habe war

>ist es eine mögliche Erklärung für die Intensität ihrer Werke

Man hat ja sogar versucht, einen menschlichen Migräne-Typus zu ermitteln, aber den gibt es eben nicht, Epilepsie- und / oder Migräne-Patienten unterscheiden sich im Auftreten und Erscheinung kaum bis gar nicht von anderen Menschen.
Die Wechselwirkung zwischen Religion und Krankheit (oder zwischen Inspiration, Kreativität und körperlich-geistiger Anomalie) zu ermitteln ist die Aufgabe des Fadens. Bisher ist hier noch nichts hermetisch wie ich das sehe.

suribbles Avatar
suribbles:#10075

>Kausalität herzustellen, wo nicht mal Korrelation ist.

Ist das denn der Fall? Darum geht es hier ja. Gibt es irgendeine Verbindung? Wenn nein, wie kommen so viele Leute auf den Gedanken? Wenn ja, wie sehen die Wechselwirkungen im Einzelnen aus?

uxdiogenes Avatar
uxdiogenes:#10076

IDF:
Dasselbe Thema zum drölfsten Mal.

>Erklärung für die Intensität ihrer Werke

Lies Genie, Irrsinn und Ruhm in der 6. Auflage. Oke das wa ales.

lisovsky Avatar
lisovsky:#10077

>>10076
Nachtrag: Aus einer extrem alten (und deswegen nicht unbedingt schönen) Studienarbeit kopiert:


2.3 fasst das Wesentliche von Genie, Irrsinn und Ruhm zusammen.

turkutuuli Avatar
turkutuuli:#10078

>>10077
Das Kopieren hat teilweise die Formatierung zerstört. Habe keine Lust, das jetzt zu ändern. Diele mit S.

matt3224 Avatar
matt3224:#10079

>>10077
Danke schön.

>>10076
>Dasselbe Thema zum drölfsten Mal.

Tatsächlich? Tut mir leid, das ist mir offenbar entgangen.

saarabpreet Avatar
saarabpreet:#10080

Eine ausgezeichnete Arbeit, das Alter merkt man ihm nicht an.

>Das Leiden-Können und das Leiden-Wollen werden so zur Grundlage tiefer Gedanken und zum Merkmal des höheren Menschen. Er zeichne sich dadurch aus, dass er bei keiner vermeintlichen Erkenntnis stehen bleibt. Der höhere Mensch gehe ständig über sich hinaus. – Er müsse den Mut und die Stärke haben, sich am Abgrund zu bewegen

Daraus lese ich, dass Krankheit wie Leiden ein selbst gewählter Entschluss sind, um die Mittel zu entwickeln, Geniales zu schaffen und Inspirationen zu empfangen. Es liegt also in der Bestimmung des Menschen selbst, sich zu seiner Tiefe zu bekennen und die Möglichkeiten auszuschöpfen.
Die alltägliche, naive und frömmelnde Religiosität ist dann aber auch der genialischen Religiosität entgegenzustellen, die aus der Bereitschaft zu Leiden, also aus Leidenschaft erwächst.

yesmeck Avatar
yesmeck:#10082

>>10080
>Daraus lese ich, dass Krankheit wie Leiden ein selbst gewählter Entschluss sind

Zumindest für die Krankheit gilt das ganz gewiss nicht. Einerseits wäre es grotesk, Krankheiten als (aus)wähbar anzusehen - und andererseits hat Nietzsche sein Leben lang die Flucht vor seinen Krankheiten ergriffen.

Was das Leiden betrifft: Hier bekommt Nietzsche keinen Boden mehr unter die Füße, nachdem er die Willensfreiheit verneint. Er stellt es dar als freien/freiwilligen Entschluss, aber das kann es sichtlich nicht sein. Funktionieren kann das nur, wenn man begreift, dass das Akzeptieren von Leiden Leid vermindern kann. Sprich: Leiden wird nur dann in Kauf genommen, wenn es größeres Leid verhindern kann.

