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Veröffentlicht am 2014-03-08 02:09:03 in /ph/

/ph/ 10161: Wieviele unter uns grübeln über die Zuku...

chrstnerode Avatar
chrstnerode:#10161

Wieviele unter uns grübeln über die Zukunft der Erde nach, darüber was sein wird, haben Sorgen und Depressionen und fühlen die ganze Welt auf ihrem Herz liegen. Aber es ist Zeit für eine Verwandlung. Es ist Zeit, sich darauf zu besinnen, wozu der Mensch eigentlich in der Lage ist. Die Besinnung auf die eigenen Fähigkeiten gibt uns die Zügel in die Hand, endlich das eigentliche Leben zu beginnen.
Zuerst einmal gilt die Vergegenwärtigung: Wo komme ich her? Was will ich? Was ist meine Rolle? Was liebe ich? Wie teile ich mich mit? Was kann ich wissen? Was ist Wirklichkeit?
Wo komme ich her? Wir sind das Produkt einer fortlaufenden Evolution, aber unsere Linie fängt nicht beim Menschenaffen an, nicht bei den Säugetieren, nicht bei den Amphibien oder den Bakterien, unsere Tradition reicht bis zurück in die Singularität des Kosmos, bis vor die Erfindung der Zeit. Der Zustand in dem alle Gegensätze in eins fielen, die größte Sicherheit und Geborgenheit - das Mütterliche, und die größte Kühnheit, der Schöpfergeist - das Väterliche. Mutter und Vater, Erde und Himmel, unüberbrückbare Gegensätze und doch in Liebe vereint, getraut in der Gewissheit, dass die Frucht aus dieser Vereinigung alles in den Schatten stellen wird.
Und das ist kein bloßer Spruch. Sieh dich an. Ja, deine Selbstkritik ist berechtigt und das macht dich zu dem, was du bist. Aber betrachte die Welt und schau, wie sich die anderen so schlagen. Schau was die VSA machen, Rohstoffe und Waren im Überfluss, aber elend in allen menschlichen und geistigen Belangen, dagegen Deutschland, so klein und doch so unverzichtbar. Wer könnte unsere Innovation ersetzen? Im Alltag mag man über diese Frage spotten, aber kein Land hat solch ein Potenzial zur Entfaltung wie Deutschland, kein Land hat so lange gebrütet über seinem Ei des Kolumbus, um endlich ein ausgereiftes Etwas in die Welt zu bringen. Es war immer unser selbsterklärtes Ziel, die Welt zu gestalten, durch Wissenschaft, Kunst, Philosophie und auch durch Kriege. Aber nichts davon war so erfolgreich wie es hätte sein müssen. Es fehlte an einer eleganten Einstellung und Selbstsicht. Eleganz, das ist Effizienz, betrachtet vom ästhetischen Standpunkt aus. Mit so wenig Aufwand wie möglich so viel wie möglich leisten.
Obwohl es daran mangelte, die Anlage dafür war immer da und sie ist dafür vorbestimmt, hier und jetzt zu geschehen. Jede Sache hat ein ideales Selbst, zu der sie reifen wird, so auch dieses Land und die Menschen mit wachem Geist und Herzen.
Die Bedrängung durch Konzerne, Politik und Banken, persönliche Probleme, Krankheit und Mißstände im gesellschaftlichen Sektor bereiten Ärger und Mißmut, aber es gibt viele, die sich daran stören, ja, wer trägt nicht in Gedanken ein Bild von einem reineren Leben? Diese Worte mögen manchen wie heiße Luft erscheinen, zeigen sie doch keine genaue Methode auf, wie der Einzelne sich einbringen soll, um zur Verwandlung beizutragen. Aber das gerade ist Aufgabe des Einzelnen, dass er von sich aus Einsicht in seine Bestimmung erhält um dann bald seine Fähigkeiten mit Freuden ausleben zu können.
Die Verwandlung wird geschehen. Diese Ansprache ist nur eine Einstimmung darauf, sie setzt den Ton, mit dem wir voran blicken dürfen. Wenn nicht wir die Verwandlung bewirken, wer soll es dann schaffen? Wir sind am Zug, und jeder Einzelne ist gefragt. Die Zeit ist reif, da die Philosophie ihre praktische Seite voll ausbildet, die Zeit, da wir nicht mehr gefesselt sind vom schlechten Gewissen der Vergangenheit, sie ist reif, denn es juckt uns unter den Fingernägeln.
Das Herz ist voller Sehnsucht, es ist begierig nach Genuß und Freude, nach Freundschaft und Liebe, größere Phantasien und Vorstellungen hat das Herz als das Hirn jemals erdenken könnte: die Verbrüderung alles Lebendigen, die Auferstehung der Deutschen Romantik, die reine Offenbarung des wirkenden Wunders der Schöpfung.
Wir sind Teil eines ungeschriebenen Märchens. Jeder tut seinen Teil und gemeinsam führen wir die Feder eines wunderschönen Gedichtes, eines Liedes, das bis ans Ende der Zeiten klingen wird. Alles Geschehene ist nur Projekt, alles Bedeutende lagert nur auf Eis, aber es soll keimen, es soll blühen, es soll Früchte tragen, es soll glänzen, es soll schimmern, es soll scheinen.
Mit offenen Armen begrüßen wir diese goldene Stimmung, herzinniglichst und freudenvoll.