>Es gibt einen See, der es sich eines Tages versagte, abzufließen, und einen Damm dort aufwarf, wo er bisher abfloss: seitdem steigt dieser See immer höher. Vielleicht wird gerade jene Entsagung uns auch die Kraft verleihen, mit der die Entsagung selber ertragen werden kann; vielleicht wird der Mensch von da an immer höher steigen, wo er nicht mehr in einen Gott ausfließt.

>Vielleicht wird gerade jene Entsagung uns auch die Kraft verleihen, mit der die Entsagung selber ertragen werden kann

Das ist der entscheidende Punkt. Und ich denke, dass Nietzsche da etwas richtig erkannt hat. Im Alltag handeln wir ja auch so, dass wir Leid nur aufsuchen, wenn wir dafür größeres Leiden verhindern können (die Spritze beim Arzt ist ein schönes Beispiel).

Eine religiöse Ebene wollte ich in der Arbeit eigentlich auch gar nicht weiter berühren.

tmstrada Avatar
tmstrada:#10084

>>10082
Man, ich habe diese Arbeit viele Jahre nicht gelesen und nie beendet. Dabei ist das Grundgerüst noch immer groß.

Wen die Tragik Lichtenbergs interessiert, findet hier noch ein weiteres Kapitel, das mit der Interpretation von Werken aus dem Leid des Autors 'Ernst macht'.

Besonders das in Fußnote 117 ist immer wieder traurig.

alagoon Avatar
alagoon:#10085

>>10084
>groß.

Meinte gut.

dhooyenga Avatar
dhooyenga:#10086

>>10084
Habs gerade gelesen und muss sagen, das bildet ja sogar einen Übergang zum anderen Faden. Es zeigt zumindest wie innig und liebevoll eine Beziehung mit solch einem Altersunterschied verlaufen kann - aber je intensiver das Wohlergehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Sache tragisch und überaus schmerzhaft endet ...

eduardostuart Avatar
eduardostuart:#10088

>>10086
Es gibt aber keine (!) Hinweise darauf, dass er in diesem Alter mit ihr Verkehr hatte.

iamkeithmason Avatar
iamkeithmason:#10089

>>10088
Die Verbindung allein hatte damals ja schon genug Skandalpotenzial, also wenigstens im Sinne der Stigmatisierung von Liebe kann man es als relevant sehen.

jehnglynn Avatar
jehnglynn:#10090

>>10089
Das mag sein, aber anfänglich war das ein spielendes Kind, dem er viel beibrachte. Bis daraus eine Beziehung wurde, vergingen Jahre, weswegen mal wohl sagen kann, dass sie da dann geschlechtsreif war. Zwar im Grenzbereich, aber wohl eher nicht pädophil.

Wäre dir aber dankbar, wenn wir das Thema nun in dem anderen Faden lassen könnten - schreibe in dem anderen nicht ohne Grund nichts mehr.

kennyadr Avatar
kennyadr:#10091

>>10090
Auch ohne sexuelle Komponente muss die Sympathie zwischen den beiden stark gewesen sein, besonders intensiv. Das Leiden über solch einen Verlust kann regelrecht krank machen und manche Künstler oder geistig ausgerichtete Menschen werden dadurch vielleicht in eine Phase größter Produktivität befördert, offenbar aber nicht alle.
Sich in ein so junges Mädchen zu verlieben, ist das dann also ebenfalls Ausdruck von Krankheit, bei der man schlichtweg den Mut haben muss, zu seinen Gefühlen zu stehen - das Leiden zu akzeptieren, um die eigene Reifung, den eigenen Fortschritt zu ermöglichen?

christianoliff Avatar
christianoliff:#10093

>>10091
Warum sollte es das? An erster Stelle: Das war eine andere Zeit: Wenn die Altersgrenze für die Heirat bei 12 Jahren lag, wird der Kontakt zu einer 11-Jährigen wohl nur ein mäßiges Aufsehen erregen. Lichtenberg war allgemein doch recht (menschen)scheu, weswegen es mir auch plausibel zu sein scheint, dass er selbst ein ausreichend altes Mädchen geheimer als nötig gehalten hätte. Und mit Leiden sowie Fortschritt hatte das wohl herzlich wenig zu tun. Ganz im Gegenteil: Sie machte ihn glücklich und half ihm. Dass er ein Versteckspiel mit der Öffentlichkeit spielte, nahm er wohl dafür gerne in Kauf. Sehe da nichts Tieferes als bloße Glückssuche.

andyisonline Avatar
andyisonline:#10095

>>10093
Du meinst also, die Beziehung steht in keinem Verhältnis zu den Fadenthemen Religion, Krankheit, Leiden, Genie? Dann habe ich wohl etwas falsch verstanden, als du deine Arbeit pfostiert hast.

hammedk Avatar
hammedk:#10096

>>10095
Das Kapitel versucht zu zeigen, wie man Leid und Werk gemeinsam interpretieren kann. Dazu muss man es dann aber schon lesen - nicht nur die eine Fußnote. Die erwähnte ich lediglich ob der Tragik dahinter.

anhskohbo Avatar
anhskohbo:#10097

>>10096
Bzw. eigentlich will die ganze Arbeit genau das durchführen. Sind aber nur die ersten und letzten Kapitel 'fertig'.

BillSKenney Avatar
BillSKenney:#10100

Was ist jetzt eigentlich noch die Leitfrage in diesem Thema? Oder sind wir schon fertig?

Vielleicht möchte OP erörtern, wo/wie es weitergeht. Sage nur, bevor wir ganz den Faden verlieren.

damenleeturks Avatar
damenleeturks:#10101

>>10100
Ich würde fragen, wie man individuell zu Krankheit und Leiden eingestellt sein soll, wenn man bemerkt, dass man dadurch positive Effekte erlebt? Manche sehen es als Fluch, andere als Segen. Hildegard von Bingen hat als Kind mit Migräne Visionen empfangen, andere, ja viele Menschen dagegen werden nur gequält durch die Kopfschmerzen und die körperlichen Behinderungen - und so ist es allgemein bei den meisten geistigen Leiden. Wie sollte man Krankheit und Leiden betrachten, wenn man davon prifitieren kann?

tmstrada Avatar
tmstrada:#10104

>>10101
"Visionen empfangen"? Möchtest du implizieren, dass dem Fieberwahn Wahrheit abzugewinnen ist?

cboller1 Avatar
cboller1:#10106

>>10104
Man muss wohl schon in einem Umfeld sein, in dem man solche Ereignisse konstruktiv deuten kann. Als Büroangestellte hätte Hildegard von Bingen sicher keine Chance gehabt und ihr Leiden wäre einfach ein Grund zum Krankschreiben gewesen. Ob man daraus etwas Wahres, etwas für das alltägliche Leben Nützliches empfangen kann, wer weiß. Aber es gibt Fälle, in denen durch solche Visionen, Eingebungen erstaunliche Situationen sich ereignet haben. Zum Beispiel soll Swedenborg hunderte Kilometer von seinem Zuhause auf einmal gesehen haben, dass es in der Nähe seines Hauses brennt. Und als er zurückgekehrt war, erzählte man ihm, dass es sich genau so ereignet habe.

cat_audi Avatar
cat_audi:#10110

>>10106
Übernatürliche Phänomene sind noch nie irgendwo konstruktiv nachgewiesen worden. Bloße Gerüchteküche nützt nichts, da kann man wirklich beliebige Dinge behaupten, die sonstwohin führen.

Konstruktiv deuten kannst du meinetwegen die Farbkleckse der modernen Kunst, aber versuch nicht mystische Verwirrung zu verbreiten.

aleclarsoniv Avatar
aleclarsoniv:#10112

>>10110
Nur gehört gerade das zur Ausgangsfrage. Religionen und Visionen gehen miteinander einher, und das was die einen für eine Gabe halten, ist für die anderen nichts weiter als eine Krankheit.

sawalazar Avatar
sawalazar:#10113

>>10112
Hm, ja. So lassen sich ja auch so phantastisch anmutende Begebenheiten wie der brennende Dornbusch bei Moses erklären. Es gibt optische Verzerrungen bei Migräne, die so lebhaft und farbig aussehen wie manche Pilz- oder LSD-Optiken. Was also der Dornbusch da verkündet hat, war eher so etwas wie ein endogen psychedelisch-entheogener Effekt.