shesgared Avatar
shesgared:#10162

Nicht schon wieder ...

dhooyenga Avatar
dhooyenga:#10164

Wir sind an einem geschichtlich bislang unbekannten Punkt gesellschaftlicher Differenzierung und Individualisierung angekommen - nicht weil sich das Individuen gewünscht hätten, sondern trotz der Wünsche der Einzelnen. Der Individualismus als geschichtsteleologisches Prinzip stößt ständig an seine Grenzen; genau genommen ist die Schmerzgrenze bereits überschritten. Du über-strapazierst diese Linie nun meiner Meinung ein weiteres Mal. Das Individuum ist nicht bloß das Agens, sondern auch - und zwar in erster Linie - das Produkt der neuzeitlichen, ausdifferenzierten Gesellschaft. Wenn du jetzt dem Individuum aufträgst, diese Gesellschaft zu formen, begehst du denselben ideologischen Fehlschluss wie die idealistische Subjektphilosophie, die dem Subjekt einen Blankoscheck auf Gesellschaft ausgestellt hat. Es hat nicht funktioniert. Ich will nicht sagen, dass diese Philosophie überhaupt keine Resultate gezeitigt hat - aber es waren andere, als die inaugurierten. Die Triebkräfte der Geschichte sind nicht die Individuen, sondern es sind anonyme Kräfte und Entwicklungen. Um wieder angemessen über Gesellschaft und Geschichte philosophieren zu können, müsste zu allererst einmal der idealistisch überhöhte Mensch aus der Philosophie eliminiert werden.

clubb3rry Avatar
clubb3rry:#10166

/weltschmerz/ ist dort entlang:

karalek Avatar
karalek:#10169

>>10164
>nicht die Individuen, sondern es sind anonyme Kräfte und Entwicklungen.

Jeder ist Teil von anonymen Entwicklungen, wären da nicht eben alle die Individuen die Bestimmenden der künftigen Zeit, die diese Entwicklungen wahrnehmen und das Gesicht ihrer Auswirkungen mitbestimmen? Verdrängter Hass, verdrängter Ehrgeiz, verdrängtes Bedürfnis nach Glück bricht sich Bahn, eine unpersönliche Strömung der Zeit bewegt Massen von Menschen, die sich für selbstbestimmt halten, aber nur diejenigen, die den größeren Rahmen sehen, können sich auch darüberhinaus bewegen.

uxdiogenes Avatar
uxdiogenes:#10185

>>10169
Natürlich hat man einen ganz anderen Handlungsradius, wenn man den größeren Rahmen sieht und wirklich selbstbewusst ist. Und eine Verwandlung anzustreben, kann sicherlich eine positive und gute Sache sein - aber im privaten Bereich. Dort ist das Individuum am ehesten souveräner Akteur. Historisches Handeln scheint mir eher ein Handeln in einer anonymisierten "Mitwelt" zu sein, in der vom Interesse der Individuen bereits abstrahiert wurde. Gesellschaftliche Entwicklungen ereignen sich auf der Basis der Selektion von Kommunikation, meinetwegen auch auf der Basis von Diskurs oder Geist, immer aber auf der Basis von etwas, das das individuelle Subjekt bereits hinter sich lässt. Mit anderen Worten ist der persönliche Bewusstseins- und Reifegrad von Individuen natürlich relevant für historische Entwicklungen, aber bloß als ein Faktor. Das einzelne Subjekt ist nicht entscheidend, da das Individuum sobald es um historisches Handeln geht, in einem Geflecht von Interessen und Sachzwängen steht, die den einzelnen Akteur austauschbar machen. Die Idee, dass ausgerechnet die moralische oder ästhetische Identität von Individuen die moralische oder ästhetische Identität einer Gesellschaft ausmacht, ist daher irreführend. Sie schreibt im Namen dieser Individuen einen Scheck, den diese ohnehin nie zahlen können. Diese lassen sich in einen Diskurs einspannen, der ein großes Als-Ob veranstaltet: Als Ob es auf den Einzelnen ankäme, als ob eine individuelle Ästhetik der Existenz zu einer gesellschaftlichen Triebkraft werden könnte. Die Leidtragenden sind genau diejenigen Einzelnen, die das ernst nehmen und glauben und am Ende sehen, dass es nie um sie ging, sondern um Kommunikation.

matt3224 Avatar
matt3224:#10188

>>10161
Nette Predigt, wenn auch ziemlich überschwänglich.
>>10185
Es sieht so aus, als wollte OP eher zu grundsätzlicher individueller Initiative ermutigen. Aber am Ende läuft es alles auf dasselbe hinaus.